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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Emenda - Emesa

Eménda (mittellat.), in den Kapitularien (s. d.) die Buße, welche dem vom Beklagten verletzten Kläger als Strafe oder Entschädigung, als «Besserung» zu zahlen ist. Bis in unsere Zeit hinein reicht die Sachsenbuße, welche in den Ländern sächs. Rechts der widerrechtlich in Haft Gehaltene als Genugthuung und Entschädigung fordern darf. – Vgl. Weiske, Abhandlungen aus dem Deutschen Recht (Lpz. 1830).

Emendatĭo libelli (lat.), die (zulässige) Verbesserung einer Klage, im Gegensatz zu einer (unzulässigen) Klageänderung.

Emendieren (lat.), verbessern, berichtigen, besonders den Text einer Schrift; Emendation, Verbesserung, Textberichtigung; Emendātor, Textverbesserer; Emendánda, Textberichtigungen.

Emer., Abkürzung für Emeritus (s. d.).

Emérgens (lat.), etwas Auftauchendes, sich Ereignendes; Damnum emergens, s. Damnum; E. novum, ein neuer Umstand; emergieren, auftauchen, emporkommen, berühmt werden; Emergénz, das Emporkommen, Berühmtwerden.

Emergieren, s. Emergens.

Emerit., Abkürzung für Emeritus (s. d.).

Emeritenhäuser, eine Einrichtung der kath. Kirche für dienstunfähig gewordene Kleriker, welche in dieser Form ihren Lebensunterhalt aus kirchlichen Mitteln empfangen sollen. Die E. sind bischöfl. Anstalten; in jeder Diöcese soll ein Emeritenhaus vorhanden sein.

Emeritieren (neulat.), für ausgedient erklären, in den Ruhestand versetzen (besonders Geistliche, s. Emeritierung).

Emeritierung, die Versetzung eines Geistlichen in den Ruhestand. Dieselbe kann freiwillig erfolgen oder unfreiwillig, bei eingetretener Dienstunfähigkeit oder noch andauernder Diensttauglichkeit. Im letztern Falle ist die E. Disciplinarmaßregel. Die E. kommt in der evang. Kirche in sehr verschiedenen Formen vor. Früher und vielfach auch noch jetzt wird ein bestimmter Teil des Einkommens der Stelle für den Emeritierten innebehalten; in Preußen wurden für die einzelnen Provinzen Emeritenfonds aus Beiträgen der Pfarrer gebildet, jetzt ist für die alten preuß. Provinzen die E. landeskirchlich geordnet durch Bildung eines allgemeinen Emeritierungsfonds, zu welchem der Staat Zuschüsse gewährt (Kirchengesetz vom 26. Jan. und Staatsgesetz vom 15. März 1880); die frühern provinziellen Emeritenfonds bilden das Reservekapital. (S. auch Emeritenhäuser.)

Emerĭtus (lat., «ausgedient»), bei den Römern ein Soldat, der seine gesetzliche Zeit ausgedient hatte und nicht weiter zum Kriegsdienst verpflichtet war; jetzt ein wegen Dienstunfähigkeit aus dem Kirchendienst ausgeschiedener Geistlicher (s. Emeritierung). Das Wort wird häufig gekürzt in em., emer. und emerit.

Emersion (lat.), Austritt, s. Bedeckung (astron.).

