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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ephesia - Epheu
oene Gruppe. Da der Brief nicht in allen Hand-
schristen an die Gemeinde zu Ephesus adressiert ist,
gelegentlich anch Brief an die Laodicener heißt (vgl.
Kol.4, i">) und wegen seines vollständigen Mangels
an lokalen und personlichen Beziebungen nicht wohl
an eine Gemeinde, die dein Paulus so nahe stand,
gerichtet sein kann, so betrachtete man ihn als ein
Umlaufschreiden des Paulus an tleinasiat. Gemein-
den, das gleichzeitig mit den Briefen an die Kolosser
und an Philemon durch Tychikus (Eph. 6,21;
Kol. 4, ?) überbracht worden sei. Da Paulus sich
in dem Briefe als Gefangener bezeichnet, so lassen
ihn die einen Vertreter der Echtheit während der
Gefangenschaft zu Cäsarea, die andern während
der röm. Gefangenschaft geschrieben sein. Die letzte
Annahme entspricht der Ansicht des Briefs selbst
besser. De Wette und Schleiermacher dielten den E.
für eine spätere Überarbeitung des Kolosserbricfs.
Die Unechtheit des Briefs ist namentlick von F. (5.
Baur (in seinem "Paulus", 2. Aufl., Bd. 2, Lpz.
186?) und seiner Schule erwiesen und jetzt fast von
allen kritischen Theologen anerkannt worden.- Vgl.
Holtzmann, Kritik der Epheser- und Kolosserbriefe
(Lpz. 1872); Pfleiderer, Der Paulinismus (ebd.
1873); Hilgenfeld, Histor.-kritische Einleitung in das
Neue Testament (ebd. 1875); von Soden, Der E.
(in den "Jahrbüchern für prot. Tbeologie", 1887);
für die Echtheit zuletzt wieder Schmidt in der 6. Aufl.
von Meyers Kommentar (8. Abteil., Gott. 1880);
neuester Kommentar von Klöpper (ebd. 1891). 'Altere
Kommentare von Rückert, De Wette, Ewald u. a.
Ephefla, Ephesische Artemis, Beiname der
Artemis (s. d., Bd. 1, S. 945 a) von ihrem Tempel
zu Ephesus; auch ein ihr zu Ehren dort gefeiertes
nächtlichem Fest, das ausschweifend begangen wurde;
nur Männer, unverheiratete Frauen und Sklavinnen
durften den Tempel betreten.
Ephesifche Buchstaben (Nplioziao littörao,
grch. llM^ia ssi-HininlUa), im Altertum ein Name
für Zanbersprüche, die man als Amulett bei sich
trug oder in schwierigen Lagen hersagte und die auf
dem Bilde der Ephesischcn Artemis gestanden haben
sollten. Auf irdenen Amuletttäfelchen findet sich das
Unheil abwehrende Bild der Ephesischen Arteniis
neben Zaubersprüchen barbarischen Ursprungs, z.B.
kälii ivkt^Lki Ux tetrax äainuainoii6N8 3.131011. -
Vgl. Wessely, ^plissi". Fi-HinniHt". (Wien 1886).
Ephefus (grch. Eph^esos), Stadt im kleinasiat.
Ionien am Flüßchen Selinus, unweit der Mün-
dung des Kaystros gelegen, wurde zuerst von Karern
bewohnt, dann nach der dor. Wanderung von den
Ioniern unter Führung des Atheners Androllus
in Besitz genommen. Durch ihren trefflichen Hafen
(der gegenwärtig vollständig verschlammt ist) erbob
sie sich bald zu Reichtum und Macht und nahm die
zweite Stelle im Bunde der 12 ion. Städte ein. Ur-
sprünglich auf den Rücken und den sndöstl. Abhang
des Berges Koressos beschränkt, breitete sie sich in
der Zeit des lydischen Königs Krösus um 560 v. Ehr.
in der Niederung gegen Norden nach dem Hafen
und dem Flufse zu weiter aus. Durch den König
Lysimachus (zu Anfang des 3. Jahrh. v. Chr.) wurde
auch der östlich von der ältern ^tadt gelegene Berg
Pion in die Befestigungswerke der Stadt aufgenom-
men und mit Gebäuden besetzt. Das berühmteste
Bauwerk der Stadt war der Tempel der Ephesischen
Artemis (s. d.), der in der jetzt sumpfigen Niederung
nordöstlich vom Berge Pion auf mächtigen Funda-
menten errichtet war. Der etwa um 660 v. Ehr.
durch den Kreter Chersiphron aus Knossos begon-
nene, durch dessen Sohn Metagenes fortgeführte
Bau wurde erst nach 120 Jahren durch Demetriu^
und Päonius von Ephesus vollendet, 356 durch den
wahnsinnigen Herostratus (in der Geburtsnacht
Alexanders d. Gr.) in Brand gesteckt, aber bald
darauf von den Ephesern mit Beihilfe der übrigen
grieck. Städte Kleinasiens unter der Leitung des
Architekten Dinokratcs größer und prächtiger als
srüher wieder anfgebaut. Der Neubau, ein ion.
