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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ebonit - Ebro
Absichten Escovedos entgegentrat, verriet dieser
dem Könige das Verhältnis des Perez mit der E.
Philipp beschloß, sich ihrer aller zu entledigen. Er
ließ den ihm politisch verdächtigen Escovedo durch
den wegen Verrats besorgten Perez 31. März 1578
töten und die Verwandten des erstern dann Klage
gegen den letztern als Mörder erheben. Perez ent-
zog sich der Verfolgung durch die Flucht; die Für-
stin aber, die ihn zu dem Morde aus Stolz und
Furcht angetrieben hatte und in den Prozeß ver-
wickelt ward, wurde auf das Schloß Pinto ver-
bannt und durfte erst 1581 ihren Palast Pastrana
beziehen. Hier starb sie 2. Febr. l592. Die ideali-
sierte Glut der Leidenschaft und die tragische Reue,
womit Schiller die E. im "Don Carlos" ausstattet,
ist nur in der Dichtung gerechtfertigt. - Vgl. Muro,
Viäa. ä6 1a. ?i-iuc683. äs ll. (Madr. 187?/; Lauser,
Diehistor. Fürstin E. (in "UnsererZeit", Lpz.1879).
Gbontt, gleichbedeutend mit Hartgnmmi, s.
Gummiwarenfabrikation.
UdorHonul (I^dui-Äoum), röm. Name der engl.
Stadt York (s. d.).
Gbrach, drei Flüßchen im bayr. Reg.-Vez. Ober-
franken, welche an der Ostseite des Steigerwaldes
entspringen und nach O. zur Regnitz fticsicn. Die
nördliche, die Rauhe E., ist etwa 16 km lang,
vereinigt sich unterhalb Vurgebrach mit der Mittel-
ebrach und mündet 4 km südöstlich von Vam-
berg. Wenige Kilometer südlicher fließt die etwa
19 km lange Reiche E., welche etwa 3 km ober-
halb der erstern mündet.
Gbrach oder Klosterebrach, Marktflecken im
Bezirksamt Bamberg 11 des bayr. Reg.-Bez. Ober-
franken, 34 km westlich von Vamberg, an der Mit-
telebrach, in 327 m Höhe im Steigerwalde, hat
(1890) 1001 E., Postcrpedition, Telegraph, Fern-
sprechverbindung, Forstamt, schöne Kirche, Gold-
leistenfabrik und Holzhandel. Die ehemals berühmte
und sehr reiche Cistercienserabtei, 1126 von Verno
und Nichvin von Eberau gestiftet, 1803 aufgehoben,
dient jetzt als Zucht- und Arbeitshaus. Von Mori-
mond m Flandern, dem vierten Tochterkloster von
Merz, siedelten 12 Mönche 1147 hierher über. 1200
begann Abt Hermann I. den Bau der Kirche (1280
vollendet). Diese (86 m lang), eins der schönsten
Denkmäler got. Baukunst, hat über 50 Fenster,
26 Altäre und über dem Portal eine Rose von 12 m
Durchmesser mit neuen genialten Fenstern sl887).
Die Orgel, mit 36 Registern, wird als ein Meistcr-
Gbraer, s. Hebräer. "verk gerühmt.
Gbranlieren (frz., spr. ebrangl-), erschüttern;
Ebranle m e n t (spr. ebrangl'mäng), Erschütterung.
Gbrard, Joh. Heinr. August, reform. Theolog,
hugenottischer Abstammung, geb. 18. Jan. 1818 zu
Erlangen, wo sein Vater Prediger der franz.-reform.
Gemeinde war, studierte daselbst und in Berlin, ha-
bilitierte sich 1842 in Erlangen, wurde 1844 Pro-
fessor in Zürich, 1847 Professor der rcform. Theo-
logie in Erlangen, 1853 Konstistorialrat in Speyer.
Infolge der von liberaler Seite, besonders gegen
ein neues von ihm ausgearbeitetes Gesangbuch ins
Werk gesetzten Opposition gab er 1861 seine Stel-
lung auf und kehrte nach Erlangen zurück, wo er
seine Vorlesungen wieder aufnahm und 1875 zu-
gleich Pfarrer an der franz.-reform. Gemeinde wurde.
