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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Falkaune - Falke (Jak., Ritter von)
zu Vreslau, gest. 20. Aug. 1872 als Pfarrer zu
Waldau bei Liegnitz) damals Pastor war. F. stu-
dierte in Breslau, trat 1847 als Auskultator in den
preuß. Staatsdienst, wurde 1850 Staatsanwalts-
gehilfe zu Vreslau und 1853 Staatsanwalt zu
Lyck, wo er 1858 von den Kreisen Lyck, Oletzko
und Johannisburg ins Abgeordnetenhaus gewählt
ward, in welchem er sich den Altliberalen anfchloß.
Im Frühjahr 1861 wurde F. als Staatsanwalt
an das Kammergericht zu Berlin berufen, gleich-
zeitig als Hilfsarbeiter im Justizministerium ver-
wendet und schon im Juli 1862 zum Rat bei dem
Appellationsgericht zu Glogau befördert. Hier
beteiligte sich F., wie schon vorher in Lyck, an den
ursprünglich von Gräff, Koch, Rönne, Simon und
Wentzel, fpäter von Rönne allein herausgegebenen
und unter dem Namen "Fünfmännerbuch" bekann-
ten "Ergänzungen und Erläuterungen der preuß.
Rechtsbücher". Von dem Glogauer Wahlkreise
wurde er Febr. 1867 in den Konstituierenden Nord-
deutschen Reichstag gewählt. 1868 zum Geh. Iustiz-
rat und vortragenden Rat im Justizministerium er-
nannt, war er zunächst für die Herstellung der neuen
Subhastationsordnung für das Nechtsgebiet der
Allgemeinen Gerichtsordnung thätig, die 15. März
1869 als Gesetz verkündet wurde, und erhielt dar-
auf das Referat in allgemeinen Verwaltungssachen.
Auch war er Mitglied der Kommissionen, die im
preuß. Justizministerium mit der Umarbeitung des
Entwurfs einer Civilprozeßordnung fowie mit
der Aufstellung eines Entwurfs der Strafprozeß-
ordnung für das Deutsche Reich beauftragt waren.
Im Febr. 1871 wurde F. zum preuß. Bevollmäch-
tigten beim Bundesrate und zum Geh. Oberjustiz-
rat ernannt und auch in die Kommission für die
Ausarbeitung einer Civilprozeßordnung für das
Deutsche Reich gewählt.
Am 22. Jan. 1872 wurde F. an Heinr. von
Mühlers Stelle zum Kultusminister ernannt, in wel-
cher Stellung ihn ungewöhnlich schwere Aufgaben
erwarteten. Sein leitender Grundsatz war, der
Kirche und den Kirchengemeinschaften ihre volle
freie Bewegung zu lassen, aber wo Rechte des Staa-
tes in Frage kämen, alle unberechtigten Ansprüche
zurückzuweisen. Er vertrat zunächst im Landtage
mit Erfolg das noch von feinem Vorgänger einge-
brachte Schulaufsichtsgesetz, das dem Staate die
Aufsicht über alle öffentlichen und Privat-Unter-
richts- oder Erziehungsanstalten zuwies. Er hob
sodann die das Volksschulwesen betreffenden Regu-
lative von 1854 auf und ersetzte sie durch andere
Bestimmungen, wobei ihn die Überzeugung leitete,
daß die Regulative das Gegenteil von dem bewirkt
hätten, was sie beabsichtigten, und einem großen
Teil des Lehrerstandes Haß und Widerwillen gegen
das positive Christentum eingeflößt hätten. Ferner
sorgte er für eine erhebliche Vermehrung der Semi-
nare, höhere Dotierung der Lehrer und Verbesserung
des Lehrplans der Volksschulen. Als eine seiner
Hauptaufgaben betrachtete er den Abfchluh des durch
die Verfassung verheißenen Unterrichtsgesetzes. Nach
langen Vorarbeiten hatte er 1877 einen Entwurf
vollendet, der jedoch wegen der Höhe der erforder-
lichen Geldmittel auf den Widerspruch des Finanz-
mimsters Camphausen stieß und wegen der sich vor-
bereitenden Änderung in den innern Verhältnissen
Preußens nicht weiter gefördert werden konnte.
Während der Arbeiten für das Volksfchulwesen
MhrndieSicherstellung der Rechtssphäredes Staates
in dem mit der kath. Kirche ausgebrochenen Kultur-
kampfe die unausgesetzte Thätigkeit F.s in Anspruch.
