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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Faujas - Faulhorn
Vosges, verbinden die Vogesen und das Plateau
von Lanares. Sie baden nur W0-300 m relative
Höhe, bilden aber die Wasserscheide zwischen Maas
und Mosel (Nordsee) und Saöne (Mittelmeer).
I^"?5/tt6, bei naturwissenschaftlichen Bezeich-
nungen Abkürzung für Varthelemy Faujas de
Saint-Fond (s. d.).
Faujas de Saint-Fond (spr. fofchah de ßäng
fong), Varthelemy, franz. Geolog und Paläontolog,
geb. 17. Mai 1741 zu Monte'limant, machte zu
geolog. Zwecken, namentlich zum Studium vulka-
nischer Erscheinungen und Produtte, Reisen durch
ganz Europa, war dann Professor der Geologie am
naturwissenschaftlichen Museum in Paris und starb
daselbst 19. Juli 1819. F. verfaßte unter anderm:
"H6ok6i'ck68 8ur 168 V0ica,u8 6t6int8 äu ViviN'kig
ot äu Vela^" (1778), "I^i3t0ii'6 uatursllk äu Dan-
1'Inue" (1782), "NinLrllloFis ciß8 vc>1cau8" (1784),
"Vftva^s 6n^nFl6t6ri-6"(2Bde., 1797; deutsch von
Wiedemann, Gott. 1799) u. s. w.
Faulaffen, bisweilen Bezeichnung der größern
Arten unter den Halbaffen (s. d.).
Faulbäche, s. Bach.
Faulbaum, s. IUl3.muu8.
Faulbrand, s. Brand (des Getreides).
Fuulbrüchigkeit, Eigenschaft des siliciumhal-
tigen Eisens (s. d., Bd. 5, S. 827 a). ^brutfliege.
Fuulbcut, Bienenkrankheit, s. Bienen undFaul-
Faulbrutfticge l^oia wcr^kta I^/.), eine
etwa 4 mm lange, glänzendschwarze Art der Buckel-
fliegen (s. d.) mit dickschenkligen, borstigen Beinen.
Das Weibchen dringt in Bienenstöcke ein und bringt
mit einer Legeröhre seine Eier in fast erwachsenen
Bienenlarvm unter. Wenige Stunden später kriecht
die Made aus, frißt den Fe'ttkörper der Bienenlarve
und ist nach einigen Tagen zugleich mit letzterer er-
wachsen. Sie bohrt sich nun durch die Haut ihres
Wirtes und den Deckel, mit dem unterdessen die
Zelle verschlossen wurde, hindurch und verpuppt sich
auf dem Boden des Stockes oder außerhalb in der
Erde. Die ausgefressene Bienenlarve wird faulig
und soll auch die benachbarten Brutzelten, zuletzt die
gesamte Vrut des Stockes anstecken und so die unter
dem Namen Faul brüt bekannte Krankheit der Bie-
nenstöcke hervorrufen. (S. Bienen, Bd. 2, S. 986 d.)
Fäule, Faulsucht, Faulsein, Anbruch,
Anbrüchigteit, Bezeichnung für schleichende Er-
krankungen des Schafes, welche mit Ernährungs-
störungen beginnend zu bleichsüchtigen und wasser-
süchtigen Erscheinungen führen und schließlich unter
den Zeichen der Erschöpfung mit dem Tode endigen.
Die F. ist eine gefurchtste Hcrdekrantheit; die Ur-
sachen derselben sind außer ungenügenden Futter-
verhältnissen (nach Mißjahren, sehr nassen Jahr-
gängen) hauptsächlich Wurminvasionen, von welchen
die Üeberegel-, Magen- und Lungcnwurm-, schließ-
lich die Vandwurmseuche (s. die Specialartikel) in
Betracht kommen. Diese Parasiten entziehen ihrem
Wirte unmittelbar einen Teil der ausgenommenen
Nahrung, sodann verhüten sie durch Störung der
Absonderung der Verdauungssäfte (Magenfaft,
Darmfaft, Galle) die Afsimilation der Nahrungs-
mittel. Die Tiere nehmen daher wohl genügend
Futter zu sich, sind aber nicht im stände, es auszu-
nützen und in das Blut und in die Gewebe überzu-
führen. Die nächste Folge davon ist eine Verarmung
des Blutes an roten Blutkörperchen (daber die blasse
Farbe der Haut und Schleimhäute) und eine Ver-
wässerung desselben, in deren Verlaufe wassersüch-
tige Anschwellungen an allen tiefer gelegenen Kör-
perteilen lHals, Unterbrust, Bauch) sich ausbilden.
