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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dublin
die vier hohen Gerichtshöfe (Four Courts) mit hohem Dom und einer 137 m langen Front am Flusse und den Statuen berühmter Rechtsgelehrter. Aus Leinster Lawn steht ein Denkmal des Prinz-Gemahls Albert, in Westmoreland-Street das des Dichters Moore und des Republikaners Smith O’Brien; die schöne O’Connellbrücke trägt eine Statue O’Connells. D. hat an 100 gottesdienstliche Gebäude, darunter 2 prot. Kathedralen, und 18 Klöster. Architektonisch bemerkenswert sind: die altehrwürdige, schon 890 vorhandene, 1190 neu begonnene, 1362 abgebrannte, 1865 auf Kosten eines Privatmannes neu erbaute Kathedrale St. Patrick, mit den Grabmälern Swifts und des Marschalls Schomberg, und die Kathedrale Christ-Church, 1190 gebaut und seit 1871 aus Kosten von H. Roe großartig restauriert.
Behörden. D. ist Sitz des Vicekönigs von Irland, sämtlicher obersten Verwaltungsbehörden und Gerichte, der Landkommission, eines kath. (seit 1214) und eines anglikan. Erzbischofs. Die Stadt zerfällt in 15 Bezirke (Wards). Die Korporation besteht aus dem Lord-Mayor (2000 Pfd. St.), 15 Aldermen und 45 Räten. Die Polizei steht unter Aufsicht des Staates.
Unterrichts- und Wohlthätigkeitsanstalten. Das hervorragendste Bildungsinstitut ist das Trinity-College, ein stattlicher Bau in korinth. Stil, mit Standbildern Oliver Goldsmiths und Edmund Burkes, einer Bibliothek (224586 Bände und kostbare irische Manuskripte), einer Kapelle, Altertums-, naturhistor. und geolog. Museum, einer Sternwarte, Druckerei und einem schönen Collegepark. Trinity-College ist nach dem Muster der Universität Cambridge (s. d.), vorzüglich des dortigen Trinity-College eingerichtet. Die vorherrschende Religion ist die anglikanische. An der Spitze steht der Provost, ein Doctor theologiae der anglikan. Kirche. Ihm zunächst 7 Senior-Fellows, darunter nur ein Laie. Der Provost und die Senior-Fellows bilden das Board, dem seit 1874 ein Studienrat zur Seite steht. Der Unterricht wird größtenteils von den 26 Junior-Fellows und den Professoren erteilt. Die Universität wird von einem Kanzler und Vicekanzler, dem Provost des Trinity-College, 2 Proctors und 2 Deans vorwaltet. Die Zahl der Studierenden betrug (1893) 1151. Etwa 300 von diesen wohnen in der Universität; die übrigen, in Stadt und Land zerstreut, nehmen nur an den Prüfungen (zweimal im Jahre) teil. Die blühende mediz. Fakultät, die beinahe die Hälfte der Universität ausmacht, hat einen abgesonderten Flügel des Gebäudes im Park; sie dispensiert nicht vom Besuch der Collegia. Die etwas im Sinken begriffene theol. Fakultät (jährlich etwa 200 Studenten) versieht nicht bloß Irland, sondern auch teilweise England mit Kandidaten des anglikan. Predigtamtes. Die Universität feierte 1892 ihr 300jähriges Bestehen. Die 1880 gegründete Royal-University steht allen ohne Rücksicht auf Konfession oder Geschlecht offen und befaßt sich mit allen Gegenständen des Unterrichts, außer mit Religion. Dieselbe ist nur Prüfungsanstalt zum Zwecke der Verleihung akademischer Würden an die mindestens 3 Jahre immatrikulierten Studenten. Der Unterricht in dem von der Royal-University vorgeschriebenen Studienprogramm wird erteilt an fünf oder sechs Zweig-Colleges oder Akademien. Die wichtigsten von diesen sind die drei Queen’s