Diese Thätigkeit führte zu den tief eingreifenden
kirchenpolit. Gefetzen (den fog. Maigefetzen), deren
Reihe mit dem im Nov. 1872 eingebrachten Ent-
würfe über die Grenzen des Rechts zum Gebrauche
kirchlicher Straf- und Zuchtmittel eröffnet wurde.
(S. Preußen, Gefchichte.)
Um auch der evang. Kirche gegenüber die Grenze
der staatlichen Machtbefugnisse dauernd festzustellen
und zugleich der Kirche selbst eine größere Selbstän-
digkeit zu geben, wirkte F. für den Erlaß der zunächst
für die acht ältern Provinzen geltenden Kirchenge-
meinde- und Synodalordnung vom 10. Sept. 1873
und der General-Synodalordnung vom 20. Jan.
1876. Die orthodor-prot. Partei, schon längst durch
das Schulaufsichtsgesetz, die Einführung der obliga-
torifchen Civilehe, die Errichtung von Simultan-
schulen und andere Maßregeln erbittert, bekämpfte
nun von dem Boden aus, den ihr die neue Synodal-
verfassung gab, das F.sche System mit aller Ent-
schiedenheit. Infolge des Rückhalts, den sie beim
Könige selbst fand, gelang es ihr auch, die Stellung
des Älinisters in hohem Grade zu erschweren, sodah
dieser 1878 seine Entlassung forderte, die jedoch da-
mals abgelehnt wurde. Als aber nach dem Tode
des Papstes Pius IX. dessen Nachfolger Leo XIII.
mit der preuß. Negierung Unterhandlungen an-
knüpfte, um den Frieden zwifchen Staat und Kirche
wiederherzustellen, und sich ein Frontwechsel des
Centrums anbahnte infolge der Unterstützung, die
es dem Reichskanzler bei der Zoll- und Steuerreform
lieh, erachtete F. feine Stellung für zweifellos un-
haltbar. Er erbat im Juni 1879 feinen Abschied,
den er 14. Juli erhielt. In Anerkennung seiner
Verdienste wurde ihm bei dieser Gelegenheit der erb-
liche Adel angeboten, jedoch von F. nur für seinen
im Heere als Offizier dienenden Sohn angenommen.
Seine öffentliche Thätigkeit beschränkte sich wäh-
rend der nächsten Zeit vorzugsweise auf den Reichs-
tag, worin er seit 1873 den Wahlkreis Vunzlau-Lüben
vertrat, und das preuß. Abgeordnetenhaus, für das
er im Okt. 1873 in fechs verschiedenen Wahlkreisen
gewählt worden war und ein Mandat des Kreises
Essen-Duisburg-Mühlheim angenommen hatte. Als
Landtagsabgeordneter trat F. namentlich hervor
durch seine Opposition gegen den von seinem Nach-
folger im Kultusministerium von Puttkamer 1880
eingebrachten Gesetzentwurf, durch den die Regie-
rung die Befugnis in Anfpruch nahm, gewisse Be-
stimmungen der Maigesetze außer Kraft zu fetzen.
1882 zum Präsidenten des Oberlandesgerichts in
Hamm ernannt, gab er seine parlamentarische Wirk-
samkeit auf. - Vgl. F.s Reden, gehalten in den
Jahren 1872-79 (3 Tle. in 1 Bd., Verl. 1880).
Falkaune, s. Falke (Geschütz).
Falke, Vogel, s. Falken.
Falke, Falkaune, Falkonett (frz. k^ucon;
ital. t^ioons), eine schon im Mittelalter gebräuch-
liche Bezeichnung für gewisse Wurfmaschinen, wurde
im 15. Jahrh, auf leichte Feldschlangen (s. d.) über-
tragen; im 16. Jahrh, findet sie sich allgemeiner.
Falke, Jak., Ritter von, Kultur- und Kunst-
historiker, geb. 21. Juni 1825 zu Ratzeburg, wid-
mete sich seit 1845 zu Erlangen und Göttingen
philol. und geschichtlichen Studien, war 1850 einige
Zeit Lehrer am prot. Gymnasium zu Hildesheim,
dann bis 1853 Erzieher im Hause des Prinzen
Wilhelm von Solms-Vraunfels zu Düsseldorf.