Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

758
Ehstland - Ei
Ghstland, Gouvernement der russ. Ostseepro-
vinzen, s. Esthland.
Ei, diejenige besondere Zelle der Organismen,
aus welcher durch weitere Entwicklung alle mehr-
zelligen organischen Wesen hervorgehen. In der
Regel vollzieht sich diese Entwicklung indessen nicht
(Ausnahme Parthenogenesis, s. d.), ohne daß ein
befruchtender männlicher Zeugungsstoff mit dem Ei
in Berührung gekommen oder in dasselbe einge-
drungen ist. Ihrem eigentlichen Wesen nach durch
die ganze Tierreihe übereinstimmend, sind die Eier
in den verschiedenen Ordnungen und Klassen äußer-
lich sehr verschieden. Das Ei
der Säugetiere und des
Menschen <s. beistehende Fi-
gur) ist ein fast mikroskopisch
kleines Schleimklümpchen, eine
Zelle von ^<, bis ^/i" mm
Durchmesser. Diese Zelle be-
steht aus einer zarten, durch-
scheinenden Hülle (K); darin befindet sich das Dotter
sä), eine fett- und eiweißhaltige Substanz, in dem
Dotter der Zellenkcrn, hier Keimbläschen (k) ge-
nannt, der wiederum ein noch kleineres Gebilde,
den Keimfleck, enthält. Durch wiederholte Teilung
des Keimbläschens (Dotterklüftung) entwickelt sich
eine reichliche Anhäufung von Zellen (Dotterkugeln),
aus welchen die Embryonalanlage sich bildet, deren
weiteres Wachsen bei den meisten Säugetieren und
dem Menschen dadurch ermöglicht wird, daß das
in dem Leibe der Mutter verharrende Ei aus deren
Blute plastische Substanzen aufnimmt, sodah das
Ei bei der Ausstoßung (Geburt des Embryo) eine
ansehnliche Größe besitzt. Anders bei den Eiern, die
in unentwickeltem Zustande abgelegt werden (Vögel,
Reptilien, Mehrzahl der Insekten u. a.), oder die
sich zwar (bei sog. ovoviviparen Formen, einigen
Insekten, Fischen, Reptilien u. s. w.) im mütter-
lichen Leib, aber ohne sich mit ihm zu verbinden
und ihm Nahrungsstoff zu entnehmen, innerhalb
einer Schale entwickeln und deren Inhalt als aus-
gebildeter Fötus geboren wird. In diefen Fällen ist
dem Ei neben dem erwähnten Vildungsdotter eine
reichliche Menge sog. Nahrungsdotter beigegeben,
welcher beim Wachsen des aus dem Vildungsdotter
hervorgegangenen Keims verbraucht wird. Wäh-
rend seines Durchgangs durch den Eileiter umwickelt
sich das bis dahin nur aus dem Dotter bestehende
Vogel- und Reptilienei mit dem von dem Eileiter
abgesonderten Eiweiß; hierzu kommt im untern Teile
des Eileiters die aus Kaltsalzen gebildete Schale,
ebenfalls ein Absonderungsprodukt des Eileiters.
Auch die Farben, welche die Eier der Vögel oft be-
decken, sind ein Produkt des untersten Abschnitts
des Eileiters, beruhen aber nicht auf eigenartigen,
von besondern Drüsen abgesonderten Stoffen, viel-
mehr auf Gallfarbstoffen, welche aus den Blutge-
fäßen der Eileiterwandung stammen.
