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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ehrfurcht - Ehrsucht
dem Ausscheiden lsowie auch bei später etwa erfol-
gender Beförderung zum Offizier) lebenslänglich ge-
währt. Der Anspruch erlischt mit dem Verlust der
Ehrenzeichen infolge strafgerichtlicher Verurteilung.
Ehrfurcht, der höchste Grad der Ehrerbietung,
das Gefühl der Hingabe an dasjenige, was man
höher schätzt als sich selbst, sei es eine Person
oder eine geistige Macht, wie Vaterland, Wissen-
schaft, Kirche, Staat, Menschheit, Gottheit. Das
Kind empfindet E. gegen die Eltern als die sür es
sorgenden Personen, denen es sich zur Leitung zu
überlassen hat. Einzelne Personen können, ohne
notwendigerweise an geistiger Macht die übrigen zu
überragen, deren E. beanspruchen, wenn sie als
Träger und Repräsentanten ehrfurchterweckender
Ideen erscheinen. In solchen Fällen bezeichnet man
das Ehrfurchterweckende als erhaben, groh oder
majestätisch, wie man z. B. den Regenten der Staaten
Majestät zuerkennt. Die tiefste und vollkommenste
E. ist die sich auf die höchste und lebendigste Macht
in und über allen Personen beziehende religiöse E.
Ehrgefühl, s. Ehre.
Ehrgeiz, der heftige Trieb nach der ösfent- !
lichen Anerkennung unsers persönlichen Werts, der
in seiner gesunden und -natürlichen Gestalt Ehrge-
fühl und Ehrliebe heißt (s. Ehre). Das dem E. als '
Leidenschaft beigemischte Krankhafte fängt erst da
an, wo einem Menschen mehr an jener Anerkennung !
gelegen ist als am Guten selbst. l
^/i?'/z.,bei botan. Namen Abkürzung für Fried-
rich Ehrhart, Botaniker, geb. 1742 zu Kolderbank
im Kanton Bern, war erst Apotheker, studierte als
Apothekergehilfe in Stockholm unter Vergius und
in Upsala unter Linns und starb 1795 als kurfürstl.
Botaniker am Garten zu Zerrenhausen bei Hanno-
ver. Seine Herbarien veröffentlichte er in Form
von Dekaden ("I'iHnta.L crypto^ainieak 34 D6cc.; ^
(^iHni3.rig.6, (^ramina, 6t ^risMaloilißkk 14 Decc.
etc."); außerdem fchrieb er "Beiträge zur Natur-
kunde" (7 Bde., Hannov. und Osnabrück 1787-92).
Ghrhardt, Adolf, Historienmaler, gcb. 21. Nov.
1813 zu Berlin, wurde als Schuler von C. Sohn ^
und N. Schadow in Düsseldorf in der histor. Ma-
lerei ausgebildet, dann GehilfeVendemanns bei den
Schloßmalereien in Dresden und 1846 dort Pro-
fessor der Akademie. Seine Werke sind meist Stoffen
der mittelalterlichen Poesie und Geschichte entnom-
men oder religiösen Inhalts; so Meliscndis und
Rudello, nach'Uhland (1841), Rinaldov Absckicd
von Armida ll842), Traum des Dante, Karl d. Gr.
an der Leiche seiner Gemahlin Fastrada (1860).
Einer andern Richtnng gehören an: Karl V. in !
St. Just (1854), Versöhnung Ludwigs des Bayern ^
und Friedrichs von Ofterreich, Luther als Junker
Georg und die beiden schweiz. Studeuten in Jena
(1864; Museum zu Leipzig). Zu seinen Bildern
religiösen Inhalts gehören: Verkündigung Maria,
Maria Magdalena am Grabe Ehristi, Himmelfahrt
Christi (Altarbild in der Kirche zu Crostewitz; 1865).
Ferner hat er auch eine Reihe von Porträten ange-
fertigt. Endlich führte er 1871 - 76 drei Wand- !
gemälde in der Aula des Gymnasiums zu Vautzen ^
aus, welche die kulturgeschichtliche Entwicklung der
Wissenschaften vorstellen, außerdem an der Decke:
Emzug Christi in Jerusalem, Kreuztragung und die
vier Evangelisten. Er bearbeitete Bouvicrs "Hand-
buch der Ölmalerei" (6. Aufl., Vraunsckw. 1882)
und verfaßte "Die Kunst der Malerei. Eine Anlei-
tung zur Ausbildung für die Kunst " (ebd. 1885). !
