Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ewald (Joh. Joachim); Ewald (Joh. Ludwig); Ewe; Ewer; Ewerbeck; Ewest; Ewig; Ewige Lampe; Ewiger Friede

454

Ewald (Joh. Joachim) – Ewiger Friede

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ewald (Johs.)'

Regierung in seinen letzten Jahren gewährte, war nur gering. Gezwungen, mit Gelegenheitsgedichten seinen Unterhalt zu suchen, geriet er in ein unordentliches Leben. Nach längern Leiden starb er 17. März 1781 zu Kopenhagen. Durch eine Allegorie «Der Tempel des Glücks» (1764), besonders aber durch die «Trauerkantate bei dem Tode Friedrichs V.» (1766) machte sich E. litterarisch bekannt. Zumal im lyrischen Drama leistete er Bedeutendes. In «Adam und Eva» (1765; umgearbeitet 1769) wird allerdings die Darstellung der gewaltigen Idee noch nicht gerecht. Bei der in Prosa geschriebenen Tragödie «Rolf Krage» (1770) ist der Einfluß Shakespeares unverkennbar. Ihm folgten E.s dramat. Meisterwerke «Balders Tod» (1773) und «Die Fischer» (1778), in denen das zum dän. Nationallied gewordene «König Christian stand am hohen Mast» sich befindet. Auch als komischer Dichter erwarb sich E. einen Namen; doch ist es nicht sowohl der leichte, treffende Witz als das objektiv Lächerliche in Situationen und Charakteren, welches seine satir. Dramen, z.B. «Die brutalen Klatscher» (1771) und «Harlekin Patriot» (1772), auszeichnet. E. ist der Begründer der dän.- nationalen Lyrik, er gehört zu den bedeutendsten Dichtern des Nordens und beherrschte Sprache, Form und Gefühlsausdruck als unübertroffener Meister. Die frühern Ausgaben seiner poet. Werke (4 Bde., Kopenh. 1781–91; 2. Aufl. 1814–16) sind durch die neue kritische von Liebenberg (8 Bde., ebd. 1850–55) entbehrlich. – E.s Leben beschrieben Molbech (Kopenh. 1831), M. Hammerich (3. Aufl., ebd. 1882) und Jörgensen (ebd. 1888).

Ewald, Joh. Joachim, Dichter, geb. 3. Sept. 1727 zu Spandau, studierte in Halle und Frankfurt a.O., wurde Auditeur beim Regiment des Prinzen Heinrich in Potsdam und erwarb sich die Freundschaft E. von Kleists. 1757 machte er eine Reise nach England, wurde dann Erzieher des Erbprinzen von Hessen-Darmstadt. 1759 ging er nach Italien, trat zum Katholicismus über und soll sich 1762 nach Tunis oder Algier eingeschifft haben. Seitdem war er verschollen. E. war dichterisch wenig selbständig; seine «Sinngedichte» (Potsd. 1755; Neudruck von Ellinger, Berl. 1890; 2. vermehrte Aufl., «Lieder und Sinngedichte», Dresd. 1757) zeigen ihn abhängig, namentlich von E. von Kleist, aber auch von Gleim u.a.

Ewald, Joh. Ludw., Schriftsteller und Geistlicher, geb. 16. Sept. 1747 zu Hayn bei Offenbach, studierte in Marburg Theologie, ward Pfarrer zu Offenbach und bekleidete dann nacheinander verschiedene geistliche Ämter. Er starb 19. März 1822 als großherzogl. Ministerialrat zu Karlsruhe. Von seinen Veröffentlichungen sind das Drama «Mehala» (Mannh. 1808) und die Monatsschrift «Urania» (Hannov. 1794–96) nennenswert. Das «Bundeslied» («In allen guten Stunden») von Goethe, zu dessen Freundschaftskreise E. in den Jahren vor jenes Übersiedelung nach Weimar gehörte, ist 1775 zu E.s Geburtstag verfaßt.

