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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Feroce - Ferrara (Provinz und Stadt)
tional sein. Biot und Savart haben dies durch Ver-
suche gefunden, indem sie eine sehr kleine Magnet-
nadel wie ein Pendel unter dem Einfluß eines sehr
langen Stromleiters schwingen liehen; daher nennt
man das Gesetz auch Viot-Savarts Gesetz.
Laplace folgerte hieraus, daß ein sehr kurzes Etrom-
element von der Länge 8 und der Starte i auf eine
magnetische Menge in in der Entfernung r die Kraft
ausübt -"2" ^ii k, wobei " der Winkel des Strom-
elementes mit der Verbindungslinie zu m ist. Die
Kraft steht senkrecht zur Ebene, welche durch das
Stromelement und m gelegt wird. Auf diesem ein-
fachen Gesetz beruht die Konstruktion der Tangen-
tenbussole (s. d.). Biegt man den Stromleiter zu
einem kreisförmigen Ning zufammen und hält dabei
die Vorstellung fest, daß die magnetischen Kraftlinien
die Teile des Stromleiters noch immer ringförmig
umschließen, so sieht man, daß der Verlauf derselden
jenem der Kraftlinien einer Magnetischen Toppel-
schale (s. d.) entspricht, deren Umsang vom Strom
umflossen wird. In der That lehren Erperiment und
Theorie, daß man sich die magnetische Fernwircung
von geschlossenen strömen durch jene solcher Doppel-
schalen ersetzt denken kann. Zwei ströme aufeinander
wirken ebenso wie zwei Doppelschalen, was sowohl in
Bezug auf die mechan. Wirkung <s. Elektrodynamik)
als auch in Bezug auf die Induktion (s. d.) gilt.
Mit Rücksicht darauf definiert man als die elektro-
magnetische Stromstärke Eins jene eines Stroms,
der die Flächeneinheit umkreisend so wirkt, wie ein
durch die Schlinge hindurchgesteckter, sehr kurzer
Magnet vom Magnetischen Moment ls. d.) Eins,
welche Definition mit der in dem Artikel Strom-
stärke gegebenen übereinstimmt. - Vgl. Tumlirz,
Das Potential Wien 1884); Ioubert, Ii-aitö
ei6M6!itiiii-6 ä'6l6eti-icit6 (2. Aufl., Par. 1891).
I'vröoo (ital., spr. -tsche), musikalische Vortrags-
bezeichnung: wild, ungestüm.
Ferocität (lat.), Wildheit, Roheit, Grausamkeit.
I'erolia. Fnianensis ^wk?., ein in Guayana
vorkommender Baum, dessen systematische Stellung
nicht genau bekannt ist; einige rechnen ihn zur
Familie der Rosaceen (s. d.). Das Holz kommt alö
Ferolienholz, Atlasholz, dois Latiuö, in den
Handel und wird in der Möbeltischlerei verwendet.
Es ist sehr hart und schwer, rotgelb und nimmt beim
Polieren einen atlasartigen Glanz an.
Feroltenholz, s. ^erolia, ^liWu6U8i3.
I'sronia. ()m-i-., Pflanzengattung aus der Fa-
milie der Nutaceen (s. d.) uüt nur ein.cr Art, dem
Elefantenapfelbaum, 1^. ale^ii^utniii Oo?')'.,
im tropischen Indien und in Java. Es ist ein mit
Dornen besetzter Baum von sebr bartem Holze; die
Blätter sind unpaarig gefiedert, die Blüten weiß.
Die Frucht bat apfelartige Gestalt und ist ziemlich
groß; den harten und bolzigen Kern umschließt eine
fleischige eßbare Hülle. Blüten und Blätter duften
anioartig. Aus der Rinde fließt das sog. F e r o nia -
gummi, das sowohl inIndien vielfach Verwendung
findet, als auch iu Europa häufig statt des arab.
Gummis benutzt wird.
I'sronia, sehr artenreiche Gattung (allein in
Deutschland über 60 schwer untcrscheiddare Arten)
von Laufkäfern der nördl. Erdhälfte, von durch-
schnittlich 6 bis l8min Länge, einfarbig, meist bräun-
lich oder scbwarz, seltener glänzendschwarz, einige
metallisch glänzend. Die Arten leben besonders im
Gednge unter Steinen, moderndem Holz u. s. w.,
gehen in den Alpen bis zur Schneegrenze, nördlich
uis über den Polarkreis hinaus.
