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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dt. - Dualismus
d. h. teils das dortige Hoch- und Gebirgsland mit
demSairam-nor und dem Thale des Boro-talo, teils
die Seen Ebi-nor, Ajar-nor und Ulungur und die
dazu gehörigen Fluhthäler des Kuitun und Urungu
nebst der dazwischen liegenden Wüste und dem obern
Thale des Irtysch. Im weitern Sinne rechnet man
das eigentliche Ili (s. d.) mit Kuldscha dazu, sodah
der Begriff dem des Thien-schan-pe-lu dcr Chine-
sen entspricht; im weitesten Sinne giebt man der
D. eine nur für die kurze Zeit der Dsungarenherr-
schaft im Tarim-Thale gerechtfertigte Ausdehnung
auf das chines. Turkestan, sodah dieser Begriff sich
ls. Karte: Innerasien bei Artikel Asien) mit dem
Ili der Chinesen im weitesten Sinne deckt.
Die Dsungaren hatten diesen Namen von äsön
oder 8ön (links) undZK9.I-(Hand) erhalten, weil sieden
linken Flügel des mongol. Heers einnahmen. Bei
den Chinesen hießen sie ursprünglich Ölöt (Oirat),
unter welchem Namen sie auch durch die jesuitischen
Missionare in Europa bekannt geworden sind. Gal-
dan oder Voschoktu-Chan, ein Fürst dieses Volks,
suchte um das 1.1671 die Rolle Dschingis-Chans
zu erneuern, sich der Mongolei und Mittelasiens zu
bemächtigen und nach China vorzudringen. Hier
fand er aber in den Mcmdschu überlegene Gegner.
Galdan und seine Nachfolger wurden in mehrern
Schlachten besiegt, und die Chinesen drangen weit
nach Mittelasien vor und besetzten nicht nur die
eigentliche D., sondern auch die südlich von ihr
gelegene Kleine Bucharei oder Ost-Turkestan mit
den Hauptstädten Iarkand und Kaschgar. Beide
Länder hatten zur Zeit der Blüte das Dsun-
garenreich gebildet, das vom Kuen-lun bis zum
Mai- und Tan-nu-Gebirge, vom Balchaschsee bis
zum Quellbezirt der Selenga reichte und in westöstl.
Richtung vom Thien-schan oder Himmelsgebirge
durchzogen wurde, auch nachdem die Dsungaren
ihre Eroberungen in Tibet und die no'rdl. Gebiete
der Chalcha-Mongolen wieder hatten aufgeben
müssen. Gegen Ende des 17. Jahrh, hatte sich
Tsewang-Nabdan, der Neffe des Galdan, in NW.
unabhängig gemacht, und letzterer, von den Chine-
sen im Ö. bedrängt, fand nach der Schlacht am
Tula-Flusse 1696 seinen Tod. DieTurguten, ein
andererZweig der West-Mongolen, wanderten 1703
nach dem Kaspischen Meere aus und unterwarfen sich
der russ. Herrschast. In dem 1710 ausgebrochenen
Kriege wurden die Chinesen zurückgeschlagen und
die Dsungaren eroberten Tibet, welches indes 1720
von den Chinesen besetzt wurde. Erst gegen die
Mitte des vorigen Jahrhunderts drangen die Chi-
nesen gegen ihren ehemaligen Bundesgenossen, den
damaligen Herrscher der Dsungaren, Amursana,
vor und vernichteten 1759 das Dsungarenreich
gänzlich. 1771 kehrten die ausgewanderten Tur-
guten vom Kaspischen Meere zurück und wurden in
verschiedenen Teilen des Reichs angesiedelt.
