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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eberstein (Grafschaft und Grafengeschlecht) - Ebert (Adolf)
Aus hohem Felsen das Schloß E. des Grasen Chri-
stalnigg mit der Pfarrkirche und über demselben die
Ruine von Alt-Eberstein, dem einstigen Jagd-
schlösse Kaiser Arnulfs, der diese Gegend wegen ihres
Wildreichtums oft aussuchte. In der Nähe der groß-
artige Hochofen der Alpinen Montangesellschaft
(Jahresproduktion 6-7000 t).
Gberstein. 1) Alte ehemalige Grafschaft in
S ch waben, an der Murg gelegen, mit dem Haupt-
orte E. oder Ebersteinburg (s. d.) und den Ruinen
des Schlosses E. oder Alt-Eberstein, kam seit dem
14. Jahrh, nach und nach an Baden und umfaßte
die jetzige Stadt Gernsbach, den Flecken Muggen-
sturm und 15 Dörfer. Der erste bekannte Graf war
Berthold, der um 1140 lebte, der letzte Graf Kasimir
von E. der jüngern Linie, mit welchem, da er nur
eine Tochter, Älbertina Sophie, vermählt mit Her-
zog Friedrich August von Württemberg, hinterlieh,
dieses Geschlecht 1660 erlosch. Unter den Mitgliedern
der Familie sind hervorzuheben: Otto II., der in
der Lombardei das Vertrauen Kaiser Friedrichs II.
gewann, 1246-48 als Reichsverweser die ver-
waisten Herzogtümer Österreich und Steiermark ver-
waltete und 1283 die Burg Alt-Eberstcin an Baden
überließ, sodaß nun Neu-Ebcrstein der Hauptsitz des
Geschlechts E. wurde; Wolfra m vonE. (gest. 1395),
der kräftig, aber unglücklich gegen die Fürstengewalt
der Grafen von Württemberg kämpfte, und Bern-
hard II. von E., der Verleiher des Erbfolgegesetzes
seiner Familie. Vgl. Krieg von Hochfelden,Geschichte
der Grafen von E. in Schwaben (Karlsr. 1836).
2) Ein anderes Geschlecht waren die sächsischen
Grafen von E., die auf der im jetzigen Herzogtum
Braunschweig gelegenen Burg E. ursprünglich seß-
haft waren. Sie hatten in Niedersachsen und West-
falen ansehnliche Besitzungen, z.V. die Ämter Forst,
Fürstenberg, Ottenstein, Grohnde, Erzen, Ohscn,
Pollc, die Stadt Holzminden und Güter in Pader-
born und den Grasschaften Lippe. GrafOttovon
E. erhielt in Pommern die Herrschaft Neugarten und
stiftete die pommersche Linie, die 1663 mit Ludwig
Christoph erlosch. Graf Hermann von E., der
letzte Sprößling der fächs. Linie, der in der ersten
Hälfte des 15. Jahrh, starb, gab seine Herrschaft E.
1408 seiner Tochter Elisabeth, die mit Herzog Otto
dem Lahmen von Braunschweig-Lüneburg vermählt
war, als Brautschatz. Zu dieser Linie gehören auch
die im Vogtlande und in Dänemark begütert ge-
wesenen GrafenvonE.- Vgl.Spilcker,Geschichteder
Grafen von E.und ihrer Besitzungen (Arolscn 1833).
3) Das 1282 vom Bischof Aerthold von Würz-
burg und dem Abte Verthold II. von Fulda zerstörte
Stammhaus des noch jetzt blühenden, urkundlich bis
1116 zurückreichenden, zur spätern fränkischen
reichsunmittelbaren Ritterschaft der Kantone Rbön-
Werra und Baunach gehörigen Geschlechts E. lag auf
einer Phonolithkuppe der jetzt prcuß. Vorderrhön
zwischen den Dörfern Brand, Wickers und Rupsroth.
Der nächste gemeinschaftliche Stammvater aller noch
lebenden E. vom E. auf der Rhön war Ernst Al-
brech t v o n E. (geb. 1605, gest. 1676), der während
des Dreißigjährigen Krieges im Dienste der verschie-
densten Heerführer kämpfte, 1648 vom Kaiser zum
Fcldmarschalllieutenant und 1657 vom Dänenkönig
Friedrich III. zum Gencralfcldmarschal! ernannt
wurde und als solcher 14. Nov. 1659 den Sieg bei
Nyborg auf Fünen erfocht. - Vgl. L. F. Freiherr von
Eberstein, Geschichte der Freiherren von E. und iln cr
Besitzungen (Sondersh. 1865); dcrs., Urkundliche
Geschichte des Geschlechts E. vom E. auf der Rhön
(5 Bde., Verl. 1889; davon ein Abriß Dresd.1893);
Kriegsberichte und Kriegsthaten des Generalfeld-
marschalls Ernst Albrecht von E. (Berl. 1891 u. 1892).
