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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Dillöl; Dillon; Dillon; Diloba caeruIeocephala; Dilolo; Dilthey

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Dillöl - Dilthey

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Dillmann'

folgte 1854 einem Rufe nach Kiel und wurde hier 1860 ord. Professor der orient. Sprachen. 1864 ging er als ord. Professor der alttestamentlichen Exegese nach Gießen, 1869 als Nachfolger Hengstenbergs an die Universität Berlin und wurde 1877 ordentliches Mitglied der königl. Akademie der Wissenschaften. Ein vorzüglicher Kenner der äthiop. Sprache, schrieb D. eine «Grammatik der äthiop. Sprache» (Lpz. 1857), ein «Lexicon linguae aethiopicae» (ebd. 1865), eine «Chrestomathia aethiopicae» (ebd. 1866), und gab von äthiop. Schriften heraus: «Das Buch Henoch» (im Urtext, ebd. 1851; in deutscher Übersetzung mit Erklärung, ebd. 1853), das «Buch der Jubiläen» oder die «Kleine Genesis» (deutsch in Ewalds «Jahrbüchern der biblischen Wissenschaft», Bd. 2 u. 3, Gött. 1849–51; im Urtext, Kiel 1859), das «Buch Adam» (deutsch in Ewalds «Jahrbüchern», Bd. 5, Gött. 1853), die äthiop. Übersetzung des Alten Testaments (Lpz. 1853-72), die «Ascensio Isaiae» (äthiopisch und lateinisch, ebd. 1877). Außerdem veröffentlichte D. ein «Verzeichnis der abessin. Handschriften des Britischen Museums (Lond. 1847), der Bodleianischen Bibliothek (Oxf. 1848), der königl. Bibliothek zu Berlin» (Berl. 1878), zahlreiche Abhandlungen in den Denkschriften und Monatsberichten der Berliner Akademie, und als Präsident des fünften internationalen Orientalistenkongresses die «Verhandlungen» desselben (2 Bde., ebd. 1882). Ferner erschienen von D. Kommentare in neuen Bearbeitungen zum Buch Hiob (4. Aufl., Lpz. 1891), zur Genesis (6. Aufl., ebd. 1892), zu Exodus und Leviticus (2. Aufl., ebd. 1880), zu Numeri, Deuteronomium und Josua (2. Aufl., ebd. 1886), zu Jesaia (5. Aufl., ebd. 1890).

Dillöl (Oleum Anethi), ein in den Samen von Dill, Anethum graveolens L., enthaltenes und durch Dampfdestillation zu gewinnendes ätherisches Öl, das in seinen Eigenschaften dem Kümmelöl ähnlich ist. Es besteht aus 10 Proz. eines Terpens (s. d.), C10H16, vom Siedepunkt 155–160°, 60 Proz. eines Terpens vom Siedepunkt 170–175° und 30 Proz. Carvol. Das D. besitzt ein außerordentlich hohes Rotationsvermögen, nämlich +206°, im frischen Zustande ein spec. Gewicht von 0,892, in altem Öl steigt dies bis auf 0,95. Es beginnt bei 155°C. zu destillieren, wobei der Siedepunkt bis auf 230° steigt. Es findet Verwendung in der Parfümerie und in der Liqueurfabrikation. Im Großhandel wird 1 kg D. mit 16 M. berechnet.

Dillon (spr. dill'n), John Blake, irischer Politiker, geb. 1816 in Mayo, studierte in Dublin und beteiligte sich seit 1842 eifrig an der Repealagitation (s. d.), zu deren Förderung er mit Davis und Duffy die Zeitung «The Nation» gründete. 1816 war er einer der Mitbegründer der Jung-Irland-Partei (s. Irland und Junges Europa), 1848 nahm er an O'Briens Aufstandsversuche in Tipperary hervorragenden Anteil und entkam nach dessen Mißlingen nach Neuyork, wo er als Advokat praktizierte, bis er infolge der 1855 erlassenen Amnestie nach Dublin zurückkehren konnte. 1856 für Tipperary ins Unterhaus gewählt, war D. bemüht, eine Verbindung zwischen den engl. Radikalen und den irischen Nationalisten zu stande zu bringen, starb indes bald nach den Anfängen seiner parlamentarischen Thätigkeit 5. Sept. 1860.

