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Brockhaus' Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fäkal - Faktoreien
Lybischen Wüste bis zu der künstlich noch vertieften
Öfsnung führte, so weit, daß sein Wasser in ge-
regelter Weise in den östlichen höhern Teil der
Oase einströmen konnte. Indem man nun diesen
von dem tiefer abfallenden westl. Gebiete durch
mächtige Dämme, von denen noch heute Spuren
übrig sind, abschied, bildete man einen großen See,
im Altägyptischen N-^eret genannt, woraus die
Griechen später Möris (s. d.) machten. Das Wasser
wurde dann, durch Schleusen reguliert, in der Zeit
des niedrigen Nils zur Bewässerung teils des F.
selbst, teils der nahe gelegenen Gegenden des Nilthals
benutzt, indem die überflüssige Wassermasse ent-
weder in dem durch Schleusen abschlicßbaren Kanal
oder in Seitenkanälen zurückströmte. Nach und
nach wurde durch Ausdehnung der Kulturen der
See immer weiter zurückgedrängt, bis er auf die
jetzige Birket cl-Kerun beschränkt dlieo. Das Kul-
turland umfaßt jetzt 1277 ykm. Von diefem See
erhielt die Provinz den kopt. Namen Phiom, d. i.
das Meer, woraus die Araber F. gemacht haben.
Am östl. Rande des Mörissees lag das berühmte
Labyrinth (s. d.), und von hier quer über den ^ee
gelangte man zu der Hauptstadt, früher Kroko-
dilopolis, später Arsinoe (s. d.) genannt, wo
man in jüngster Zeit zahlreiche wichtige Hand:
schriftensunde gemacht hat. Auf ihren Trümmern
aufgebaut liegt, mit Kairo durch Eisenbahn ver-
bunden, das heutige Medinet el-Fajüm, eine
ansehnliche Stadt mit 25800 E., amerik. Missions-
haus, einem großen Vazar, einer Moschee mit an-
tiken Säulen und einiger Wollweberei, die als
Hausgewerbe betrieben wird. - Vgl. Vrown, 1k6
^Hvuin ^uä I^aks No6ii3 (Lond. 1892).
Fäkal, auf die Exkremente (lat. tasekä), be-
sonders den Darmkot, bezüglich: Fäkalien oder
Fatalst offe, die tierischen und menschlichen Ex-
tremente (s. d.).
Fäkaldünger, die menschlichen Exkremente, be-
sonders wenn sie in der natürlichen flüfsigen Form
zur Anwendung gelangen. In der Nähe großer
Städte wird der F. meistens zum feldmäßigen
Gemüsebau benutzt; getrocknet heißt er Poudrette
(s. d.). (S. auch Dünger.)
Faki (Betel-), türk. Stadt, s. Veit.
Fakir (vom arab. ta^ir, "arm"), Name der
Mohammed. Derwische (s. d.), sehr häusig, aber irr-
tümlich, auch auf die ind. Dschögl (s. d.) angewendet.
Faksimile (in der Mehrzahl Faksimiles, vom
lat. lao 8imii6, d. i. mache ähnlich!), eine der
Urschrift oder Originalzeichnung vollkommen ähn-
liche Nachbildung. So faksimiliert man: Manu-
skripte, um denjenigen, welchen die eigene An-
schauung abgeht, die genaueste Ansicht der Schrift-
züge, aus welchen sich auf das Alter derselben
schließen läßt, zu verschaffen; ferner Miniaturen,
Handzeichnungen, sowie die Handschriften berühmter
oder sonst ausgezeichneter Männer und Namens-
unterschristen auf Wertpapieren und Dokumenten;
endlich auch ganze ältere Werke, deren Neuherstellung
zu kostspielig sein würde. Man bedient sich hierzu
des Kupferstichs, des Steindrucks, der Holzschneide-
kunst und aller sonstigen graphischen Verfahren, in
neuester Zeit besonders der Photographie und der
photogr. Pressendruckverfabren und erreicht durch
diese eine täuschende Nachbildung des alten Ma-
terials mit allen seinen im Laufe der Zeit einge-
tretenen Veränderungen und Defekten. (S. auch
An^y^chn Druck und Autographen.)
