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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ernst (Wilh. und Eberhard) - Ernte
die Vorzüge der deutschen und franz. Schule ver-
einigte und mit einer souveränen, namentlich in
Doppelgriffen unerhörten Technik einen geist- und
temperamentvollen Vortrag verband. Seine Kunst-
reisen führten E. durch ganz Europa; seit Mitte der
vierziger Jahre lebte er vorwiegend in England,
mußte aber, körperlich leidend, das Violinspielen
zuletzt aufgeben. Seine Kompositionen für Violine
sind alle schwierig; obenan steht in dieser Beziehung
das ^13-U10II-Konzert. In der Mehrzahl gehören
sie ins Gebiet der brillanten Salonmusik. Die be-
liebtesten sind die "Elegie", die "Othello-Phantasie"
und "Der Karneval von Venedig" (eine Nachahmung
des gleichnamigen Paganinischen Stücks).
Ernst, Wilh. und Eberhard, Verlagsbuchhänd-
ler, s. Ernst & Sohn, Wilhelm.
Gruft-August-Orden, hannov. Orden, vom
König Georg V. 15. Dez. 1865 gestiftet, zählte fünf
Klassen: Großkreuze, Komture 1. und 2. Klasse, Rit-
ter 1. und 2. Klasse. Das Ordenszeichen besteht in
einem weißemaillierten achtspitzigen Kreuze, zwi-
schen dessen Armen abwechselnd ein Kurhut und eine
Königskrone erscheint und dessen Mitte ein rundes
rotes Schild mit dem goldenen Namenszuge N. ^.,
umgeben von dem Wahlspruche "8u8cip6r6 6t tiiiire"
("Unternehmen und zu Ende bringen") auf blauem
Grunde trägt. Das Band ist scharlachrot mit
dunkelblauen Randstreifen.
Ernfthall,SalineimHerzogtumSachsen-Gotha,
in der Nähe von Vufleben (s. d.).
Grnstthal, Stadt in der Amtshauptmannschast
Glauchau der fächs. Kreishauptmannschaft Zwickau,
18 1<m im SW. von Chemnitz und 14 km im O.
von Glauchau, unmittelbar östlich neben Hohen-
stein, in 345-389 in Höhe, am Südfuße des Pfaf-
fenbergs, an der Linie Zwickau-Chemnitz (Sta-
tion Hohenstein-E.) der Sächs. Staatsbahnen, hat
(1890) 4620 (2238 männl., 2382 weibl.) E., darunter
35 Katholiken, Post erster Klasse, Telegraph, Amts-
gericht (Landgericht Zwickau); Steinkohlengruben
(ruhende) und Mineralquellen, bedeutende Jacquard-
Weberei weißer und bunter baumwollener Waren
(Waffeldecken u. s. w.), glatter und broschierter baum-
wollener und mit Wolle und Seide gemischter Westen-
und Kleiderstoffe, Damenfhawls und Herrentücher
in Seide, für welche Deutschland, die Niederlande,
Belgien, die skandinav. Staaten und die Türkei,
Schweiz, Frankreich und Amerika das Absatzgebiet
bilden; ferner Strumpfwirkerei, deren Erzeugnisse
nach Nord- und Südamerika ausgeführt werden,
eine Appreturanstalt, Woll-, Baumwoll- und Sei-
denfärberei. Eine Pest, welche 1680 in Hohenstein
wütete, gab zur Gründung von E. Veranlassung.
Gruft H Sohn, Wilhelm, Verlagsbuchhand-
lung für Architektur und Technik in Berlin, wurde
1850 unter der Firma "Ernst & Korn" (bis 1891)
von Wilhelm Ernst, geb. 10. Dez. 1814, gest.
15. April 1894, und Heinrich Korn in Vreslau
begründet durch Ankauf des Verlags von Karl Rei-
marus, der 1842 die Buchhandlung von George
Gropius (gegründet 1827) in Berlin mit einem Teil
ihres Verlags übernommen hatte. Später kamen
noch Erwerbungen aus anderm Verlag (Schenk &
Gerstäcker, Ferd. Riegel, Guttentag, W. Hertz u. a.)
