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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Erz... (Vorsilbe) - Erzämter
nen Sandstein, trotzdem er vielleicht 10 Proz. Eisen-
oxyd enthält, kein Eisenerz nennen, weil das Metall
nicht mit Vorteil daraus dargestellt werden kann,
wogegen eine Quarzmasse, in der sich nur 1 Proz.
Gold fein verteilt findet, schon als ein sehr edles
und reiches Golderz gilt. Aber auch historisch ge-
nommen ist der technische Begriff E. insofern ein
relativer, als die Zuzählung eines Minerals zu den
E. von dem jeweiligen Standpunkte der hütten-
männischen Erfahrungen abdangt und durch die
Erweiterung der chem. Kenntnisse sowie die Ver-
vollkommnung metallurgischer Operationen früher
bekannte aber unbeachtete Mineralien, z. V. die
Kobalt- und Nickelverbindungen, auch die Zinkblende,
erst im Laufe der Zeit zu E. geworden find.
Gemeinhin werden fo viele Arten von E. unter-
schieden, als es verschiedene einfache Körper giebt,
die im großen aus dcnfelben dargestellt werden'
daher spricht man von Arfenik-, Blei-, Eisen-,
Kupfer-, Gold-, Silber-, Vitriol-, Zink-, Zinnerzen.
Enthalten die E. mehrere Körper, deren Gewinnung
zugleich beachtet wird, fo werden diefelben durch
einen aus beiden Korpern gebildeten Namen be-
zeichnet, indem man jenes Metall, das dem andern
nur zufällig beigemengt ist, in Form eines Bei-
wortes vorausfetzt, z. B. silberhaltige Blei-, bleiiscke
Silber-, kupferige Silbererze. Gediegene E. hei-
ßen folche Metalle, die mit andern Stoffen nur
wenig oder gar nicht vermischt sind. Nach den vor-
waltenden, den E. beigemengten Bestandteilen un-
terfckeidet der Hüttenmann behufs Gattierung und
Vesäückung quarzige, ockerige, schieferige, fpatige,
thonhaltiae, bituminöse, kalkhaltige, kiesige, anti-
monialische, arsenikalische, blendige u. s. w. E.; er
unterscheidet ferner Glanzerze, die einen metalli-
schen Glanz besitzen, und dürre E., bei denen die
Oxyde der metallischen Grundlagen vorherrschen,
die in der Chemie Erden heißen. Nach der Säunelz-
barkeit unterscheidet man ferner leichtflüssige E.,
welche die zur Bildung eines leichtflüssigen Silikats
nötigen Bestandteile besitzen, und strengflüssige E.,
die nur mit zweckmäßigen Zuschlägen (verschlackende,
zerlegende oder auflösende Substanzen) verschmol-
zen werden können. Die vor dem eigentlichen Hüt-
tenprozesse vorzubereitende mechan. Absonderung
der mit den E. einbrechenden tauben Gesteine ist
Gegenstand der Aufbereitung (s. d.) und das durch
die trockne Scheidung gewonnene E. wird gewöhn-
lich Scheideerz, Stufenerz, Guterz genannt'
da5 Produkt der nassen Aufbereitung dagegen heißt
Schlvch, auch gewaschenes E., oder aufbereitete
Pockgänge, oder Wascherz. Das Vorkommen der
E. ist fo überaus mannigfaltig, und die Erschei-
nungen dabei sind fo verwickelt und zahlreich, daß
hier nur die Andeutung genügen muh, wie haupt-
sächlich die krystallinisch schieferigen Gebirgsarten
und die Gesteine der ältern geolog. Formationen
den größten Teil der E. auf ursprünglicher Lager-
stätte enthalten. (S. Erzlagerstätten.)
E. war von alters her bei den Völkern deut-
schen Stammes (wie bei den Griechen cliaiköL und
bei den Römern a6L) der Name für das Kupfer,
insbesondere aber für die Metallmifchungen, in de-
nen das Kupfer den Hauptbestandteil, Zinn, Blei
oder Zink den Zusatz bilden. In dieser Bedeutung
ist es soviel wie Bronze. (S. Bildgießerei, Bronze,
Erzguh, Kunstguß, Metallgießerei.)
