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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Farbstoffzellen - Farel
Farbstoffe (s. d.), die teils Kunstprodukte sind, teilö
von Farbepftanzen (s. d.) oder Tieren stammen, wie
Cochenille (s. d.), Kermes (s. d.) und I^c-ä^o (s. d.).
Je nach ihrer Verwendung kann man die F. in drei
Gruppen bringen: Zeugfarben (s. Färberei),
Malerfarben (s.d.) und Schmelzfarben (s.d.).
Sehr viele F. sind in hohem Grade giftig. Hierher
gehören alle Präparate, die einen der folgenden
Stoffe enthalten: Antimon, Arsen, Varyum (außer
Schwerspat), Blei, Chrom (außer Chromoryd),
Kadmium, Kupfer, Quecksilber (außer Zinnober),
Zink, Zinn, Gummigutt, Pikrinsäure. Die Ver-
wendung aller dieser F. bei der Zubereitung von
Nahrungs- und Genußmitteln sowie zur Verzierung
von Gebrauchsgegenständen ist durch Reichsgesetz
vom 5. Juli 1887 verboten. Zur Verzierung von
Spielwaren ist dagegen die Verwendung von Zint-
weiß und Chromgelb in Firnis oder Ölfarbe ge-
stattet. Arsenhaltige F. dürfen weder im Tapeten-
druck noch bei der Anfertigung von Vetleidungs-
stoffen benutzt werden. (Vgl. Farbwaren.)
Litteratur. Volley, Altes und Neues aus
Farbenchemie und Färberei (Berl. 1868); Sachße,
Chemie und Physiologie der F., Kohlehydrate und
Protemsubstanzen (Lpz. 1877); Bersch, Fabrikation
der Anilinfarbstoffe (Wien 1878); ders., Fabrikation
der Erdfarben (2. Aufl., ebd. 1893); ders., Fabrikation
der Mineral- und Lackfarben (2. Aufl., ebd. 1893);
Gentele, Lehrbuch der Farbenfabrikation (2. Aufl.,
Vraunschw. 1880); Hä'ußermann, Industrie der Teer-
farbstoffe (Stuttg. 1881); Mierzinski, Die Erd-, Mi-
neral- und Lackfarben (Wenn. 1881); Kertesz, Die
Anilinfarbstoffe (Braunschw. 1888); Nietzki, Chemie
der organischen F. (Berl. 1889); Möhlau, Organische
F. (Dresd. 1890); Tabellarische Übersicht über die
künstlichen organischen F. (Berl. 1893 fg.).
Farbstoffzellen, s. Farbenwechsel.
Färbung, s. Farbengebung.
Farbwaren. Man begreift hierunter alle Ar-
tikel, welche zum Färben, Malen, Anstreichen u. f.w.
gebraucht werden: über die Ausdehnung des Be-
griffs sind jedoch selbst in Handelskreisen sehr ver-
schiedene Auffassungen vorhanden. Die unterste
Stufe sowohl in Bezug auf Leichtigkeit der Herstel-
lung wie des Preises nehmen die Erdfarben (s. d.),
gewonnen aus farbigen Erden und Metalloryden,
ein. Darauf folgen die Extrakte aus Pflanzen-
stoffen, vor allen Dingen die zahlreich verwendeten
Auszüge aus überseeischen Farbhölzern und ein-
beimischen färbenden Gewächsen. Hierher gehören
auch der freilich viel teurere Krapp und der Indigo.
