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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fernsichtigkeit - Fernwirkung

der täglichen Bewegung der Gestirne am Himmel folgen läßt, auch dauernd im Sehfelde des F. gehalten werden. - Zum raschen Auffinden einer bestimmten Stelle des Himmels dient der Sucher (s. d.).

Für die Beurteilung der Güte eines F. kommen in Betracht seine Bildschärfe oder trennende Kraft, Farbenfreiheit oder Achromasie und Lichtstärke. Ein gutes F. soll die hellsten Fixsterne als möglichst kleine, strahlenfreie Scheibchen, umgeben von mehrern regelmäßigen Beugungsringen, schwächere Sterne aber als scharfe Punkte zeigen; der Mond, Jupiter und Saturn müssen als scharfbegrenzte Scheiben ohne farbige Säume erscheinen. Die trennende Kraft wird am besten an Doppelsternen geprüft; je größer die Öffnung des F. ist, um so engere Doppelsterne müssen sich mit ihm trennen lassen; ein gutes F. von 4 Pariser Zoll (= 108 mm) Öffnung muß z. B. Doppelsterne von 1'' Distanz als solche erkennen lassen. Die Lichtstärke prüft man an schwachen Sternen oder noch besser an Nebelflecken oder Kometen. Das Erkennen von feinen Details auf der Mond- oder Jupiteroberfläche bietet ebenfalls einen guten Prüfstein für die Güte eines F. Terrestrische F. prüft man an irdischen Gegenständen; die Bilder entfernter Gebäude z. B. müssen scharfe Konturen, frei von farbigen Säumen zeigen und möglichst viele Details erkennen lassen. Alle diese Prüfungen müssen bei ruhiger und durchsichtiger Luft vorgenommen werden, wenn man sich ein sicheres Urteil über die Güte eines F. bilden will. Sind die Brennweiten von Objektiv und Okular nicht bekannt, so bestimmt man die Vergrößerung vermittelst des Dynameters (s. d.).

Seine vorzüglichste Verwendung erhält das F. in der Astronomie. Mit seiner Erfindung begann für diese eine neue Epoche. Hier dient es aber nicht nur zum Anschauen der Gestirne, zum Studium ihrer Formen und Oberflächenbeschaffenheit, sondern auch zum Messen. Der erste Schritt, um das F. hierzu brauchbar zu machen, geschah durch Anbringung des Fadenkreuzes im Brennpunkte des Objektivs (durch Gascoigne 1640), wodurch zuerst die genaue Visierung eines Objekts ermöglicht wurde. Bei der einen Gruppe astron. Meßinstrumente, bei der der absolute Ort eines Gestirns festgelegt wird, dem Passageninstrument, Meridiankreis,Universalinstrument und Äquatoreal ebenso wie bei Sextant, Prismenkreis und verschiedenen physik. Instrumenten, dient das F. nur zum scharfen Sehen und Visieren; bei der andern Gruppe, den verschiedenen Arten von Mikrometern (s. d.), durch welche relative Koordinaten bestimmt werden, ist das F. ein weit wesentlicherer Bestandteil, indem durch das F. erst das Bild erzeugt wird, an dem die Ausmessungen vorgenommen werden. In der Himmelsphotographie (s. d.) tritt an Stelle des Okulars die photogr. Platte. F. kleiner Dimensionen dienen bei einer großen Anzahl der verschiedensten Apparate als Hilfsteile und haben dann lediglich den Zweck, ein scharfes Sehen und Visieren zu ermöglichen. - Geodätische Instrumente mit F. sind Heliotrop, Kippregel, Theodolit. - In der Physik dient das F. bei verschiedenen optischen Demonstrationsversuchen, z. B. denen über Beugung, sowie besonders zum genauen Messen von Abständen durch das Kathetometer (s. d.) und zur sog. Spiegelablesung (s. d.) der Galvanometer (s. d.). Näheres über alle die genannten Instrumente s. in den Einzelartikeln sowie im Artikel Sternwarte nebst den beigehefteten Tafeln. Deutsche Firmen für die Fabrikation von F. sind: in Berlin: K. Bamberg, C. P. Goerz, H. Haecke, Ed. Sprenger, Th. Wegener. In Braunschweig: Voigtländer & Sohn. In Dresden: G. Heyde. In Hamburg: Repsold & Söhne. In München: J. Bach, J. Merz, Reinfelder & Hertel, J. Rodenstock, C. A. Steinheil Söhne, O. Wernhard. In Rathenow: L. Friedrich, Nitsche & Günther, Gebr. Picht & Comp. In Wetzlar: M. Hensoldt. In Würzburg: E. Hartmann & Comp. - Vgl. Servus, Die Geschichte des F. bis auf die neueste Zeit (Berl. 1886); Strehl, Theorie des F. (Tl. 1, Lpz. 1894).