Colleges von Belfast, Cork und Galway. Die Roman-Catholic-University in St. Stephens-Green zu D., sowie das College des heil. Patrick in Maynooth, 15 Meilen westlich von D., sorgen für den Unterricht kath. Zöglinge. Seit 1866 besteht eine Damenakademie, Alexandra-College, in Earlsfort-Terrace, wo etwa 400 junge Irländerinnen sich in Lateinisch, Griechisch, Philosophie, neuern Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften für das Studium auf der Royal-University vorbereiten. Die Colleges der Arzte und Wundärzte (Physicians und Surgeons) erteilen Diplome in der Medizin. King’s Inn ist eine Schule für Rechtspraktitanten. Mit der Ackerbauschule in der Vorstadt Glasnevin ist eine Musterwirtschaft verbunden. Außerdem giebt es Arzneischulen in Verbindung mit Krankenhäusern, ein Lehrerseminar, eine kath. Missionsanstalt, ein Wesleyan-College, ein Royal College of Science mit mineralog. Museum. Für das Volksschulwesen sorgen das National Board als Landesbehörde, die Church Education Society, die Christian Brothers und andere kath. Orden als Vertreter der Sekten. Die 1782 gestiftete königl. Irische Akademie besitzt ein archäolog. Museum und eine Bibliothek nebst Sammlung altirischer Handschriften und läßt "Transactions" und "Proceedings" erscheinen. Die 1731 gegründete Royal-Dublin-Society "zur Beförderung der Agrikultur und anderer nützlicher Künste und Wissenschaften", ein Verein von etwa 1000 Privatleuten, Gelehrten und Pächtern zur Veranstaltung von landwirtschaftlichen Ausstellungen und von Vorträgen über naturwissenschaftliche und ökonomische Fragen, tagt im ehemaligen Palais des Herzogs von Leinster, wo auch ein Museum, und wird von der Regierung unterstützt. Ausstellungen von Gemälden und Skulpturen enthält die Nationalgalerie. Neue Räume für ein naturwissenschaftliches Museum und eine große Landes-Bibliothek sind 1890 eröffnet worden. Außerdem giebt es mediz. Vereine sowie Gesellschaften für Zoologie, Geologie, Chemie, Naturgeschichte, Pharmacie, Statistik, irische Altertümer, Ackerbau, Gartenbau, Civilingenieure u. s. w. D. besitzt vier große Theater, darunter Gaiety- und Queenstheater. Es bestehen 19 Krankenhäuser mit mehr als 2000 Betten, darunter Steeven’s Hospital, Swift- oder St. Patrick-Hospital, das 1679 gegründete große königl. Hospital in einer ehemaligen Johanniterpriorei, ein Invalidenhaus (Kilmainham-Hospital), eine Irren- und zwei Taubstummenanstalten, ein Findelhaus, ein großes Nord-Union-Arbeitshaus (Asyl für 2300 alte Leute) und mehrere Waisenhäuser. Außerdem befinden sich in D. 4 Kasernen, 4 Kriminal-, 3 Schuldgefängnisse und 2 Zwangsarbeitshäuser. Die wichtigsten Zeitungen sind "Freeman’s Journal", "Morning Mail", "Nation", "Daily Express" und "Irish Times".
Die Umgegend ist von großer landschaftlicher Schönheit. Auf dem Kirchhof des 3 km entfernten Dorfes Glasnevin steht ein Denkmal für Daniel O’Connell, ein 45 m hoher Granitturm im Stil der alten irischen Türme; ebenda, an der Tolka, befindet sich der 17,5 ha große botan. Garten, 1790 gegründet. 10 km im SO. der wichtige Hafen und Badeort Kingstown (s. d.).
D. ist Geburtsort Ussers, der Dichter Swift und Steele, Sheridans, Thomas Moores und des Herzogs von Wellington.
Verkehrswesen und Handel. Dem Verkehr im Innern dienen Cabs und Tramways. Der Große und der Königskanal vermitteln die Verbin-^[folgende Seite]