Emerson (spr. émmers’n), Ralph Waldo, amerik. Philosoph, Dichter und Essayist, geb. 25. Mai 1803 in Boston, studierte auf dem Harvard College in Cambridge (Massachusetts) bis 1821 Theologie, war dann fünf Jahre Lehrer und erhielt hierauf eine Predigerstelle an einer unitarischen Kirche in Boston. Seine abweichenden Ansichten über das Dogma des Abendmahls veranlaßten ihn jedoch, 1832 diese Stelle niederzulegen. 1833 ging er nach Europa, wo er die Bekanntschaft Carlyles machte, mit dem er fortan in treuer Freundschaft verbunden blieb. (Vgl. Correspondence of Th. Carlyle and R. E. 1834‒72, 2 Bde., Bost. und Lond. 1883, Supplementary letters 1886.) Nach seiner Rückkehr zog er sich nach Concord bei Boston zurück und ließ sich in dem seither berühmt gewordenen Old Manse nieder. 1836 erschien sein erstes Werk «Nature» (Bost.; mit andern Vorlesungen, ebd. 1849; Lond. 1844; deutsch Hannov. 1873), ein Buch voll glänzender Antithesen und geistreicher Reflexionen. E. ist der hervorragendste Vertreter jener amerik. Transscendentalphilosophie, die den Begriff der Vereinzelung und der persönlichen Unabhängigkeit auf die höchste Spitze treibt und die Ansicht aufstellt, daß alle Menschen von Natur aus geistig und sittlich gleich befähigt seien und ein jeder den Keim des Genies, sei es als Held oder Dichter, oder Denker in sich trage, der zu seiner Entwicklung nur der günstigen Umstände bedürfe. Die Natur ist die Offenbarung Gottes, Gott aber ist Schönheit, Weisheit , Liebe und Kraft. Bekannter wurde E. noch durch seine Schriften «The American scholar» (Bost. 1837); und «Literary ethics» (ebd. 1838). Eine Zeit lang lieferte E. Beiträge zu der «North-American Review» und dem «Critical Examiner», auch war er 1840‒44 Herausgeber der Zeitschrift «The Dial». Den kommunistischen Bestrebungen Fouriers (s. d.), die man auf Brook Farm zu verwirklichen strebte, brachte E. zwar warme Teilnahme entgegen, doch scheint er sich dort nicht recht wohl gefühlt zu haben. 1841 erschien der erste Band der ursprünglich als Vorlesungen gehaltenen «Essays», 1844 der zweite mit einer Einleitung von Th. Carlyle; 1848‒71 folgten zwei weitere Serien. 1847 veröffentlichte E. seine «Poems», die jedoch weniger günstig beurteilt wurden als seine frühern Werke, da sie vielfach zu schwer verständlich sind. Eine weitere Sammlung Gedichte veröffentlichte er u. d. T. «Mayday and other pieces» (Bost. 1867). E.s Gedichte verraten hohe poet. Begabung und charakterisieren sich, wie alle seine Schriften, durch eine merkwürdige Mischung von poet. Einbildungskraft und praktischer Schärfe. 1847 besuchte E. zum zweitenmal Europa; sieben Vorlesungen, die er während dieses Besuchs hielt, veröffentlichte er u. d. T. «Essays on representative men» (Lond. 1849; Bost. 1850; neue Ausg., Lond. 1882). Reich an Gedanken sind die «Lectures on New-England reformers» (Bost. 1844); eine Charakteristik der Engländer geben die «English traits» (ebd. 1856; deutsch Hannov. 1857). Von seinen weitern Schriften sind noch zu nennen: «The conduct of life» (1860; deutsch Lpz. 1862), «Society and solitude» (1870; deutsch Bremen 1875) und «Letters and social aims» (1875; deutsch Stuttg. 1876). 1872 besuchte E. nochmals Europa; die letzten Jahre lebte er zurückgezogen; er starb 27. April 1882 in Concord. Gesamtausgaben seiner Werke erschienen öfter, zuletzt (11 Bde.) Boston 1883‒84. – Vgl. C. W. Cooke, E. His life, writings and philosophy (4. Aufl., Bost. 1882); A. Ireland, Recollections of E.s visits to England (Lond. 1882; 2. Aufl. u. d. T. E., his life, genius and writings, ebd. 1882); M. D. Conway, E. at home and abroad (ebd. 1882); J. Benson, E. a poet (Neuyork 1883, mit bibliogr. Anmerkungen); O. W. Holmes, R. W. E. (Bost. 1885); E. Emerson, E. in Concord (Lond. 1889); H. Grimm, Neue Essays (Berl. 1865), giebt eine gute Charakteristik E.s.

Emĕsa, uralte Stadt in Cölesyrien, am Nahr el-Asy (Orontes), 150 km im N. von Damaskus, an