Die höchste Stufe sowohl in betreff der Gewin-
nung wie Preisstellung gebührt der chem. Bearbei-
tung einer Anzahl teils organifcher, teils auch Me-
tallsalze, von denen vorzugsweise Alizarin- und
die prächtigen vielfarbigen Anilin- und andere
Teerfarbstoffe sowie das Ultramarin genannt wer-
den mögen. Die letztern haben die Verwendung
tierischer Farbstoffe, z. V. der Cochenille, der im
Altertum viel verwendeten Purpurschnecke u. a. stark
beeinträchtigt. Je nach der Verwendung unterschei-
det man sodann Druckfarben, schmelz-, Maler-,
Wasser-, Pastell-, Buchdruck-, Steindruck-, Öl-,
Wachs-, Anstreichfarben, auch wohl schlechthin Tin-
ten und Schwärzen. - Die Farbwarenindustrie ist
in Deutschland besonders stark entwickelt und über-
trifft namentlich in den Teerfarbstoffen, Alizarin,
Ultramarin, in Blaufarben die der meisten andern
Länder. Ausgeführt wurden l89l den Werten
nach: Alizarin für 12,9 Mill. M., Aniün und an-
dere Teerfarbstoffe für 44,3 Mill. M., anderweite
Farbe- und Gerbematerialien für 10,8 Mill. M.,
während an Blauholz für 7,i Mill. M., an Indigo
für 12,7 Mill. M. eingeführt wurden. Die Haupt-
sitze der Farbwarenindustrie sind für Erdfarben
Thüringen und Provinz Hessen; für Blaufarben
Schneeberg im Königreich Sachfen; für Farbbolz-
ertrakt die Seestädte; für Ultramarin Nürnberg,
Hannover, Rheinland; für Anilinfarben die Um-
gebung von Frankfurt a. M., die Rheinprovinz,
Hannover; für Buch- und Steindruckfarben Leip-
zig, Berlin, Stuttgart und Dresden, während die
Herstellung der Anstreichfarben (darunter z. B. Blei-
weiß), der Druckfarben für Gewebe (überwiegend
Eisenfarben), der Schwärzen, schließlich der Maler-
farben, weniger konzentriert ist.
Farce (frz., spr. farh), in der Kochkunst ein Ge-
misch von gehacktem Fleisch, Fisch u. s. w. mit Speck,
Mark, Fett, Eiern, geriebenem Weißbrot, Kräutern,
Sardellen, Trüffeln u. s. w., das zur Füllung von
Geflügel, Fleischstücken, Fischen, Gemüsen u. s. w.
benutzt wird; farcieren, vollstopfen, füllen. -
über F. in der Litteratur s. Posse.
Farceur (frz., fpr. -ßöhr), Possenreißer.
Fardel oder Fardehl (ital. fai-äsiio; engl. lar-
äel; franz. faräeau; deutsch Bündel) begriff ehemals
in Süddeutschland (Nürnberg, Ulm u.s.w.) eine An-
zahl von 45 Barchet, Parchet oder Stück Tuch zu
24, auch 22 Ellen. Auf der Insel Ceylon bedeutet
F. ein Bündel (oder einen "Ballen") Zimmet im Ge-
wichte von 100 engl. Handelspsund -- 45,359 k^ (in
Deutschland ^ 45 kF gerechnet). In England ist F.
(Viertel) auch soviel wie Farthingdeal (s. Farthing).
Farding, brit. Scheidemünze, s. Farthing.
Fareham (spr. fa'hrämm), Stadt in der engl.
Grafschaft Hants, 26 km im SSO. von Winchester,
in der Nordwestecke der Bai von Portsmouth, an
der Eisenbahn Winchester-Chichester, hat (1891)
7934 E., Fabrikation von Seilwerk, Säcken, Töpfer-
waren, Handel mit Korn und Kohlen.
Farel, Wilh., Reformator der franz. Schweiz,
geb. 1489 zu Gap in der Dauphins, wurde durch
Faber Stapulensis und Bischof Briconnet von
Meaur für evanH. Anschauungen gewonnen, mußte
deshalb Frankreich verlassen und wandte sich nach
Basel. Hier hielt er 15. Febr. 1524 eine siegreiche Dis-
putation über 13 reformatorische Thesen, wurde aber
aus der Stadt gewiesen und ging nach Straßburg,
darauf nach Mömpelgard, wo er mit Erfolg predigte;
1526 ward er Prediger in der den Bernern unter-
worfenen franz.Herrschast Aigle und unternahm von
hier aus nach der Berner Disputation (Jan. 1528)
erfolgreiche Evangelisationsreisen durch die franz.
Schweiz; 1530 erreichte er in Neuenburg die Durch-
führung der Reformation. Später kam er nach
Genf und wirkte durch Teilnahme an dem Religions-
gespräch vom 29. Jan. 1534 dazu mit, daß durch
Edikt vom 27. Aug. 1535 in Genf die Reformation
eingeführt wurde. Im Aug. 1536 veranlaßte er
den durchreisenden Calvin in Genf zu bleiben, be-
teiligte sich mit diesem Okt. 1536 an der Disputa-
tion zu Lausanne, wodurch die Waadtländer für die
Reformation gewonnen wurden, wurde aber mit
ihm 1538 aus Genf verwiesen. Er wandte sich nach
Neuenburg, kehrte 1541 nach Genf zurück, machte
noch mehrere Missionsreisen und sind 13. Seyt.
1565 in Neuenburg. Seine Schriften sind meist
Gelegenheitsschriften, am bedeutendsten das "3om-