Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dörner (Joh. Jak.) - Dornstetten
Gcneralsynode teil und wurde 165:> nach Göttin- !
gen, endlich 1861 an die Universität Berlin und als i
Obcrkonsistorialrat in den Oberkirchenrat berufen.
Nachdem er 1883 als Professor, 1884 als Mitglied !
des Oberkirchenrats in den Ruhestand getreten war, ^
starb er 9. Juli 1884 in Wiesbaden. D. war einer ^
der bedeutendsten Vertreter des spekulativen Zweigv
der deutscken sog. Vermittelungstheologie, welche ^
sich an Schleiermacher und Hcgcl anschloß; beson- ^
ders während der Ara Falk-Herrmann übte er ^
auf die kirchliche Entwicklung Preußens einen tief-
gehenden Einfluß aus. Seine Hauptwerke sind: z
"Entwicklungsgeschichte der Lehre von der Person
Christi" (Stuttg. 1839; neu bearbeitet, 2 Tle. in
4 Bon., Stuttg. und Verl. 1845-56), "Geschichte
der prot. Theologie" (Münch. 1867), "System der
christl. Glaubenslehre" (2 Bde., Verl. 1879 - 81;
2. Aufl. 1886 - 88), "System der christl. Sitten-
lehre" (hg. von A. Dorner, ebd. 1885); ferner sind
zu nennen: "Der Pietismus, insbesondere in Würt-
temberg" (Hamb. 1840), "Über Jesu sündlose Voll- !
tommenheit" (Gotha 1862), "Gesammelte Schriften !
aus dem Gebiete der systematischen Theologie, der ^
Exegese und Geschichte" (Bcrl. 1883); auch ist D. ^
Verfasser einer Reihe kirchenpolit. Schriften, so: !
"Das Princip unserer Kirche" (Kiel 1841), "Send-
schreiben über Reform der evang. Landeskirchen an
C.I.Nitzsch und Iul. Müller" (Bonn 1848), "Ubcv
die gegenwärtigeKrisis des kirchlichen Lebens" (Gott.
1854), "Gutachten der theol. Fakultät zu Göttin- ^
gen über die gegen die Theologie des Dr. Baum- z
garten erhobene Beschuldigung fundamentaler Ab-
weichung von der kirchlichen ^ieyre" (anonym, Gotha
1859). - Vgl. die Erinnerungen an ihn von Kleinen
(Berl. 1884), Heinrici (1884), von der Goltz (Gotha
1885) und A. Dorner (ebd. 1885), sowie Briefwechsel
zwischen Martensen und D. (2 Bde., Berl. 1888).
Dörner, Joh. Jak., Landschaftsmaler, gcd.
?. Juli 1775 zu München, ging von den klassischen ^
Studien zur Kunst übcr, in deren Studium ihn vor-
züglich die Unterstützung des Kurfürsten Mar Joseph
förderte. Der Fürst sendete ihn 1802 nach der
Schweiz und nach Paris und stellte ihn 1808 als
Galerie-Inspektor an. Seine Werke, die am zahl-
reichsten in der Neuen Pinakothek in München, in
der Galerie zu Schlcißhcim und in der fürstlich ^
Thurn und Tarisschcn Galerie zu Regensburg zu
finden sind, entlehnen ihre Vorwürfe zumeist dcm
dayr. Oberlande, worin er als einer der Bahn-
brecher für die Kunst des 19. Jahrh, erscheint. Er
starb 14. Dez. 1852 in München.
Dörner, Saigerdörner, s. Zinn.
Dorngewehr, eine vom franz. Obersten Thou-
venin 1844 vorgeschlagene Vüchsenkonstruktion, bci
der das cylindrokonische Geschoß mittels des Ladc-
stocks auf einen am Boden der Seele angebrachten
Stahldorn aufgetrieben und so mit den Zügen in
Berührung gebracht wurde. Das D. wurde durch
die Anwendung der Expansionsgeschosse nach Minic
verdrängt. (S. Handfeuerwaffen.) z
Dorngrasmücke, s. Grasmücke. ,
Dornarundcl, Fischart, s. Schmerlen. i
Dornhai (Zpinkx llcHntliias <Äw., ^caiitinI.3
vulssari" 2i"FF0, s. Tafel: Fische VIII, Fig. 2), einer
der häusigsten Haie in den europ. Meeren. Er wird
bis 1 m lang und ist oben schieferblaugrau, unten
weiß. Das Weibchen gebiert je 4-6 lebendige
Junge. Das Fleisch, obwohl von unangenehmem ^
Geruch, wird gegessen. j
Dornhan, ehemals Turnheim, Stadt im
Oberamt Sulz des württemb. Schwarzwaldkreises,
9 1cm im SW. von Sulz, sehr hoch gelegen, hat
(1890) 1608 E., Postagentur, Telegraph, Wasser-
leitung; Eisengruben und Mineralquellen. Herzog
Ludwig von Teck umgab D. 1256 mit Mauern; 1380
erhielt Eberhard der Greiner die Schutzherrlichkeit
über die ^tadt, die durch die Reformation württem-
bergisch wurde.
