Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Deutsche Sprache; Deutsches Meer; Deutsches Nationaltheater; Deutsches Pharao

73

Deutsches Meer - Deutsche Sprache (Geschichte)

admirals Deinhard), «Sophie», «Carola» und «Hyäne» das Gefecht bei Dar es-Salaam 25. Jan. 1889, die Expedition zur Bestrafung des Bambokostammes 11. bis 14. Febr. und die Erstürmung des Lagers des Araberführers Buschiri bei Bagamojo mit, wobei 1 Offizier und mehrere Mann fielen. Im Juli 1888 wurde an Stelle Caprivis der Viceadmiral Graf von Monts Chef der Admiralität. Im Sommer 1888 machte Kaiser Wilhelm Ⅱ. mit der Manöverflotte eine polit. Reise nach Rußland, Schweden und Dänemark. Am 18. Dez. 1888 fand bei Apia gegen die aufständischen Samoaner ein unglückliches Gefecht der Mannschaften von «Olga» und «Eber» statt, wobei der deutsche Verlust 16 Tote, darunter 2 Offiziere, und 37 Verwundete betrug. Am 16. März 1889 strandeten bei einem Orkan im Hafen von Apia der Kreuzer «Adler» und das Kanonenboot «Eber», wobei von ersterm 10 Mann, von letzterm 5 Offiziere und 70 Mann ertranken. Die Korvette «Olga» konnte auf Strand laufen, wodurch Schiff und Besatzung gerettet wurden. Am 19. Jan. 1889 starb Graf von Monts; Viceadmiral Freiherr von der Goltz wurde sein Nachfolger. Am 30. März 1889 fand die Teilung der Admiralität in das Oberkommando (von der Goltz) und das Reichs-Marineamt statt; zum Staatssekretär des letztern wurde der Konteradmiral Heusner ernannt, dem 1890 Konteradmiral Hollmann folgte.

Litteratur. von Borcke, Die brandenb.-preuß. Marine und die Afrikanische Compagnie (Köln 1864); Chevalier, La marine française et la marine allemande pendant la guerre 1870‒71 (Par. 1873); Livonius, Unsere Flotte im Deutsch-Französischen Kriege (Berl. 1871); Die dän. Ostsee-Eskadre 1864 (ebd. 1865, anonym); Tesdorpf, Geschichte der kaiserl. deutschen Kriegsmarine in Denkwürdigkeiten von allgemeinem Interesse (Kiel 1889); Batsch, Admiral Prinz Adalbert von Preußen (Berl. 1891); ders., Nautische Rückblicke (ebd. 1892); Dittmer, Katechismus der Kriegsmarine (Lpz. 1891); Stenzel, Helgoland und die deutsche Flotte (Berl. 1891); ders., Die deutsche Flotte und der Reichstag (ebd. 1892); von Werner, Die Kampfmittel zur See (Lpz. 1892); Batsch, Deutsch’ Seegras, ein Stück Reichsgeschichte (Berl. 1892).

Deutsches Meer, s. Nordsee.

Deutsches Nationaltheater in Hamburg. Für das Theaterwesen des 18. Jahrh. war Hamburg von hervorragender Bedeutung; es war das Standquartier der damals umherreisenden bessern Schauspieltruppen. Als die Unternehmung von Konrad Ernst Ackermann (s. d.) 1767 zu Grunde gegangen war, gründeten einige Kaufleute und der Schauspieldirektor Seyler eine neue Direktion, die als Musterdirektion angekündigt wurde und eine deutsche Nationalbühne in Aussicht stellte. Der Kern der Ackermannschen Truppe, Ackermann selbst, Ekhof, die Löwen, die Hensel u. a. waren die Träger des neuen Unternehmens. Gleichwohl war es nur von kurzer Dauer. Am 27. April 1767 war die Eröffnungsvorstellung und 4. Dez. desselben Jahres fand die letzte statt. Die Aufmerksamkeit von ganz Deutschland und dauerndes Andenken in der Theater- und Litteraturgeschichte sicherten dem D. N. die (als «Dramaturgie» gesammelten) Kritiken Lessings.