Faktion (lat.), Partei, befonders leidenschaftlich
agierende polit. Partei; Faktionär oder Kat-
tionist, Angehöriger einer F.; faktiös (fak-
tios), in der Weise einer F., parteisüchtig.
Faktisch (vom lat. lacwui), thatsächlich, auf
Thatsachen gegründet, dadurch erwiesen.
Faktor (lat. factor, der "Machende", "Besor-
gende"), in England ein eigentlicher Kommissionär
(c0inmi88i0ii merciiHut), in Rußland ein Handels-
vermittler niedern Grades. In Deutschland ist das
Wort in diesem Sinne nicht üblich; es bedeutet hier
oft Zwischenpersonen, welche in Industriebezirken
den Verkehr mit den Arbeitgebern und den im
eigenen Hause schafsenden Arbeitern durch Ertei-
lung von Aufträgen, Lieferung der Materialien,
Prüfung und Abnahme der gefertigten Waren ver-
mitteln. F. sind auch die Leiter der im Auslande
unterhaltenen großen Ein- und Verkaufsstellen
(Faktoreien, s. d.), dann die Privatbeamten zur
Leitung von Fabriken, Hüttenwerken, Druckereien
u. s. w., ferner die Disponenten oder Geschäftsfüh-
rer, welchen die Vertretung einer Handelsgesellschaft
oder die Leitung einer Handlung nach allen Richtun-
gen an der Stelle des Prinzipals übertragen ist, so-
dah ihre Rechtsgeschäfte so gelten, als ob sie von
dem Prinzipal selbst abgeschlossen wären.
In der Arithmetik ist der F. eines Produkts
eine Zahl, die, mit einer andern multipliziert, das
Produkt giebt und daher in dem Produkt ohne
Rest aufgeht; so sind 2, 4, 7 und 14 die F. der
Zahl 28; 2, 3, 5, 6, 10 und 15 die F. der Zahl 30.
Man unterscheidet einfache und zusammengesetzte
F.; erstere sind Primzahlen (s. d.). Den größten ge-
meinschaftlichen F. von zwei Zahlen findet man da-
durch, daß man die größere Zahl durch die kleinere
dividiert und dann durch den Nest der Division
wieder den vorigen Divisor dividiert, und dies so
lange fortsetzt, bis eine dieser Divisionen keinen Rest
mehr giebt. Der letzte Divisor ist dann der gesuchte
größte gemeinschaftliche F. beider Zahlen; wenn er
1 ist, so haben die beiden Zahlen außer 1 keinen
gemeinschaftlichen F.,. und man nennt sie prim
zueinander oder relativ prim.
Faktorage (frz., spr. -ahsch'), eine in der Levante
für Provision gebräuchliche Bezeichnung; in Eng-
land auch für Kommission angewendet.
Faktoreien, größere Handelsniederlassungen,
die von europ. Kaufleuten in überseeischen, frem-
den Kulturgebieten angehörigen und noch keine
genügende Rechtssicherheit verbürgenden Landern
errichtet werden. In der Regel sind damit umfang-
reiche Niederlagen für die ein- und auszuführen-
den Waren verbunden, und die sämtlichen Einrich-
tungen stehen unter der Verwaltung von eigenen,
mit besondern Vollmachten ausgerüsteten Beamten
(s. Faktor). Ahnliche Handelsetablissements be-
sahen schon im 13., 14. und 15. Jahrh, die Han-
seaten in den Ost- und Nordseeländern. In Bergen
und Nowgorod bildeten die Höfe der deutschen Kauf-
leute abgeschlossene Stadtteile. In London, Boston,
Lynn und Antwerpen besaßen die Hanseaten ge-
meinsame Kaufhäuser. Eigentliche F. wurden be-
sonders von den großen privilegierten Handels-
compagnien in Asien, Afrika und Amerika be-
gründet; sie entwickelten sich bald zu förmlichen
Kolonien. Die ersten Keime zu dem Iudobritischen
Reiche bildeten die 1612 zu Zurate und Varoach
angelegten F., zu denen bald darauf Madras und
1640 das Handelsetablissement an der Hugli in
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