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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ekbole - Ekhof
schen Reichs, E. zum Sitz seiner Herrschaft und um-
gab die Stadt mit einer Wehr von sieben, durch
die Farbe unterschiedenen Mauern, von denen
die äußerste 250 Stadien (48 km) im Umfang ge-
habt haben soll. In der Burg, die sich innerhalb
der siebenten Mauer befand, standen der Sonnen-
tempel und der umfangreiche königl. Palast, zu wel-
chem nur Cedern- und Cypressenholz (wie in den
assyr. Palästen) benutzt und in dem alle Decken und
Säulen mit Gold und Silber belegt waren. Noch
nach den Plünderungen der Stadt durch Alexander
d. Gr. und Seleucus I. (Nikator) fand Antiochus
d. Gr. (210) die mit Silberplatten belegten Dächer
vor. Die Parther erhoben E. zur Sommerresidenz.
Viele altpers. Antiquitäten werden zu Hamadan
gefunden. Die Juden in Persien halten diese Stadt
für das Sufa der Bibel, weshalb zu Hamadan
auch ein Grabmal der Esther und des Mardochai
gezeigt wird. - Ein zweites E., N. N^örum (E.
der Magier), lag an der Ostgrenze von Persis.
Ekbole (grch.), Ausrenkung eines Gliedes, Fehl-
geburt; in der altgricch. Musik ein Versetzungs-
zeichen (lat. pi-o^ectio), das den enharmomschen
Ton eines enharmomschen Tetrachords um fünf
Vierteltöne erhöhte, wodurch das Tetrachord in ein
diatonisches verwandelt wurde.
Gkbolm, s. Mutterkorn.
Gkchondrose (grch.), Knorpelgeschwulst.
Ekchymose (grch.), in der Medizin ein steck-
nadelkopf- bis linsengroßer, unregelmäßig gestal-
teter, dunkclroter und bräunlich gefärbter Vlut-
austritt aus den kleinsten Blutgefäßen, welcher
sich bald vereinzelt, bald in sehr großer Anzahl in
der Haut, in den Schleimhäuten und den innern
Organen findet und allmählich durch Aufsaugung
des ausgetretenen Blutes wieder verschwindet.
Derartige Blutergüsse finden sich am häufigsten
beim Skorbut, beim Flecktyphus und derVlutflccken-
kranthcit (s. d.), wo ihr massenhaftes Auftreten auf
die krankhafte Beschaffenheit des Blutes und auf
eine leichte, noch nicht genügend erklärte Zerreiß-
lichkeit und Vrüchigkeit der kleinsten Blutgefäße zu-
rückzuführen ist.
Ekel (Xku86a), derjenige höhere Grad des
Widerwillens (der Abneigung oder Antipathie),
der sich mit der körperlichen Empfindung von
Übelfein und beginnender Brechneigung verbin-
det. Er kann Urfache und Folge der letztern fein.
Bei Magenkrankheiten nämlich (z. B. Magenüber-
ladung, verdorbenen Speisen im Magen, Magen-
katarrh) entsteht dieses Gefühl, welches zu den fog.
Gemeingefühlen (s. d.) gehört, beim Verfuch zu
essen, auch wohl beim bloßen Sehen und Riechen
der Speisen, und hat hier seinen Sitz in den Ma-
genncrven (^6i-vuL vg^nä) oder den Geschmacksner-
ven (^6VVU8 AINLFOPI^I-^UZLUL). Gleiche Vrechrei-
zung und Übelkeit entsteht, wenn man den weichen
Gaumen mit einer Federpose oder mit dem Finger
kitzelt. In andern Fällen, wo man bloß einen wi-
drigen Gegenstand betrachtet oder riecht oder sich
ihn nur lebhaft vorstellt (einbildet), gesellt sich das
Gefühl des E. zu dem geistigen Widerwillen (dem
Hirne kel) hinzu, gleichsam als eine Hallucination
der obengenannten Nerven oder, wie manche ärzt-
liche Gelehrte sich ausdrücken, durch eine Reflor-
aktion oder Irradiation (überstrahlung) im Gehirn,
wie denn die Phantasie bekanntlich einen auffallen-
den Einfluß auf das Zustandekommen des E. aus-
übt. Der E. ist ein Symptom vieler Krankheiten,
besonders der Verdauungsorgane, aber auch der
Nervencentra, besonders des Gehirns, z. B. bei
schaukelnden Bewegungen und bei der Seekrankheit,
woher sein griech. Name Aau86a (von 112.113, das
Schiff). Der E. dient aber auch als Natur- und
Kunstheilmittel. Ersteres findet z. B. bei dem E.
