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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Diapason - Diapyem

Diapason, in der Musik der griech. Name für die Oktave (s. d.). Weil diese durch Verkürzung der Saiten- und Rohrlängen entsteht, haben die Franzosen das Wort D. beim Instrumentenbau und in weiterer Ausdehnung sogar bei der Stimmung der Instrumente angewandt, sodaß D. nicht nur Mensur und Orgelregister, sondern auch Kammerton und Stimmgabel bezeichnen kann.

Diapedesis (grch.), das Wandern der weißen Blutkörperchen durch die unverletzte Wandung der feinsten Blutgefäße hindurch, worin nach den Untersuchungen von Cohnheim das eigentliche Wesen der Entzündung (s. d.) beruht; bei abnorm gesteigertem Blutdruck können auch die roten Blutkörperchen durch die intakten Gefäßwandungen hindurchwandern und so Anlaß zu mehr oder minder umfangreichen parenchymatösen Blutungen geben.

Diapente (grch.), s. Quinte.

Diaphan (grch.), durchscheinend. Diaphanbilder oder Diaphanien sind bildliche Darstellungen, die erst beim Hindurchsehen gegen helles Licht zur Wirkung kommen. Gewöhnlich bezeichnet man mit diesem Namen Nachahmungen von Glasgemälden auf Fenstern, bestehend in illuminierten oder buntfarbig gedruckten Lithographien, die mittels eines klaren Firnisses (Diaphanlack) durchscheinend gemacht und auf eine Glastafel oder zwischen zwei Glastafeln geklebt sind. Diaphanbilder nennt man oft auch die Lithophanien (s. d.). Diaphanradierungen sind ein Erzeugnis der Photographie und werden hergestellt, indem man auf einer mit Ätzgrund überzogenen und durch Anräuchern geschwärzten Glasplatte mit der Radiernadel durch die Striche das Glas freilegt und dann diese auf photographisch präpariertem Papier liegende Platte dem Tageslichte aussetzt, sodaß die Radierung ebenso kopiert wird wie das negative Glasbild einer gewöhnlichen Photographie. (S. auch Ceraphanien.)

Diaphanien, s. Diaphan.

Diaphanität, Diaphanometer, s. Durchsichtigkeit.

Diaphanoskop (grch.), s. Beleuchtungsapparate, medizinische.

Diaphonie (grch., "Zweistimmigkeit"), in der altgriech. Musik die Dissonanz (im Gegensatz zur Symphonie oder Konsonanz), wurde im Mittelalter bei den ersten Versuchen der Mehrstimmigkeit zur Bezeichnung eines in Quinten- oder Oktavenparallelen laufenden zweistimmigen Satzes gebraucht (s. Hucbald und Organum).

Diaphorese (grch.), die Hautausdünstung, das Schwitzen (s. Ausdünstung und Schweiß).

Diaphoretische Mittel (Diaphoretĭca, auch Sudorifica), schweißtreibende Mittel. Sie werden gegen verschiedenartige krankhafte Zustände mit großem Vorteil benutzt. Namentlich leistet das diaphoretische Kurverfahren bei allen Erkältungskrankheiten und rheumatischen Affektionen, bei chronischen Hautleiden, bei Fettleibigkeit, bei übermäßigen Darmentleerungen und manchen Formen der Wassersucht sowie als beruhigend und erschlaffend wirkendes Mittel bei krampfhaften Affektionen der verschiedensten Art recht ersprießliche Dienste, doch erfordert seine Anwendung bei allen schwächlichen, sehr erregbaren sowie mit Lungen- und Herzleiden behafteten Kranken große Vorsicht. Das einfachste und sicherste Mittel, Schweiß hervorzurufen, besteht in Einhüllungen in wollene Decken oder Betten und dem gleichzeitigen Genuß von reichlichem warmen Getränk (Wasser, Flieder-, Linden- oder Kamillenthee). Von den medikamentösen Mitteln werden zu dem gleichen Zweck das essigsaure Ammoniak, manche ätherisch-ölige und spirituöse Mittel, die Ipecacuanha sowie das Opium und seine Präparate benutzt; eine besonders intensive und anhaltende Schweißabsonderung bewirkt das Pilokarpin (s. d.). Zu den kräftigsten D. M. gehören endlich auch die warmen Bäder, die feuchtwarmen Einpackungen des Körpers, die irisch-röm. Bäder und die Dampfbäder, welche letztern sich namentlich gegen alle Erkältungskrankheiten einen wohlverdienten Ruf erworben haben.

Diaphorit, s. Schilfglaserz.

Diaphragma (grch.), in der Anatomie das Zwerchfell (s. d.); Diaphragmitis, die Entzündung desselben. - In der Optik ist D. oder Blendung der kreisförmige schwarze Ring, womit man die Glaslinsen so bedeckt, daß nur ihr wirksamster, d. i. ihr centraler Teil die Lichtstrahlen durchlassen kann. Das D. hält also die störenden Randstrahlen von ihrer Mitwirkung bei der Entstehung der Linsenbilder ab. - In der Physik heißt D. bei den konstanten, einfachen Voltaschen Ketten oder Elementen die poröse Scheidewand, welche die beiden Flüssigkeiten voneinander trennt, den elektrischen Strom aber durchläßt. (S. Galvanisches Element.)

Diaphtherin, Oxychinaseptol, Verbindung von einem Molekül Oxychinolin mit einem Molekül phenolsulfonsaurem Oxychinolin, bernsteingelbe, durchsichtige, sechseckige Krystalle, die bei 85° C. schmelzen und gepulvert sich in gleichen Teilen Wasser lösen. Das D. besitzt hervorragende antiseptische Eigenschaften; es ist ein zuverlässiges und relativ ungiftiges Antiseptikum.

Diaphthora (grch.), Verderbnis (besonders der Luft), Fäulnis, Absterben; Diaphthoroskop, Apparat zur Untersuchung der Luftverderbnis.

Diaphyse (grch.), in der Anatomie das Mittelstück der langen röhrenförmigen Knochen, welches aus kompaktem Knochengewebe besteht und in seinem Innern die mit Fett oder Markmasse ausgefüllte Markhöhle enthält, im Gegensatz zu den beiden Gelenkenden, den sog. Epiphysen oder Apophysen, welche von schwammiger Knochensubstanz gebildet werden und die überknorpelten Gelenkflächen tragen. Nach vollendetem Wachstum verschmelzen die bis dahin durch eine Knorpelschicht voneinander getrennten Dia- und Epiphysen völlig miteinander.

Diaplasma (grch.), Breiumschlag, Bähung oder Salbung des Körpers.

Diapnoe (grch.), Hautausdünstung, Transspiration; Diapnoĭca, gelinde schweißtreibende Mittel.

Diaporia oder Pentenisia, im Altertum Pelopsinseln oder Aspis, Inselgruppe im WNW. von Ägina, zur griech. Eparchie Korinth gehörig.

Diapsephisis, im alten Athen ein Verfahren, wodurch dem Eindringen Unberufener in das attische Bürgerrecht begegnet werden sollte. An einem bestimmten Tage wurden die Namen aller aktiven Gemeindemitglieder öffentlich vorgelesen und bei jedem gefragt, ob er ein echter attischer Bürger sei oder nicht. Jeder Anwesende konnte seine Zweifel äußern. Wurden solche erhoben, so erfolgte eine Erörterung für und wider, dann die Abstimmung.

Diaptose (grch.), Irrtum; Zwischenfall (in der Heilkunde).

Diapyem (grch.), Eiterung, Geschwür, besonders in den Lungen; Diapytĭca, Eiterung befördernde Mittel.