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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Deutsch-Ostafrika

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Deutsch-Ostafrika

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Deutsch-Orawitza'

des Stuhlbezirks D. (44036 E.) im ungar. Komitat Krassó-Szörény, an der Zweiglinie Jassenova-Anina der Ungar. Staatsbahnen, ist Sitz einer Berghauptmannschaft, eines Bezirksgerichts, Steueramtes sowie einer Oberverwaltung der Österr.-Ungar. Staatseisenbahn-Gesellschaft, die hier großen Domänenbesitz hat, und hat (1890) 4115 E. (2318 Deutsche, 1409 Rumänen, 252 Magyaren), darunter 2500 Katholiken, 1472 Griechisch-Orientalische und 56 Israeliten; Post, Telegraph, Forstwirtschaft und Bergbau auf Gold, Silber, Eisen und Kupfer. – D. unmittelbar benachbart ist Walachisch- oder Rumänisch-Orawitza (Román-Orawitza), Klein-Gemeinde mit 2237 meist rumän.E. (495 Deutsche).

Deutsch-Ostafrika, die größte deutsche Kolonie, liegt zwischen dem 1. und 11.° südl. Br. und zwischen dem 30. und 40.° östl. L. von Greenwich, umfaßt einen Flächenraum von 940580 qm und grenzt im O. an den Indischen Ocean, im NO. und N. an Englisch-Ostafrika, im W. an den Kongostaat, im SW. an das brit. Centralafrika-Protektorat und im S. an die portug. Kolonie Mozambique. Zu D. gehört auch die Insel Mafia. D. zerfällt in zahlreiche Landschaften, deren Grenzen mehr ethnographisch als geographisch erkennbar sind. An der Küste und in deren Nähe liegen (von N. nach S. gezählt) folgende Landschaften: Das Dschaggaland am Kilima-Ndscharo mit Kahe und Aruscha; nördlich vom Pangani Pare, Usambara und Bondëi; zwischen Pangani und Wami Usegua und Nguru (Ungu); zwischen Wami und Rufiji (Rufidschi) Ukwere, Ukami, Usaramo, Khutu und westlich davon Usagara, an das sich südwestlich Mahenge, Uhehe und Ubena schließen; zwischen Rufiji und Rovuma das Hinterland von Kilwa, Lindi und Mikindani, welches von den Wangindo, Jao und Magwangwara und Masiti in zerstreuten und ineinander gemischten Bezirken bewohnt wird. Im tiefern Binnenland befinden sich an der großen Karawanenstraße, welche von Usagara nach dem Seengebiet führt, folgende Länder: Ugogo mit Urori im S., Ujansi, Unjamwesi mit Usukuma im N., Ulonongo im S. und Ugalla im W. Um die Ufer des Victoria-Njansa lagern im Halbkreis Karagwe mit Usiba (Uhaja und Jhangiro), Usambiro, Usmawo und Ututwa; hieran schließt sich in der Richtung nach dem Kilima-Ndscharo das Land der Massai an. An die Ostseite des Tanganikasees grenzen die Landschaften Urundi, Uhha, Ujiji, Uvinsa, Kawende und Fipa. Am Nordende des Njassasees liegt Konde, nördlich davon Ubena, Urori und Usasa. (Hierzu eine Karte: Deutsch-Ostafrika. S. auch die Karte: Äquatorial-Afrika, Bd. 1, S. 190.)

