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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Directeur - Dirichlet
Pfande, bei dem Depositum (s. d.), bei der Geschäfts-
führung (s. d.) und den Ansprüchen aus der Vor-
mundschaft. Nicht in dieser Weise werden die gleich-
wertigen Klagen der gegenseitigen Obligationen
unterschieden, wie die Klagen des Verkäufers und
Käufers, des Vermieters und Mieters.
virsotsur (frz., fpr.-röhr), Leiter, Vorsteher,
auch soviel wie Beichtvater (s. d.); virectrics (spr.
-trihh), Leiterin, Vorsteherin, besonders eines kauf-
männischen Geschäfts; im Befestigungswesen die
Mittellinie einer Schießscharte, welche die Haupt-
richtung angiebt.
Dirökt (lat.), gerade, geradezu, unmittelbar;
direkt in der Astronomie, s. Nechtläufig.
Direkte Nede (lat. oi^tio äiiecw), die Wieder-
gabe der Worte jemandes in der Form, wie er sie
selbst gesprochen hat. Der Gegensatz ist die in-
direkte Nede (oi-atio inäirecta).
Direkter Schutz, der gegen ein freistehendes
Ziel gerichtete stäche Schuß (f. Schießen).
Direkter Wechsel, Direktes Papier, s.
/Värittura..
Direkte Stellvertretung, der Grundsatz des
modernen Rechts, daß der von einem Bevoll-
mächtigten, einen: Vormund oder einem andern
gefetzlichcn Vertreter repräsentierte Geschäftsherr
aus den in seinem Namen geschlossenen Geschäften
des Vertreters und durch dessen Erklärungen un-
mittelbar berechtigt oder verpflichtet wird, ohne daß
erst der Stellvertreter das Recht zu erwerben braucht,
um es dann auf den Geschäftsherrn zu übertragen,
and ohne daß der Vertreter persönlich verpflichtet
wird. Das röm. Recht stellte die umgekehrte Regel
auf. Heutzutage tritt diefe indirekte Stellvertretung
nur da ein, wo der Vertreter im eigenen Namen
kontrahiert. Daran kann er ein Interesse haben,
z. V. um wegen seiner Auslagen gedeckt zu sein,
um dem Gegenkontrahenten seine Kundschaft nicht
zu verraten. So kontrahiert der Kommissionär (s.
Kommission). Wo dies nach Art des Geschäfts nicht
hergebracht ist, und wo der Mandatar nicht indirekte
Stellvertretung bevorwortet hat, wird er dazu auch
nicht berechtigt fein, wenn er dadurch gegen das
Interesse des Mandanten verstößt.
Direkte Steuern, s. Steuern.
Direktion (lat.), Richtung, Leitung, Oberaufsicht
(auch als Behörde). In Österreich und Frankreich sind
Artillcriedirektion und Geniedirektion die
Festungsbehörden, denen die Verwaltung des artille-
ristischen oder Geniematerials der Festung untersteht.
Direktion des Bildungsweseus der Ma-
rine, die einem Konteradmiral, mit dem Sitz in
Kiel, anvertraute Oberleitung über die Institute für
die wissenschaftliche Ausbildung der Seeoffiziere,
Kadetten und Deckofsiziere der Deutschen Marino (s.
Marineakademie, Marineschule, Deckoffizierschulc).
Direktive (neulat.), Leitung, Richtung, Richt-
schnur, Verhaltunqsregel; im militär. Sinne eine
besondere Art des Befehls (s. d.).
Direktor(lat.), Leiter, Vorsteher- Direktorat,
Amt oder Amtslokal eines D.; direktorial, vom
D. ausgehend, dazu gehörig.
Direktorium (neulat.), im allgemeinen eine
Gemeinschaft von mehrern Personen, welche durch
Wahl oder durch Ernennung zur Leitung einer ge-
werblichen, kommerziellen oder wissenschaftlichen An-
stalt berufen sind. - In der Geschichte Frankreichs
ist das D. (vii-Octoii-e 6X6eutit) die mit der voll-
ziehenden Gewalt betraute oberste Regierungs-
behörde, deren Machtbefugnis in der Verfassung
vom 22. Sept. 1795 (1. Vendömiaire III) begründet
war, und die 26. Okt. (5. Vrumaire) 1795 bis 9. Nov.
