Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

309
Diktatorisch - Diligenz
Interrex in den Komitien in Anknüpfung an die
alte eine nene Art Diktatur zur Einrichtung des
Staates (rsipudlicae constituenäae cauza,) anf so
lange, als erforderlich sei, also ans nnbestimmte
Zeit, übertragen ließ, welches Amt er drei Jahre
nachher freiwillig niederlegte. Aber diese, wie die
auf gleiche Weise bezeichnete Diktatur Inlins Cäsars
war in der Form zum Teil, im Wesen gänzlich von
der alten Diktatur verschieden und in der That nur
ein Titel sür die so gut wie unbeschränkte Gewalt
beider Männer. Nach Cäsars Tode ward die Dik-
tatur 44 v. Chr. durch Antonius für immer aufge-
hoben, und Octavian schlug sie aus, als sie ihm das
Volk wieder antrug.
Gegenwärtig versteht man nnter Tittatnr
und diktatorischer Gewalt überhaupt eine in
ihren Befugnissen ganz oder doch größtenteils un-
bcschränlte, nicht aus dem geltenden Staatsrechte
beruhende Macht, welche sich über die verfassungs-
mäßigen Autoritäten stellt; beim ehemaligenRegens-
bnrger Reichstage sowie beim Deutschen Bundes-
tage die amtliche Mitteilung aller Eingaben und
Anträge an die Gesandten der Reichsstädte oder
Vundesglieoer.
Diktatorisch (lat.), gebieterisch.
Diktatur, s. Diktator.
Diktaturparagraph, in Elsaß-Lothringen der
§. 10 des Verwaltungsgesetzes vom 30. Dez. 1871,
durch welchen der Oberpräsident ermächtigt wurde,
"bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit alle Maß-
regeln ungefäumt zu treffen, welche er znr Abwen-
dung der Gefahr für erforderlich hält". Über die
Grenzen dieser dnrch Gesetz vom 4. Inli 1879 dem
Statthalter übertragenen Machtbefugnis gehen die
Ansichten auseinander.
Dikte, der alte Name eines mächtigen, ungefähr
hufeisenförmigen Gebirgszugs im östl. Teile der
Insel Kreta, jetzt L a s i t h i oder L a s i o t h i k a. Der
höchste Gipfel, der sich südöstlich von der uralten
Stadt Lyttos 1680 m hoch erhebt, wnrde von den
Umwohnern bis in die Zeit Konstantins d. Gr. als
die Gebnrtsstätte des Zens betrachtet. Im weitern
Sinne wurde der Name D. auch auf den östlich von
Hierapytna ^ sich Hinzichenden Gebirgszug ausge-
dehnt, der die östlichste.Halbinsel Kretas (jetzt Sitia)
bildet und in seinem südwestl. Teile jetzt Aphenti-
vuno, im nordöstlichen Modi genannt wird.
Diktieren (lat.), einem andern etwas vorspre-
chen, damit dieser es Wort für Wort nachschreibt'
übertragen: einem etwas aufzwingen, zuerkennen,
z. V. einen Frieden, Vertrag, eine strafe.
Diktiou (lat.), Schreibart, Ausdrucksweife.
Diktyltis (grch.), die Netzhautentzündnng (s. d.).
Diktynua, Göttin, s. Vritomartis.
Diktys, von Kreta, soll als Gefährte des Ido-
meneus vor Troja die Begebenheiten dieses Krieges
in Form eines Tagebuchs ("Ii^i6in6i'i3") aufge-
zeichnet haben, das angeblich in seinem Grabe zur
Zeit des Kaisers Nero aufgefunden wurde, aber,
wenn es überhaupt zuerst griechisch geschrieben war,
frühestens in der zweiten Hälfte des 1. oder im
2.Jahrh. n. Chr. abgefaßt sein kann. Das Werk wurde
von einem weiter nicht bekannten Römer, Lucius
Septimius (zu Ende des 3. und zu Anfang des
4. Jahrh.), nach seiner Angabe ins Lateiuischeüber-
sctzt, wahrscheinlich aber von ihm selbst verfaßt nnd
vielfach, namentlich von den spätern Byzantinern,
denutzr. Früher erschien es oft znsammen mit der
Schrift des Dares (s. d.). Ausgaben haben Dederich
(Bonn 1833) und Meister (Lpz. 1872) geliefert. -
Vgl. Körting, D. und Dares (Halle 1874); Dünger,
Dittys-Septimius. über die ursprüngliche Abfas-
sung u. s. w. (Dresd. 1878) und Collilieux, ^wä^
8ui-I)ictv8 ä6 (^iöt6 6t Dai'68 äe I^n^zio (1887).
