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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutschland und Deutsches Reich (Zeitungswesen)

schiedenen Sprachen erschienen. Außerdem erschienen noch in 10 andern Staaten Zeitungen in deutscher Sprache. Die Post vertrieb in den J. 1867-77 mehr Zeitungen als innerhalb der voraufgegangenen 40 Jahre (1827-67). Die Statistik der Verlagsorte der Zeitungen in deutscher Sprache ergiebt eine Steigerung von (1824) 173 auf (1876) 996, in fremden Sprachen von 80 auf 361. 1881 betrug die Zahl sämtlicher Zeitungsverlagsorte bereits 1432. Neuere Berechnungen fehlen. Es erschienen in diesem Jahre 7596 Zeitungen in 31 Sprachen, darunter 5047 Stück (Ende 1878: 4680 Stück) in deutscher Sprache. Davon entfielen 2337 Stück auf polit. Blätter (Tages-und Wochenblätter) und 2082 Stück auf nichtpolit. Blätter (Fachblätter, Journale u. s. w.), die übrigen waren gemischten Inhalts: wie historisch-politische, litterarisch-politische, Börsenzeitungen und Handelsblätter. Mit nicht weniger als 582 Stück waren die Gesetzblätter, die amtlichen Verkündigungs-, Kommunal-, Polizei- und Anzeigeblätter sowie Bade- und Fremdenblätter vertreten. Die Zahl der neuerschienenen Blätter hat zu der Zahl der eingegangenen durchschnittlich jährlich im Verhältnis von 7 zu 5 gestanden. Begründet wurden in dem Zeitraum von 1700-1800 nur 89 Blätter, 1801-10 bereits 50, 1811-20: 119, 1821-30: 97, 1831-40: 219, 1841-50: 426, 1851-60: 482, 1861-70: 805, 1871-75: 737, 1876: 182, 1877: 198, 1878: 238, 1879: 339, 1880: 423. In dem einen Jahre 1880 sind mithin nahezu fünfmal soviel Zeitungen in deutscher Sprache begründet worden als im ganzen 18. Jahrh. (Heusinger, a. a. O., Beiheft 10, 1881.) Es kam im Königreich Preußen auf je 11374, im Königreich Bayern auf je 11736, im Königreich Württemberg auf je 8960, im Königreich Sachsen auf je 5738 E. eine Zeitung. Im altpreuß. Postgebiet beträgt die Zahl der durch die Post vertriebenen Zeitungen (ausschließlich derjenigen, welche den Beziehern unter Kreuzband vom Verleger direkt zugehen) in jedem Jahre durchschnittlich 4956120 Nummern.

Die Gesamtzahl der im Anfang 1887 im Deutschen Reiche erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften betrug 5748, und zwar in deutscher Sprache 5623, in fremden Sprachen 125. Von diesen 5748 Zeitungen und Zeitschriften entfielen auf Preußen 55 Proz., auf Bayern 13, auf Sachsen 11, auf Württemberg 7, auf Baden 4, auf Hessen 3, auf Elsaß-Lothringen 1 Proz. Anfang 1894 war die Zahl nach der amtlichen Preisliste auf 10489 und bis 1. April 1894 auf etwa 10600 gestiegen; von diesen erscheinen 7655 in deutscher Sprache, 1119 englisch, 822 französisch, 175 dänisch, 134 schwedisch, 113 polnisch, 118 italienisch, 93 holländisch, 72 russisch, 65 norwegisch, 56 spanisch, 20 czechisch, 29 ungarisch, 13 rumänisch, 10 griechisch, 8 wendisch, 7 vlämisch, 6 litauisch, 7 finnisch, 6 portugiesisch, 4 serbisch, 3 slowenisch, 2 kroatisch, 2 hebräisch, 2 isländisch, 2 lateinisch, je 1 arabisch, armenisch, bulgarisch.

