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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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England (Küsten. Oberflächengestaltung)
schlägig beschieden. Der Erste Konsul Bonaparte, der 1804 von einer durch Cadoudal (s.d.) geleiteten Verschwörung bedroht wurde, erfuhr aus den Aussagen der Gefangenen, daß die königl. Prinzen von Frankreich um den Anschlag gewußt hatten und bei dessen Ausführung anwesend sein wollten, womit der Graf von Artois, der spätere König Karl X., gemeint war, der in der That sein Erscheinen in Frankreich in Aussicht gestellt hatte. Zu gleicher Zeit liefen in Paris Nachrichten über Wühlereien brit. Agenten in Süddeutschland ein und eine derselben ließ E. in Beziehung zu diesen Agenten erscheinen. Napoleon schloß daraus, daß auch E. dem Komplott gegen seine Person nicht fern stehe, und beschloß, da er Artois' nicht habhaft werden konnte, sich jenes zu bemächtigen. Daß er mit der Verletzung des deutschen Bodens sich eines Bruchs des Völkerrechts schuldig machte, kümmerte ihn nicht. Der General Ordener ward nach Straßburg geschickt und ließ von hier aus 14. März durch Gendarmen die Lage des Hauses, das der Herzog in Ettenheim bewohnte, auskundschaften, es in der darauf folgenden Nacht durch 3-400 Mann umringen und den Herzog mit acht Begleitern nach Straßburg entführen. Am Morgen des 18. wurde die Reise mit dem Herzog allein nach Paris fortgesetzt. Als man 20. März gegen Abend vor den Thoren der Hauptstadt ankam, fand man den Befehl vor, den Gefangenen nach Vincennes zu bringen, wo er nach einem Konsularbeschluß, dem sich Cambacérès anfangs widersetzt hatte, während Talleyrand zuriet, durch eine Militärkommission gerichtet werden sollte, obgleich die Prüfung der Papiere des Prinzen ergab, daß er zu den Verschwörern in keiner Beziehung stand. Präsident der sorgfältig ausgewählten Kommission, die sich am Abend des 20. zu Vincennes versammelte, war der General Hullin. Nach einigem Schwanken fällte das Kriegsgericht das Todesurteil, weil E. eingestand, daß er die Waffen gegen Frankreich getragen und engl. Dienste nachgesucht habe; den Verdacht der Teilnahme an der Verschwörung George Cadoudals, der seine Verhaftung bewirkt hatte, wußte er völlig zu entkräften. Kurz nachher, noch in derselben Nacht, ward das Urteil im Graben des Schlosses durch Gendarmes d’élite vollzogen. Nach der Restauration wurden die Gebeine E.s aufgesucht und in der Kapelle des Schlosses zu Vincennes beigesetzt. - Vgl. Welschinger, Le duc d’E. 1772-1804 (Par. 1888); Boulay de la Meurthe, Les dernières années du duc d’E. (ebd. 1886); Nougarède de Fayet, Recherches historiques sur le procès du duc d’E. (2 Bde., Par. 1844).
England, der südl. Teil der Insel Britannia, der größten und bedeutendsten Europas, das Stammland des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland (s. d.), erhielt seinen Namen von den Angeln (s. d.). Das eigentliche Königreich E. mit der Insel Wight und den Scilly-Inseln umfaßt 131627,62 qkm; dazukommt mit 19069,18 qkm das Fürstentum Wales nebst Anglesey, sodaß beide Teile zusammen 150696,80 qkm enthalten. Unter eigener Verwaltung stehen die "Inseln in den brit. Gewässern" (Islands in the British Seas): Man und die Normannischen Inseln. (Hierzu eine Karte: England und Wales.)