Feronla, eine Göttin, die besonders im Sabiner-
land zu Tredula Mutuesca, in Etrurien im Hain
der F. (I^ucns ^Lroniae) am Berge Soracte, m
Latium zu Präneste, im Vol'okerland bei Tarracina
veredrt wurde. Auf röm. Münzen erscheint ihr
)topf mit Blumen bekränzt. Sie war wohl eine
Göttin der im Frühling auffprossenden Vegetation
und als solche mit der altitalischen Venus, der
Flora, auch der Lioera verwandt. Auch erscheint
sie als eine Göttin der Freigelassenen. In das
Heiligtum am Fuße des Soracte, wo F. neben
einem alten Sonnengott verehrt wurde, der nach-
mals den Namen Apollo Soranus erhielt, brachten
die Umwolmer die Erstlinge der Früchte und viele
Weidgeschenke. Außerdem weihten ihr, als einer
Göttin der Freigelassenen, auch die (weiblichen)
Libertinen aus Rom Gaben, so daß ihr Tempel sehr
reich wurde und Hannibals Soldaten dort viel zu
erdentcn fanden. Auch waren große Jahrmärkte
mit den dortigen Festfeiern verbunden, fo daß all-
mählich eine ganze Stadt aus dem Tempel ent-
stand. Virgi! nennt einen Sohn der F. zu Präneste,
Erulus (oft nach falfcher Lesart Herilus ge-
nannt), der gleich Geryon drei Leiber gehabt haben
und von Euander erfchlagen worden sein soll. -
F. beißt auch der 72. Planetoid. ^Firozpur.
Ferozepore, brit.-ind. Distrikt und Stadt, s.
Ferrado, älteres Feld- und Getreidemaß in der
span. Provinz Galicien, als Feldmaß von 625 bis
900 ^.uadratvaras (4,36? bis 6,395 a); als Getreide-
maß wurde der F. in 24 Cuartillos geteilt und bil-
dete den vierten Teil der Fanega (s. d.).
Ferraillieren (vom frz. tkri-Hilw, spr. -raj, altes
Eisen), mit dem Degen rasseln, sich herumstreitcn,
händelsüchtig sein; Ferrailleur (spr.-rajöhr),Rauf-
Ferrand, Eduard, f. Schulz, Eduard. stold.
Ferrandma, ^tadt im Kreis Matera der ital.
Provinz Potenza, in 481 in Höhe, unweit rechts
vom Basento und an der Linie Neapel-Metaponto
des Mittelmeernetzes, hat s1881) 7325, als Ge-
meinde 7545 E., Wein- und Dlvau. F. wurde 1494
von den Bewohnern des durch Erdbeben zerstörten
Städtchens Uggiano gegründet.
Ferrära. 1) Provinz im Königreich Italien in
der Landschaft Emilia, grenzt im N. an die Provinz
Rovigo, von der sie durch den Po getrennt wird,
im O. an das Adriatische Meer, im S. an die Pro-
vinzen Ravenna und Bologna, im W. an Modena,
hat 2616,?7 (nach Strelbitskij 2627) hkin, (188Y
230807 (31. Dez. 1892 nach Berechnung 249488) E.,
d. i. 85 E. auf 1 hkm, und zerfällt in die 3 Kreise
Cento (37986 E.), Comacchio (34375 E.) und F.
(158446 E.) mit zufammen 16 Gemeinden. Das
Land bildet das unterste Mündungsgebiet des Po
auf dessen rechter Seite, wird von mehrern seiner
südl. Arme und Zuflüsse sowie von zahlreichen Ent-
wässerung^kanälen durchzogen, ist flach und zum Teil
sumpfig (Valli di Comacchio) und ungesund, aber
außerordentlich fruchtbar. Die Bewohner bauen Ge-
treide, Hanf, Reis, Wein, treiben beiden- und Vieh-
zucht, vor allem aber befchäftigen sie sich mit Fisch-
fang lAale, Meeräschen), der durch die zahlreichen
Kanalschleusen außerordentlich begünstigt wird, so-
wie mit Räuchern und Einsalzen der Fische und mit
Salzgewinnung.
2) F., lat. I^i'i'Hri^, das ?0ruin ^.lioni der
Römer, Hauptstadt der Provinz F., 120 km im