Die Chinesen nannten ihre neue Eroberung Sin-
tsiang oder Hsin-chiang und zerteilten dasselbe in
die Provinzen Thien-schan-pelu und Thien-schan-
nan-lu, d. h. die Nord- und Südprovinz des Him-
mclsgebirges. Letztere war Ost-Turkestan (s. d.),
erstere die eigentliche D. (S. Ili.) Bemerkenswert
ist die sog. Dsungarische Mulde mit dem Ulun-
gur-See und dem Thale des Schwarzen Irtysch, da
sie einen bequemen Ausgang aus der Mongolei
nach NW. wetet und einst dem großen Binnensee,
dem Han-Hai (s. Gobi), als Abfluß gedient haben
soll. Die D. scheint zur Hauptstraße des Verkehrs
zwischen dem Chinesischen und Russischen Reiche be-
stimmt zu sein. Die russ. Städtereihe am Irtysch
schließt sich als Fortsetzung an die am Fuße des
Thien-schan gelegene Städtereihe an, welche schon
seit Jahrhunderten den Karawanen aus China ihre
Richtung vorgezeichnet hat. Ohne Zweifel hat das
Thal des gegen Westen in den Balchaschsee fliehenden
Ili, welches der wichtigste Landesteil der D. war,
in den verschiedenen Völkerwanderungen Mittel-
asiens eine Hauptstraße und Hauptstation gebildet.
Seit 1759 haben die Chinesen das Land durch Mi-
litärkolonien von Mandschu, Olot, Turgut u. s. w.,
besonders aber durch Verbannte aus China bevöl-
kert. Der Aufstand der mohammed. Dunganen
(s. d.) wurde 1878 vollständig niedergeschlagen.
vt., Abkürzung für äeäit llat.), er hat gegeben,
d. b. hat bezahlt. ! list seit 1889 Staat).
v. ?., (früher) Abkürzung für vakota ^erritor?
Duab, s. Doab.
Dual, s. Dualis.
Dualin, ein von Dittmar 1868 erfundenes
Sprengmaterial, das zu den Dynamiten (s. d.) und
speciell zu den Abeliten (s. d.) gehört; es besteht
aus 50 Teilen Nitroglycerin, 30 Teilen nitrierten
Sägespänen und 20 Teilen Kalisalpeter, oder aus
80 Teilen Nitroglycerin und 20 Teilen Nitrocellulose.
Dualis, abgekürzt Dual (vom lat. äuo, "zwei"),
in der Grammatik eine Form des Nomens, Pro-
nomens oder Verbums, durch die man eineZwei-
heit von Dingen, oder daß eine Handlung von
Zweien ausgeführt werde, bezeichnet. Die meisten
indogerman. Sprachen zeigen in älterer Zeit den
D. noch, so das Altgriechische, in andern hat er sich
früh verloren und ist durch den Plural ersetzt. Von
den german. sprachen hat nur das Gotische den D.,
aber bloß am persönlichen Fürwort der ersten und
zweiten Person und am Zeitwort, die andern zeigen
nur Reste desselben; ein solcher ist z. B. das bayr.-
osterr. 6uk6i-, "euer", eigentlich "euer beider".-Vgl.
W. von Humboldt, über den D. (Berl. 1828).
Dualismus (vom lat. äuo, "zwei"), in derPhilo -
so pHieim Gegensatz zum Monismus (s. d.) die An-
sicht, die den Gegensatz des Materiellen und Geistigen
(oder Physischen und Psychischen) nicht in eine höhere
Einheit aufheben will, sondern auf das Dasein von
zweierlei ganz verschiedenen Sudstanzen (Materie
und Geist, bei Descartes die "ausgedehnte" und
"denkende" Substanz) deutet; in weiterm Sinne jede
Lehre, die eine letzte unaufhebliche Zweiheit (z. B.
ein gutes und böses Princip) in den Dingen an-
nimmt. - In der Physik ist D. die Annahme
zweier elektrischer, sowie die Annahme zweier magne-
tischer Fluida. Franklin, der positiven und nega-
tiven elektrischen Zustand durch Überfluß und
Mangel Eines elektrischen Fluidums erklärte, stand
als Iinitarier den Dualisten gegenüber. - Ebenso
gab es sonst in der Chemie eine durch Verzelius
begründete dualistische Theorie, die annahm,
daß jeder zusammengesetzte Körper, wie groß auch
die Anzahl seiner Bestandteile sein möge, in zwei
Teile zerlegt werden könne, von denen der eine posi-
tiv, der andere negativ elektrisch sei. (S. Elektro-
chemische Theorie.) - In der Politik bezeichnet
man mit D. ein Verhältnis, welches besteht, wenn
in einem Vundesstaate oder Staatenbunde zwei
größere, gleich mächtige Staaten an der Spitze
stehen und, wenn sie auch nicht formell die Exekutive
m den Händen haben, so doch faktisch von maß-
gebendem Einfluß auf die Leitung der Bundesange-