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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Engerth; Engführung; Enggistein; Enghien

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Engerth - Enghien

Preuß. Staatsbahnen, ist Sitz einer Bürgermeisterei sowie Station der Rheindampfer, hat (1890) 2460 E., darunter 321 Evangelische und 21 Israeliten, Post, Telegraph, Schloß, seit 1863 eine Kriegsschule und Landesbaumschule; Fabrikation der Engerser Sandsteine (aus Bimsstein), bedeutende Bimssteinlager und im nahen Mühlhofen Kruppsche Hüttenwerke, Acker- und Obstbau. Das Schloß (nebst Park) ist 1758 vom Trierer Kurfürsten Johann Philipp von Waldersdorf erbaut worden; der epheuumwachsene Turmrumpf unterhalb desselben ist der Rest einer 1386 vom Trierer Erzbischof Kuno von Falkenstein erbauten Burg. Aus den Resten röm. Mauerwerks oberhalb E. schließt man, daß Cäsar seinen zweiten Rheinübergang hier bewerkstelligt habe.

Engerth, Eduard, Ritter von, Historienmaler, geb. 13. Mai 1818 zu Pleß in Preußisch-Schlesien, besuchte die Wiener Akademie und trat zuerst mit den Gemälden: Haman und Esther, Rudolfs Ⅰ. von Habsburg Kaiserkrönung an die Öffentlichkeit. Seit 1847 weilte E. als kaiserl. Pensionär in Rom, wo er 1853 das große Bild: Manfreds Gemahlin Helene mit ihren Kindern nach der Schlacht von Benevent von den Reitern Karls von Anjou gefangen genommen (im Kunsthistorischen Hofmuseum zu Wien; Stich von B. Schultheiß) malte. 1854 kehrte er nach Österreich zurück und übernahm die Direktion der Prager Kunstakademie. Bald darauf erhielt E. den Auftrag, die Mehrzahl der Fresken der Altlerchenfelder Kirche in Wien zu malen, eine Arbeit, welche ihn 6 Jahre lang beschäftigte. Nachdem E. 1865 Professor der Historienmalerei an der Wiener Akademie geworden war, malte er wiederholt die Bildnisse des Kaisers und der Kaiserin sowie zahlreiche andere und schuf 1866 das große Bild: Prinz Eugen nach der Schlacht bei Zenta (königl. Schloß zu Ofen), ferner 1868 den für den Kaisersaal und die Kaisertreppe im Wiener Opernhause bestimmten Cyklus aus Mozarts «Hochzeit des Figaro» und aus der Orpheusfabel, sodann die Krönung Franz Josephs zum König von Ungarn. 1877 entstand sein Gemälde: Tod der Eurydice. 1871 wurde E. Direktor der Belvedere-Galerie (jetzt des Kunsthistorischen Hofmuseums) in Wien, trat aber 1892 in den Ruhestand. Er verfaßte einen Katalog der Gemäldegalerie des Allerhöchsten Kaiserhauses (3 Bde., Wien 1884‒86).

Engerth, Wilh., Freiherr von, Ingenieur, geb. 26. Mai 1814 in Pleß in Preußisch- Schlesien, widmete sich auf dem Polytechnikum und der Akademie der Künste in Wien dem Baufach, später dem Maschinenfach und wurde 1844 Professor der Maschinenlehre an der Technischen Schule in Graz. Für die Semmeringbahn konstruierte er 1850 eine Maschine, bei welcher das Gesamtgewicht von Maschine und Tender für die Adhäsion nutzbar gemacht war. Sein System der Tenderlastzuglokomotive (System E.) fand dann in Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz mehrfache Anwendung. 1853 wurde E. der Abteilung für Betriebsmechanik im Handelsministerium zugewiesen, 1855 Centraldirektor für den technischen Betrieb der österr. Staatseisenbahngesellschaft, deren Generaldirektor er später wurde; 1860 verließ er den Staatsdienst. Als Mitglied der für die Donauregulierung eingesetzten Kommission trug er wesentlich zur erfolgreichen Durchführung der Regulierungsarbeiten bei. Nach seinem Projekt wurde 1872‒73 zur Bekämpfung der alljährlichen Überschwemmungen eine Absperrvorrichtung im Wiener Donau-Kanal ausgeführt; das Schwimmthor bei Nußdorf, wodurch das Eindringen des Eises in den Donau-Kanal verhindert wird, ist E.s Erfindung. Bei der Wiener Weltausstellung von 1873 war er mit der Oberleitung der großen Ausstellungsbauten betraut, und wirkte zugleich als Chef des gesamten Ingenieurwesens sowie bei der Jury der Ausstellung als Gruppenpräsident. 1874 wurde er lebenslängliches Mitglied des österr. Herrenhauses, 1875 in den Freiherrenstand erhoben. Er starb 4. Sept. 1884 in Baden bei Wien.

