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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Feuergeister - Feuerhaken

verschaffte der Lineartaktik die Anerkennung und Nachahmung von ganz Europa; die ganze militär. Entwicklung des 18. Jahrh. erfolgte in den von der Lineartaktik vorgeschriebenen Bahnen. Aus den gewaltigen Umwälzungen aller Verhältnisse durch die Französische Revolution entwickelte sich, zunächst als Notbehelf der ungeschulten franz. Massenaufgebote, das System der Kolonnentaktit (s. d.) in Verbindung mit Schützenschwärmen. Sehr bald aber erwarb sich diese neue Taktik, mit welcher Napoleon Sieg auf Sieg erfocht und vor der die alte überlebte Lineartaktik zusammenbrach, Anerkennung und fand überall Nachahmung. Sie blieb zunächst die Grundform des Infanteriekampfes,

konnte aber auf die Dauer den Anforderungen nicht mehr genügen, welche die durch die fortschreitende Technik sich entwickelnde Feuerkraft der Infanterie und Artillerie, in aktiver wie in passiver Hinsicht, an die Kampfform der Infanterie stellte. Nachdem bereits die Einführung der Perkussionszündung und der verschiedenen gezogenen Gewehrsysteme den Charakter des Infanteriefeuers wesentlich verändert hatte, brachte der Hinterlader, dessen erster

Vertreter das preuß. Zündnadelgewehr war, um die Mitte dieses Jahrhunderts eine völlige Umwälzung der Grundlagen des F. hervor; die in Preußen zuerst angewendete Compagniekolonnen-Taktik (s. Compagniekolonne) schuf für die veränderten Verhältnisse des F. neue Formen, in denen die preuß. und deutsche Infanterie die zahlreichen Schlachten der deutschen Einigungskriege 1866 und 1870/71 schlug. Hinterlader und Compagniekolonne fanden bald allgemeine Aufnahme, und während der Hinterlader durch die fortschreitende Taktik zum Mehrlader vervollkommnet wurde, bildete die Compagniekolonnen-Taktik den Übergang zu der neuern Schützentaktik, die zur Zeit die Normalform des F. bildet. (S. auch Fechtart.)

Feuergeister,Elementargeister (s. d.) des Feuers.

Feuerglucke, Schmetterling, s. Glucken.

Feuerhahn, eine in Wasserleitungen einzuschaltende Vorrichtung, ein Hahn oder Ventil zum Anschluß eines Spritzen- oder Zubringerschlauchs direkt an die Leitung. Fig. 1 zeigt die gebräuchlichste Konstruktion des F. im Innern von Gebäuden. Derselbe wird mit seiner untern Flansche auf eine entsprechende Flansche der Wasserleitung geschraubt und

sperrt durch sein Ventil v das Wasser ab. Soll der Schlauch angeschlossen werden, so wird die den Stutzen verschließende Metallmutter k entfernt und der Schlauch mit seiner Überwurfmutter an die Stelle derselben gebracht. Dreht man alsdann mittels des Handrads h die mit Gewinde versehene Ventilstange s und somit auch das Ventil v in die Höhe, so tritt das Wasser durch a, b und c in den Schlauch.

In vielen Orten, die eine nach neuern Grundsätzen eingerichtete Wasserversorgungsanlage besitzen, wird der F. an das Straßenrohrnetz unmittelbar angeschlossen und führt in diesem Halle den allgemeinen Namen Hydrant oder Wasserpfosten, und zwar wenn seine Auslaßöffnung unter dem Straßenniveau, Unterflurhydrant, über demselben

Überflurhydrant. Bei den Unterflurhydranten verbindet ein winklig gebogener Rohrkrümmer das Wasserleitungsrohr mit

dem Ventilgehäuse des Hahns. In letzterm liegt das meist mit Lederdichtung versehene Absperrventil, also in unmittelbarer Nähe des in frostfreier Tiefe liegenden Leitungsrohrs. Vom Ventilgehäuse führen zwei Eisenrohre zu dem der Straßenstur gleichliegenden Hydrantenkasten (Straßenkappe). Das eine der Rohre dient zur Führung der Ventilspindel und ist demzufolge mit Stopfbüchse versehen, das andere hingegen dient zur Ableitung des Wassers

nach oben. Letzteres mündet aus in einen Stutzen mit Schlauchgewinde oder Bajonettklauen zur schnellen Anbringung eines sog. Standrohres für Schläuche. Bei Gebrauch dieses Hahnes ist der Kastendeckel und die am Ausgangsstutzen sitzende und vor Verschmutzung schützende Verschlußkapsel zu entfernen und das Ventil durch mehrmalige Drehung der Ventilspindel mittels eines Schlüssels, der auf ihren vierkantigen Kopf aufgesetzt wird, zu öffnen.

Der Überflurhydrant ist in seinem untern Teile (Ventilgehäuse) dem Unterflurhydrant ziemlich gleich, nur liegt die Ventilspindel mit im Steigrohr und geht durch die oberhalb der ein- oder mehrfachen Auslaßmündung befindliche Stopfbüchse. Das Steigrohr besteht je nach Lage der Wasserleitung aus einem oder zwei Rohrteilen, die letzternfalls in der Erde mit Muffen verbunden sind. Der über Flur stehende Hydrantenteil reicht gewöhnlich 0,5 bis 1 m über die Erde frei heraus. Das Wasser tritt nach mehrmaliger Umdrehung der Spindel durch Ventil und Steigrohr in den obern, als Säule ausgebildeten Hydrantenkopf nach den Ausläufen. Letztere werden beim Nichtgebrauche mit an Ketten

hängenden Verschlußkapseln versehen. In Fig. 2 ist der nach System Cramer von der Königin-Marien-Hütte in Cainsdorf i. S. ausgeführte Überflurhydrant abgebildet. Die Hydranten werden auch zum Füllen der Sprengwagen benutzt.

Feuerhaken, das Schüreisen der Heizer von Öfen, Dampfkesseln u. s. w.; auch ein Werkzeug der Feuerwehr (s. Feuerwehrfahrgeräte).