Ewe, Landschaft im NW. von Afrika an der Sklavenküste zwischen dem Volta und Mono, im N. begrenzt von dem Akposso-(Agome-)Gebirge, im S. von der Bai von Benin. In ihr liegen die engl. Besitzungen an der Quitta-Lagune (Goldküste), die deutschen im Togoland, die französischen bei Groß-Popo. Im weitern Sinne werden auch Dahome und Abbeokuta bis zum Ogun (Lagos) zu den Ewe-Staaten gerechnet; eine beträchtliche Anzahl größerer ↔ und kleinerer Stämme, darunter die Anto, Aveno, Agbofome,Wenji, Togo u.a. spricht die Ewe-Sprache und darin besteht nach unserer jetzigen Kenntnis das eigentliche Stammesmerkmal des Ewe-Volks. (S. Sklavenküste und Togoland.) – Vgl. Henrici, Lehrbuch der Ephe-Sprache (Ewe), Anto-, Anecho- und Dahome-Mundart (Berl. 1891).

Ewer oder Ever, kleine zweimastige, mit Gaffelsegeln versehene Küstenfahrzeuge, deren Heimat die deutsche Nordseeküste und namentlich die Elbmündung ist. Sie haben einen flachen Boden, um während der Ebbe ungefährdet auf dem Grunde sitzen zu können. In der guten Jahreszeit befahren die E. die Ost- und Nordsee nach allen Richtungen hin. Blankenese und Finkenwärder bei Hamburg haben eine ganze Flotte von Fischerewern, welche stärker gebaut sind als die E. für Handelszwecke.

Ewerbeck, Franz, Baumeister, geb. 15. April 1839 zu Brake bei Lemgo, besuchte das Polytechnikum in Hannover und die Berliner Bauakademie. Bis 1870 war E. als Hochbautenarchitekt an mehrern Eisenbahnen thätig, besonders in Hannover und in Holland, und erhielt dann einen Ruf als Professor an die Technische Hochschule in Aachen. Hier entstanden eine Anzahl Privatbauten, das Chemische Laboratorium und die Architektur zum Kriegerdenkmal auf dem kath. Kirchhofe. Auch erhielt er anläßlich verschiedener Konkurrenzen Preise, so für das Projekt der Aachener Stadterweiterung und des Rathauses in Wiesbaden, für ein Atrium vor dem Aachener Münster. Sein Entwurf zur Restauration des Rathauses in Aachen wurde von der Stadt erworben. E. starb 16. Juni 1889 in Aachen. Er veröffentlichte «Die Renaissance in Belgien und Holland» (mit Neumeister u.a., Lpz. 1884–89; neue Ausg. 1889–92).

Ewest, Fluß in Livland, s. Ewst.

Ewig heißt, im Gegensatz zum Zeitlichen, was der Bedingung der Zeit und Veränderlichkeit nicht unterliegt, das schlechthin Unwandelbare. So wurde der Begriff der Ewigkeit von Plato gefaßt und von der ganzen platonisch beeinflußten Philosophie festgehalten; mit besonderm Nachdruck vertraten ihn Augustin und Spinoza, dessen ganze Philosophie darin aufgeht, das Zeitliche im Lichte des Ewigen (sub specie aeternitatis), nämlich der ewigen, mit unabänderlicher Notwendigkeit aus dem Wesen der einen Substanz fließenden Gesetzlichkeit der Dinge zu betrachten. Diese Ansicht findet sich z.B. bei Schleiermacher in den «Reden über die Religion». Sonst nennt man ewig das in der Zeit Dauernde.

Ewige Lampe, die Lampe, die in kath. Kirchen vor dem Altar, in welchem die konsekrierte Hostie aufbewahrt ist, stets brennend erhalten wird.

Ewiger Friede (lat. pax aeterna), im Völkerrecht der Friedensschluß (s. d.) auf immerwährende Dauer (à perpétuité), im Gegensatze zu den früher üblich gewesenen Friedens- oder Waffenstillstandsverträgen auf eine bestimmte Reihe von Jahren. In der Völkerrechtsphilosophie wird unter E. F. ein Zustand des Völkerrechts verstanden, in welchem der Krieg durch eine dauernde Organisation ausgeschlossen wäre. Der Gedanke leidet aber an einem doppelten innern Widerspruche, da eine wirksame Organisation dieser Art mit der völkerrechtlichen Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Staaten unvereinbar wäre und gleichwohl, wie schon Lessings Scharfsinn (Litteraturbriefe 5) herausfand, unter dem Namen der Exekution den Krieg zurück-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 455.