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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eggestein - Egill
blatt der Bauverwaltung", gewann 1880 den ersten
Preis beim Wettbewerb für den großartigen Bahn-
hof in Frankfurt a. M., den er bis 1889 gleichzeitig
mit dem Kaiserpalast in Straßburg vollendete. E.
lebt als Baurat in Wiesbaden.
Eggestein, Heinr., aus Rosheim im Elsaß, der
zweite Drucker Straßburgs nach Joh. Mentelin, wenn
man von Gutenbergs Thätigkeit in dieser Stadt
absieht. Von Beruf Schreiber und mit einiger ge-
lehrter Bildung versehen, wird er seit 1427 durch
längere Zeit als "Insigler" erwähnt. Das Bürger-
recht erwarb er 1442, gab es später aber wieder
auf (wohl infolge Verzuges) und erwarb es erst
1459 von neuem. Bald darauf begann er zu
drucken und war bestimmter Überlieferung nach
zuerst mit Joh. Mentelin verbunden, jedoch keines-
falls lange, denn durch einen Schirmbrief vom
30. April 1466 sicherte Kurfürst Friedrich von der
Pfalz als Landgraf vom Elsaß ihm lohne Joh. Men-
telin) seinen besondern Schutz zu. Zahlreiche Drucke,
meist sehr umfangreiche, werden ihm zugeschrieben;
wenige davon sind datiert, der erste von 1471, der
lchte von 1478. Seine spätestens 1466 gedruckte
deutsche Bibel galt früher als die erste, ist jetzt aber
als Nachdruck der Mentelinschen erwiesen. Er starb
wohl bald nach 1478.
Gggischhorn, s. Aletschgletschcr.
Gggmühl (Eckmühl), Dorf im Bezirksamt
Mallersdorf des bayr. Reg.-Bez. Niederbayern,
21 Km südöstlich von Regensburg, an der Großen
Laber und der Linie NegensburgÄtünchen der Bayr.
Staatsbahnen, hat (1890) 334 E., Bahn- und Post-
crpedition, Telegraph, Schloß und ist durch die
Schlacht vom 22. April 1809 denkwürdig geworden.
Nachdem der linke Flügel des österr. Heers 20. April
von Napoleon I. bei Abensberg geschlagen und
21. April Landshut geräumt war, bedrohte Erz-
herzog Karl am 21. aus seiner Stellung bei E.,
dcm Hauptpasse nach Regensburg, mit vier Armee-
korps Napoleons Heer im Rücken und hoffte sich der
Straße nach Donauwörth zu bemächtigen. Allein
die von Napoleon an der Laber zurückgelassenen
Korps von Davout und Leföbvre hielten ihn am
21. auf und am 22. nachmittags traf Napoleon mit
den Korps von Lannes, Mass<5na, den Württem-
bergcrn unter Vandamme und zwei Kürassierdivisio-
nen dem Dorfe E. gegenüber ein, wo bereits die
Bayern und Davout gegen das österr. Korps Rosen-
berg im Treffen standen. Das württemb. Korps nahm
das Dorf Buchhaufen und besetzte die Waldungen.
Hierauf überflügelte Lannes die Österreicher links,
während sie, von vorn angegriffen, zurückgedrängt
wurden. Bei E. hielten sie wieder Stand; aber
stürmend nahm die württemb. Infanterie das Dorf.
Bald nachher wurden die Österreicher auch aus dem
Walde, der Regensburg deckt, vertrieben und in die
Ebene geworfen. Die beiden franz. Kürassierdivi-
sionen, mit der bayr. und württemb. leichten Kaval-
lerie, zusammen 16 Regimenter, brachen nun vor
und warfen nach längerm Handgemenge die österr.
Reiterei. Dies vollendete die Niederlage der Öster-
reicher und zwang den Erzherzog zum Rückzug über
die Donau nach Regensburg. Davout wurde von
Napoleon zum Fürsten von E. ernannt.
HF3-3ks11s sengl., spr. schells), s. Eierschalen-
porzellan.
Ggham (spr. eggem), Dorf in der engl. Grafschaft
Surren, reckts an der Themse, unterhalb Windsor,
hat (1891) als Zä'hldezirt 16166 E. In E. ist
eine Hochschule für 300 Studentinnen, errichtet von
dem Fabrikanten Holloway für 1 Mill. Pfd. St.
