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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Falke; Falken

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Falke (Johs. Friedr. Gottlieb) - Falken

1855 wurde F. Konservator der Kunstsammlungen am Germanischen Museum in Nürnberg, Bibliothekar des Fürsten Liechtenstein in Wien, 1865 auch erster Kustos am k. k. Museum für Kunst und Industrie, 1872 Vicedirektor, 1885 Direktor desselben. Seinen Ruf als Kulturhistoriker begründete F. mit dem Werke "Die deutsche Trachten- und Modenwelt" (2 Bde., Lpz. 1858). Schon vorher hatte er sich an der Herausgabe von Eyes "Kunst und Leben der Vorzeit" (3 Bde., Nürnb. 1855-59; 3. Ausg. 1868) und "Galerie der Meisterwerke altdeutscher Holzschneidekunst" (12 Lfgn., ebd. 1857-61), sowie an der von seinem Bruder Johannes Falke (s. d.) begonnenen "Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte" (ebd. 1856-59) beteiligt. Er schrieb ferner: "Zur Kostümgeschichte des Mittelalters" (Wien 1861), "Die ritterliche Gesellschaft im Zeitalter des Frauenkultus" (Berl. 1863), "Geschichte des modernen Geschmacks" (Lpz. 1866; 2. Aufl. 1880), "Die Kunstindustrie der Gegenwart. Studien auf der Pariser Ausstellung im J. 1867" (ebd. 1868), "Die Kunst im Hause" (5. Aufl., Wien 1883), "Die Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung" (2 Tle., ebd. 1872), "Geschichte des fürstl. Hauses Liechtenstein" (3 Bde., ebd. 1868-83), das Prachtwerk "Hellas und Rom" (Stuttg. 1880), "Kostümgeschichte der Kulturvölker" (ebd. 1882), "Ästhetik des Kunstgewerbes" (ebd. 1883), "Der Garten. Seine Kunst und Kunstgeschichte" (ebd. 1884), "Die k. k. Wiener Porzellanfabrik" (Wien 1887), "Das Kunstgewerbe" (als Bd. 5 der Groteschen "Geschichte der deutschen Kunst", Berl. 1889), "Das rumän. Königsschloß Pelesch" (Wien 1893), "Mittelalterliches Holzmobiliar" (ebd. 1894); ferner in den Veröffentlichungen des Vereins für deutsche Litteratur: "Aus dem weiten Reiche der Kunst" (2. Aufl., Berl. 1889; insbesondere Studien über orient. Kunst); ebenso: "Geschichte des Geschmacks im Mittelalter" (1893).

Falke, Johs. Friedr. Gottlieb, Geschichtsforscher, Bruder von Jakob von F., geb. 20. April 1823 zu Ratzeburg, studierte seit 1843 in Erlangen Theologie und Philologie, widmete aber schon hier seine Zeit fast ausschließlich dem Studium der Geschichte sowie der deutschen Sprache und ältern deutschen Litteratur. Seit Herbst 1848 war F. Hauslehrer in München, lebte dann einige Zeit in seiner Vaterstadt, bis er im Sept. 1855 einen Ruf als erster Sekretär an das Germanische Museum in Nürnberg erhielt, bei welchem er 1859 Konservator der Handschriftensammlung wurde. In Gemeinschaft mit Johs. Müller und seinem Bruder Jakob begann er die Herausgabe einer "Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte" (4 Bde., Nürnb. 1855-59), in der er die Geschichte der deutschen Volkswirtschaft als eines Hauptteils der deutschen Kulturgeschichte in den Vordergrund zu stellen suchte, auch selbst schätzbare Abhandlungen über älteres deutsches Zollwesen und über deutschen Handel niederlegte. Im Mai 1862 ging F. als Sekretär des Hauptstaatsarchivs nach Dresden und wurde später zum Archivar ernannt. Er starb daselbst 2. März 1876. Von seinen Schriften sind besonders zu nennen: die "Geschichte des deutschen Handels" (2 Bde., Lpz. 1859-60) und "Die Hansa als deutsche See- und Handelsmacht" (Berl. 1862), ferner "Die Geschichte des Kurfürsten August von Sachsen in volkswirtschaftlicher Beziehung" (Lpz. 1868). Sein Hauptwerk ist die "Geschichte des deutschen Zollwesens" (ebd. 1869). Unter den Abhandlungen, die er in dem "Archiv für sächs. Geschichte" veröffentlichte, ist besonders die über die Geschichte der "Erwerbung der Vogtlande durch Kurfürst August" von Bedeutung.

