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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Expektanzen - Explosion
Gxpektanzen, s. Exspektanzen.
Expektieren, s. Exspektieren.
Expektorieren (lat.), etwas aushusten; sich
expektorieren, seinemHerzen (durch Aussprechen)
Luft machen; Expektoration, Herzenserguß; im
mediz. Sinne, s. Auswurf und ^xpectorantia.
Expellieven (lat.), aus-, vertreiben, verjagen;
NxMIsntia, abtreibende Mittel.
Ilxponsas (lat.), Auslagen, Gerichtskosten; Ex -
pensarlum, Kostenverzeichnis;Erpensi on, Aus-
zahlung, Ausgabe; expensiv, kostspielig.
Expensilation (lat.), Ausstellung einer Quit-
tung im Contobuche.
lixporientia. (lat.), Experisnz, Erfahrung;
1^. 68t oMma rerum in^iLtra,, Erfahrung ist die
beste Lehrmeisterin; N. äocet, die Erfahrung lehrt.
Gxperimönt (lat.) oder Versuch, die Erpro-
bung einer vorläufig angenommenen Theorie (Hy-
pothese) an den Thatsachen. Eine Wissenschaft, die
wesentlich auf der Anwendung des E. beruht, heißt
experimentelle Wissenschaft. Namentlich ver-
steht man unter E. dasjenige Verfahren, bei dem
der Naturforscher selbstthätig in den gewöhnlichen
Gang der Erscheinungen eingreift und nach seiner
Absicht die zusammenwirkenden Umstände beliebig
abändert. Durch das E. ward der Naturforscher
Herr der zu untersuchenden Erscheinungen; denn
durch dasselbe vermag er die häufig durch mannig-
faltige zufällige Nebenumstände verhüllten wesent-
lichen Beziehungen und Bedingungen in denselben
deutlich hervortreten zu lassen. Die Einführung des
E. unterscheidet die jetzige Naturforschung wesent-
lich von der des Altertums und Mittelalters. Durch
dieselbe ist die schnelle Entwicklung der Physik, Chemie
und Physiologie im 18. und 1!). Jahrh, möglich ge-
worden. - Eine solche Behandlung der Physik und
Chemie, welche die verschiedenen Wirkungen der
Naturkräfte durch Anstellung von zweckmäßig ge-
wählten E. dem Zuhörer unmittelbar vorführt und
die Richtigkeit der aufgestellten Gesetze daran nach-
weist, heißt Experimentalphysik (s.Physik) und
Experimentalchemie <s. Chemie); in gleichem
Sinne spricht man auch von einer Experimental-
physiologie (s. Physiologie). Man unterscheidet
von den eigentlichen der Forschung dienenden E. die
(^chul- oder Kollegien-Experimente, welche
nur eine Nachahmung oder Modifikation jener Ori-
ginal-Experimente behufs des Lehrzwecks der er-
tlärenden Naturwissenschaft sind.
Experimental oder Experimental, auf Ex-
periment gegründet; daher Experimentalchemi e,
-Physik, -Physiologie, s.Experiment; experi-
mentieren, Experimente anstellen.
^xporinieiituln (lat.), Versuch, s. Experiment.
- N. t'.ruciZ, eine Probe durch eine Art Gottes-
urteil am Kreuz; daher soviel wie entscheidender
Versuch. N. in coi-pöro vili, ein an einem wertlosen
Körper angestellter Versuch, z.V. eine an einem zum
Tode Verurteilten versuchte gefährliche Operation.
Experten (lat.), Sachverständige (s. d.).
Expertise (frz.), Untersuchung durch Sachver-
ständige (s. d.), Bericht derselben.
Hxporto oroüits (lat.), "glaubt es dem, d'er es
selbst erfahren hat", oft citierte Worte aus Virgils
"'Aneide" (11,233). In den makkaronischen Gedich-
ten des Antonius de Arena (gest. 1544) findet sich
das Citat erweitert zu Nxpsrto creäs Rodm-to, in
welcher Form es ebenfalls häufig angewandt wird
<Mch statt U0l)6tt0.' RllP6lt0).
