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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Falzeisen - Familie
^alte des einen Teils, in die ein Nand oder Vor-
sprung des andern Teils eingreift. So kommt der
F. vor bei der Verbindung von Brettern zu Scha-
lungen und Fußboden auf Nut (Falz) und Feder
(Spund); bei der Verbindung der Balken mit dem
Scbwarteneinschube der Fchlboden; bei dem An-
fchlag der Fenster-, Tbür- und Ladenflügel an die
Futter derselben oder an die Gewände u. s. w. Er
wird meist mittels eines besondern Werkzeugs,
dem Falz- oder Nuthobel (f. .Hobel), und auf dcr
Falz- oder Hobelbank hergestellt. Bei Fenstern kommt
noch der sog. Kittfalz vor, der zur Befestigung,
und Dichtung der Glasscheiben mittels des Fen- !
ster- oder Glaserkittes dient. Bei den Metalldächern,
wie Kupfer-, Zink-, Blei- und Eiscndlechdachungen,
sowie bei der Herstellung von Bleckgefäßen, dient
der F. häufig an Stelle des Nietens und Lötens
zur Vereinigung der Einzelteile (s. Falzen). Je nach
der besondern Bildung des F., die seine Haltbarkeit
bedingt, unterscheidet man den einfachen (s. nach-
stehende Fig. 1 u. 3) und doppelten F. lFig. 2 u. 4),
den stehenden (Fig. 1 u. 9) und liegenden F. (Fig.
3 u. 4) sowie den F. mit besondern: Falzstreifen oder
Fig. 1. Fig. 2.
Fig. ?.
Fig. 4.
Fig. 5.
Deckfalz (Fig. 5). Bei jedem F. hängt die Festigkeit
der Verbindung von der Pressung ab, unter der die
Falznaht geschlossen wurde. Eine schwacke Pressung
gestattet bei gerader Falznaht die gegenseitige Ver-
schiebung der zusammengefügten Teile und macht
den F., da er zugleich bei entsprechend gewählter
Form einen wasserdichten Abschluß gewährt, zu einem
geschätzten Verbindungsmittel bei Dachdeckungen
aus Blech.
Falzeifen, s. Lederfabrikation.
Falzen, im allgemeinen das Umbiegen und
Zusammenlegen einer Fläche; in der Blechbearbei-
tung (s. d.) das Verbinden zweier Blechteile durch
Zusammenhaken der hakenförmig umgebogenen,
geraden oder gekrümmten Ränder derselben^ Die
Verbindung selbst heißt Falz (s. d.). über F. in
der Buchbinderei s. d. (Bd. 3, S. 650a), in der
Lederfabrikation f. Dollieren.
Falzen, in der Jägersprache, s. Balzen.
Falzmaschine, eine mechan. Einrichtung zum
Umbiegen des geraden Randes einer Blechtafel oder
einer Pappe, auch zum Brechen (Falzen) von Druck-
bogen (s. Blechbearbeitung, Bd. 3, S. 106a. und
Buchbinderei, Bd. 3, S. 650a).
Falzverschlntz, s. Blechbüchsen.
Fama (lat., "Gerücht"; grch. 1'k6M6 oder 088a),
Personifikation des Gerüchts oder der ^age, die schon
von Hesiod geschildert wird und bei Sophokles ein
Kind der Hoffnung heißt. Sie hatte in Athen einen
Altar. Virgil nennt F. die jüngste Tochter der Erde,
die Schwester des Enceladus (Enkelados) und Cöus
(Koios). Die Erde gebar sie, um sich wegen Nieder-
werfung ihrer Söhne, der Titanen und Giganten,
an den Göttern zu rächen. Ovid beschreibt ihre
Wohnung als einen Palast mit tausend Öffnungen
und aus tönendem Erz gemacht.
Famagufta (grch. Ämmacköstos), Hauptort
des Distrikts F. (2107 ywn) auf der Ostküste Cyperns,
hat (1891) mit Varosia 3367 E., eine Moschee (ehe-
mals Kathedrale), zahlreiche Ruinen von Kirchen
und Palästen und einen Hafen, der, von den Eng-
ländern verbessert, der herabgekommenen Stadt
neucn Ausschwung zu geben verspricht. In der Nähe
Salamis (s. d.). - F., als^ama^ußu8ta, vielleicht
an Stelle einer ältern Stadt Arsinoe, in der röm.
