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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Diligenzeid - Dillenburg
lichen Kaufmanns gefordert. Im Wechselverkebr
nennt man D. die wechselmäftige Sorgfalt, welche
der Wechselnehmer bei den im Wechselrechte vor-
geschriebenen Solennitäten zu beobachten bat, sie
besteht in der Pflicht zur Präsentation (Protest-
erhebung) und Notifikation (s. d.).
Diligönzeid, nach früherm dentschen Necht der-
jenige Eid, welchen jemand znr Bestärkung dessen,
daß er in einer Nechtsangclcgenheit sich mit Sorgfalt
nach Leben oder Aufenthalt einer andern beteiligten
Perfon erkundigt habe, zu leisten hatte. Ein solcher
Eid wurde namentlich in Eheprozessen wegen bös-
licher Verlassung, bei Aufgeboten und bei Verschol-
lenheitserklärungen erfordert. Die Deutsche Civil-
prozehordnung kennt einen derartigen Eid nicht.
Dilke (fpr. dilk), Charles Wentworth, engl. Alter-
tumsforscher und Kritiker, geb. 8. Dez. 1789, arbeitete
zunächst für verschiedene Zeitschriften, bis er 1830
das "^tliLnakum" (s. d.) ankaufte, dessen Leitung er
selbst übernahm, und das er zu dem ersten kritischen
Journal Englands erhob. 1846 trat er zur Leitung
der neugegründeten "l)aii.v!<6>v8" über, zog sich
aber nach 3 Jahren zurück. Er schrieb über das
engl. Drama und gab eine Sammlung von ältern
Theaterstücken heraus (6 Bde., Lond. 1814). Er
starb 10. Aug. 1864. Eine Sammlung seiner ein-
zelnen Publikationen mit einer biogr. Skizze gab
sein Enkel Charles D. u. d. T. "^ne i^pei-g ot' a.
critio" (2 Bde., Lond. 1875) heraus.
Sir Charles Wentworth D., Sohn des vo-
rigen, geb. 18. Febr. 1810, machte sich einen Namen
durch seine Förderung gemeinnütziger Unternehmun-
gen. Er bildete sich zum Juristen aus, wurde dann
unter seinem Vater Mitarbeiter am "^t1l"na6nin",
zu dessen Hebung er viel beitrug. Vor allem wirkte
er für den Plan, Gewerbeausstellungen in England
zu veranstalten, der zuerst zu einer brit. Industrie-
ausstellung 1847 und schließlich zu der großen Lon-
doner Weltausstellung von 1851 führte. Sowohl
bei ihr wie bei der fpätern von 1862 gehörte er zu
den fünf leitenden Ausschuhmitgliedern. 1862 wurde
er zum Varonet erhoben und starb 10. Mai 1869
auf einer Reise in Petersburg.
Sir Cbarles Wentworth D., Sohn des vo-
rigen, Schriftsteller und radikaler Politiker, wurde
4. Sept. 1843 in London geboren. Er studierte in
(5ambridge und untcrnahmi866-67 eine große Reise
um die Erde, deren Ergebnisse er in "(^relUoi'Vi'itaiu -.
a rkeorä ot' travel iu NnFii8Q-8p6Hicin^ connti'ieL,
veröffentlichte. Das Werk, das einen durchfchlagen-
den Erfolg errang, behandelt in lebendiger Darstel-
lung seinen Gegenstand vom Gesichtspunkt engl.
Wettherrschaft und des Einflusses des Klimas auf
die Nasse, der Nasse auf die Regierungsform. Schon
1868 wurde D. von dem Londoner Stadtteil Chelsea
ins Unterhaus gewählt und trat hier den extremen
Radikalen bei. (^eine offen kundgegebene republika-
nische Gesinnung, die sich vornehmlich in seiner Agi-
tation gegen die königl. Civilliste zeigte, schuf ihm
dei den Neuwahlen von 1874 einen schweren Stand.
Dennoch wurde er mit großer Mehrheit gewählt
und bewäbrtc sich als eins der begabtesten Mitglieder
der Opposition, sodaß Gladstone ihn, als er Mai
1880 die Leitung der Geschäfte wieder übernahm,
zum Unterstaatssetretär des Auswärtigen ernannte.
