Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

550

Dschaisalmir – Dschâmi' (Moschee)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Dschaipur'

ist die regelmäßigste und schönste Hindustadt, von einem Wall und einer mit hohen Türmen versehenen Backsteinmauer umgeben und hat sieben feste Thore. – Die 8 km nördlich gelegene frühere Hauptstadt Amber (Amer), nach der früher der Staat benannt wurde und die als Sitz der Gelehrsamkeit berühmt war, ist seit der Gründung von D. fast ganz verödet. Sie wurde von Dschai-Singh II. verlassen, weil sie nach der Sage 1000 Jahre bestanden haben sollte und er, nach dem Glauben seiner Zeit, das zweite Jahrtausend in einer neuen Hauptstadt beginnen mußte.

Dschaisalmīr (engl. Jeysulmere oder Jesalmér), Staat unter einheimischen Fürsten in Ostindien, zwischen 26° 5' und 28° 23' nördl. Br. und 62° 29' und 77° 15' östl. L., der westlichste Teil von Radschputana, nördlich von dem Tributstaat Bahawalpur der Provinz Pandschab, östlich von Bikanir und Dschodhpur, südlich von der Agentschaft Dschodhpur und westlich von der Division Sindh im Pandschab begrenzt, hat 42597 qkm, (1891) 115436, (1881) 108143 E., darunter 57484 Hindu, 28032Mohammedaner, 1671 Dschain. Fast die Hälfte der Hindu sind Bhati-Radschputen, die infolge starken Opiumgenusses körperlich und geistig mehr und mehr entarten. Außerdem giebt es unter den Hindu (der Kaste nach) 6055 Brahmanen, 7981 Mahadschan, 403 Dschat (s. d.). D. ist eine weite, dürre, meist sandige und unfruchtbare Ebene, ein in verhältnismäßig neuerer Zeit gehobener Meeresboden. Dafür spricht auch die Menge des Seesalzes, von dem der sandige Grund allenthalben durchdrungen ist. Hin und wieder erheben sich (teils einzeln, teils zu Reihen verbunden) Dünen gleichende Sandhügel, zwischen denen sich Grasflächen befinden. Hier werden Dromedare, Pferde und Schafe gezüchtet. Während der Regenzeit bilden sich eigentümliche, Sari genannte Ansammlungen von Salzwasser, die teilweise jahrelang gefüllt bleiben, so der an der südl. Grenze gelegene Kanod-Sar, aus dessen Wasser die Bevölkerung ihren Bedarf an Salz bereitet, was eine Einnahmequelle des Fürsten bildet. An süßem Trinkwasser ist allenthalben Mangel, dasselbe findet sich erst in 75 bis 118 m Tiefe. – Die gleichnamige Hauptstadt von D., unter 26° 55' nördl. Br. und 70° 57' östl. L., wurde 1156 von Dschaißal, einem Bhati, an Stelle der frühern Hauptstadt Lodhoroa gegründet, ist Residenz des Mahā-Rāwāl oder Fürsten und hat (1891) 10509 E. und mehrere schöne Dschaintempel.