Oberflächengestaltung. Der plastische Aufbau D.s wird durch eine geschlossene Kette von Gebirgszügen charakterisiert, welche einen Teil des großen ostafrik. Randgebirges bilden und das Land meridional in zwei ungleiche Teile spalten: in das niedrige schmale, im S. sich verbreiternde Küstengebiet und in das hochgelegene, weit ausgedehnte Binnenland, das im N. und W. an drei mächtige Seeflächen grenzt. Die höchste Erhebung des Randgebirgszugs stellt das Gebirgsmassiv des Kilima-Ndscharo (s. d.) mit 6130 m dar; von ihm aus verlaufen nach S. und SO. die Berge von Pare (2070 m), Usambara (2000 m), Nguru (1170 m) und die Rubehoberge (2100 m) in Usagara, die Uruguruberge (2000 m) in Ukami und das Rufutugebirge (800 m) in Khutu; von hier aus steigen die Uheheberge bis ↔ zu dem 3000 m sich erhebenden Livingstone- und dem noch höhern (3600 m hohen) Beja-Gebirge am Nordende des Njassasees an. Das Binnenland ist eine 1200–1400 m ü.d.M. gelegene, teils sanft gewellte, teils von niedrigen Hügelgruppen durchsetzte Hochfläche, welche sich im W. und NW. allmählich bis zu den 1600–1750 m hohen Gebirgen am Tanganika und in Karagwe erhebt. – Der allgemeine geologische Charakter von D. spricht sich in dem Vorherrschen des Laterits (s. d.) aus. Die Küste umsäumt ein schmaler Streifen von Korallenkalk, an den sich in breiterer Ausdehnung vornehmlich Jurakalk, aber auch stellenweise Thonschiefer anschließt. Im Binnenlande bildet vielfach eine Schicht von Lehm oder Sandstein die Unterlage des Laterits. Das Gebirge besteht (nach den bisherigen Forschungen) fast ausnahmslos aus Granit, Gneis und krystallinischem Schiefer; nur in den Bergen am Tanganikasee und in Karagwe kommen mächtige Lager von rotem Sandstein und Thonschiefer vor; die Südseite des Kilima-Ndscharogebirges zeichnet sich durch massenhaftes Auftreten von vulkanischen Gesteinsarten aus. – Das Küstengebiet ist wasserreich; nur in den heißesten Monaten trocknen die kleinern Bäche aus. Fünf Hauptströme mit vielen Nebenflüssen entspringen dem Randgebirge und fließen dem Meere zu: der Pangani oder Ruvu, der Wami oder Mulondolwa, der Kingani oder Rufu, der Rufiji und der Rovuma (s. die betreffenden Artikel). Für die Schiffahrt ist keiner von diesen Flüssen auf größern Strecken wegen der Stromschnellen geeignet; nur der Rufiji ist zeitweise mit Dampfpinassen bis Korogero befahrbar. Das Binnenland wird nur von wenigen Flüssen durchzogen; in der heißen Zeit versiegen sie teilweise oder ganz; zu ihnen gehören der Gombe, der Ugalla und der Wembäre in Unjamwesi; der Malagarasi, der mächtigste unter ihnen, welcher in den Tanganika mündet, und der Kagera, der geographisch wichtigste, da in ihm die südlichste Quelle des Nils erkannt worden ist. – Außer den schon mehrfach genannten großen Seen, dem Victoria-Njansa, Tanganika und Njassa (s. die betreffenden Artikel) sind noch zu erwähnen: der Dschipe- und Natronsee (südöstlich und nordwestlich vom Kilima-Ndscharo), der Manjarasee und der Salzsee Eiassi in Massailand, der Urigisee in Karagwe (s. d.) und der Ritwa oder Leopoldsee (s. d.) zwischen dem Tanganika und Njassa.

Klima. Das Klima von D. ist tropisch. Im Küstengebiet giebt es zwei Regenzeiten: die erste von Mitte März bis Ende Mai, die zweite von Mitte Oktober bis Mitte Dezember; im Binnenland nur eine, vom November bis Ende April. Während in der Nähe des Meers und noch mehr im Gebirge die Trockenzeit durch gelegentliche Regenschauer gemildert wird, hat sie auf den Hochflächen des Innern eine Dauer von 6 Monaten. Die Temperaturen sind ungefähr ähnlich jenen von Sansibar, welche im Jahresmittel 25,5°C. betragen; im Binnenland steigern sich die Unterschiede zwischen Hitze und Abkühlung (45 und 8°C.). Die Regenzeit ist die heiße Jahreszeit, der Februar der heißeste Monat, während der Juli der kühlste ist. Im Küstengebiet wirkt nicht sowohl die Hitze, sondern der hohe Feuchtigkeitsgehalt der Luft (bis über 80 Proz.) erschlaffend auf die Nerven. Die Landstriche um den Victoria-Njansa haben ein vom übrigen D. etwas verschiedenes Klima; hier regnet es in allen Monaten, am stärksten im März, April und Mai und

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 221.