1799 (18. Brumaire VIII) die Regierung führte.
Dieses D. bestand aus 5 Mitgliedern, die vom Rat
der Alten (s. Frankreich) gewählt wurden, und von
denen in jedem Jahr eins ausschied. Ihre Amts-
handlungen wurden in Veratungen mit mindestens
drei Stimmen gegen die beiden übrigen beschlossen.
1799 machte Vonaparte dem D. ein Ende, dessen
Gewalt auf das Konsulat überging.
Direktorium (lat. Oräo äivini oMoü, Xalsn-
äarwrn litui^icuin; frz. c3.rtNl)6li6), der für die kath.
Geistlichen von den Bischöfen oder Ordensobern
alljährlich herausgegebene Wochenkalender, welcher
für jeden Tag die nötigen Weisungen für das Vre-
viergebet und die Celebration der Messe giebt.
Direktrix (lat.), in der Geometrie,s. Kegelschnitte.
Diremtion (lat.), s. Dirimieren.
Dirhem, Derhem, Derirne, Drahem oder
Dramm, d. i. Drachme (s. d.), ein kleines Gewicht,
namentlich Gold-, Silber-, Münz-, Edelstein- und
Medizinalgewicht, in der Türkei, Rumänien, Ser-
bien, Bulgarien, Griechenland, Montenegro, Nord-
afrika und Persien. In der Türkei ist bei den Be-
hörden seit I. (13.) März 1871, im allgemeinen Ver-
kehr aber seit 1. (13.) März 1874 (Einführung des
franz. metrischen Systems) das Dirhem-a'chary
(die metrische Drachme) die gesetzliche Einheit der
Gewichte und -- 1 F. Das' frühere, als Gold-,
Silber- und Münzgewicht noch gesetzliche D. ist in
der Türkei ^ 3,207ü625 F. In den andern Valkan-
staaten und in Ägypten sind gesetzlich ebenfalls die
metrischen Größen anzuwenden; jedoch geschieht dies
in Agyplen und Griechenland nur selten, auch in den
andern Ländern noch nicht allgemein. In Griechen-
land hat das D. (hier Dramion oder Drami ge-
nannt) 3,2 F. In Rumänien (Dramura) und den
übrigen Valkanstaaten ist das D. das türkische. In
Ägypten ist das D. -- 3,0884 F, in Abessinien --
2,592 3. In Algerien war bis zur Einführung des
franz. metrischen Systems (1. März 1843) das
Drahem --- 4,26625 F. In Tunis ist das D. ^
3,i68 F, in Tripolis ^ 3,052 F. In Persien kommt
das D. (Dirä'm) besonders in den an die asiat.
Türkei grenzenden Provinzen vor und ist -^ 3,06? F.
In allen hier angeführten Ländern, nur Abessinien,
Algerien, Tunis und Persien ausgenommen, war
das D. 2/400 der Oka (s. d.). (S. auch Drachme.)
D. war auch der Name einer marokk. kleinen Silber-
münze , s. Uckia.
Dirichlet (spr.-ischleh), Peter Gustav Lejeuue,
Mathematiker, geb. 13. Febr. 1805 zu Düren, ging
) 822 nach Paris, wo er mathem. Studien machte.
Von dem Mathematiker Fourier an A. von Hum-
boldt empfohlen, wurde er auf des letztern Veran-
lassung nach Preußen berufen. Nachdem er seit
1827 als Docent zu Breslau gewillt, siedelte er
1829 nach Berlin über, wo er an der Allgemeinen
Kriegsfchule lehrte und 1831 eine außeroro., 1839
eine ord. Professur der Mathematik an der Universi-
tät erhielt. Nach Gauß' Tode übernahm er 1855
die Professur der Mathematik an der Universität zu
Göttingen. Dort starb er 5. Mai 1859. Die Ergeb-
nisse seiner Untersuchungen sind teils in Crelles
"Journal für Mathematik", teils in den "Abhand-
lungen" der Berliner Akademie, der er seit 1832
als Mitglied angehörte, enthalten. Nach D.s Tode
wurden seine "Vorlesungen üvcr Z<Menti)eone" von