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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Erzaufbereitung - Erzerum
Erzaufbereitung, s. Aufbereitung.
Grzberg, s. Eisenerz Marktflecken).
Erzbischof, in der rüm.-kath. Kirche derjenige
Bischof (s.d.), der über mehrern bischöst. Sprengeln
(Diöcefen) steht. Nachdem im 3. und 4. Jahrh, die Bi-
schöfe der Provinzialhauptstädte (Metropoliten) den
Vorsitz auf den Provinzialsynoden und ein Ober-
aufsichtsrecht über die ihnen untergebenen bischöfl.
Sprengel erhalten, und unter ihnen wieder einzelne
eine gewisse Obmacht gewonnen hatten, wurden diese
^i-ckiöpikoopi oder E. und Patriarchen oder Pri-
maten genannt. Später aber wurde im Abendlande,
wo die Metropolitanverfassung erst in der Zeit Karls
d. Gr. zu ihrer vollen Ausbildung kam, die Stellung
der E. heruntergedrückt und jetzt ist der Vorrang
der E. in der Hauptsache nur noch ein Ehrenvorrang.
Außer den allgemeinen bischöfl. Rechten und der
Verwaltung der eigenen Erzdiöcese kommen den E.
nach kanonischem Rechte allerdings noch gewisse
Rechte zn, die sie über die ganze Kirchenprovinz und
über die zu derselben gehörigen Bischöfe (Susfra-
ganen) ausüben, so besonders das Recht der Zu-
sammenberufung der Provinzialfynode und der Vor-
sitz bei derselben: ferner die Visitation der Priester-
seminare und die Aufsicht über die Residenz der
Sufsragane; außerdem gewisse Ehrenrechte, insbe-
sondere die Vortragung des Krenzes in allen Teilen
der Kirchenprovinz und das Pallium (f. Pallien).
In der griech. und russ. Kirche hat sich die doppelte
Bezeichnung E. und Metropolit erhalten: da jedoch
alle Bischöfe in ihren Rechten einander gleichgestellt
sind, ist der Name E. nur noch Ehrentitel. Von der
röm.-kath. Kirche ging mit der bischöfl. Verfassung
auch die Würde der E. zu der anglikan. und schwed.
Kirche über. Die Ernennung des Generalsuperinten-
denten Borowski in Königsberg zum evangelischen
E. (1829) ist ganz vereinzelt geblieben. In Preußen
haben die E. den Rang der Wirklichen Geheimen
Räte, in Bayern, Baden, Österreich sind sie Mit-
glieder der Ersten Kammer. Ihre materiellen Bezüge
sind mit den Staaten besonders vereinbart.
Erzbischöfliche Insignien, in der Heraldik die
den erzbischöfl. Wappenschild deckende Mitra (s. d.)
und das hinter dem Wappenschild mit dem Krumiw
stab ls. Bischofsstab) geschrägte Schwert. (S.Tafel:
Kronen II, Fig. 46.) Das Schwert, als Zeichen
der weltlichen Gewalt, wurde nur von geistlichen
Fürsten mit Landeshoheit gefübrt.
Erzbifchofshut, in der Heraldik ein flacher
runder Hut von grüner Farbe mit beiderseits ab-
hängenden, je zehn Quasten zählenden verschlun-
genen Schnüren. (S. Tafel: Kronen II, Fig. 50.)
Erzbistum, Erzdiöcese, in der kath. Kirche
der Bezirk, innerhalb dessen ein Erzbischof die kirch-
liche Verwaltung hat. (^. Bistum, Erzbischof und
Deutschland und Deutsches Reich, Bd. 5, S. 155 d.)
Erzbringer, Mineralien, mit denen erfahrungs-
gemäß häufig Erze vorkommen. Dahin gehören
Kaltspat, Quarz, Schwerspat u. s. w.
Erzbruderfchaften, s. Bruderschaften.
Erzbutze, s. Erzlagerstätten (S. 342 a).
Erzdiöcese, s. Bistum und Erzbistum.
Erzen, mit"er" anreden, s. Er.
Erzengel, in der Rangstufe der sog. himm-
lischen Hierarchie die Fürsten unter den Engeln, (^ie
beißen Michael (Dan. 10, 13,21; 12,1), Gabriel
(Dan. 8,15 fg.; 9,21), Raphael (Buch Tobit) und
Uriel (Buch Henoch; 4. Esra-Vuch). Die spätere
jüd. Theologie zählte sieben E.
