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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Enkriniten - Enneberg
warf. Selbst Tatianus (s.d.) schloß sich der Richtung
an und bildete ihre dogmatischen Überzeugungen
Ettkriniten, s. Encriniten. Zweiter aus.
Gnk von der Vurg, Mich. Leop., Schriftsteller,
geb. 29. Jan. 1788 zu Wien, studierte daselbst Phi-
losophie, trat infolge eines Gelübdes seiner Mutter
1810 in den geistlichen Stand und wurde hierauf
Professor an dem Gymnasium zu Melk. Verbittert
über den Zwiespalt zwischen seinen Neigungen und
dem ihm aufgenötigten Stand, machte er 17. Juni
1843 durch Selbstmord seinem Leben ein Ende. In
philos. Nomanen und psychol. Untersuchungen, wie
"Eudoxia, oder die Quellen der Seelenruhe" (Wien
1824), "Nber den Umgang mit uns selbst" (ebd.
1829), "Von der Beurteilung Anderer" (ebd. 1835),
"Über Bildung und Selbst'bildung" (ebd. 1842),
bekundet E. Schärfe der Beobachtung und des Nr-
teils. Bedeutender war er als Kunstkritiker, beson-
ders im dramat. Fache. Zu erwähnen sind hier be-
sonders : "Melpomene, oder über das tragische
Interesse" (Wien 1827), "Briefe über Goethes Faust"
lebd. 1834) und das polemisch-satir. Werkchen "Die
Epistel des Quintus Horatius Flaccus über die
Dichtkunst, für Dichter und Dichterlinge gedol-
metscht" (ebd. 1841). E. selbst ist als Dichter nur
einmal aufgetreten in "Die Blumen, ein Lehrgedicht"
(Wien 1822). Das früher geglaubte Gerücht,'E. habe
Anteil gehabt an den ersten Dramen seines Schülers
Friedr. Halm, ist grundlos. - Vgl. Briefwechsel
zwischen Michael E. und Eligius Frhr. von Münch-
Bellinghausen, hg. von Schachinger (Wien 1890).
Enlevage (frz., spr. angl'wahsch') oder Atzpapp,
in der Zeugdruckerei Bezeichnung von Substanzen,
durch die man bereits gefärbte Stoffe örtlich von der
Farbe befreien will, um z. V. auf gefärbtem Grunde
weiße Muster zu erzeugen. Soll z. V. auf mit In-
digo blau gefärbten Stoffen ein Weihes Muster her-
gestellt werden, so wird an den zu bleichenden Stellen
Thonbrei, dem etwas chromsaures Kali und Salz-
säure zugesetzt ist, aufgedruckt; die darin vorhan-
dene Chromsäure zerstört an den davon berühr-
ien Stellen den Indigo und läßt den Grund weiß
erscheinen. Von der E. unterscheidet sich die Ne-
iervage oder der Schutzpapp dadurch, daß sie,
vor dem Färben aufgedruckt, an den davon bedeckten
Stellen die Aufnahme der Farbe hindert. Eine
Reservage für Indigo bildet z. B. eine Mischung
von Weinsäure und Kupfervitriol, die, ebenfalls
mit Thonbrei verdickt, aufgedruckt wird; wird der
io bedruckte Stoff in der Indigküpe ausgefärbt, so
crsckeint das Muster weih auf blauem Grunde.
ün N13.38S (frz., spr. ang maß), in Masse.
Hn ininiNturs (frz., spr. ang minlatühr), in
ileinem Maßstab (s. Miniaturen).
Gnna oder Henna, das jetzige Castrogio-
vanni (s. d.), im Altertum eine Stadt im Innern
Siciliens-, fast in der Mitte der Infel, weshalb sie
der Nabel derselben genannt wurde. Sie lag auf
steiler Anhöhe und war von Seen, Hainen und
Auen und in weitem Umkreise von fruchtbaren Saat-
feldern umgeben. Seit alter Zeit war sie ein Hauptsitz
des Demetertultus. Hier sollte die Entführung von
Demeters Tochter Perfephone durch Pluton erfolgt
lein, an dem nahe gelegenen See Pergus (dem heu-
ligen Lago Pergufa). Im ersten Punifchen Kriege,
bei dessen Ausbruch die Stadt den Karthagern ge-
hörte, siel E. in die Hände der Nömer. Schwer litt
die Stadt durch den hier 135 v. Chr. ausgebroche-
:^en und 132 durch Eroberung derselben beendigten
Sklavenaufstand unter Eunus. 859 n. Chr. geriet
E. durch Verrat in die Hände der Saracenen. 1080
fiel es dem normann. Reiche zu.
