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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eduard (Prinz von Wales) - Edwards (Amelia Blandford)
kirchliche Neuerung, die 1549 eine große Empörung
zum Ausbruch brachte. Somersets schwer erschüt-
terte Stellung benutzte sein Rivale, Graf Warwick,
der spätere Herzog von Northmnberland (s. d.), ihn
z"u stürzen (Okt. 1549). Der neue Machthaber blieb
in religiösen Dingen auf der betretenen Bahn und
brachte einen von Somerset mit wenig Glück gegen
Frankreich geführten Krieg zum Abschluß. Die Re-
formation erhielt ihren weitern Ausbau durch das
umgearbeitete Gebetbuch und die 42 Glaubens-
artikel. Vor allem strebte Northumberland danach,
seine fast absolute Macht auch über das hinschwin-
dende Leben des jungen Königs hinaus zu sichern,
er brachte ihn zur Unterzeichnung einer Thronfolge-
ordnung, die, entgegen der seines Vaters, die Nach-
folge seiner Schwestern Maria und Elisabeth um-
stieß und an ihre Stelle die Nachkommen von Hein-
richs V1I1. jüngerer Schwester Maria setzte. Mit
der Trägerin von deren Rechten, Jane Grey (f.d.),
hatte Northumberland seinen Sohn vermählt. Aber
es gelang Maria I., diese Intrigue sosort zu
durchbrechen, als ihr Bruder 6. Juli 1553, 15 I.
alt, gestorben war. E. hatte nur den Namen für
die Herrschaft einzelner Mächtiger gegeben, aber
trotz vieler Wirren und Unfälle ist unter ihm Grund-
legendes geschaffen worden für die kirchliche Refor-
mation, der auch das Herz des königl. Knaben in
Frömmigkeit ergeben war. - Vgl. Fronde, Histor^
of NuBanä, Bd. 5 (Lond. 1881); Maurendrecher,
England im Neformationszeitalter, Bd. 1 (Düsseld.
1866); Ranke, Engl. Geschichte, vornehmlich im
17. Jahrh. (3. Aufl., 9 Bde., Lpz. 1877-79).
Eduard, Prinz von Wales, nach seiner Rüstung
"der schwarze Prmz" genannt, der älteste Sohn
Eduards III. von England, war 15. Juni 1330
geboren. Er bewährte seine kriegerische Tüchtigkeit
namentlich in den Kriegen seines Vaters gegen Frank-
reich, zuerst schon als 16jährigerJüngling 1346 in der
Schlacht bei Cröcy. 1355 erhielt er als Statthalter
von Aquitanien den Oberbefehl über ein Heer, das
von Bordeaux aus vorgehen sollte, jedoch bestand der
ganze Fcldzug nur in einer greuelvollen Verwüstung
Südfrankreichs; 1356 verrichtete er dafür seine glän-
zendste Waffenthat durch den Sieg bei Maupertuis
über eine große franz. Übermacht. 1362 wurde er
zum Fürsten von Aquitanien und der Gascogne er-
hoben und hielt glänzenden Hof zu Bordeaux und
Angouleme. 1367 griff er entscheidend in die Kämpfe
um'den caftil. Thron ein (s. Peter der Grausame von
Castilien), aber durch den Hcereszug in Schulden ge-
stürzt und zu großen Gcldanforderungen genötigt,
erregte er Unzufriedenheit in feinen Landen, die
Karl V. von Frankreich benutzte, um E. zur Recht-
fertigung wegen diefer Klagen vor fein Gericht zu
laden. Damit führte er 1369 den neuen Ausbruch
des Krieges herbei. Siegreich drangen die franz.
Truppen vor, Limogcs öffnete ihnen die Thore.
E., seit dem Zug nach Spanien von unheilbarem
Siechtum befallen, erschien vor der Stadt, er selbst
in einer Sänfte getragen, und strafte sie nach der
Einnahme mit erschreckender Grausamkeit (1370).
Es war seine letzte und wenig rühmliche Kriegs-
that. Noch traf ihn der schmerzliche Schlag, daß
sein ältester sechsjähriger Sohn E. starb. Selbst ein
dem Tode verfallener Mann, kehrte er 1371 nach
England heim und nahm noch, auf der Seite des
Hauses der Gemeinen stehend, teil an deren Vor-
gehen gegen die Hospartei unter seinem Bruder
Lancaster. Er starb 8. Juni 1376 zu Westminster
und wurde zu Canterbury bestattet. Sein Sohn
war der König Richard II. - Vgl. die Litteratur zu
Eduard III. und G. P. R. James, Hiätoi^ ot'tlis
liks ot I^vai-ä tk6 VIaek ?rino6 (Lond. 1822);
Pauli, Aufsätze zur engl. Geschichte (Lpz. 1869).