Dilatäbel (neulat.), dehnbar; I^iuöillo äillU^
dü68, im hebr. Alphabet Vnchstaben, die znr Füllung
der Zeilen eine größere Raumallsdehnung annehmen
tonnen.
Dilatation (lat.), die Erweiterung, besonders
einer Wunde oder eines Kanals, wozu man sich
des Dilatatoriums (s. d.) bedient.
Dilatatorlum (lat.) oder Dilatator, in der
Chirnrgie ein Instrument oder eine Vorrichtung,
um widernatürlich verengte Kanäle oder Wund-
öffnungen zu erweitern und offen zu erhalten. Man
bedient sich dazu teils metallener, meist federnder
Instrumente, teils mancher anfquellender Körper,
die in getrocknetem Znstand in den verengten Kanal
eingeschoben werden und durch Aufnahme von
Flüssigkeit ans den benachbarten Geweben so start
quellen, daß sie mechanisch den betreffenden Kanal
allmählich erweitern. Hierher gehören die Darm-
saiten, der Prehschwamm und die aus Algenarten
bereiteten und stark hygroskopischen Laminariastifte.
Dilation (lat.; frz. äül^i), Aufschub, Verzöge-
rung, Verschleppung; in der ältern Nechtssprache
die vom Gesetz, vom Gegner (Gläubiger) oder vom
Gericht gewährte Frist oder Nachfrist zur Vornahme
einer Nechtshandlnng (Erfüllung, Zahlung, Prozeh-
akt). Im frühern gemeinrechtlichen Civilprozesfe ver-
stand man unter dilatorischen Fristen nnd
Ladungen, im Gegensatz zu peremtorischen, solche,
auf deren Nichtbefolgung ein Rechtsnachteil in der
Sache selbst nicht gesetzt war; und andererseits
wnrden dilatorische Nechtsbehelfe und Ein-
reden solche genannt, welche anf Hinhaltung des
Prozesses oder auf Abweisung des Klageanspruchs
zur Zeit abzielten. Beispiel: Der Beklagte beruft
sich
Dilatometer (lat.-grch.), ein thermometerartig
gestaltetes Alkoholomcter (s. d.), in das die zu prü-
fende Alloholmischung eingebracht und bis zum
Siedepunkt erhitzt wird. Die dabei erfolgende Aus-
dehnung ist ein Maß für den Alkoholgehalt, der
direlt an der Skala abgelesen wird. (S. anch Aus-
dehnung, Bd. 2, S. 142a.) Kation.
Dilatorisch, aufschiebend, verzögernd, vgl. Di-
Dilektiou (lat.), Liebe, Znneigung; Eure D.,
soviel wie Eller Liedden.
Dilemma (grch.), eine Lage, die uns bloß zwischen
zwei Möglichkeiten die Wahl läßt, von denen die
eine nicht annehmbarer erscheint als die andere; die
Logik nennt so die Form der Widerlegung, die darin
besteht, daß man zeigt, das zu Widerlegende könne
nur unter einer von zwei gleich unmöglichen Vor-
aussetzungen richtig sein.
Dilettaut (vom ital. äileu^re, d. h. lieben),
Liebhaber einer Kunst oder Wissenschaft, der sich
blos; zum Vergnügen damit beschäftigt; dazu das
Substantivum Dilettantismus.
Dilettautettbühlle, s. Liebhabertheater.
Diligence (frz., spr. -ischängß), Sorgfalt, Emsig-
keit; dann eine Art von PostPersonenwagen.
Diligeuz (lat. äiligeutich, Sorgfalt; im bür-
gerlichen Necht die Sorgfalt, welche ein Kon-
trahent dem andern gegenüber anzuwenden hat
(s. OulM); im Handelsverkehr wird nach Art. 282
des Handelsgesetzbuchs die Sorgfalt eines ordenv