Dornoch (spr. -noch, .Hauptstadt der schott. Graf-
schaft Sutherland und ein besuchtes Seebad, liegt
am Dornoch-Firth, an dessen 24 1cm breitem
Eingang der Leuchtturm Tarbct-Neß steht, 48 km
nördlich von Inverneß, hat (1891) 514 E., eine alte
Kathedrale (1222-45), als Pfarrkirche 1837 neu
aufgebaut und Fischerei.
Dornröschen, die schöne Königstochter in dem
Märchen gleichen Namens, die, von einer Spindel
gestochen, mit dem ganzen Hofe ihres Vaters in einen
100jährigen Schlaf verfällt, bis nach dieser Zeit
ein Prinz die Dornenhecke, die um das Schloß ge-
wachsen ist, durchdringt und alles aus dcm Schlafe
weckt und D. selbst heimführt. Das deutsche Märchen
(Grimm 50) schlicht mit dem Erwachen und der Hei-
rat D.s. Die franz. Version Perraults "1^ 1>0il6 an
I)0i8 dorilmut", sowie die neapolitanische (in Basilcs
<(?6iitam0rouo") erzählen weiter, wie des Prinzen
Mutter das von oicscm geheimgehaltene Liebesver-
hältnis entdeckt und die Geliebte ihres Lohnes so-
wie dcrcn Kinder vergebens umzubringen versucht.
Der Versuch, das Märchen mit der Siegfriedsage
in Verbindung zu bringen und es mythologisch zu
deuten, kann nicht als gelungen bezeichnet werden.
Dornschloß, ein Schloß mit Rohrschlüssel, bci
welchem, um ein Schwanken des Schlüfscls beim
Gebrauch zu vermeiden, im Schlüsselloch ein eiserner
Stift (Dorn) angebracht ist, auf dcn mit geringem
Spielraum die Höhlung des Schlüsselrohrs paßt.
Dornschwanz oder Dabb (lli-om^tix äpitchitn
Mi'i-., s. Tafel: Echsen III, Fig. 6), eine plumpe,
70-80 cm lange und zu den Erdagamen (s. Agamcn)
gehörende pflanzenfressende Echse, die in Ägypten
und Palästina lebt und mit ihrem ansehnlichen, ring-
weise angeordnete Hornstachcln tragenden Schwanz
lräftig um sich schlägt.
Dornstein, der Niederschlag, der sich beim Gra-
dieren der Salzsolen auf den Dornen der Gradier-
wände als steinige Inkrustation absetzt. Je nach der
Zusammensetzung dcr Solen ist der D. verschieden.
Enthalten die Solen Vicarbonate der alkalischen Er-
den, so zersetzen sich diese Salze in Berührung mit dcr
Lust, gebcn die Hälfte dcr Kohlensäure ab und schei-
den kohlensauren Kalk oder kohlensaure Magnesia
als graue, gesinterte erdige Masse ab. Bei Gegen-
wart von Eisenorydulbicarbonat wird gelbes odcr
braunes Eiscnoxydhydrat abgelagert. Vorhandener
schwefelsaurer Kalk krystallisiert meist erst bei zu-
nehmender Konzentration auf den Dornen und über-
zieht dieselben^ mit einer auf dem Bruch krystallini-
schen Masse, ^ind alle diese Salze zugegen und wird
die Sole über mehrere Gradierwerte geleitet, so be-
steht der D. des ersten Gradierwerks mcist aus Eisen-
oxydhydrat und kohlensauren Erden und ist braun
gefärbt, während dcr des zweiten meist grauweiß ist
und vorzugsweise aus Gips besteht.
Dornstetten, Stadt im Oberamt Freudenstadt
des württemb. Schwarzwaldkreises, auf einem
schmalen Bergrücken, an der Linie Schiltach-Eu-
tingen der Württemb. Staatsbahnen, zerfällt in
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