Eduard (portug. Duarte), König von Por-
tugal (1433-38), Sohn Johanns I. des Unechten,
welcher 1383 das neuburgund. Königshaus be-
gründethatte, geb. 1391, war ein hochsinniger, fein-
gebildeter Fürst und fuchte die Macht des Adels zu
schwächen, indem er verordnete, daß alle verschenk-
ten Krongüter beim Aussterben des Mannsstammes
der Besitzer an die Krone heimfallen sollten. Sein
Bruder, Prinz Heinrich der Seefahrer, fetzte die
fchon zur Zeit des Vaters begonnenen Entdeckungen
der Portugiesen an der afrik. Küste fort, doch nicht
so sehr mit den Mitteln des Staates, als aus den
des Christusordens, dessen Großmeister er war.
Gdukation (lat.), Erziehung; Edukätor, Er-
zieher; Eoukationsrat, Schulrat.
Edükt (lat.), im Gegensatz zu Produkt solche
Stoffe, die in einem der Bearbeitung unterliegenden
Material bereits fertig gebildet enthalten sind, wäh-
rend Produkte erst durch die Bearbeitung entstehen.
Das Gold ist ein E. der Aufbereitung goldführen-
der Gesteine, der Ring ist ein Produkt der Gold-
schmiedekunst.
Gdulkoration, Edulkorieren (neulat.), Aus -
süßen, technisch-chem. Operation, gleichbedeutend
mit Auswaschen (s. d.) und Auslaugen (s. d.).
Ü-Äur (ital. mi ma^iore; frz. nii ma^ur; engl.
e imiM'), die Dur-Tonart, bei der f, <?, F, ä um
einen halben Ton erhöht werden, also 4 D vor-
gezeichnet sind; die parallele Moll-Tonart ist ^is-
moii. (S. Ton und Tonarten.)
Eduzieren (lat.), erziehen.
ZI<A"/i., bei naturwissenschaftlichen Namen Ad'
kürzung für Henri Milne-Edwards (s. d.).
Edward, engl. Namensform für Eduard.
Edwards, Amelia Vlandford, engl. Schrift-
stellerin und Agyptolvgin, geb. 1831 zu London als
Tochter eines Offiziers, begann ihre Schriftsteller-
laufbahn sehr früh mit Beiträgen zu Zeitungen und
Zeitschristen. Ihr erster Roman "N^ drotkki-'L ^vik6"
erschien 1855. Dann folgten: "Ilanä 2.11a ßiovs"
(1859), "Larliai'H'L kiäwi^" (3 Bde., 1864 u. ö.),
"HM 3. inillion 0fmoii67" (3 Bde., 1865; neue Aufl.
1868), eine Sammlung kleinerer Erzählungen u. d. T.
"Ni88 (?>ar6^v" (3 Bde., 1865); "Dsdeniiain^ vo>v"
(1870), "In tliL ä^8 olui^ 701M" (3 Bde., 1873, eine
Novellensammlung), "Nou8i6ur ^laurice" (3 Bde.,
1873) und "I^oi-ä Lr^Olldui-)'" (3 Bde., 1880;. fünf-
mal überfetzt), ihr bestes Werk. Daneben machte E.
sich auch als Jugendschriftstellerin bekannt durch
"^ "nnniiui-^oi'I^u^liLii liiLwi')"" (1856; neue Aufl.
1878), "^.u adi'iä^inEut ok^ronc^ liiätoi'^" (1858;
neue Ausg. 1880) und die Erzählungen "Ns ^oang
mar<ini8" (1857) und "^tor^ ok ^6i'vaiit68" (1862).
Ihre Reisen beschrieb sie in "Huti-oääßn p6ak8 au 6
uQlr6HU6nt6ä V3.1i6^8; a miä8uiiiui6r r3.mdi6 iu td6
Do1oinit68" (1873) und "^. tk0U83.nä MÜ68 UP tk6
NÜ6" (1877, mit 80 eigenen Illustrationen; 2.Aufl.
1888). Mit Professor S. Poole und Sir E. Wilson
veranlaßte sie 1883 die Gründung des "V^^t Nx-
ploi-lUion^uuä n, studierte die altägypt. Denkmäler
und wurde dafür Ehrendoktor der Nniverfität Co-
lumbia (Neuyork). Ihre Aufsätze erschienen besonders
in der "^eadeiii)?". Als Dichterin trat sie in den
"Nailkää" (1865) auf; ferner stellte sie "^ poeti-)'-