Engführung, in der Musik diejenigen Formen der Nachahmung, bei denen die folgende Stimme einsetzt, bevor die führende das Thema beendet hat. Sie treten meist unmittelbar vor dem Schluß einer Fuge auf als Krone der ganzen Komposition.

Enggistein, Bad im Bezirk Konolfingen des schweiz. Kantons Bern, zur Gemeinde Worb gehörig, 11 km östlich von Bern, liegt in 690 m Höhe im freundlichen wald- und wiesenreichen Thal der Worblen und besitzt eine erdige Eisenquelle, die seit dem 14. Jahrh. namentlich bei Blutarmut, Krankheiten des Verdauungsapparats, gichtischen und rheumatischen Leiden mit Erfolg angewendet wird. Eine ähnliche Quelle hat das 2 km nördlich von E. (736 m) auf aussichtsreicher Bergterrasse gelegene Rüttihubelbad. Beide Kurorte sind einfach und werden häufig als Sommerfrische benutzt.

Enghien (spr. anggäng), flamländisch Edinghe, Edinghen, Inghe, Hauptstadt des Kantons E. (122,43 qkm, 10 Gemeinden, 17890 E.), Arrondissement Mons der belg. Provinz Hennegau, 13 km nördlich von Soignies, nahe an der zur Dender gehenden Marcq und an den Linien Hal-Ath und Braine-le-Comte-Gent der Belg. Staatsbahnen sowie Anderlecht-Lennick-E. (30 km) der Belg. Vicinalbahnen, hat (1890) 4332 E., Färbereien sowie Fabriken von Teppichen, Spitzen (Points de Paris), Wollstoffen, Essig und Hüten. An Stelle des alten Stammschlosses der Herzöge von E. steht ein Schloß des Herzogs von Arenberg mit prächtigem Park.

Enghien, E. les Bains (spr. anggäng lä bäng), Dorf und Badeort im Kanton Montmorency, Arrondissement Pontoise des franz. Depart. Seine-et-Oise, 12 km nördlich von Paris, an einem 1 km langen und 500 m breiten, von Pariser Spaziergängern vielbesuchten See und an der Linie Paris-Ermont-Creil der Franz. Nordbahn und an der Eisenbahn E.-Montmorency (6 km), eine der elegantesten Pariser Sommerfrischen, hat (1891) 2588, als Gemeinde 2670 E., zahlreiche Hotels und ist von Villen umgeben. In E. entspringen fünf kalte schweflige Kalkquellen von 10‒14° C. – Vgl. Touzé, Notice historique sur les eaux d’E. (1876).

Enghien (spr. anggäng), Ludw. Anton Heinrich von Bourbon, Herzog von, der einzige Sohn des Prinzen Ludwig Heinrich Joseph von Condé (s. d.), geb. 2. Aug. 1772 zu Chantilly, verließ schon 1789 Frankreich, trat 1792 in das Emigrantenkorps, das sein Großvater, der Prinz Ludw. Joseph von Condé, am Rhein gesammelt hatte, und kommandierte 1796‒99 die Avantgarde desselben. Aus Zuneigung zur Prinzessin Charlotte von Rohan-Rochefort ging er nach dem Friedensschluß von Lunéville 1801 nach Ettenheim im Badischen, welcher Ort zum Sprengel des Kardinals Rohan gehörte, vermählte sich heimlich mit ihr und lebte daselbst als Privatmann von einer engl. Pension. Als 1803 der Krieg zwischen Frankreich und England neuerdings entbrannte, bot E. den Engländern seine Dienste an, wurde aber ab- ^[folgende Seite]]