Ebersteinburg, Dorf im bad. Kreis und Amts-
bezirk Baden, ehemaliger Hauptort der alten Graf-
schaft Eberstein (s. d., 1), 4 Kni im NO. von Baden,
hat (1890) 489 kath. E. und die Ruine Alt-Eber-
stein (488 m) mit herrlicher Aussicht. Westlich da-
neben der Berg Battert (566 m) mit den Trümmern
des alten Schlosses Baden, im SO. der Mertm
(672 m, nach einer hier gefundenen Merkurstatue
benannt, von der ein Abguß die Höhe krönt), mu
schönem Aussicktsturm. Etwa 12 km im SO. von
lctzterm das großherzogl. Schloß Neu-Eberstein,
mit prachtvollem Blick in das Murgthal. Der Ritter-
saal enthält eine schöne Sammlung von Waffen und
Geräten, Glas- und Ölgemälde.
Eberswalde, bis' 1877 Neustadt-Ebers-
walde genannt, Stadt im Kreis Oberbarnim des
preuß. Reg.-Bez. Potsdam,
45 km nordöstlich von Berlin
und 16 Km westlich von Freien-
walde, in 30 m Höhe, am nördl.
Rande der Platte von Varnim,
liegt in schöner Gegend am Fi-
nowkanal und den Linien Ber-
lin-Stettin und Verlin-Freien-
walde der Preuh. Staats-
bahnen, hat (1890) 16114 E.,
darunter 101 Katholiken und 175 Israeliten, Post
erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, Fernsprech-
einrichtung und -Verbindung mit Berlin, Amts-
gericht (Landgericht Prenzlau), zwei Oberförstereicn,
Gasanstalt, städtisches Schlachthaus, zwei evang.
Kirchen, eiue kath. Kirche und eine Synagoge, städti-
sches Wilhelmsgymnasium (1878 gegründet, Direk-
tor Dr. Klein, 14 Lehrer, 8 Klassen nnt 261 Schülern,
3 Vorklassen mit 53 Schülern), höhere Mädchenschule,
2 Privathaushaltungsschulen, eine Provinzialirren-
anstalt, eine 1830 von Pfeil begründete königl.
Forstakademie (71 Studierende) mit derHauptstation
des forstlichen Versuchswesens und vielen Samm-
lungen; ferner drei Eisengießereien, eine Eisendahn-
reparaturwerkstätte, eine große Hufnägelfabrik (1l)W
Arbeiter), zwei Dachpappen-, eine Cement fabrik, drei
Bierbrauereien, große Ziegeleien und Sägemühlen
sowie bedeutenden Holzhandel. E. hat starke Eisen-
quellen, vier Bade- und eine Schwimmanstalt, einen
Kurpark mit sehenswerten Wasserkünsten und ist be-
liebte Sommerfrische (1892: 860 Kurgäste). Auf dem
Finowkanal (s. d.) gingen (1890) durch E. in der
Richtung nach der Havel 13300 beladene, 34 unbe-
ladcne Frachtschiffe mit zusammen 1,68 Mill. t Trag-
fäbigkeit und 1,79 Mill. t Gütern und 64400 t Floß-
holz. Zur Oder gingen nur 167 beladene, 1899
unbeladene Schiffe mit 13200 t Gütern und 600 t
Floßholz. - Vgl. Bellermann, Beschreibung der
Stadt Neustadt-Eberswalde (Berl. 1829); Danckel-
mann. Die Forstakademie E. (ebd. 1880).
Ebert, Adolf, Romanist, geb. 1. Juni 1820 zu
Eassel, widmete sich 1840-44 zu Marburg, Leip-
zig, Göttingen und Berlin philol. Studien und
badilitierte sich in Göttingen für Geschichte und
Litteratur der roman. Völker, insbesondere der Spa-
nier und Italiener. Nach dieser Richtung hin ver-
öffentlichte E. "Quellenforschungen aus der Ge-
schichte Spaniens" (Cass. 1849). Dann siedelte er
nach Marburg über, wo er außerord. Professor
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