Längs der Themse die Ebene von Nunnimede, wo
König Johann 1215 die Na^ua. (Harta erteilte.
Auf dem Cooper's Hill die Indische Ingenieurschule.
Ggidy, Christoph Moritz von, bekannt als Ver-
fasser der "Ernsten Gedanken", geb. 29. Aug. 1847
zu Mainz, wurde im Kadettenkorps zu Potsdam
und Berlin erzogen, 1865 Sekondelieutenant im
brandend. Füsilierregiment Nr. 35, mit dem er den
Feldzug von 1866 mitmachte, trat 1868 aus Fa-
milienrücksichten in den sächs. Militärdienst über,
und zwar in das Gardereiterregiment, mit dem
er am Deutsch-Französischen Kriege teilnahm. E.
wurde 1875 Rittmeister, 1884 Major im Husaren-
regiment Nr. 18, 1889 Oberstlieutenant und im
Herbst 1890 verabschiedet; seit Herbst 1891 wohnt
E. in Berlin. Großes Auffehen erregte )e'me im
Okt. 1890 erschienene Broschüre: "Ernste Gedanken"
(Leipzig), in der er gegenüber der dogmatischen Ver-
engung und Vcrknöchcrung der evang. Kirche den
undogmatischen Charakter des Christentums als der
Religion der Liebe betonte und mit heiligem Ernste
zu einer religiösen Neubelebung aufforderte. Diese
Schrift wurde in 5 Monaten in 50000 Exemplaren
verbreitet (auch in die meisten europ. Sprachen über-
fetzt) und rief eine lange Reihe von Gegenschriften
hervor, als deren bedeutendste W. Bornemanns
"Bittere Wahrheiten" (Gott. 1891) zu nennen sind.
Nach seiner Verabschiedung führte E. seine Gedanken
und Pläne in "Weiteres zu den Ernsten Gedanken"
(Berl. 1890) und "Ausbau der Ernsten Gedanken"
(8 Hefte, ebd. 1891) weiter aus. Um den auch ge-
sondert erschienenen "Bericht über die Pfingstver-
sammlung" (ebd. 1891) vermehrt, sind die ge-
nannten Schriften E.s vereinigt u. d. T. "Das einige
Christentum" (ebd. 1891) erschienen. Ferner ver-
öffentlichte E. "Ernstes Wollen" (ebd. 1891) und im
Febr. 1892 einen Aufruf an die Öffentlichkeit, der
in der Forderung: "Religion nicht mehr neben un-
serm Leben; unser Leben selbst Religion! aber Re-
ligion ohne Dogma! Christentum ohneVekenntnis!"
gipfelt. Auf dcm Grunde dieses PaiMmnrns er-
schien fcit Okt. 1892 eine von Prof. Lehmann-
Hohenberg in Kiel herausgegebene Vierteljahrs-
fchrift "Einiges Christentum", an deren Stelle 1894
die Wochenschrift "Versöhnung" (Berlin) trat.
Egill, die älteste Erscheinung des trefflichen
Schützen in der german. Sage, die in Deutschland
als Tellsage allgemein bekannt ist. Als Bruder
Völunds ist er zugleich ein Glied der Wielandssagc.
Wie dieser hat er eine Walküre, die Ölrun, die Toch-
ter des Königs vonValland, zur Gemahlin. Als
in Alrun aber die alte Walkürennatur sich regt und
sie den E. verläßt, sucht sie dieser, auf seinen Schlitt-
schuhen die gefrorenen Meere durchfal rend, überall.
Dadurch wird E. der Erfinder der Kunst des Schlitt-
schuhlaufens. Als Völund beim König Nidung ge-
fangen sitzt, kommt E. auf seine Bitte zu ibm. König
Nidung nimmt ihn freundlich auf, und um die
Wahrheit von E.s Bogenkunst zu erfahren, läßt er
ihn einen Apfel vom Haupte seines dreijährigen
Söhnchens schießen. Gegen das Verbot nimmt er
drei Pfeile zu sich, und auf die Frage des Königs,
nachdem der Schuß wohl gelungen ist, warum er
dies gethan, gesteht er unumwunden, daß die beiden
andern Pfeile für den König bestimmt gewesen wären,
hätte er gefehlt. Diefe Bemerkung verzeiht ihm
Nidung. E. ist seinem Bruder Völund bei der Flucht