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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dürrensee - Durutte
Dürrenfee, s. Ampezzo.
Dürrerze, Silbererze, die vorwiegend erdige
Beimengungen, dagegen nnr geringe Mengen von
Schwefelmetallen enthalten.
Dürrfutter, getrocknete Vegetabilien, wie Heu
und Stroh, im Gegensatz zu Grünfutter.
Dürrheim, Pfarrdorf im Kreis und Amtsbe-
zirk Villingen, 5 kin im SO. von Marbach, an der
stillen Musel, in einer der fruchtbarsten Gegenden
der Vaar, hat (1890) 1072 E., Post, Telegraph,
ein Solbad mit Militärkuranstalt für Angehörige
des 14. und 15. Armeekorps und Kindersolbade-
station Amöliebad des Vadischen Frauenvereins,
und die ansehnliche Ludwigs-Saline (jährliche
Produktion etwa 15 000 t Salz). - D., 889 urkund-
lich als Durroheim erwähnt, hatte eigenen Adel, der
im 14. Jahrh, erlosch. - Vgl. E. Kürz, Das Amelie-
bad in D. und die Skrofulöse (Karlsr. 1888).
Dürrlitze, s. (^ornug.
Dürrner, Johannes, Komponist, geb. 7. Jan.
1810 zu Ansbach, war Schüler Schneiders und
Mendelssohns und wurde Musikdirektor und Gesang-
lehrer in Edinburgh, wo er 10. Juni 1859 starb.
D. ist hauptsächlich als Komponist von Liedern
und Männerchören bekannt, von denen einige, wie
"Zwischen Frankreich und dem Böbmerwald", po-
pulär geworden sind. Seine "Sämtlichen Männer-
" chöre" gab R. Müller (Lpz. 1890) heraus.
Dürrsche Buchhandlung, s. Dürr, Otto.
Dursley (spr. dörsll), Stadt in der engl. Graf-
schaft Gloucester, ostsüdöstlich von Berkely, am Fuße
der Cotswold-Hills, hat (1891) als Zählbezirk
5242 (5., Wollindustrie, Tuch- und Papierfabri-
kation und Steinbrüche.
Durst (8iti8), eine zur Klasse der Gemeingefühle
(s. d.) gehörige Empfindung, die uns über die
Verminderung des Wassergehalts unsers Körpers
unterrichtet. Durch die Ausscheidungen im tierischen
Körper, namentlich durch die Aushauchungen der
Lungen und die Verdunstung auf der Haut wird,
besonders bei trockuer Luft, uuaufhörlich eine Menge
Feuchtigkeit verbraucht, deren Ersah zur Erhaltung
des Lebens (s. Wasser) unbedingt nötig ist; daher
das Verlangen, sie durch Trinken zu ersetzen. Das
Durstgefühl, welches in der Empfindung von Trocken-
heit, Rauheit und Brennen im Schlunde, im
weichen Gaumen und der Zungenwurzel besteht, hat
seinen Sitz in den sensiblen Nerven der Schlund-
und Speiseröhrenschleimhaut (dem Dreigeteilten
Nerven, Zungenschlundkopfnerven und Vagus) und
beruht wahrscheinlich auf einer Empfindung des
Trockenwerdens dieser stets vom Speichel zu be-
feuchtenden Flächen. Wird der D. nicht gestillt, so
rötet sich bald die Nachen- und Mundschleimhaut
und wird brennend heiß, das Schlingen wird er-
schwert, die Sprache rauh und heiser, der Puls be-
schleunigt, die Augen rot und brennend; bald ge-
sellen sich hinzu große Abspannung und Körper-
schwäche, erhöhte Reizbarkeit der Sinnesorgane
(Hallucinationen und peinigende Wahnvorstellun-
gen) sowie heftiges Fieber mit Irrereden und Be-
wußtlosigkeit, bis schließlich, schneller als beim
Hunger, unter schrecklichen Qualen der Tod durch
Verdursten erfolgt. Unmittelbar, aber bloß vor-
übergehend gestillt wird das Durstgefühl durch Be-
feuchtung der Rachenschleimhaut; dauernd nur
durch genügende Wasserzufuhr zum Blute, mag
dies nun hvnv Magen und Darm aus oder durch
direkte Einspritzung von Wasser in die Venen
geschehen. Letzteres ist nur dann möglich, wenn das
Wasser denselben Kochsalzgehalt wie das Blut hat
und keimfrei ist. Die heutige Medizin beherrscht
die Technik dieser beiden Voraussetzungen sicher,
und so ist es erklärlich, daß die schon früher ange-
wandten sog. Kochsalzinfusionen bei der Cholera in
der Epidemie zu Hamburg (1892) überraschende
Erfolge aufwiesen. Leider wird dadurch nur der D.