Kaiserzeit gegründet, wurde unter den Byzantinern
Bisckofssitz, später seit Ausgang des 12. Jahrb.
n. Chr. unter Guido von Lusignan und dessen Nach-
folgern die reichste Stadt der Insel. Später kam
sie an die Genuesen (1373) und an die Venetiancr
<1489>, die starke, zum Teil noch heute vorhandene
Befestigungen anlegten. Doch mußte sich die Stadt,
nach zehnmonatiger Belagerung, 1571 den Türken
ergeben. Seitdem ist sie in Verfall geraten.
Famars (spr. -mähr), Flecken im franz. Depart.
Nord, 5 1<m südlich von Valenciennes, hat (189 l)
915 E. und ist bekannt durch seine röm. Altertümer
(28000 Gegenstände). Eine Mauer ist der Rest des
alten ^anum Naiti8 (Marstempels).
Famatma (Sierra F.), Gebirgszug in der ar-
gcntin. Provinz Rioja, östlich von den Cordilleren,
im Mittel 3000 in hoch, erreicht im Nevado de F.
(29" der Breite) 6020 in Höhe und setzt sich unter
andern Namen nach S. bis
nach Mcndoza, nach N. bis
Catamarca fort. Die Haupt-
tette bildet Granit, zu dessen
Seite sich silurische Schiefer
und rhätische Sandsteine an-
lagern. Dazu treten Porphyr und Trachyte. Gegen
den 30.° wird das Gebirge schnell niedriger und
wendet sich nach ^>O. Im mittlern Teil gewinnt
man Silber, Gold, Kupfer und Wismut, nament-
ttch der steile Ostabfall ist reich an Metallen. Im
S. vom Orte F., in 1150 m Höhe, liegt Chilecito
(Villa Argentina), der Mittelpunkt des Berg-
baues, mit 4000 E. und einer Bank.
Famenne, gut angebaute Landschaft in den
belg. Provinzen Luxemburg und Namur, zwischen
dem Condroz und den Ardennen, mit dem Hauptort
Marckc, von der Lesse und dcr Ourthe durchflossen.
Der Name stammt von den i^aEinaiii der Römerzeit.
Familiär (lat.), Vertrauter, Hausfreund; auch
Diener (namentlich der Inquisition); familiär,
in der Weise eine^ zur Familie Gehörigen, vertraut;
Familiarität, familiäres Benehmen; sich fa-
miliarisieren, sich vertraut machen mit jemand
oder etwas. 1^mi1ig.i'<?8, in den Klöstern die in
einem gewissen Verbände mit dem Orden stehen-
den Dienerund Handwerker; 1^iniliar68 des Papstes
oder der Bischöfe, die zu ihrem Hofhalte oder Haus-
balte gehörenden Personen.
Familie (lat.). Im röm. Recht bezeichnete lami-
lia die Gesamtheit dessen, was einer Person gehört;
dazu wurden nach den Anschauungen der ältesten
Zeit auch Frau, Kinder und Sklaven gerechnet.
Später umfaßte die Bezeichnung f^mUig., abgesehen
von einigen Bedeutungen, welche sich auf das Ver-
hältnis der Sklaven und Freigelassenen beziehen,
die Mitglieder eines größern Kreises unter sich ver-
wandter Personen, welche den gleichen Beinamen
lcoAnomeiij führten. Auch bei uns hat das Wort
F. verschiedene Bedeutungen. Im engern Sinne
bezeichnet es die Genossenschaft zwischen den Ehe-
gatten und deren Kindern, im weitern Sinne den
Kreis der Verwandten, welche durch gemeinschaft-
liche Abstammung verbunden sind, ohne Unter-
scheidung, ob die Verwandtschaft durch Männer
oder Frauen vermittelt ist; vgl. z. B. Preuß. Allg.