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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Engelsburg - Engers
Engelsburg ((^Lwiio saut'^n^io), das von
Hadrian für sich und seine Nachfolger erbaute, von
Antoninus Pius 139 vollendete Grabmal (Nows
li^äriHni), worin die röm. Kaiser und ihre Ange-
hörigen bis auf Caracalla (217) bestattet wurden.
Den Zugang zur E. bildet die Engelsbrücke(?on8
^.6ÜU8; ?0nt6 ßant'^uFOlo), 136 n. Chr. von Ha-
drian erbaut. Die E. bestand ursprünglich aus einem
viereckigen Unterbau von 104m Seitenlange, auf dem
sich ein cylinderfürmiger 73 m im Durchmesser hal-
tender Bau aus Travertin mit Marmorbekleidung
erhob. Das Ganze krönte wahrscheinlich eine Kolos-
salstatue des Hadrian. Die Gesamthöhe betrug etwa
50 m. Der Sturm der Goten unter Vitiges (537)
wurde von hier durch die Römer, welche die oben
stehenden Statuen herabwarfen, zurückgewiesen. Den
jetzigen Namen erhielt die E. von Gregor d. Gr., dem
bei einem Umzug wegen einer Pest (590) der Erzengel
Michael erschien. Deshalb erbaute Bonifacius IV.
auf dem Gebäude die Kapelle ßant'^n^io. wter
nud68, an deren Stelle später eine Marmorstatue
des Engels von Montelupo, seit 1740 dessen Bronze-
statue von Verschaffelt trat. Von dem seit 923 völ-
Ng zur Festung umgewandelten Bau aus bedrohten
Gewalthaber die Stadt (s. Marozia und Crescen-
tius); 1379 ward sie denn auch von den Römern zer-
stört. Seit 1406 dauernd in der Gewalt der Päpste,
diente sie 1527 Clemens VII. als Zufluchtsort bei
der Plünderung Roms durch die Kaiserlichen, ihm
und andern Päpsten als Kerker (s. Cellini, Cenci);
Sixtus V. u. a. benutzten sie als Schatzkammer. Die
Auhenwerke legte Urban V. an, der bedeckte Gang
zum Vatikan wurde um 1500 gebaut; 1822 ward das
Innere von Schutt befreit, und Pius IX. verstärkte
die Vefestiaunaswerke. Seit der Besetzung Roms
durch die ital. Truppen (1870) dient die E. militär.
Zwecken. - Vgl. Borgatti, II 0^3t6i ßkmt'^nsßio
iu K(1MÄ, 8t0i-jg. 6 ä68ci-i2i0ii6 (Rom 1890).
Engelschen, Münzgewicht, s. Engels.
Engelschwestern, s. Angeliken.
En'gclsehe, s. Ehe (Bd. 5, S. 738 d).
Gngelshai, s. Meerengel.
Gngelskirchen, Dorf im Kreis Wipperfürth des
preuß. Reg.-Bez. Köln, 22 km südlich von Wipper-
fürth, an der Agger und an der Nebenlinie Siegburg-
Derschlag der Preuh. Staatsbahncn, in gebirgiger,
waldreicher Gegend, Sitz einer Bürgermeisterei
(3988 E.), hat (1890) 1331 E., darunter 185 Evan-
gelische; Post zweiter Klasse, Telegraph, eine kath. und
eine evang. Kirche; Baumwollspinnerei (600 Arbei-
ter, jährliche Erzeugung 75-100900 t Garn), Eisen-
uno Stahlhämmer, Bergbau auf Brauneisenstein,
Bleierze und Blende. Die Gruben sind im Besitz
der Aktiengesellschaften "Vieilis NontH^ue" und
Rhein-Nassau sowie der Gewerkschaft Bliesenbach.
Engelsüh, Farnkraut, s. I'o^poäium ^).
Gngelszell, s. Engelhartszell.
Engelweihe oder Engelfest, soviel wic
Michaelistag (29. Sept.).
Engelwurz, Pflanzengattung, s. ^uFLiiek-.
echte E., s. ^rcdaiigolicH.