Deutsches Pharao, Spiel, s. Süßmilch.

Deutsche Sprache. Die D. S. gehört der german. Sprachfamilie an (s. Germanische Sprachen), ist also eine Schwestersprache des Friesischen, Englischen, Skandinavischen und des ausgestorbenen Gotischen. Sie gehört im besondern zu derjenigen Gruppe, die man als die westgermanische zu bezeichnen pflegt, ist also dem Friesischen und Englischen näher verwandt als dem Skandinavischen und Gotischen. Während früher der Name «deutsch» häufig, z. B. von Jakob Grimm in dessen «Deutscher Grammatik», auch im Sinne von «germanisch» gebraucht wurde, versteht man jetzt richtiger unter D. S. allein die Sprache des deutschen Volks. Eher ist man jetzt umgekehrt geneigt, statt «deutsch» «germanisch» zu sagen und spricht wohl von Germanisierung statt von Verdeutschung. Nach derselben Richtung, in welcher der Begriff des deutschen Volks heutzutage bestritten ist, ist es auch der Begriff der D. S. Die niederländ. Sprache rechnet man zwar wissenschaftlich zur deutschen, von der es nur eine Mundart ist; für gewöhnlich pflegt man jedoch das Niederländische als eine Schwestersprache des Deutschen anzusehen. Der Grund ist nicht etwa die polit. Trennung der Niederlande vom Deutschen Reiche; in Luxemburg, in der Schweiz, in Österreich wird ja auch deutsch gesprochen. Vielmehr ist daran schuld, daß die Niederländer auf Grund ihrer Mundart eine eigene Schriftsprache ausgebildet haben. Derartige mundartliche Schriftsprachen bestanden noch im 16. Jahrh. mehrere; es gab damals eine niedersächs., eine niederländ., eine kölnische, eine mitteldeutsche, eine schweiz. und eine österr.-oberdeutsche Schriftsprache. Aber diese alle sind mit Ausnahme der niederländischen in der jetzt gültigen neuhochdeutschen Schriftsprache aufgegangen. Dieser Prozeß drang in den Niederlanden einesteils wegen der polit. Selbständigkeit, mehr aber noch deshalb nicht durch, weil die niederländ. Schriftsprache eine Jahrhunderte lange, mächtige litterar. Vergangenheit (s. Niederländische Sprache und Litteratur) und eine dieser entsprechende Widerstandskraft besaß. Es muß aber daran festgehalten werden, daß die niederländ. Sprache nur eine Mundart des Deutschen ist, so gut wie das Plattdeutsch oder das Schweizerdeutsch. Die Grenzen jener Mundart decken sich dabei gar nicht einmal mit denen der niederländ. Schriftsprache. Die Mundart in dem nördl. Teile der Rheinprovinz steht dem Niederländischen ungleich näher als dem Schriftdeutsch, und andererseits wird in den Landschaften östlich vom Zuidersee unser Plattdeutsch gesprochen und gleichwohl wegen der polit. Zugehörigkeit zu Holland die niederländ. Schriftsprache als herrschend anerkannt.

Ⅰ. Geschichte der Deutschen Sprache. 1) Geschichte der gesprochenen D. S. war im Mittelalter und ist zum Teil noch heute eine Geschichte der Deutschen Mundarten (s. d.). Es gab im Mittelalter noch keine über den Mundarten stehende, allgemein anerkannte Schriftsprache, geschweige denn eine gemeindeutsche Umgangssprache. Die D. S. bestand damals nur in den verschiedenen Mundarten. Zwischen Schriftsprache und Mundart vermittelt unsere Umgangssprache, für welche erst in jüngster Zeit sich eine Norm bildet in der Sprache (richtiger Mundart) des gebildeten Norddeutschen. Seit einem halben Jahrtausend kann man den Einfluß der nunmehr einheitlichen Schriftsprache auf die gesprochene Sprache verfolgen. Diese selbst kennt man nur für die Gegenwart unmittelbar; für die Vergangenheit erschließt sie die Sprachwissenschaft aus den gedruckten oder geschriebenen Sprachdenkmalen.