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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Estancia - Este
fein gebildeten Sinn dergestalt zu fesseln, das; er
ihr die Stelle seiner bisherigen Geliebten, der Gräsin
von Chateaubriand, einräumte. Bei ihrer Schein-
Heirat mit Jean de Brosse 1536 beschenkte er sie mit
der zum Herzogtum erhobenen Grasschaft E. Um
ihre Person und die ihrer Gegnerin Diane de
Poitiers (s. d.), der Geliebten des Dauphin Heinrich,
gruppierten sich die Parteien, welche in Franz'
späterer Zeit den Hof spalteten. An allen Fragen
der Negierung war sie damals start beteiligt. Nach
dem Tode Franz' I. 1547 wurde sie auf Anstiften
der Diane de Poitiers anf ihre Güter verwiesen.
Sie trat nun, im Gegensatze zu jener, zu den Huge-
notten über und leistete ihnen gelegentlichen Vor-
schub, lebte aber sonst ruhig bis an ihren 1576 erfolg-
ten Tod. - Vgl.P.Paris, 1^tn(l68 8nrI^n<M3 1,
Bd. 2 (Par. 1885).
Gstancia (span., "Wohnnng"), in den südamerik.
Pampas Name der Grundbesitzungcn, die aus-
schließlich zur Viehzucht bestimmt sind; Estan-
ci'ero, Besitzer einer E.
Nstatnto i'OHl (span., "königl. Statut"), das
Verfassungsgesetz, welches die verwitwete Konigin
Christine als Regentin von Spanien 10. April 1834
eigenmächtig erlieft. Dasselbe setzte eine beschränkte
konstitutionelle Verfassung mit zwei Kammern (die
der Pröcercs als die erste Kammer, und die der
Procuradores als die zweite Kammer, letztere aus
den Höchstbesteucrten auf 3 Jahre gewählt) ein,
13. Aug. 1836 bcfeitigt.
Gstävaycr-le Lac (spr. >wäjeh), deutsch Stäf-
fis am See, Stadt und Hauptort des Bezirks
Broye im schweiz. Kanton Freiburg, in 469 in Höhe,
auf einer Anhöhe am rechten Ufer des Ncuenburgcr
^ees, an der Linie Freiburg-Paycrne-Z)verdon, der
Schweiz. Wcstdahn, hat (1888) 1566 E., darunter
209 Evangelische; Post, Telegraph, ein vieltürmiges
got. Schloß Chilnaux, eine Pfarrkirche mit guter
Orgel von Moser in Freibnrg und wcrtvolle'.n Ältar-
dlatt, Dolninikanerinnenstist, ein ehemaliges Ie-
suitcllsenlinar, altes Rathaus, einen Hafen für die
Dampferlinie E.-Neuchätel und Landwirtschaft.
Este, linker Nebenfluß der Elbe in der preuß.
Provinz Hannover, entspringt in der Lüneburger
Heide, südlich von Welle, und mündet nach einem
Laufe von 57 Icin Blankenese gegenüber. Sie ist
von Bnrtehude an (13 km) schisidar.
Gftc) Hauptstadt des Kreises E. (46696 E.) in
der ital. Provinz Padua, an dem kanalisierten
Frassine, am Fuße des südwestl. Vorsprungs der
Euganeen (des Monte-3)turale) und an der Linie
Mantua-Legnago-Monselice des Adriatischen
Netzes, bat (1881) 8612, als Gemeinde 10608(5.,
malerische Zinnen und Mauern ans der venet.
Epoche des 15. Jahrh., eine 1334 durch Ubertino
Carrara erbaute Rocca (Vnrg), in Sta. Maria delle
Grazie, der größten Kirche der Stadt, eine schöne
Madonna (1509) vonCimadaConegliano; Seiden-
zucht, Fabrikation von Filzhütcn, Fayence, Salpeter
und Wetzsteinen. - E. (Atcste), ursprünglich zur
NHi-cll. V"ion6N8i8 6t ^(iuii6i6N8i3 gehörig, kam im
12. Jahrh, an Padua, mit diesem 1405 an die Repu-
blik Venedig, beider sie bis zu deren Auslösung 1797
verblieb, und teilte seitdem die Geschicke Vcnetiens.
Este, engl. Familie, s. D'Estc.