Mit großem Talent wußte D. in dieser Stellung
für die Maßregeln der Negierung einzutreten, und
1882 kam er als Präsident des Lokalverwaltungs-
amtes in das Kabinett. Vor allem wirkte er für
Besserung der Wohnungs- und Gesundheitsverhält-
nisse in den arbeitenden Klassen. Bei den Neuwah-
len 1885 behauptete er seinen Parlamentssitz, trat
aber mit dem Ministerium Gladstone aus dem Amt
und blieb wegen eines gegen ihn schwebenden skan-
dalösen Ehescheidungsprozesses aus dessen neuem
Kabinett ausgeschlossen. Zuerst freigesprochen, wurde
D. Juli 1886 wegen Ehebruchs gerichtlich verurteilt;
er verlor seinen Wahlsitz, und seine polit. Rolle
schien damit zunächst ausgespielt. Bei den allge-
meinen Wahlen im Juli 1892 wurde er jedoch mit
großer Majorität in Gloucestershire wieder ins
Unterhaus gewählt. Außer seinem großen Reise-
werk veröffentlichte D. die geistreiche polit. Sa-
tire "Mo t'ali ot' priueö I?1oi'03tan c>s ^louaco"
(Lond. 1874), gab die Schriften seines Großvaters
heraus (s. oben) und schrieb "^iio presout poLitiou
of Nuropean poUtie8" (Lond. 1887), "'Iiw Lriti8ii
ai'in^" (ebd. 1888), "?i'0l)Ioui8 ok 6r6llt6i' Vritaill"
(2 Bde., ebd. 1890), das die Ideen eines frühern
Werkes weiter ausführt, und "Impei'ial Dotence"
(mit Wilkinson, ebd. 1892).
Dill, Pflanzengattung, f. ^netlium.
Dill, rechter Nebenfluß der Lahn, entspringt auf
dem Westerwald, durchstießt in vorherrschend südl.
Laufe den Dillkreis im preuß. Reg.-Vez. Wiesbaden
und mündet nach 68 Km Lauf bei Wetzlar. Die
Eisenbahn benutzt ihr Thal bis Haiger.
Dill, Ludw., Marinemaler, geb. 2. Febr. 1848 zu
Gernsbach in Baden, widmete sich in Stuttgart 1865
dem Studium der Architektur. Nach dem Deutsch-
Französischen Kriege von 1870 und 1871, den er als
Offizier mitgemacht hatte, begab er sich 1872 zu
Piloty nach München, wo er sich dann dauernd
niederließ. Für seine Bilder hat er mit besonderm
Glück die Vorwürfe aus Venedig gewählt. Eine
venet. Kanalansicht befindet sich in der Galerie zu
Stuttgart, eine venet. Marine in Mannheim, Aus
den venct. Lagunen in Dresden; Venetianisches
Fifcherboot und eine Marine ehedem in der Galerie
Hoch zu München. Anf der Internationalen Kunst-
ausstellung 1891 zu Berlin sah man von ihm die
Gemälde: Kanal in Chioqgia, Abend in Venedig;
1892 zu München: Die Nordsee bei Ostende, Siesta,
Früher Morgen in Venedig.
^)t'ii., bei botan. Namen Abkürzung für Joh.
Jak. Dillenius (s. d.).
Dillenburg, Kreisstadt im Dillkreis des preuß.
Reg.-Bez. Wiesbaden, 75 km im N. von Wies-
baden, an der zur Lahn fliehenden Dill, an den Aus-
läufern des Westerwaldes, an der Linie Deutz-Gießen
und der Nebenlinie D.-Straßebersbach (15,9 km)
der Preuß. Staatsbahnen, ist Sitz des Landrats-
amtes, Amtsgerichts (Landgericht Limburg), einer
Forstinspektion, Verginspektion, Neichsbankneben-
stelle, Handelskammer fürden Dillkreis,Ober^Wester-
waldkreis und den Kreis Viedenkopf, zweier Ober-
förstereien und hat (1890) 3897 E., darunter 371 Ka-
tboliken; Postamt erster Klasse, Telegraph, evang.
Kirche mit Gruft der Fürsten von Nassau-Dillen-
burg, tath. Kapelle, Baptisten- und Methodisten-
Bethaus; königl. Gymnasium, 1537 als Lateinische
Schule gegründet, 1874 zu einem vollständigen
Gymnasium erweitert (Direktor Schmidt, 12Lch5N,
6 Klassen, 140 Schüler), königl. Lehrerseminar, Berg-
schule, böhere Mädchenschule; königl. Landgestüt,
Vorschußverein, städtisches Hospital, Hochdruckwas-
serleitung ; Bergbau auf Eisenstein, Braunkohlen und