Erz..., eine untrennbare, aus dem griech. ai-odi-
entstellte Vorsilbe, die sich bereits im 13. Jahrh, bei
Verdeutschung der Fremdworte 3.re1iiäiix, 9.re1ii6pi8>
C0PU8, g.i-cdipi-68d^t6r, 3.rcdHu^6lu8 zu Erzherzog,
Erzbischof, Erzpriester, Erzengel zeigt. Später wurde
diese Vorsilbe zunächst zu Titeln und Würden ge-
fügt, um den höhern Grad anzudeuten, wie in Erz-
amt, Erzkanzler, Erzkä'mmerer, Erzvater (für Patri-
arch), dann aber auch zur Bildung schmeichelnder,
befonders aber scheltender Ausdrücke verwendet, Z. B.
in Erzbösewickt, Erzschalk, Erzschelm, Erzdieb, Erz-
Grzabt, s. Archimandrit. Hetzer, Erzlügner.
Erzählung, die Mitteilung einer wirklichen
oder erfundenen Begebenheit. Den Gegenstand
sieht die E. immer als vergangen an, im Gegensatz
! zur Vcfchreibung (s. d.). In der Poetik heißt E.
die Darstellung erdichteter Ereignisse, die keine auf-
fallende Verwicklung bieten, sondern den Eindruck
des wirklich Geschehenen machen will. Geschichts-
mähiger Stoff und ungesuchtcr Vortrag bezeichnen
ihre Art. Erfordernisse sind Klarheit und Lebhaftig-
keit des Einzelnen, deutlicher Zusammenhang, künst-
lerische Abrundung des Ganzen. Poetische E.
nennt man eine E. in Versen, meist von geringerm
Umfange. Im allgemeinen aber liebt die E. das
Prosagewand und ihr Begriff umfaßt im weitern
Sinne auch Novelle und Roman, schließlich das
epische Gedicht überhaupt.
Grzämter, in der Verfassung des ehemaligen
Römisch-Deutschen Reichs gewisse oberste Hofämter
(Hrediosüci^), welche die Kurfürsten (s.d.) bekleideten
und welche sie zur Leistung von Ehrendiensten ver-
pflichteten. Auf diese E. und die ihnen entsprechenden
! Titulaturen und Insignien wurde ein großes Gewicht
! gelegt. Bestritten ist, ob das Erzamt das primitive
^ Recht war, dem die Kurstimme entstammte, oder ob
I die Kur als das Hauptrecht anzusehen war, dem
! das Erzamt sich zugesellte. Seit dem Interregnum
wurde die Zahl der Kurstimmen auf sieben fixiert
und demnach gab es auch sieben E. Eine ver-
! fassungsmäßige Anerkennung hat dieser Rechts-
zustand aber erst in der Goldenen Bulle Karls IV.
von 1356 erhalten. Die vier eigentlichen, der
ältesten Hofverfassung entstammenden Ämter hatten
die vier weltlichen Kurfürsten: der Pfalzgraf vom
! Rhein war Truchseß (Hi-cliiä^pit^i), der Herzog
von Sachsen Marsch all (Hi-odiml^30Hlcii3), der
, Markgraf von Brandenburg Kämmerer (ai-eki-
cclinmk!3.1 in3), der König von Böhmen Schenk
, (Hi-cIiipwc6i'U3.). Den drei geistlichen Kurfürsten
^ wurden Kanzlerämter zugeschrieben. (S. Erzkanzler.)
! Während des Dreißigjährigen Krieges wurde infolge
! der Dichtung Friedrichs von der Pfalz die pfälz. Kur-
stimme mit dem Evztruchseßamt auf Bayern über-
tragen. Im Westfälischen Frieden aber wurde die
pfälz. Kur (als achte Stimme) wiederhergestellt und
ihr das Erzschatzmeisteramt zugewiesen. Durch
z die Vereinigung von Pfalz und Bayern 1777 siel
diese Kur fort und die Pfalz trat wieder in die alte
^ur ein. Nun wurde das Erzschatzmeisteramt der
schon 1692 vom Kaiser errichteten, 1708 vom Reiche
anerkannten braunschw.-lüneburg. Kur (Hannover)
überwiesen. Den 1803 durch den Reichsdevuta-
tionsbauvtschluß geschaffenen vier neuen Kurstellen
(Württemberg, Baden, Hessen, Salzburg) wurden
E. nicht beigelegt; nur Württemberg erhielt das
! schon früher von ihm in Anspruch genommene Erz-
^ panneramt. Den E. waren Erbämter (s.d.) unter-
^ geordnet. Auch für die Kaiserin aab es besondere
! E., die von gefürstcten Mten geführt wurden, aber
^ für die Reichsverfassung ohne Bedeutung waren.