gegen alle Speisen bei überladenem Magen oder
dem E. gegen Fleischspeisen in Fieberkrankhcilen
statt, letzteres besonders bei der sog. Ekelkur (mo
tkoäu8 per Q3.u86ain). Man bewerkstelligt diese
Heilmethode durch fortgesetzte Verabreichung von
Brechmitteln (namentlich Brechweinstein, Kupfer-
falzen, Ipecacuanha u. dgl.) in fo kleinen Gaben,
daß sie nur Übelkeit, jedoch kein Erbrechen erregen.
Das andauernde Gefühl des E. bewirkt eine ge-
waltige Um- und Herabstimmung der Nerven- und
Geistesthätigkeit nebst Erschlaffung der Muskeln,
weshalb die Ekelkur früher vielfach gegen Gemüts-
krankheiten sowie gegen die Trunksucht angewandt
wurde. Als eine der eingreifendsten ist indessen
diese Methode wegen ihres schädlichen Einflusses
auf die Vcrdauungsorgane nur mit großer Vorsicht
anzuwenden, weshalb die moderne Medizin von ihr
Ekelkur, s. Ekel. Absieht.
Ekenäs (sinn. ^ainmi8Nai-i), Hafenstadt im
Kirchspiel Pojo des sinn. Län Nyland, 117 km im
WSW. von Helsingfors, an der Pojobucht des
Finnischen Meerbusens, auf einer weit ins Meer
sich erstreckenden Landzunge, an der Linie Hyvinge-
Hangö der Finländ. Staatsbahn, hat Dampf-
fchiffahrtsverbindung über Inga nach Helsingfors,
(1888) 1780 E., Post und Telegraph, alte Kirche,
Seminar für fchwed. Volksschullehrerinnen, einige
Fabriken (Handschuhe), Handel mit Getreide, Eisen-
warcn, Fischen (Ekenäser Sprotten) und in der
Nähe mehrere große Eisenwerke (Fiskars, Billnas,
Fagervit u. a.). ^(s- d.).
Ekersund, andere Schreibung für Egersund
Ekhof (Eckhof), Hans Konr. Dietrich, Schau-
spieler, geb. 12. Aug. 1720 zu Hamburg, war Schrei-
ber bei dem schwed. Postkommissar zu Hamburg, kam
dann nach Schwerin zu einem Advokaten, ging 1739
zur Schönemannschen Gesellschaft und debütierte
15. Jan. 1740 alsHiphares (inRacines "Mithridat")
in Lüneburg. Bis 1757 begleitete er diese Truppe,
begründete bei ihr eine theatralische Akademie und
war auf die Direktionsführung einflußreicher als
Schönemann selbst. 1757 kam er in Danzig zur
Schuchschen Gesellschaft, übernahm dann selbst mit
andern einige Zeit die Schönemannsche Gesellschaft,
die er in Lübeck an Koch abtrat, um nun bei diesem
bis 1764 zu spielen. Sein nächstes Engagement
sührte ihn zu Ackermann. Dann wurde er Mitglied
des durch Lessings Dramaturgie berühmt geworde-
nen Nationaltheaters in Hamburg und 1769 der
Seylerschen Gesellschaft, die er 1774 verließ, um
Mitdirektor des Hoftheaters zu Gotha zu werden, wo
er 16. Juni 1778 starb. Indem E., von den Zeitge-
nossen der deutsche Roscius genannt, seinen Leistun-
gen den Stempel der Originalität, einer tief durch-
dachten Charakteristik und der größten Naturwahr-
heit aufdrückte, indem er mit der steifen und ge-
spreizten Rhetorik des franz. Alerandrinerdramas
auch in seiner Darstellungskunst brach, wurde er für
seine Kunstgenossen ein Muster und der eigentliche
Schöpfer der deutschen Bühnenkunjt. Gleich stark
im Tragischen wie im Komischen, besonders in den
Goldonischen und Moliöreschen Stücken, wußte er
seine körperlichen Fehler geschickt zu verdecken. Große