Falken (Falconidae), die größte Familie der Raubvögel (s. d.), welche mit Ausnahme der von manchen Ornithologen neuerdings als selbständige Vogelordnungen angesehenen Familien der Eulen (s. d.) und Geier (s. d.) alle übrigen Raubvogelfamilien umfaßt. Die F. sind durch folgende Eigentümlichkeiten charakterisiert: ihr Schnabel ist verhältnismäßig kurz, am Anfang am höchsten, mit gleichmäßig gewölbtem First, freier Wachshaut. Der Kopf ist mit kleinen Federn bedeckt, welche hinten im Nacken sich bisweilen zu einer Haube verlängern. Die Flügel sind lang und spitz, die erste Schwungfeder ist am Innenrand meist ausgeschnitten. Die Ständer sind nicht sehr hoch, manchmal befiedert, mit kräftigen stark gebogenen Krallen. Diese große Familie zerfällt in folgende acht Unterfamilien: 1) Echte F. (Falconinae), von gedrungener, wohlproportionierter Gestalt, mit großem Kopf und kurzem Hals; der kurze Schnabel ist sehr kräftig mit einem mehr oder weniger deutlichen Seitenzahn. An den langen, spitzen Flügeln ist die zweite Schwungfeder die längste, der Schwanz ist meist mittellang, die Ständer sind groß und kräftig, ein Kreis um die Augen oft unbefiedert. Die Läufe haben eine eigentümliche Befiederung (Hosen). Nach Geschlecht und Alter zeigen sie aber bedeutende Verschiedenheiten, wodurch in systematischer Beziehung lange Zeit große Verwirrung im Aufstellen und Klassifizieren neuer Arten entstand. Die Weibchen der F. sind in der Regel etwas größer als die Männchen. Die F. sind kühne, grausame, stets kampfbereite Vögel, die sich hauptsächlich von lebendiger Beute nähren; sie stoßen dieselbe oder schlagen sie, wenn sie fliegt, läuft oder sitzt. Diese Art des Bemächtigens der Beute veranlaßte die Einteilung der echten F. in "edle" und "nicht edle". Zu den Edelfalken gehören der isländ. Falke oder große Blaufuß (Falco candidans Gm.), der edelste aller Jagdfalken; der Geer- oder Gierfalke (Falco gyrfalco L.), der Sackerfalke (Falco sakker Gm.), der Feldeggfalke (Falco Feldeggii Schinz), der Wanderfalke oder kleine Blaufuß (Falco peregrinus L.; s. Tafel: Falken, Fig. 1), der Lerchenstößer oder Lerchenfalke, Baumfalke (Falco subbuteo L.), der Zwergfalke oder Merlin (Falco aesalon Gm.). Zu den nicht edlen F. werden gezählt: der Turmfalke (Falco tinnunculus L. oder Tinnunculus alaudarius Gray), der Rötelfalke (Falco cenchris Naum.), der Rotfußfalke (Falco rufipes Beske). Mehrere Arten der F. richten in den Wildbahnen unter den Feldhühnern, Wachteln, Drosseln, jungen Hasen sowie auch unter dem Hausgeflügel großen Schaden an; andere dagegen, besonders die nicht edlen, sind der Agrikultur durch Vertilgung von Mäusen, Heuschrecken, Raupen und andern schädlichen Insekten nützlich. 2) Adler (s. d.). 3) Bussarde (s. d., Buteoninae), mit dem Rauhfußbussard (Buteo s. Archibuteo lagopus Gm.; s. Tafel: Falken, Fig. 2). 4) Milane (s. d., Milvinae), mit dem schönen, gabelschwänzigen Königsmilan (s. d., Milvus regalis Brisson, Fig.4). 5) Sperber (s. d., Accipitrinae), mit dem Hühnerhabicht (s. d., Astur palumbarius L., Fig 5) und dem Sperber (s. d., Nisus communis Cuv., Fig. 6). 6) Die Weihen (s. d., Circinae), mit der Kornweihe (s. d., Circus cyaneus, Fig. 3).