Dschajadēva (ind. Jayadeva), Name mehrerer ind. Dichter. Besonders bekannt ist D., der Verfasser des «Gītagōvinda». Er stammte aus dem Dorfe Kindubilva in Bengalen und lebte unter dem Könige Lakshmanasēna von Bengalen am Anfange des 12. Jahrh. n. Chr. Der «Gītagōvinda» schildert in 12 Gesängen die Liebe des Krischna und der Rādhā, ihren Liebeszwist und ihre Versöhnung. Es ist ein Gesangsspiel, eine Art lyrischen Dramas. Krischna, Rādhā und ihre Freundinnen treten darin im Wechselgesange auf: die zahlreichen Metren sind äußerst kunstvoll, die Sprache schwungvoll und feurig, Alliteration und Reim sind häufig verwendet, und es werden die Melodien angegeben, nach denen gesungen werden soll. Ohne Zweifel ist es nach einem Original in Prakrit gedichtet, worauf schon der Name gōvinda (Sanskrit gōpēndrā, «Fürst der Hirten») hinweist. Wie das Hohe Lied, ist auch der «Gītagōvinda» mystisch gedeutet worden; schon in Indien ↔ hat man das Verhältnis von Krischna zu Rādhā als das von Gott zur Seele aufgefaßt, und in diesem verkehrten Sinne hat Edw. Arnold (Lond. 1875) das Werk übersetzt. Herausgegeben ist der «Gītagōvinda» mit lat. Übersetzung und Anmerkungen von Lassen (Bonn 1836), außerdem oft in Indien, zum Teil mit einheimischen Kommentaren (Bombay 1883). Ins Englische wurde er übersetzt von Sir William Jones («Works», Bd. 4, 1799) und daraus ins Deutsche von Majer (Weim. 1802) und Dalberg (Erfurt 1802). Eine meisterhafte, aber leider nicht vollständige, Übersetzung aus dem Original gab Rückert in der «Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes», Bd. 1 (Gött. 1837). Kein ind. Dichter übertrifft D. an Glut und Tiefe der Empfindung. Der «Gītagōvinda» ist bis heute ein Hauptbuch der Verehrer des Vischnu und wird noch an dem zu Ehren des Krischna gefeierten Feste Rāsa vorgetragen. D. dichtete auch in Hindī, und im Adi Granth, der Bibel der Sikh, befindet sich ein Gedicht von ihm in altem Hindī, das Trumpp herausgegeben und übersetzt hat (in den «Sitzungsberichten der Königl. Bayerischen Akademie», 1879).

Dschajanta-Berge und -Staaten, s. Khasi- und Dschaintia-Berge und -Staaten.

Dschalalpur, Stadt in der indobrit. Provinz Pandschab, rechts am Dschihlam, hat (1881) 12839 E.; es ist das alte Bucephala (s. Bucephalus).

Dschālandar (engl. Jalandhar, Jullundar oder Jallandar). 1) Division in der Lieutenant-Gouverneurschaft Pandschab des Indobritischen Reichs, zwischen 30° 57' und 32° 59' nördl. Br. und 75° 7' und 77° 49' östl. L. von Greenwich, hat (1891) auf 48733 qkm 3787945 E. (1881 auf 32558 qkm 2421781E., darunter 1576112 Hindu, 687942 Mohammedaner, 150842 Sikh, 2860 Buddhisten, 2056 Christen, 1942 Dschain) und zerfällt in die 3 Distrikte D., Hoschiarpur und Kangra. Sie gelangte während des ersten Krieges der Engländer mit den Sikh in den Besitz der erstern und wurde durch den Friedensschluß von Lahaur (9. März 1846) vom Mahārādschā von Lahaur an dieselben abgetreten. Das Land ist fruchtbar, das Klima gesund. –

2) Hauptstadt der Division D. Im Pandschab, einst Residenz der Dynastie der Lodi- Afghanen, hat (1891) mit Garnison 66202 E., darunter 38994 Mohammedaner, 23015 Hindu, 1569 Dschain, 2274 Sikh.

Dschalo, Oase in der Libyschen Wüste in Nordafrika unweit der Oase Audschila (s. d.), 32,3 m unter dem Meeresspiegel, 200 qkm groß, hat 100000 Palmen und 6000 E., Medschabra, arabisch redende Berber, die als gewandte Kaufleute in der ganzen Libyschen Wüste Handelsverbindungen haben. Da der Boden sehr salzhaltig ist, giebt es in der ganzen Oase kein trinkbares Wasser. Getreide und Datteln sind die Nahrung ihrer Bewohner, die auch einige Schaf- und Ziegenherden aber keine Rinder und Esel und nur wenig Pferde besitzen. Hauptort ist Lebba; außerdem giebt es noch 25 kleine Dörfer. D. ist Sitz eines Mudirs, der im Namen des Gouverneurs von Bengasi regiert; er beschränkt sich auf Einziehung von Steuern, da die Sekte der Senussi die Gewalt in Händen hat.

Dschalut, s. Jaluit .

Dschāmbhadschi, s. Bischnavis .

Dschambi, andere Schreibung für Djambi (s. d.).

Dschambu in Kaschmir, s. Dschamū .

Dschâmi', s. Moschee .