Diptcros Dekastylos, mit 128 Säulen von 20 m
Höbe, war 130 in lang und 70 in breit und mit
Kunstwerken aller Art reich verziert, von denen
später viele durch Neros Agenten (65 n. Chr.) fort-
geschleppt wurden, das übrige bei der Verbrennung
des Tempels durch die Goten (262 n. Chr.) zu Grunde
ging. Bis auf die Zeit des Kröfus hatte die Stadt
ihre Unabhängigkeit gegen die Angriffe der lydischen
Könige zu verteidigen gewußt, um 560 v. Chr. wurde
sie jedoch nach hartnäckiger Verteidigung gezwungen,
die Oberhoheit der Lyder anzuerkennen. Nach dem
Sturze des Krösus geriet E. in die Gewalt der
Perser, von der es 479 v. Chr. durch die Athener
aus 70 Jahre, 331 durch Alexander d. Gr. auf immer
befreit wurde. In den Diadochenkriegen wurde es
von Antigonus erobert und blieb bis zum Sturze
des Syrifchen Reichs (189) in den Händen von dessen
Nachkommen. Von den Römern wurde die Stadt
mit großem Wohlwollen behandelt und erhielt den
Titel einer Metropole der Provinz Asia. In ihr
wurden mehrere Konzilien gehalten, besonders 431
das dritte ökumenische (s. Konzil) und 449 die sog.
Räubcrsynode, auf welcher Eutyches (s. d.) für
rechtgläubig erklärt wurde, fein Gegner Flavian
dagegen abgesetzt und so mißhandelt wurde, daß
er wenige Tage später starb. Teils infolge von
Erdbeben, teils durch die Verschlammung des
Hafens kam die Stadt in der röm. Kaiserzeit all-
mählich zurück. Sie gehört seit 1391 zum Osmani-
schen Reich. Bedeutende Trümmer der Stadt sind
seit 1868 bei Aya^lugh (s. d.) ausgegraben worden.
Das ziemlich gut erhaltene Theater von 183 m
Durchmesser muß 56 700 Personen gefaßt haben,
das Stadium 76000 Personen; das 6 lia einneh-
mende Gymnasium ist 282 in lang und 168 in breit.
Trümmer des Artemistcmpels sind durch den Eng-
länder I.T.Wood aus der Tiefe von 6 in zu Tage
gefördert worden, vor allem Fragmente der Relief-
säulcn. - Vgl. Start, Na'ch dem griech. Orient
(Heidelb. 1874); E. Curtius, Ephesos'(Berl. 1874);
Zimmermann, E. im ersten christl. Jahrhundert (Jena
1874); I. T. Wood, DiäcoveiikL kt ll. (Lond. 1877);
Fergusson, ^ke tsinpiL of Diana !U N. (ebd. 1883).
Gpheten (grch.) nannten die Athener die von
Drakon 621 v. Chr. dem Archon Basileus und dem
Phylobasileus als Kollegium zugesellten 51 Eupa-
triden, welche über alle Blutklagen Zu Gericht sitzen
und je nach der Natur des Falles in den fünf alten
Dikasterien Athens (Areopag, Palladion, Del-
phinion, Prytaneion und Phreattys) das Urteil zu
fällen hatten. Sie mußten 50 I. alt und tadellosen
Rufes sein und wurden durch den Adel gewählt.
Die Reform Solons ließ den E. nur die vier letzten
Gerichtshöfe und überwies den größten Teil ihrer
Gerichtsbarkeit dem Areopagus (s. d.). - Vgl.Lange,
Die E. und der Areopag vor ^olon (Lpz. 1871);
Philippi, Der Areopag und die E. (Berl. 1874).
Gpheu (Ilo^era), eine zu den Araliaceen (s. d.)
gehörige Gattung, welche Sträucher mit kletternden