Sein Sohn, John D., einer der Hauptführer der irischen Nationalisten, wurde 1851 in Neuyork geboren und empfing seine Ausbildung zum ärztlichen ↔ Beruf an der Universität in Dublin. Nach dem Entstehen der Home-Rule-Partei zu Ende der siebziger Jahre trat er mit leidenschaftlichem Eifer in die polit. Bewegung ein. 1880 für Tipperary ins Unterhaus gewählt, machte sich D. dort bald vor allen andern Parteigenossen bemerkbar durch den fanatischen Ernst seiner nationalistischen Ideen, wie durch das Feuer der Beredsamkeit, womit er sie vertrat. 1881 wurde er wegen seiner aufrührerischen Reden verhaftet, aber seiner leidenden Gesundheit wegen in Freiheit gesetzt. Er trat trotz seiner noch weiter gehenden Forderungen Parnell zur Seite und unterzeichnete 1882 mit diesem und Davitt das Manifest gegen die Mordthaten der «Unbesieglichen». Krankheit zwang ihn 1883 zur Niederlegung seines Unterhausmandats, doch wurde er nach längerer Erholungsreise 1885 wiedergewählt. 1887 sowohl wie auch im folgenden Jahr wurde er wegen seiner dauernden leidenschaftlichen Agitation für die irischen Forderungen zu Gefängnisstrafen verurteilt, 1890, als wieder gegen ihn und O'Brien eine Anklage schwebte und er gegen Kaution freigelassen war, ließ er diese im Stich und begab sich mit seinem Genossen nach Amerika. Von dort aus hatten beide Jan. 1891 mit Parnell eine Zusammenkunst in Paris, um die im Dez. 1890 eingetretene Spaltung in der irischen Partei beizulegen, jedoch ohne Erfolg. Er schloß sich nun den Antiparnelliten an und wurde 1892 wieder ins Unterhaus gewählt.

Dillon (spr. dijóng), Marguerite Andrée Elisa, zweite Gemahlin Guizots (s. d.).

Dilŏba caeruIĕocephăla L., s. Blaukopf.

Dilolo, See in Äquatorialafrika, in 11° 30' südl. Br. und 22° 30' östl. L., in 1445 m Höhe, auf einer Wasserscheide zwischen dem Kongo- und Sambesigebiete, von Livingstone im Febr. 1854 entdeckt, nach dessen Dafürhalten er höchstens 8–13 km lang und 4–5 km breit ist. Er ist sehr reich an Fischen und Flußpferden, und überflutet zeitweilig das ihn rings umgebende Sumpfland, das sich nach N., dem Kassai, und auch zuweilen nach S., dem Liba-Sambesi zu, entwässert.

Dilthey, Wilhelm, Philosoph, geb. 19. Nov. 1834 zu Biebrich am Rhein. Er studierte histor. und philos. Wissenschaften in Heidelberg und Berlin und habilitierte sich sodann, nachdem er kurze Zeit als Adjunkt am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin thätig gewesen war, an der dortigen Universität. 1866 wurde er als ord. Professor der Philosophie nach Basel, 1868 nach Kiel, 1871 nach Breslau und 1882 nach Berlin berufen, wo er auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften wurde. Nach der Mitwirkung bei der Publikation «Aus Schleiermachers Leben in Briefen» (4 Bde., Berl. 1860–63) erschien «Leben Schleiermachers» (Bd. 1, ebd. 1870) und «Einleitung in die Geisteswissenschaften» (Bd. 1, Lpz. 1883), worin eine Grundlegung für das Studium der Gesellschaft und Geschichte zu geben versucht wird. Unter Ablehnung jeglicher Metaphysik soll durch das Zusammenwirken der Psychologie und der Gesellschafts- und Geschichtswissenschaft auf erkenntnistheoretischer Grundlage sich ein Zusammenhang der Geisteswissenschaften neben den Naturwissenschaften aufbauen. Weitere Schriften D.s sind: «Das Schaffen des Dichters, Bausteine zu einer Poetik» (in den «Philos. Aufsätzen»; zu Ehren E. Zelters, Lpz. 1887); «Über die Möglichkeit einer allgemeingiltigen pädagogischen Wissenschaft» (in den «Sitzungs-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 313.