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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ebersberg (Ottokar Franz) - Eberstein (Dorf)
amtes E., 6 km von Grafing, in 557 in Höhe, ist
Sitz eines Bezirksamtes, Amtsgerichts (Landgericht
München II), Nent- und Forstamtes und hat (1890)
2038 E., Posterpedition, Telegraph, kath. Pfarr-
und Wallfahrtskirche, ein Schloß, ehemals eine
starke Burg (880 erbaut) und ein im Mittelalter be-
rühmtes Venediktinerkloster, 1781 fast ganz abge-
brannt; gewerbliche Fortbildungsschule, Kinder-
bewahranstalt und Filiale der Franziskanerinnen.
Gbersberg, Ottokar Franz, Theaterdichter un-
ter dem Namen O. F. Berg, geb. 10. Okt. 1833 zu
Wien, war mehrere Jahre bei der Lotto-Gefälls-
direltion angestellt. Seit 1855 schrieb er für die
Wiener Vorstadttheater Stücke, die zum Teil sehr
beliebt wurden, z. B. "Der Wiener Dienstboi" (ge-
druckt 1868, in Berlin in Kalischs Bearbeitung
u. d. T. "Berlin, wie es weint und lacht" aufgeführt);
"Einer von unsere Leilt'" (1868), "Der letzte National-
gardist" (1872), "Die alte Schachtel", "Die Probier-
mamsell", "Die Pfarrersköchin" (1871), "Eine ver-
rückte Person" (1871), "IsaakStern" (1872), "Doktor
Haslingcr" (1876), "Der Hasenschrecker" (1876), "Ein
Stündchen auf dem Comptoir" (1876) u. s. w., im gan-
zen i/ber 150 Possen, Parodien, Lustspiele u. dgl. Die
Posse "Wiener und Franzos" wurde 1860 nach der
vierten Aufführung verboten; infolgedessen ging E.
nach Berlin, kehrte aber schon 1861 nach Wien zurück,
wo er sich auch der Publizistik zuwandte und u. a.
das Witzblatt "Kikeriki" (seit 1861) und das "Wiener
illustrierte Extrablatt" (seit 1872) gründete und
herausgab; früher leitete er die humoristische Halb-
monatsschrift "Brum-Brum", die Monatsschrift
"Tagebuch des Kikeriki" und 1858-59 mit Wimmer
das Spottblatt "Tritsch-Tratsch". Er starb 16. Jan.
1886 in Döbling bei Wien.
Gbersdorf. 1) Herrschaft im Fürstentum Reuß
jüngerer Linie, im Vogtlande. Das Haus der Reuhen
von Plauen hatte sich im 16. Jahrh, in mehrere
Linien gespalten, von denen um 1616 nur noch zwei
blühten: die ältere und die jüngere Linie Reuß.
Die letztere teilte sich 1647 in drei Hauptlinien:
Gen, Schleiz und Lobenstein. Gera starb 1802 aus
mit Heinrich XXX. und wurde von Schlciz und
Lobenstein beerbt. Lobenstein zerfiel nach dem Tode
Heinrich X. 1671 in die drei Speciallinien: Loben-
stein, Hirschberg und E. Hirschberg erlosch 1711
und Lobenstein 1824. E. erlangte als einzige über-
lebende Linie unter Heinrich I^XXII. den Gesamt-
besitz der Herrschasten Lobcnstein und Hirschberg
sowie die Hälfte der Herrschaften Gera und Saal-
burg. Das nunmehrige Fürstentum Reuß-Lobenstein-
Ebersdorf bestand bis 1848. In diesem Jahre legte
der Fürst die Negierung nieder und das Land fiel
an das Haus Schleiz, dessen Fürst Heinrich I.XVII.
nun den gesamten Besitz der jüngern Linie in seiner
Hand als Fürstentum Neuh jüngerer Linie ver-
einigte. - 2) Marktflecken im Landratsamtsbezirk
Schleiz des Fürstentums Neuh jüngerer Linie, 21 lim
im SW. von Schleiz, ehemals Residenz und Sitz der
Landesbehörden, jetzt Sitz eines Rentamtes und einer
Superintendentur, hat (1890) einschließlich derVrü-
dergemeine(303E.)839 E., Post, Telegraph, ein
schönes Schloß, 1690-93 von Heinrich X. erbaut,
nebst Park und Hofgärtnerei, eine 1733 vom Grafen
Zinzendorf, dem Schwager des Grafen Reuß, ge-
gründete Brüdergemeine nebst berühmten Lehr- und
Pensionsanstalten für Knaben und Mädchen sowie
ein großes Kammcrgut mit Brauerei. - 3) Dorf
in der Amtshauptmannschaft Flöha der sächs.Kreis-
hauptmannschaftZwickau, 5 km. nördlich von (5hem-
nitz, ehemals Wallfahrtsort, hat (1890) 2192 (1061
männl., 1131 weibl.) evang. E., Postagentur, schöne
Kirche, 1888 restauriert, früher einem ehemaligen
Kollegiatstifte gehörig.