Ehringshaufen, Dorf im Kreis Wetzlar des
pveuß. Reg.-Bez. Koblenz, an der Dill und an der
Linie Deutz-(Köln-)Giehen der Preuß. Staatsbah-
nen, bat (1890) etwa 1100 E.,Post,Telegraph, Amts-
gericht (Landgericht Limburg) und Eisenerzbergbau.
Ehrlich, Alfr. Heinr., Musikschriftsteller, geb.
5. Okt. 1822 zu Wien, bildete sich unter Henselt
und Thalberg zum Pianisten aus, wurde 1852
Hospianist des Königs von Hannover und lebt seit
1862 als Musiklehrer und Musikreferent in Berlin;
1875 erhielt er den Professortitel. Außer den Ro-
manen: "Abentener eines Emporkömmlings" (ano-
nym, 2 Bde., Franks, a. M. 1858), "Kunst und
Handwerk" (anonym, 3 Bde., ebd. 1861) veröffent-
lichte E., der zu den hervorragendsten Berliner
Musikkritikern gehört, die Schriften: "Schlaglichter
und Schlagschatten aus der Musikwelt" (Berl. 1872),
"Die Musikästhetik in ihrer Entwicklung von Kant
bis auf die Gegenwart" (Lpz. 1881), "Novellen aus
dem Musikleben" (Berl. 1884), "Lebenskunst und
Kunstleben" (2. Aufl., ebd. 1886), "Wagnersche
Kunst und wahres Christentum" (ebd. 1888), "Musik-
studium und Klavierspiel" (ebd. 1891), "Klavier-
spiel und Zeitideen" (ebd. 1893), "Dreißig Jahre
.Nünstlerleben 1862-1892" (ebd. 1893) u. a.
Ehrlicher Makler, sprichwörtlich gewordenes
Citat aus einer Neichstagsrede des Fürsten Bismarck
vom 19. Febr. 1878, worin er, als der Plan eines
in Berlin zur Regelung der Orientfragen abzuhal-
tenden europ. Kongresses aufkam, die Stellung
Deutschlands dahin präcisierte, daß diesem die Rolle
der Friedensvermittelung zufalle, daß es aber nicht
den Schiedsrichter spielen solle, sondern vielmehr
die Rolle eines ehrlichen Maklers, der das Geschäft
wirklich zu stände bringe.
Ehrliebe, s. Ehre.
Ehrlosigkeit (lat. int^inia), der Znstand, in
dem eine Person wegen ihres Verhaltens und dessen
Folgen der Ehre (s. d.) beraubt worden ist; sie wurde
im deutschen Recht vielfach als gleichbedeutend mit
der Infamie des röm. Rechts angesehen und als
Folge begangener Verbrechen dann angenommen,
wenn der Verbrecher durch Strafurteil für ehrlos er-
klärt oder eine entehrende Strafe an ihm vollzogen
war. Die Wirkungen der E. waren Ausschließung
aus der Zunft, Unfähigkeit, ein Zeugnis abzugeben,
und Verlust des Adels. Die E. konnte aufgehoben
werden durch den Landesherrn; dieser erteilte Wie-
dereinsetzung in den vorigen Stand (reätiwtio
t'^m^6). Die Strafgesetzgebung hat schon vor dem
Reichsstrafgesetzbuche fast überall diese E. beseitigt.
Ghrmann, Francois Emile, franz. Maler,^ geb.
5. "Hcpt. 1833 zu Straßburg, bildete sich in der I^cole
äL5 d63^ix-aN8 in Paris zunächst zum Architekten
ans, ging aber dann zur Malerei über und wurde
Schüler von Glcyre. 1865 stellte er sein erstes Ge-
mälde, cinc angelnde Sirene darstellend, in Paris
mit glänzendem Erfolg aus. Diesem folgten: Der
Eroberer, Die vonTheseusverlasseneAriadne (1873;
Aquarell), Die an dcrSonnevorübergehende Venus
(1875). Später pflegte er die dekorative Richtung
der Malerei; fo malte er das Deckenbild für den
Palast der Ehrenlegion, Die Musen (1877); dann
1879 zur Verherrlichung der Weltausstellung: Paris,
die Nationen zum Wettstreit in Kunst und In-
dustrie einladend, Die Weisheit, Künste und In-
dustrie vereinigend (1884), sowie den kunstgeschicht-
lichen Fries im.Hotel Girard.
Ehrsucht, s. Ehre.