Gnnaeteris igrch.), eigentlich eine Periode von
neunJahren, doch verstanden die Griechen, indem sie
sich einer übergreifenden Zählung bedienten, die auch
in unserm "acht Tage" für eine Woche und dem franz.
"(MU26 ^oui'8" für zwei Wochen zur Anwendung
kommt, hierunter einen achtjährigen Cyklus, in dem
durch Einschaltungen acht Mondjahre zur Dauer
von acht Sonnenjahren ergänzt wurden. Doch war
neben E. auch der Ausdruck Oktaeteris im Ge-
brauch. Eine Periode von acht Jahren, ein sog.
großes Jahr, galt als der Zeitraum, den die Sühne
für eine Tötung erforderte. So ward in Delphi die
Sühnung des Gottes selbst, der er sich nach Erlegung
des Drachen Python unterwerfen muhte, alle acht
Jahre feierlich begangen. Ebenfo mußte Herakles
wegen Ermordung der ihm von der Megara gebore-
nen Kinder ein fog. großes Jahr dem Eurystheus
dienen. Aber auch in anderm Sinne erscheint dieser
Zeitraum in den Sagen; so z. B. regiert nach der
Odyssee Minos als Vertrauter des Zeus in neun-
jährigen Perioden über Kreta.
Gnnäta, s. Enata. Setzungen.
Gnnöa (grch.), neun, häufig in Zufammen-
UnnsH^nus oder enneagynisch (grch.,
"neunweibig") nennt man jede Blüte mit neun
Griffeln. NnnsaFMia nannte deshalb Linnö eine
Ordnung in den Klassen I-XIII seines Systems;
dieselbe umfaßt alle die Pflanzen, die enneagynische
Blüten haben.
Gnneakaidekaeteris, bei den alten Griechen
der vom Athener Meton 432 v. Chr. aufgestellte
19jährige Schaltcyklus; er war für die griech. Zeit-
rechnung wichtig, weil nach diesem Zeitraum die
Neumonde wieder auf denselben Tag des Sonnen-
jahres sielen (s. Kalender).
ünnsanÄrns oder enneandrisch (grch.,
"neunmännig") heißt jede Blüte, die neun Staub-
gefäße besitzt. Nnnelluäria. nannte deshalb Linns
die neunte Klasse seines Systems, die alle die
Pflanzen umfaßt, deren Blüten mit neun freien
Staubgefäßen versehen sind.
Enneas (grch.), die Neunzahl, s. Neun.
Gnneberg oder G ad erthal,Thal in der Tiroler
Bezirkshauptmannschaft Bruneck, umschlossen von
den Kalk- und Dolomitalpen des Peitlerkofels
(2874 m) im W., des Seekofels (2808 m) im O. und
den Ausläufern des Monte-Tofana (3215 m) im S.,
43 km lang, durchflossen vom Murz- oder Gader-
bach, der bei St. Lorenzen im Pusterthale in die
Rienz einmündet. Das Thal ist einförmig, rauh
und wild, hat eine mittlere Erhebung von 1220 m,
ist spärlich bevölkert von roman. Einwohnern, deren
Dialekt an denjenigen der Ladiner im Nnterengadin
erinnert und deren Hauptbeschäftigung neben der
Viehzucht das Holzfällen ist. Der füdl. Arm, etwa
30 km lang, heißt das Abtei- oder Vadiathal,
der südöstliche, das eigentliche E., 20 Km lang, heißt
auch das Nau- oder Vigilthal und verbindet sich
mit dem Abteithal bei Zwischenwasser (1022 m), wo
die ladinische Sprache beginnt; von hier an führt
die Murz bis zu ihrer Mündung den Namen Gader.
Zwischen beiden erhebt sich das Massiv des Kreuz-
tofels zu 2905 m. Hauptort im Abteithale ist St.
Leonhard oder Abtei, roman. Badia (1ä57m/, mit
726 ladinifchen E., im Vigilthal, das in der Thal-
sprache Marö heißt, St. Vigil oder Plang da Marö