Gbersdorf, auch Kaiser-Ebers dorf, früher
Dorf im Gerichtsbezirk Schwechat der österr. Bezirks-
hauptmannschaft Brück in Niederösterreich, seit 1890
zum großen TeU mit Wien vereinigt und zu dessen
IX. Bezirk gehörig, südöstlich von Wien und an der
Einmündung der Schwechat und des Donaukanals
in die Donau, Endstation der Donauländebahn
(s. d.), sowie der Donauuserbahn (f.d.), hatte (1890)
in den jetzt mit Wien vereinigten Gebietsteilen
2785, im ganzen 3386 E., Post, Telegraph;
Metallwarenfabrik, Dampfmühle, Feld- und Gar-
tenwirtschaft sowie Handel mit Lebensmitteln in dic
nahe Hauptstadt.
Die Hochöfen der Alpinen MoMaua.eMschaft
(jährlicheProduktion 32000t Roheisen) befinden sich
in dem mit Schwechat vereinigten Gebietsteile von E.
Bei E. liegt der große Central-Friedhof Wiens, das
sog. Neugebäude und der Winterhafen des Donau-
tanals. Gegenüber von E. liegt die in der Kriegs-
geschichte merkwürdige Donauinsel Lobau (s. d. und
Äspern und Eßling). - In älterer Zeit war E. der
Hauptsitz des kaiserl. Jagdgebietes. Kaiser Maxi-
milian I. tauschte 1499 das Gut von den Herren
von E. ein. Ferdinand I. erweiterte das Schloß (1558
-61). Als Maria Theresia Schönbrunn zu ihrer
Sommerresidenz bestimmt hatte, schenkte sie das
Schloß samt dem Gute E. den Armen. Das Schloß-
gebäude besonders wurde als Waisenhaus,später als
Erziehungshaus für Ofsizierstöchter verwendet, bis
Kaiser Joseph II. dasselbe zur Artilleriekascrne be-
stimmte. Der ehemals freie Thürnlhof in E., jetzt
Eigentum der Gemeinde Wien, war 1809 vor der
Schlacht bei Aspern Napoleons Hauptquartier.
Gbersheim, Dorf im Kreis und Kanton Schlett-
stadt des Bezirks Unterelsaß, 6,5 kui nordöstlich von
Schlettstadt, unweit (links) von der III und an der
Linie Straßburg-Basel der Elsaß-Lothr. Eisen-
bahnen, hat (1890) 1895 kath. E., Postagentur,
Telegraph, kath. Pfarrei; Baumwollweberei, Hanf-
bau. 4 km östlich Ebers münster mit einst be-
rühmter Benediktinerabtei (7. Jahrh.) und schöner
Kirche (1727) im Barockstil.
Ebersmünster, s. Ebersheim.
Gberstadt, in Urkunden auch Gerberstadt,
Dorf im Kreis Darmstadt der Hess. Provinz Star-
kenburg, 7 kni südlich von Darmstadt, an der Linie
Frankfurt-Heidelberg und der Nebenlinie E.-Pfung-
stadt (4 kin) der Main-Neckarbahn und durch Dampf-
straßenbahn mit Darmstadt verbunden, hat (1890)
3839 E., darunter 1180 Katholiken, Post, Telegraph,
Oberförsterei, Vorschuh-, Spar- und Kreditverein,
Wasserleitung; je 2 Papierfabriken und Papier-
warenfabriken, letztere mit eigenen Druckereien,
6 Liqueur-, je 1 Spitzenpapier- und Korkfabrik fo-
wie 4 Brauereien und in der Umgegend zahlreiche
Wasser- und Dampfmühlen.
Eberstein, Dorf in der österr. Bezirkshaupt-
mannschaft St. Veit in Kärnten, in 559 in Höhe, am
Görtfchitzoache und an der Linie Hüttenberg-Klagen-
furt der Österr. Staatsbahnen, in malerischer Um-
gebung am Fuße der 2081 in hohen Saualpe, die
von hier aus bestiegen wird, hat (1890) 554, als
Gemeinde 2168 E., Post, Telegraph, Bezirksgericht
(292,65 <iwn, 7 Gemeinden, 75 Ortschaften, 11643 E.).