Deutschland steht im Zeitungswesen unter allen Ländern der Welt mit Ausnahme der Vereinigten Staaten (12500) obenan, da England (1889) in seiner Muttersprache nur 3000, Frankreich nur 2819, Italien nur 1400, Österreich-Ungarn nur 1200, Rußland sogar nur 800 Zeitungen und Zeitschriften aufzuweisen hatte. Immerhin ist eine nennenswerte Zunahme namentlich der Zahl der kleinern und mittlern Provinzblätter Deutschlands neuerdings nicht zu vermerken. Das Bedürfnis an Tagesblättern, sowie insbesondere an unterhaltenden Zeitschriften scheint gegenwärtig in Deutschland befriedigt zu sein.

Unter den 818 im J. 1892 in Berlin erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften befinden sich 56 amtliche, 73 Blätter, die sich mit polit. und wirtschaftlichen Fragen beschäftigen, 217 sind der Kunst und Wissenschaft, und 296 der Industrie, dem Handel und der Landwirtschaft gewidmet; 36 dienen religiösen Zwecken: die übrigen 140 sind teils belletristische Journale, teils Vereinsorgane. Unter den polit. Zeitungen sind hervorzuheben: die bereits erwähnte 1722 gegründete "Vossische Zeitung", das älteste und größte Berliner Lokalblatt, ebenso im deutschfreisinnigen Sinne redigiert wie das weitverbreitete "Berliner Tageblatt" Eine entschieden fortschrittliche Richtung vertreten die "Volks-Zeitung" und "Berliner Zeitung" sowie die von Eugen Richter begründete und geleitete "Freisinnige Zeitung". Zu den hervorragenden Blättern Berlins gehören die 1848 gegründete "National-Zeitung", die Führerin der nationalliberalen Presse, und die von Fr. Bodenstedt begründete, insbesondere für die Schulreform kämpfende, im übrigen nach Parteilosigkeit strebende "Tägliche Rundschau"; ferner die freikonservative "Post", die gouvernementale "Norddeutsche Allgemeine Zeitung", die "Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung", der "Reichsbote", Vertreterinnen des konservativen Grundadels und der kirchlichen Orthodoxie, die in den letzten Jahren stetig an Boden gewinnende antisemit. "Staatsbürger-Zeitung", "Das Volk" und das politisch farblose "Berliner Fremdenblatt". An großen Berliner Zeitungen sind in den letzten Jahren eingegangen oder verschmolzen: das "Deutsche Tageblatt", die "Berliner Presse", zumeist infolge der ungeheuern Ausbreitung, die der nach amerik. Vorbilde eingerichtete, dem Geschmack der Massen huldigende "Berliner Lokalanzeiger" gewonnen hat. Eine Gegengründung Rudolf Mosses in Gestalt der (liberalen) "Berliner Morgen-Zeitung" erlangte in kurzer Zeit eine ähnliche Verbreitung, wie denn der Lokalanzeigertypus in der deutschen Zeitungswelt allgemeine Nachahmung fand. Fast jede größere deutsche Stadt hat seit einigen Jahren ein Blatt dieses Stils aufzuweisen, unter denen der "Frankfurter" und "Leipziger Generalanzeiger" sowie der "Breslauer Lokalanzeiger" und das "Hannöverische Tageblatt" zu nennen sind. Ultramontane Interessen vertreten in Berlin die "Germania" und das "Schwarze Blatt". Unter den socialdemokratischen Blättern ist der "Vorwärts" (Chefredacteur: Liebknecht) tonangebend für den größten Teil der Parteipresse Deutschlands. Hierzu treten die vorzugsweise den kaufmännischen Interessen dienenden, aber gleichzeitig polit. Blätter "Berliner Börsen-Zeitung", "Börsen-Courier", "Bank- und Handels-Zeitung", "Neue Börsen-Zeitung", "Aktionär", "Konfektionär" u. a.

Unter den größern polit. Zeitungen, welche außerhalb Berlins in Preußen erscheinen, sind die bedeutendsten der (nationalliberale) "Hannoversche Courier" und die (welfische) "Deutsche Volks-Zeitung" in Hannover, die (demokratische) "Frankfurter Zeitung", besonders einflußreich durch ihren Handelsteil, und das "Frankfurter Journal" in Frankfurt a. M., die "Hessische Morgen-Zeitung" in Cassel und der "Rheinische Courier" in Wiesbaden; in der Rheinprovinz in erster Linie die im In- und Auslande weit verbreitete "Kölnische Zeitung", die