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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Etüden - Etzel (Gottlieb Christian Eberh. von)
als der "Tizian" Englands 13. Nov. 1819 in York.
- Vgl. Gilchrist, Like :mä I6tt6l8 ol ^VMiam ^.
(2 Bde., Lond. 1855).
Etüden (frz. 6wäe8, spr. etühd, d. i. Studien),
in der neuern Musik solche Stücke, die zur Übung
und Ausbildung in der Technik irgend eines In-
struments verfaßt sind. Der eigentliche Zweck der
(5. ist, Passagen, Figuren und Verzierungen so
durchzuführen, daß der Studierende sie in allen
Lagen und Wendungen beherrschen lernt. Indes
faßt man das Wort Etüde auch in höherm ^inne
und versteht darunter ein Stück, in dem der ubungs-
stoff so verarbeitet ist, daß ein musikalisch abgerun-
detes, gehaltvolles Tonstück entsteht, bei dem der
technische Übungszweck in den Hintergrund tritt.
So ist es gekommen, daß man sogar E. für Salon
und Konzert komponiert hat. Für E. rein. technischer
Art gebraucht man auch den Ausdruck Nxei-eic^
(Übungsstücke). Die ältere Zeit hat für die E. ver-
schiedene Namen: Joh. Seb. Bach nennt ein Heft
Klavieretüden "Inventionen", Händel bringt E. als
"Variationen" u. s. w. Die Litteratur der E. ist
neuerdings sehr angewachsen; klassische Bedeutung
durch Vereinigung von Kunstgehalt und instruktivem
Charakter haben die ältern E. sür Klavier vonCra-
mer, Clementi, die neuern von Chopin und Mo-
scheles; technisch bedentend sind die von Czerny und
Bertini. Ihnen entsprechen auf dem Gebiet der
Violine die von Rode, Kreutzer, Campagnoli u. a. -
Hn der Zeichenkunst heißen E. die Vorlags- oder
libungsblätter, z. V. Köpfe.
Etui (frz., fpr. etüih), Besteck, Futteral, Behälter
für kleinere Gegenstände.
Etuz (spr. etüh), Dorf im Kanton Marnay, Ar-
rondissement Gray des franz. Depart. Haute-Saöne,
15 kni nördlich von Besancon, am Ognon, hat
(1891) 202, als Gemeinde '235 E. - Hier wurde
nach heftigem Kampfe 22. Okt. 1870 von der 2. bad.
Infanteriebrigade unter General Degenfeld gegen
Truppen des franz. Generals Cambriels der Über-
gang über den Ognon erzwungen.
Etymologie (grch., die Wissenschaft, die das
öt^mou, d. h. das Wirkliche, das eigentlich zu Grunde
Liegende suckt), der Teil der Sprachwissenschaft,
der von der Ableitung der Wörter durch Zerlegung
in ihre Bitdungsbestandteile handelt. Diese sind
die Wurzel, d. h. der Teil, dem die Bedeutung an-
baftet, die stammbildenden Suffixe, die den Begriff
der Wurzel in bestimmter Weise modifizieren, und
die Flexionsendungen, welche die Beziehung des
Wortes im Satze angeben. Z. V. griechisch p^-LiZ
"Gemahl) hat als Wurzel po- (beschützen), -si- giebt
die Bedeutung einer handelnden Person, po8i-
(Beschützer), -3 ist Nominativendung. Die Lösung
dieser Aufgabe ist meist nur möglich, wenn es ge-
lingt, die Worte auf ihre Grundform, d. h. auf den
ältesten erreichbaren Lautbestand, zurückzuführen;
es gehört also zur E. genaue Kenntnis der geschicht-
lichen Entwicklung der Laute von der ältesten Zeit
an. Daher giebt es eine wissenschaftliche E. erst
seit dem Aufkommen der historisch-vergleichenden
Sprachwissenschaft im 19. Jahrh. Die Neigung,
den Urfprung der Worte zu suchen, ist zwar sehr
alt (eins der bekanntesten ältesten Beispiele ist Platos
"Kratylos"), allein die etymolog. Versuche der griech.