Erzerüm (Erferüm oder Ersirüm), be-
festigte Hauptstadt des gleichnamigen asiat.-türk.
Wilajets (76 720 cikm, 645 700 E.) in Türkisch-Ar-
menien, am Südrande einer 38 kni langen, 22 Km
breiten, im Winter sehr kalten, im Sommer warmen
Hochebene, welche zum Teil gut bewässert, aber holz-
arm und schwach bevölkert ist und vom Kara-su oder
westl. Euphrat durchflossen wird, etwa 8 km von die-
sem entfernt in 2032 m Höhe, ist Residenz des Waly
oder Generalgouverneurs. Die Zahl der Häuser
wird mit den kleinen, halb unter der Erde gelegenen
Hütten auf 6600, die der Einwohner auf 60000 ge-
schätzt, welche zur Hälfte Türken, zur Hälfte Arme-
nier und Perfcr nebst einigen Griechen sind. In
neuerer Zeit hat die Stadt ihre Physiognomie in-
folge des 1866 begonnenen Abbruchs der hohen,
verfallenen Mauern der Disch-Kaleh (d. h. äußere
Festung), welche die Citadelle oder Itsch-Kaleh um-
gab, sehr wesentlich verändert. Seit 1864 wurde die
Stadt mit neuen Festungswerken umgeben, unter
denen die Forts auf dem Top-Dagh (Medschidinö
Tepe) und Kirimitli-Dagh die wichtigsten sind. Die
Straßen sind nur zum Teil gepflastert, eng und
krumm, einige von kleinen Bächen durchflossen.
E. hat etwa 30 Moscheen, 11 Bäder und einige
mit kufischen Inschriften bedeckte Mausoleen. Das
Schifteh-Minaret, ein Doppelturm, gilt für das
älteste Baudenkmal E.s. Der ehemals bedeutende
Handel ist sehr gesunken, seitdem der pers.-europ.
Handel seinen Weg nicht mehr über das armenische
Hochland, sondern durch das russ. Transkaukasien
nimmt, und die früher fo belebte Karawanenstraße
von Trapezuni über E. zur pers. Grenze ist seitdem
mehr und mehr verödet, obgleich zwischen erstern
beiden Orten seit 1870 eine Art Chaussee besteht.
Auch der Gewerbfleiß der Stadt, welche vordem
durch ihre Schmiedearbeiten in Eisen und Kupfer
ausgezeichnet war und ihre Erzengnisse namentlich
nach Persien versendete, ist infolge der Auswande-
rung zahlreicher geschickter armenischer Arbeiter auf
russ. Gebiet (1829) sehr zurückgegangen. Am meisten
baben die Teppich- und Ledermanufakturen gelitten.
In den Bazaren sieht man jetzt überwiegend nur
pers. Waren, vornehmlich Shawls und Teppiche.
Den Ruf als Markt für Pelzwerk und Pferde hat
E. verloren. Durch Konfulate sind England, Persien
und Rußland, durch Vicekonsulate Frankreich, Ita-
lien und Österreich-Ungarn vertreten.
Geschichte. E. ist ein sehr alter Ort, bei den
Armeniern Karin oder Garin Khalath (Stadt
der Landschaft Garin) genannt, woraus die Ara-
ber Kalikalah machten. Der Feldherr Theo-
dosius' 11., Anatolius, baute hier im 5. Jahrh,
die Festung Theodosiopolis, nordwestlich von
der offenen syro-armenischen Handelsstadt Arsen,
deren Einwohner bei der Zerstörung durch die
Seldschuken 1049 sich nach dieser griech. Festung
zogen und sie nun Arsen nannten, worauf der
Name Arsen er-Rum, d. h. Arsen der (Ost-)
Römer oder Griechen, allgemeiner ward. Die
Festung war häufig Kriegsschauplatz. Seit 1049
zu einem reichen Emporium aufgeblüht, siel sie
1201 in die Hände der Seldschuken. Dann kam sie
1242 in den Besitz der Mongolen und 1517 endlich
an die Türken. Trotz der türk. Mißwirtschaft blieb
sie noch immer die wichtigste Stadt des ganzen Hoch-
landes und hatte selbst noch vor der russ. Occupa-
tion über 80000 E. Im Russisch-Türkischen Kriege
von 1828 und 1829 entschied die Eroberung E.s,
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