Der dem Säugetier-Ei entsprechende Teil des
Vogeleies (s. Tafel: Eier I, Fig. 1, Durchschnitt
durch ein reifes Hühnerei) findet sich unter dem
Namen des Hahnentritts (Fig. 1, bei Km8) als
ein kleiner weihlicher Fleck auf der Oberstäche des
in dem Eiweiß schwebenden Dotters, dessen dem
Hahnentritt abgewendete Hälfte specifisch schwerer
ist, sodaß der Hahnentritt, wie auch das Ei gewendet
wird, stets nach oben, dem brütenden Vogel zu-
gewendet, liegt. Das Nahrungsdotter (weißes und
gelbes Dotter, Fig. 1, ^ä und 3a) nebst dem Eiweiß
(Fig. 1, 6^v) reichen hin, um den Vogelfötus bis zu
seinem Auskriechen zu ernähren, während die Poro-
sität der äußern Kalkschale (Fig. 1, k8) - unter der
sich eine eigentümliche, gleichfalls poröse, aus zwei,
aus chitinartigen Fasern gewobenen, dicht anein-
ander liegenden Blättern bestehende Schalenhaut
(Fig. 1, 8k) befindet - zugleich eine Atmung des
jungen Tiers gestattet, insofern jedes bebrütete Ei
Sauerstoff aus der Atmosphäre aufnimmt und
Kohlensäure dafür abgiebt, ganz so wie das er-
wachsene Tier. Das Dotter ist gleichfalls von einer
Haut, der Dotterhaut (Fig. 1, äm) umgeben, die
sich nach den Polen in Gestalt je eines zusammen-
gedrehten Wulstes, der Hagelschnur oder Cha-
laze (Fig. 1, ek), durch das Eiweiß fortsetzt. Am
stumpfen Pole des Eies weichen die beiden Blätter
der Schalenhaut zur Bildung der sog. Luftkam-
mer (Fig. 1,6k) auseinander. (S. auch Eierkunde.)
Die Eier der Reptilien verhalten sich ähnlich
den Vogeleiern, nur daß ihre Schale in der Rege"
nicht so starr, sondern mehr lederartig ist. Die Eier
der Amphibien, z. B. der Frösche, aber gleichen
denen der meisten Fische, und beide werden Laich
benannt. Diese Eier werden meist in großer
Menge entleert und sind dann in der Regel ver-
mittelst eines zähen Schleims zu größern Klumpen
vereinigt; jedes einzelne Ei ist bei den Amphibien
von einer durchsichtigen gallertigen Hülle umgeben,
einem Produkte d?s Eileiters. Die meisten Rochen
und Haie legen indessen einzelne in eine an den
Ecken in der Regel in Spiralfäden ausgezogene Horn-
schale eingehüllte glatte viereckige Eier (sog. See-
mäuse; Taf. I, Fig. 2, Eier von 8c^1Iium ciiii6ii86
<7t/^.). Auch sonst zeigen die Eier dieser Knorpel-
sische manches Originelle, so ist das von (^Uo-
in^ncliug Nntai-cticug 6^v. von einer breiten am
Rande bewimperten Membrane (Taf. I, Fig. 3, k der
eigentliche Eiraum) umgeben, das von 068trkeis)n
riiilippi 0^., dem Port-Iackson-Hai (s. d., Taf. I,
Fig. 4, a, vollständig, d, im Längsschnitt), vft kegel-
förmig und auf der Außenseite seiner Schale ver-
läuft eine breite spiralige Leiste.
Der Laich der im Wasser lebenden Weichtiere
gleicht in vielen Punkten dem der Fische. Er ist ent-
weder schalenlos, wie z. V. der unserer Süßwasser-
schnecken, oder die Eier sind gruppenweise oder ein-
zeln von hornigen Schalen umgeben. Das erstere
ist z.B. der Fall beim Kalmar (s. d., I^oIiFo vul-
Fari8 ^am<n'c/c, Taf. I, Fig. 5), dessen Laich aus
Eischläuchen besteht, die radiär von einem Punkte
ausstrahlen, bei Meeressternschnecken (Doris, Taf. I,
Fig. 9), deren Laichmassen von einer krausenartig
gefaltenen, spiralig aufgerollten Schale umgeben
sind, oder bei dem Laich von I'ii'ula. (s. d., Taf. 1,
Fig. 11), wo die einzelnen Laichpakete (Ootheken)
als unregelmäßige Scheiben, an einer Stelle am
Rande durch eine Art horniger Strebe vereinigt,
etagenartig übereinander liegen. Einzelne, born-
schalige Eier aber nebeneinander legen Tintenfische
(86piH (Mcwai'i8 ^., Taf. I, Fig. 6), Purpurschnecken
(I^ui-pura 1a.pi11u8 I>"M., Taf. I, Fig. 7,9. natürliche
Größe, d vergrößert) und Wellhörner (Luccinum,
Taf. I, Fig. 10). Die Landfchnecken legen einzelne,
ziemlich hartschalige Eier (z. B. Vulimug ovatus
MM., Taf. I, Fig. 8 aufgeschnitten mit Embryo;
natürliche Größe).
Die Eier der Insekten (Taf. II, Fig. 1-14) sind
mehr oder weniger hartschalig und jedes Ei hat seine
eigene Schale. Dieselben sind ost am obern Ende