Fernsichtigkeit, s. Alterssichtigkeit.

Fernsignale (auf Schiffen), s. Flaggen (S. 864 a).

Fernsprechanlagen, s. Telephonanlagen.

Fernsprecher, in der deutschen Amtssprache Bezeichnung der Telephone (s. d.). Als man den als Empfänger (zum Hören) benutzten Telephonen eine etwas andere Einrichtung gab als den Telephongebern, belegte man die erstern zum Unterschiede von den F. amtlich mit dem Namen Fernhörer.

Fernsprechkabel, soviel wie Telephonkabel, s. Kabel.

Fernsprechstelle, Sprechstelle in Telephonanlagen (s. d.).

Ferntrieb oder Ferntriebwerk, nach Reuleaux alle Arten der Übertragung von Triebkraft oder mechan. Energie von dem Orte der Entstehung nach weit entfernten Verbrauchsstätten. Es sind im wesentlichen vier Übertragungsarten, die für den F. in Betracht kommen: der Seiltrieb, die Druckwasser-, die Druckluft- und die elektrische Kraftübertragung. Einen Vergleich derselben in ökonomischer Beziehung giebt Beringer, "Kritische Vergleichung der elektrischen Kraftübertragung mit den gebräuchlichsten mechan. Übertragungssystemen" (Berl. 1883). Die beim Wasser- und Lufttrieb erforderliche Rohrleitung pflegt man ebenso wie die unterirdische oder Luftleitung für die elektrische Übertragung als Fernleitung zu bezeichnen. (S. auch die Artikel Druckluftanlage, Elektrische Kraftübertragung, Rohrpost, Seiltrieb.)

Fernwaffen, die in die Ferne wirkenden Waffen. Sie beruhten im Altertum und Mittelalter auf mechan. Treibmitteln, namentlich der Elasticität fester Stoffe (Holz, Stahl, Sehnen u. s. w.) und zerfielen in Handfernwaffen (s. d.) und Wurfmaschinen (s. d.), denen sich ergänzend die besondern Belagerungsmaschinen anreihten. Diese Wurf- und Belagerungsmaschinen des Altertums und Mittelalters faßt man auch unter dem Gesamtnamen Kriegsmaschinen (s. d.) zusammen.

Die F. der Neuzeit beruhen auf chem. Treibmitteln, namentlich dem Pulver, und heißen Feuerwaffen; sie zerfallen in Handfeuerwaffen (s. d.) und Geschütze (s. d.).

Fernwirkung der galvanischen Ströme. Ein geradliniger sehr langer Stromleiter erzeugt ein magnetisches Feld (s. Feld, magnetisches), dessen Kraftlinien (s. d.) Kreise sind, deren Ebenen zum Stromleiter senkrecht und deren Mittelpunkte in demselben gelegen sind (s. Elektromagnetismus). Die magnetischen Potentialflächen, die zu erstern Linien überall senkrecht stehen, sind durch den Stromleiter gelegte Ebenen. Da beim Übergang eines magnetischen Teilchens zwischen zwei gegebenen Potentialflächen die Arbeit (Weg mal Kraft) dieselbe, der Abstand dieser Flächen (der Weg) aber der Entfernung vom Stromleiter proportional ist, so kann die Kraft des Stromleiters auf das magnetische Teilchen nur dem Abstande vom Stromleiter umgekehrt propor-^[folgende Seite]