und seine Folgen bekämpft, das örtliche Leiden be-
steht weiter. Auch bei gesundem Körper und regel-
mäßiger Wasserzufuhr kann D. eintreten; so wird
bei anhaltender und starker Muskelarbeit zur Aus-
scheidung der gebildeten Kohlensäure und zur Er-
zeugung von Verdunstuugskälte behufs Erhaltung
der normalen Körpertemperatur mehr als gewöhn-
lich Wasser ausgeschieden und dadurch D. hervor-
gerufen. Daher ist auch reichlichere Wasserzufuhr
bei anstrengenden Märschen sehr wichtig, um den
Hitzschlag zu verhüten. Auch hohe Lufttemperatur
verbunden mit Trockenheit veranlassen Wasser-
mangel im Organismus, der in solchen Fällen, wie
in den Wüsten Innerafrikas und Australiens, eine
tägliche Wasseraufnahme bis zu 121 verlangt.
Eine krankhafte Steigerung des D. findet statt
bei Zuständen, in denen die Lungen- und Hautaus-
dünstung abnorm erhöht ist, wie bei Fiebern und
Entzündungen, oder welche eine bedeutende Abson-
derung von Flüssigkeiten im Körper verursachen,
wie bei Wassersuchten und Durchfällen; ferner durch
einen örtlichen Reiz auf die cbengenannten Schleim-
häute, in welchen er sich fühlbar macht, z. B. bei
Reizung des Schlundes durch gesalzene oder ge-
würzte Speisen oder durch ätzende Substanzen, end-
lich durch bloße Ncrvenaffektionen. Andauernd ge-
steigerter krankhafter D., die Durstsucht (?0^-
äw8ia), wird besonders bei Diabetes (s.d.) beobachtet,
weil durch das zuckerreiche Blut den Geweben enorme
Mengen von Wasser entzogen werden.
Verminderten D. findet man in einzelnen krank-
haften Zuständen mit daniederliegender Gehirn-
thätigkeit, bei welchen das Durstgcfühl nicht zum
Bewußtsein gelangt. Tiere ertragen den D. weit
länger als Menschen. Es ist bekannt, wie lange
das Kamel in der Wüste ohne Wasser bestehen kann,
und wie man lebendige Amphibien an Orten ein-
geschlossen gefunden hat, wo ihnen durchaus kein
Wasser zukommen konnte.
Durstkur, ein Heilverfahren, welches krankhafte
Ausschwitzungen des Körpers dadurch zur Auf-
saugung zu bringen sucht, daß man dem Kranken
fast jedes Getränk entzieht und damit den Organis-
mus gewissermaßen zwingt, seinen Flüssigkeitsbedarf
aus der vorhandenen Ausfchwitzung felbst zu ent-
nehmen und diese so zum Schwinden zu bringen.
Die bekannteste Form der D. ist die Schrothsche
Durstsucht, s. Durst. ^Kur (s. d.).
Durtz, türk. Stadt, s. Durazzo.
vurus (lat.), hart; äurius, härter; "in äurius (in
pH'u8) erkennen", auf eine härtere Strafe erkennen.
Durutte (spr. dürütt), Francois Joseph, Graf,
franz. General, geb. 14. Iuli'1767 zu Douai, trat
1792 in die franz. Armee, nahm teil an den franz.
Revolutionskriegen und wurde 1799 Brigade-, 1803
Divisionsgeneral. 1805-8 war er Kommandant
der Insel Elba, 1809 in dem Kriege mit Österreich
zeichnete er sich unter Eugen Veauharnais in
Italien und Ungarn aus, wurde Gouverneur von
Amsterdam und 1812 Kommandant der stanz.
Truppen in Berlin. Er nahm dann teil an dem