Expiation (lat.), Sühnung, Bühung, Ver-
söhnung; expiatörisch, als Sühne, Buße geltend,
versöhnend; expiabel, versöhnlich, sühnbar.
Expilieren (lat.), plündern, berauben; Expi-
lation, Plünderung, namentlich Entwendung von
Erbschaftsstücken; Expilätor, Erbschaftsdieb.
Explanieren (lat.), auslegen, erklären, erläu-
tern; Explanation, Auslegung, Erklärung; ex-
planativ, erläuternd.
üxplioit (lat., abgekürzt aus Vowinßn 6x-
pliciwm 68t, "die Schriftrolle ist abgewickelt"), das
Buch ist zu Ende, am Schluß alter Drucke und
Handschriften, wie InciM (fängt an) am Anfang
derselben; exMcits, entwickelt, ausdrücklich.
Explikation (lat.), Entwicklung, Erklärung; ex-
plikativ, erklärend.
Explizieren (lat.), entwickeln, auseinandersetzen,
deutlich machen, erklären.
Explodieren (lat.), unter Knall zerspringen, in
die Luft fliegen (s. Explosion); heftig ausbrechen.
Exploitieren (frz., fpr. -ploat-), ins Werk setzen,
ausrichten; ausbeuten, für sich nutzbar machen;
Exploitation, Ausbeutung, Nutzbarmachung;
exploitabel, nutzbar.
Gxploration (lat.), Ausforschung; in der Me-
dizin die kunstgemäße Untersuchung, welche der
Arzt mit dem Kranken zur gründlichen Beurteilung
eines vorliegenden Krankheitsfalles vornimmt, im
Gegensatz zu den weit weniger Sicherheit gewäh-
renden eigenen Angaben des Kranken, der Anam-
nese (s.d.). Der wichtigste Teil der E. ist die sog. phy-
sik a l i s ch e E. Sie geschieht durch unmittelbare An-
wendung des Gefühls, Gesichts, Gehörs, Geruchs
und selbst Geschmacks oder solcher Instrumente, die
das Gefühl, Gesicht und Gehör unterstützen, z.V.
der Sonde, der Spiegel, des Stethoskops und Plessi-
metcrs, der Bandmaße, Zirkel, chem. Reagentien,
des Mikroskops u. dgl. In der Regel untersucht
der Arzt bei der E. eines Kranken die verschiedenen
Systeme und Organe des Körpers in einer bestimm-
ten Reihenfolge, indem er sich zunächst von dem
Aussehen, der Haltung und dem ganzen Ernäh-
rungszustand des Kranken, von der Farbe, dem
Fettreichtum und der sonstigen Beschaffenheit feiner
Haut überzeugt und seine Körpertemperatur, wenn
nötig mit dem Thermometer, prüft. Dann erst
untersucht er die einzelnen Körperteile, und zwar
gewöhnlich zuerst denjenigen, der entweder allein
erkrankt ist oder dessen Ertrankung zunächst in das
Auge sällt: Kopf mit seinen Höhlen, Hals, Brust,
Bauch oder Extremitäten, woran sich dann die
Physik., chem. oder mikroskopische Untersuchung der
Absonderungen und Exkrete anschließt. (S. Aus-
kultation, Diagnose, Perkussion.)
Explorieren (lat.), auskundschaften, auserfov-
schen, untersuchen, s. Exploration; Explorateur
(frz., spr. -töhr), Ausforscher, Kundschafter, Späher.
Explöringinseln, s. Fidschi-Inseln.
Explosion (lat.), die unter Knall und heftigen
mechan. Wirkungen eintretende plötzliche Volumeu-
vergrößerung eines Körpers. So bezeichnet man mit
E. die rasche, zur Zerstörung führende Dampfent-
wicklung in Dampfkesseln (s. Dampfkesselexplosionen).
Gewöhnlich aber nennt man E. diejenige durch che-
mische Umsetzung hervorgerufene Gasentwick-
lung, die durch eine Temperaturerhöhung, durch Er-
schütterung, zuweilen durch geringfügige, kaum nach-
weisbare Ursachen eingeleitet wird, wie dies bei den
Explosivstoffen (s. d.) der Fall ist. Auch gewisse