hinzu. 1880 trat H. Korn aus und Wilhelm Ernst
blieb alleiniger Besitzer, dem 1891 sein Sohn
Eberhard Ernst, geb. 4. April 1852, als Teil-
haber beitrat, wobei zugleich die Firma geändert
wurde. Der Verlag (über 600 Werke) umfaßt
Monographien aus dem Gebiete der Kirchen-, Schul-
und Krankenhaus-Architektur fowie des gesamten
Eisenbahnwesens, des Hochbaues und der Orna-
mentik, darunter zahlreiche Prachtwerke mit Stichen
und Chromolithographien ersten Ranges, von Au-
toren wie F. Adler (" Mittelalterliche Äacksteinbau-
werke"), K. Voetticher, Gottgetreu, Graeb, C. Gro-
pius, G.Hagen, Hitzig, Zobrecht, Georg Meyer,
Raschdorsf, von Rittinger, Rziha, Salzenberg
("Altchristl. Baudenkmale Konstantinopels"), Schin-
kel ("Sammlung architektonischer Entwürfe", "De-
koration auf den Königl. Hoftheatern zu Berlin" u. a.),
von Stillfried, Strack, Stüler, Waefemann u. a.;
ferner das "Architektonische Skizzenbuch" (201 Hefte,
693 M.), "Ingenieurs Tafchenbuch", hg. vom Ver-
ein "Hütte" (1857; 15. Aufl. 1892), "Zeitschrift
für Bauwefen" (seit 1851), "Zeitschrift für Berg-,
Hütten- und Salinenwesen" (seit 1853), "Central-
blatt der Bauverwaltung" (seit 1881) u. a.
Ernte, der Inbegriff aller Arbeiten, die zum Ein-
bringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte
notwendig sind. Von größter Bedeutung ist Wahl
des richtigen Zeitpunktes, Wetter und schnelle Förde-
rung aller Erntearbeiten. Man kann in Deutschland
drei Haupternten unterscheiden: die Heuernte, die
Getreide-(Hülsen- und Ölfrucht-) Ernte und die
Wurzelfruchternte. Die drei Arten bedürfen natür-
lich eines verfchiedenenZeitpunktes,besondererWerk-
zeuge und besonderer Methoden beim Einheimsen.
Die Heuernte erstreckt sich auf alle grünen
Futtergewächfe, die in trocknem Zustande den Win-
ter über aufbewahrt werden sollen, wie Gras, Klee,
Luzerne, Esparsette. Der Schnitt, der meistens mit
der Sense, jetzt aber auch vielfach mit der Mäh-
maschine vorgenommen wird, hat zu erfolgen, wenn
die Pflanzen in voller Blüte stehen. Bei früherm
Abbringen ist die Menge geringer, weil das Wachs-
tum der Pflanzen noch nicht vollendet ist; bei spä-
term Mähen erbält man eine größere Futtermasse,
aber geringern Nährwert, weil die eigentlichen Nähr-
stoffe in die Samen gewandert sind. Die grünen
Pflanzen kann man durch einfaches Trocknen, durch
Trocknen auf Reutern und durch Vraunheubereitung
in Heu verwandeln. Beim einfachen Trocknen wird
das in Schwaden gemähte Gras auseinandergeschla-
gen, mehrfach gewendet und am Abend in tleineHau-
fen gesetzt, um am folgenden Tage von neuem in der
beschriebenen Weise behandelt zu werden, bis eine
völlige Trocknung erreicht ist. Klee wird nur vom
Schwad aus in kleine Haufen gebracht. Beim Klee
und der Luzerne findet auch ein sog. Pu"ppen statt;
der im Schwad abgewelkte Klee wird zu etwa 30 cm
im Durchmesser haltenden Bündeln aufgerollt, auf
die Sturzenden gesetzt, oben etwas spitz ausgezogen
und mit einigen Halmen umbunden. Er leidet in
den Puppen, die bis zur Abfuhr des Heues unberührt
bleiben, wenig von der Witterung. Beim Trocknen
auf Reutern (s. d.), namentlich beim Klee üblich,
wird derfelbe am zweiten Nachmittag nach dem Ab-
mähen auf den Reutern gleichmäßig festgepackt und
trocknet fo völlig nach. Bei der Vraunheuberei-
tung läßt man die grüne Masse erst abwelken, bringt
sie dann in Mieten oder Feimen und tritt sie fest zu-
sammen. Die hierauf vor sich gehende Erwärmung
des Haufens hat nach einigen Wochen ihr Ende er-
reicht; der Klee u. f. w. stellt dann eine braune, aro-
matisch riechende Masse dar. Der Vorteil der bei-
den letzten Arten der Zeugewinnung beruht in der
gröhern Unabhängigkeit vom Wetter und Ersparung