Engen. 1) Amtsbezirk im bad. Kreis Konstanz,
hat (1890) 21279 (10380 männl., 10893 weibl.) E.,
darunter 421 Evangelische; 4753 Haushaltungen
und 43 Gemeinden. - 2) Hauptstadt des Amts-
bezirks E. und Hauptort des Hegau, 38 Km im NW.
von Konstanz, 15 km im NW. von Singen, an der
westl. Aach, in 528 m Höhe, an der Linie Ojsenburg-
Singen (Schwarzwaldbahn) der Bad. Staatsbahnen,
ist Sitz eines Bezirksamtes, Amtsgerichts (Landge-
richt Konstanz), eines fürstl. Fürstenbergschen Rent-
amtes und einer Bezirksforstei und hat (1890) 1568
meist kath. E., Vorschuß- und Sparverein, Spar-
uno Waisentasse; Landwirtschaft und Viehzucht,
Post zweiter Klasse, Telegraph, roman. Pfarrkirche
(12. Jahrh.) mit den Gräbern der Grafen Lupfen
und Pappenheim. In der Nähe ein Schloß der
Fürsten von Fürstenberg. Etwa 3 Km im S. der steile
Basaltkegel Hohenhöwen (848 m) mit der Ruine des
Schlosses der Freiherren von Höwen. Bei E. besiegte
Moreau 3. Mai 1800 die Österreicher unter Kray.
Enger, Dorf im Kreis Herford des preuß. Reg.-
Vez. Minden, 8 km im NW. von Herford, in der
hügeligen Ebene zwischen dem Teutoburgerwalde
und dem Wesergebrrge, Sitz eines Amtes, hat (1890)
2271 meist evang. E., Post, Telegraph, evang. Pro-
vinzial-Männerasyl, Pflegehaus für alte Leute;
Garnspinnerei, Leinweberei, Liqueur-, Wurst- und
Cigarrenfabritation, Garnhandel und Versand von
Schinken; Acker- (Weizen, Roggen) und Leinbau,
Viehzucht. 3 km entfernt die Bauernschaft Wester-
Enger mit 1041 E. - E. (^u^i-ia) war einst Resi-
denz Wittekinds, dessen Gebeine in der 903 gegrün-
deten, im 12. Jahrh, erbauten Stiftskirche ruhen;
ein Sarkophag mit steinernem Standbild aus dem
12.Jahrh, wurde von Kaiser KarlIV. 1377 errichtet,
aber im 17. Jahrh, stark verändert.
Engerer Rat, s. Deutscher Bund.
Engere Wahl, s. Wahl.
Engerling, die Larve des Maikäfers (s. d.).
Engern (^i^ra.ri3.), der mittlere, zwischen West-
und Ostsalen auf beiden Seiten der Weser gelegene
Teil des alten Sachsenlandes, hat seinen Namen
von den Angrivariern (s. d.) erhalten, einem von
Hause aus nichtsächsischen, aber von den Sachsen
unterworfenen Stamme. Die Grenzen dieses Landes
können unter Zuhilfenahme der heutigen Mundart
mit ziemlicher Bestimmtheit ermittelt werden. Es
reichte westwärts bis Iserlohn, Hamm, Versmold,
weiter bildete die Hunte die Grenze; die Weser-
mündung war im Mittelalter friesisch. Nach Osten
zureichte E. bis Celle, Vurgdorf, Sarstedt, Eldag-
sen, das Göttingisch-Grubenhagensche Gebiet ein-
schließend. Die Südgrenze ist genau die heutige
Sprachgrenze zwischen Nieder- und Hochdeutsch, d. i.
eine Linie von Olpe über Waldeck und Münden nach
Lauterberg am Westharz. Unsicher ist nur die Nord-
ostgrenze E.s, die entweder in der Lüneburger Heide
oder an der untern Elbe gewesen ist. Der geistige
Mittelpunkt E.s, ja des ganzen Sachsenlandes war
seit Karl d. Gr. das Kloster Corvei (s. d<), lat.
Oord^a uovg.. Der Name E. wurde im Mittelalter
fast nur noch gebraucht, wo es auf alte Gewöhn-
heitsrechte oder auf die Bezeichnung der Gegend im
allgemeinen ankam, außerdem aber auch im Titel
der Kurfürsten von Köln, welche 1180 die herzogl.
Gewalt über einen Teil Westfalens und E. erhiel-
ten, sowie in dem der sächs. Herzoge. Ehemaliger
Hauptort Angaria (das heutige Dorf Enger, f.d.).
Seit dem 16. Jahrh, nannte man die Landes-
teile westlich von der Weser Westfalen, die östlich
von derselben Niedersachsen. Über die heutigen
engrischen Mundarten s. Deutsche Mundarten
(Bd. 5, S. 33 a.).
Engers, Flecken im Kreis Neuwied des preuß.
Reg.-Bez. Koblenz, 5 km östlich von Neuwicd, rechts
des Rheins, an der Linie Troisdorf-Niederlahnstein
und der Nebenlinie E.-Siershahn (21,6 km) der