Er starb daselbst 23. Juli 1888. E. war ein Vertreter
des reform. Konfessionalismus, aber ohne Gegensatz
zur Union, unermüdlich im Kampf gegen pror. Ra-
tionalismus und röm. Katholicismus. Er veröffent-
lichte :"WissenschastlicheKritik der evang. Geschichte"
(Frankf. 1842; 3. Aufl. 1868), Erklärungen des He-
bräerbriefs (Königsb. 1850), der Offenbarung (1853)
und der Briefe des Johannes (1859) als Fortsetzun-
gen zu Olshausens "Kommentar zum Neuen Testa-
ment", "Cbristl.Dogmatik" (2 Bde., Königsb. 1851
-52; 2. Aufl. 1862-63), "Das Dogma vom heili-
gen Abendmahl und seine Geschichte" (2 Bde., Frankf.
1845-46), "Vorlesungen über praktische Theologie"
(Königsb. 1854), "Handbuch der christl. Kirchen-
und Dogmengeschichte" (4Tle., Erlangen 1865-67),
"Die iro-schott. Missionskirche des 6. bis 8. Jahrb."
(Gütersloh 1873), "Apologetik" (2 Bde., ebd. 1874
-75; 2. Aufl. 1878 - 80), "Vonifatius, der Zer-
störer des columbanischen.Kirchentums auf dem Fest-
l lande" (ebd. 1882), "Christian Ernst von Branden-
burg-Vayrcuth" (ebd. 1885); im Auftrage des Re-
formierten Bundes bearbeitete er "Salnars ii^rmo-
iiiH coni'633iorwm ticloi. Das einhellige Bekenntnis
der reform. Kirche aller Länder" (Barmen 1887).
Sein "Reform. Kirchenbuch" (Zür. 1847; 2. Aufl.,
Halle 1890) bildet eine vollständige Sammlung der
in der reform. Kirche eingeführten Kirchengebete und
Formulare. E. gab nacheinander die Zeitschriften:
"Zukunft der Kirche" (Zür. 1845-47), "Reform.
Kirchenzcitung" (mit Ball und Treviranus, Erlan-
gen 1851 - 53), "Evang. Blätter" (Landau 1854
-57) heraus. Außer zahlreichen Flugschriften und
den Prepigtsammlungen "Das Wort vom Heil"
(Zür. 1849) und "Immanuel" (Speyer 1860) ver-
öffentlichte er auch ein "System der musikalischen
Akustik" (Erlangen 1866) sowie Übersetzungen
Ossians (Lpz. 1868), des peruan. Dramas "Ollanta"
(Stuttg. 1877) und der Gedichte P. Lotichs (Güters-
loh 1883). Unter den Pseudonymen Siegmund
Sturm, Gottfried Flammberg, Christian
Deutsch hat cr ferner eine Reihe epischer, lyrischer
und dramat. Dichtungen sowie Novellen und histor.
Romane von vorwiegend christl.-sittlicher Tendenz
versaßt. Den ersten Band einer Selbstbiographie
gab cr u.d.T. "Lebensführungen. In jungen Jah-
ren" (Gütersloh 1888) heraus.
Gbro (lat. Idsi-uä), ein Hauptstrom Spaniens,
entspringt in der altcastil. Provinz Santander bei
Fontibre nicht wcitvondenQuellen des Pisuerga,der
zum Ducro fließt, 5 km westlich von Reinosa, das von
ihm in 847 m Höhe durchflossen wird. Abweichend
von den übrigen in westl. Richtung dem Atlantischen
Ocean zueilenden span. Hauptflüssen, läuft der E.
in südöstl. Richtung durch Altcaftilien, Navarra,
Aragonien und Katalonien und ergießt sich in das
Mittelmeer. Seine Länge beträgt 757,4 Km und
sein Stromgebiet 83530 <^km. Zunächst durchfurcht
cr als rascher und heller Gebirgsstrom die nördl.
Hochflächen Altcastiliens, biegt nach einem östl.
Lause von 30 km nach S. um, wodurch er sich dem
Pisuerga bis auf 18 km nähert, wendet sich dann
auf fernere 80 km ostwärts und tritt als ein statt-
licher Fluß in das obere Ebrobassin, eine
3800 ^km große Hochfläche des iber. Stufcnlandes,
das er bis unterhalb Logrono in trägem Laufe
durchschlängelt. Oberhalb Tudela tritt er in das
untere Ebrobassin, die 20000 <zkm große
Ticslandsmulde Nicdcraragonicns, einst ein Bin-
nenmeer, jetzt größtenteils ein dürres, eintöniges
Steppengebiet. Hicr bildet der Fluh große Schlin-
gen und teilt sich bei Saragossa (184 m Höhe) durch
Sandbänke in mehrere im Sommer seichte Arme.
Von Caspe (96 m Höhe) geht er in Windungen