Küsten. E. grenzt mit drei Seiten an das Meer (Nordsee, Kanal und Irische See), die Nordgrenze gegen Schottland zieht vom Solway Firth längs der Cheviot Hills nach NO. bis zur Mündung des Tweed bei Berwick. Der südlichste Punkt E.s ist Lizard-Head in 49° 58' nördl. Br. (d. i. die Breite von Mainz), der nördlichste, über Berwick, 55° 48' nördl. Br.; der östlichste, Lowestoft-Neß, liegt in 1° 44' östl. L. von Greenwich, der westlichste, Landsend, in 5° 47' westl. L. Von S. nach N. mißt E. also 4,5 Grad oder etwa 500 km. Die Südlinie, von Dover nach Landsend, ist 330, die schott. Grenze nur 120 km lang. Sehr bedeutend ist die Küstenentwicklung. Die Südküste hat 970,8, die Ostküste 1498,7, die Westküste 976,1 km Länge. Die umgebenden Gewässer bilden eine Menge zum Teil tief einschneidender Meerbusen und Buchten und die schönsten Häfen, namentlich im O. den Themse-, Wash-, Humber- und Teesbusen, im S. die Bucht von Southampton, den Plymouthsund u. a., im W. den Bristolkanal, den Cardigan-, Morecambe-, Solwaybusen. Die Ostküste von der Nordgrenze bis zum Humber mit den Häfen Newcastle, Sunderland, Stockton und Hüll ist steil, häufig von Klippen eingefaßt, weiterhin bis zur Themse flach, niedrig, aus Sandbänken bestehend, dann bis über Dover hinaus und längs des Kanals bis zum Bristolkanal überwiegend steil (North- und South-Foreland, die Klippen von Dover, Beachy Head u. s. w.) und durch die herrlichsten Häfen, wie Portsmouth, Southampton, Plymouth u. a. aufgezeichnet. Die ganze Westküste zeigt sich vielfach zersplittert, größtenteils hoch und steil und mit vortrefflichen Häfen versehen, wie die von Cardiff, Milford, Liverpool, Preston und Lancaster. Diese glückliche Küstenbildung wird noch erhöht durch die Bildung von Flußmündungen, die auch das Innere des Landes Seeschiffen zugänglich machen. Die Haupthäfen der Ost- und Westküste sind durch Einschnürungen einander nahe gebracht, so ist London von Bristol wie auch Hüll von Liverpool nur 185 km entfernt. Nur 100 km Land trennen Newcastle und den innersten Solway-Firth. Kein Ort E.s liegt mehr als 120 km vom Meere.
Oberflächengestaltung. E. ist teils gebirgig, teils eben. Eine Linie, welche die südwestl. Halbinsel Cornwall nach dem innersten Winkel des Meerbusens von Bristol abschneidet und von da mit einer schwachen Wölbung nach O. an die Küste der Nordsee zur Teesmündung läuft, läßt zu ihrer Linken das Gebirgsland, zur Rechten das Tiefland liegen. Jenes, bei weitem kleiner, bildet keineswegs ein geschlossenes Hochland, sondern besteht aus mehrern, durch tief eingeschnittene Meerbusen und durch Ebenen voneinander getrennten oder nur lose zusammenhängenden Gebirgsgruppen verschiedenen Charakters, ist aber nirgend ein Hemmnis für den Verkehr. Die Gebirge liegen teils auf den westl. Halbinseln Cornwall (Devonische und Connsche Gebirge), Wales (Cambrische Gebirge) und Cumberland (Cumbrische Gebirge), teils fügen sie sich zu einer binnenländischen Bergkette (die Penninische Kette), welche etwa von der Mitte E.s nordwärts bis zur schott. Grenze sich hinaufzieht, im O. die große Ebene begrenzt und im W. durch einen Arm derselben (Edenthal) von der Küste der Irischen See sowie von den gebirgigen Halbinseln geschieden wird. Das Cornisch-Devonische Bergland, deren äußerster Südwestspitze, dem 32 m hohen Kap Landsend, der Klippenschwarm der Scilly-Inseln vorliegt, erfüllt die Grafschaften Cornwall (mit dem 415 m hohen Brown Willy) und Devon. In letzterer sowie im nördl.