und röm. Grammatiker sind wissenschaftlich wertlos,
sie beruhen auf willkürlichen Einfällen, zufälligen
Gleichklängen und führen nur durch Zufall bier
und da zu richtigen Resultaten. Sammlungen der
E. griech. Grammatiker enthalten das sog. "Lt^mo-
logicou ma^num" aus dem 10. Jahrh. (hg. von
Schäfer, Lpz. 1816, und von Gaisford, Oxf. 1848)
und das ältere " Nt^nioIoFicnin ßt-H6ca,6 lin^uas
^uäiaimm" (hg. von Sturz, Lpz. 1819) u. a. Eine
kurze Gefchichte der ältern E. giebt Curtius, "Grund-
züge der griechischen E." (5. Aufl., Lpz. 1879) in
der Einleitung. Nachdem durch Bopp und Grimm
die richtige Unterlage für etymolog. Forfchungen
gegeben war, erschienen Potts "Etymolog. For-
schungen auf dem Gebiete der indogerman. Spra-
chen" (2 Bde., Lemgo 1833-36; 2. Aufl., 5 Bde.,
Detmold 1859-74), das für die E. dieses Sprach-
stammes grundlegende Werk. Die etymolog. Durch-
forfchung des gefamten Indogermanischen bezweckt
auch Fick, "Vergleichendes Wörterbuch der indo-
german. Sprachen" (3. Aufl.,4 Bde., Gott. 1874-76;
4. Aufl., Bd. 1 u. 2, ebd. 1891-91). Die neuhoch-
deutsche Sprache behandelt Friedr. Kluge, "Etymolog.
Wörterbuch der deutschen Sprache" (5. Aufl.,Straßd.
1893-94). sS. auch Volksetymologie.)
Etzel, waldiger Bergrücken und Paß der Sihl-
gruppe in den Glarner Alpen (s. Westalpen) im
schweiz. Kanton Schwyz, erhebt sich zwischen der
^>ihl und dem Zürichsee mit dem Hochetzel, 6 km
nördlich von Einsiedeln (s. d.), zu 1102 m. Der
Fahrweg zieht sich von Einsiedeln durch einförmiges
Weideland, überschreitet die Sihl auf der Teufcls-
brücke und steigt zur Pahhöhe hinauf, die in 960 m
Höhe am füdöstl. Fuße des Hochetzel liegt und eine
dem Andenken St. Meinrads, des Gründers von
Einsiedcln, gewidmete Kapelle trägt. Von der Höhe
senkt sich der Weg meist durch Waldungen und Obst-
gärten nach Pfäfsikon (15 Km) am Zürichfee. Seit
Eröffnung der Bergbahn Wadenschwyl-Einsiedeln
ist der Paß vereinsamt.
Etzcl (althochdeutsch Azzilo oder Ezzilo; nor-
disch Atli), der Name, unter dem der Hunnenkönig
Attila (s. d.) in der deutschen Heldensage auf-
tritt. Im Nibelungenliede residiert er, der zweite
Gatte von Siegfrieds Weibe Kriemhilt, in Etzel-
burg (Ofen oder Gran) inmitten einer großen
Schar von Helden (darunter der verbannte Dietrich
von Bern) als milder gütiger Fürst. Die nordifche
Sage schildert ihn als überaus habgierig; aus Hab-
sucht hat er die Brüder seines Weibes Gudrun
(^ Kriemhilt) getötet und wird von ihr aus Rache
erschlagen. Dieser Zug knüpft an die geschichtliche
Thatsache an, daß Attila in den Armen eines ger-
man. Weibes Ildico (Hildchen) starb.
Gtzel, Franz Aug., anfangs Oetzel, später
O' Etzel, dann von E.genannt,preuß.Generalmajor,
Sohn eines irischen Fabrikbesitzers, geb. 19. Juli 1783
zu Bremen, wurde Apotheker, späterhin Bergmann,
trat 1810 in das brandend. Ulanenregiment, in dem
er an den Feldzügen 1813 und 1814 teilnahm. Dem
Feldzug 1815 wohnte er als Generalstabsoffizier
im Blüchcrschen Heere bei. Nach dem Frieden wurde
E. vorzugsweise mit geodätischen Arbeiten beschäf-
tigt, richtete die optifche Telegraphie zwischen Berlin
und Koblenz ein und bereitete späterhin die Ein-
führung der elektrifchen Telegraphie vor. Auch litte-
rarifch ist er mit Erfolg thätig gewesen. Er schrieb
u. a.: "Erdkunde für den Unterricht" (3 Teile, Verl.
1817-22) und "Terrainlehre" (Bd. 9 der "Hand-
bibliothek für Offiziere", in 3. Aufl. Verl. 1850 er-
schienen). E. starb 26. Dez. 1850 zu Berlin.
Gtzel, Gonlieb Christian Eberh. von, Wege-
baumeister, geb. 15. Dez. 1784 zu Stuttgart, wurdc