Beim Weiden senkt sich das Wasser in dem Binde-
gewebe des Kopfes, so daß dieser unförmlich dick wird.
Gewöhnlich lassen die so erkrankten Tiere einen mat-
ten Husten hören. Die Wolle ist trocken, glanzlos
und gebt leicht aus. Bei der Behandlung der Krank-
heit müssen vor allen Dingen die Ursachen beseitigt
werden; dei dcr Bandwurmscuche z. V. ist zuerst ein
Bandwurmmittel zu verabreichen. In den übrigen
Fällen, in denen die Ursache nicht entfernt werden
kann, wie z. B. bei der Leberegelscuche, hat man das
Hauptaugenmerk auf kräftigende Ernährung zurich-
ten. Zur Hebung der Verdauung werden den Schafen
sog. Lecken vorgesetzt, die als wirtsame Bestandteile
Eyensalze oder bittere Stoffe (Eicheln, Eichenrinde,
Wermut, Kalmus) und aromatifche Pflanzenteile
(Kümmelsamcn, Wacholderbeeren) nebst Haferschrot
und Gerstenmalz enthalten. In allen Fällen, in de-
nen die F. schon größere Fortschritte gemacht hat,
ist es das Rätlichste, die Tiere ohne Verzug der
Schlachtbank zu überliefern.
Faulen des Thons, s. Thonwarenfabrikation.
Fäulen, ein Prozeß der Papicrfabrikation (s. d.).
Faulensee, Dorf und Bad im Bezirk Nieder-
simmenthal des schweiz. Kantons Bern, zur Ge-
meinde Spiez gehörig, liegen 1^ Km südöstlich von
Spiez, in 580 in Höhe, am Thuner See. Das Bad,
1 km südlich vom Dorfe, in 800 in Höhe, am Ab-
Hange des Höhenzugs, der das Kanderthal vom
Tbuner See scheidet, besteht aus einem eleganten,
1875 im schweiz. Stil erbauten Kurhaus mit meh-
rern Nebengebäuden und besitzt eine erdige Mineral-
quelle (> 11° (I), die, schon 1585 urkundlich er-
wähnt, mit Erfolg gegen chronischen Rheumatismus
und Krankheiten der Atmungsorgane angewendet
wird. Auch als klimatischer Kurort und Aufenthalt
füc Rekonvalescenten wird F. viel besucht. - Vgl.
Das neue Faulenseebad (Bern 1875); Gsell-Fels,
Die Bäder und klimatischen Kurorte der Schweiz
(3. Aufl., Zür. 1892).
Faule See oder Faules Meer, Seitenbassm
des Asowschen Meers (s. Siwasch).
Faules Gold, s. Porpezit.
Faulfieber, putride Fieber, Fieberzustände,
bei welchen das Blut infolge der Aufnahme fauliger
Stoffe zur Zersetzung geneigt ist. Der Ausdruck F.
ist vollständig veraltet, er wurde früher für Krank-
heiten wie Typhus (f.d.), Pyämie (s.d.), Scptichämie
(s. d.) u.s.w. angewandt. - F. als Pferdekrankheit,
s. Blutfleckenkrankheit der Pferde.
Faulfisch, Nikolaus, ein Böhme aus vorneh-
mem Geschlecht, der in Oxford studierte und 1407
oder 1408 ein lechtes oder gefälschtes?) Zeugnis
der genannten Universität zu Gunsten der Recht-
gläubigkeit Wiclifs nach Prag brachte, das die
Ausbreitung Wiclifitischcr Lehren in Böhmen be-
förderte. In neuerer Zeit hat man lange dem Hie-
ronymus (s. d.) von Prag den Namen F. beigelegt.
Faulhorn, Gipfel der Berner Alpen im schweiz.
Kanton Bern, südlich vom Brienzer See, in der vom
Thal der Lütschinen zum Thal der Aare ziehenden
Bergkette, besteht aus stark verwitterten (faulen)
Kaltsteinen der Juraformation, trägt am Fuße aus-
gedehnte Waldungen, in den obern Stufen prächtige
Weiden und erhebt sich zu 2683 in Höhe. Das F.
wird (meist in 4^4 Stunden von Grindclwald aus)
sehr häufig bestiegen', die Aussicht umfaßt den Kranz
der Berner Alpen mit ihren Vergriescn und blin-