Este, eins der ältesten Fürstenhäuser Italiens,
Ahnen der deutschen Welsenbäuscr; Vorkämpfer
der Guelfen im 12. und 13. Jahrh., waren sie im
14. Jahrh, entschiedene Ghibcllinen und nahmen als
Vasallen zugleich der Kirche und des Reichs im 15.
und 16. Jahrb. eine bedeutende Stellung ein, wäh-
rend sie gleichzeitig ihren Hof in Ferrara zu einem
der glänzendsten des Renaissancezeitalters ausbil-
deten. - Die Pallavicini (s. d.) und Malaspina
(s. d.) beanspruchen gemeinsamen Ursprung mit den
E., welche sich auf karoling. Statthalter Tosccmas
im 10. Jahrb. zurückführen. Diese erwarben dann
nach und nach in Italien die Lehen: E., Novigo,
Montagnana, Casale-Maggiore, Pontremoli, Fer-
rara, Modena und Reggio. Ihre italienische von
Fulco I. (s. unten) stammende und deshalb fulc-
estisch genannte Linie erlosch in ihrem Haupt-
zweige mit Alfons II. (s. unten) 1593; die ihr fol-
gende Bastardseitenlinie sah sich auf die kaiserl.
Leben, Modcna und Neggio, beschränkt und erlosch
mit Franz II. 1694; die an ihre Stelle durch Ninaldo
d'Este getretene zweite Seitenlinie erlosch 1803 mit
Ercole Rinaldo; seine Ansprüche auf Modena,
Reggio und Massa-Carrara, für welches er durch
Heirat mit Maria Teresa Cybö Erbrechte erlangt,
gingen über auf seine Tochter Maria Veatrice
Ricciarda, deren Sohn von Erzherzog Ferdinand,
dem dritten Sohne Kaiser Franz' 1., Franz IV.,
1814 Modena und 1829 Missa-Carrara erhielt.
Mit dem Tode von dessen ^ohne Franz V. 1875
erlosch auch die Linie Österreich-Este, die schon
1859 ihr Land an Victor Emanuel verloren und
Italien verlassen hatte; der Titel Herzog von E.
ging über auf den Erzherzog Franz Ferdinand,
ältesten Sohn des Erzherzogs Karl Ludwig, den
mutmaßlichen österr.Thronfolger. - Von Fulcos l.
Bruder, Wels I V., der von Kaiser Heinrich IV. 1070
an Stelle Ottos von Nordheim mit Bayern belehnt
worden, stammt die Linie Wels-Este (s. Welsen),
welche in den von Heinrich dem Stolzen und dessen
Sohn Heinrich dem Löwen ausgehenden Häusern
Braunschweig und Hannover zu Bedeutung gelangt
ist. - Von den italienischen E. sind hervorzuheben:
Azzo 1. (gest. 1029), Sohn Obertos II. (gest. um
1015) und Enkel Obertos I. (gest. um 972), welche
das Markgrafen tu m über Tu^cien beanspruchten
und sich in den Kämpfen der deutschen Kaiser in
Italien gegen Berengar und Arduin von Ivrea
bemertlich machten, wnrde wegen Parteinahme für
letztern 1014 von Heinrich II. mit seinen: Bruder
Hugo gefangen gesetzt, entkam jedoch und suckle
dann Heinrich II. Schwierigkeiten zu bereiten durch
Anerbietung der Krone Italiens an König Ro-
bert II. von Frankreich sowie an Wilhelm IV. und V.
von Aquitanien. Sein Sohn Azzo II. (gest. 1097)
verständigte sich mit Heinrich II., suchie sich in
Abwesenheit Wilhelms von der Normandie in der
Grafschaft Maine festzusetzen und unterstützte Gre-
gor VII. und Mathilde von Tuscicn gcgcn Hein-
rich IV., dessen Demütignng inCanossa er beiwodnte.
Fulco 1., geb. um 1060, gest. um 1135, Sohn
des vorigen, Begründer der fulc-estischen Linie,
wurde von seinem jüngcrn Bruder Herzog Wch
von Bayern, der ihn im Bund mit Heinrich von
Kärnten angriff, aus seinem Erbe vertrieben, ver-
ständigte sich aber mit ihm durch Abtretung der
Herrschaftsrechte in den Städten Rovigo und E.
Azzo VII., geb. um 1205, gest. Febr. 1264, ent-
wand den Salinguerra Ferrara, das sie während
seiner Minderjährigkeit in ibre Gewalt gebracht
hatten, und bekämpfte danach an der Spitze der
guelsifchen Städte Oberitalicns die da Romano, mit