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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fichtelberg - Fichtelgebirge
errichteten Universität als Professor angestellt. In
dem von Franzosen besetzten Berlin trat F. 1808
als furchtloser Patriot auf und hielt seine "Reden
an die deutsche Nation" (Berl. 1808; Tüb. 1859;
Lpz. 1871), die in ihrer feurigen, aus inniger Über-
zeugung hervorgegangenen Beredsamkeit ein Denk-
mal der edelsten Gesinnung sind. Ebenso hielt er
1813 Vorlesungen über den Begriff des wahrhaften
Krieges, die erst nach seinem Tode erschienen (Tüb.
1815). In hingebender Thätigkeit für die große
Bewegung der Freiheitskriege erlag er dem Hospi-
talsicber 27. Jan. 1814.
In F.s wissenschaftlichen Leistungen sind zwei
Perioden zu unterscheiden, von denen die erste noch
in das 18. Jahrh, fällt. Die wichtigsten der ihr
angehörigen Schriften sind: "Über den Begriff der
Wissenschaftslehre" (Weim. 1794: 2. Aufl. 1798),
"Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre" (Jena
1794; 2. Aufl. 1802), "Grundriß des Eigentüm-
lichen der Wissenschaftslehre" scbd. 1795; 2. Aufl.
1802), "Vorlesungen über die Bestimmung des Ge-
lehrten" (ebd. 1794), "Grundlage des Naturrechts"
^Soe., ebd. 1796-97), "Einleitung in die Wisscn-
schaftslehrc", "System der Sittcnlehrc" (ebd. 1798).
Der philos. Standpunkt F.s ist hier durch die Aus-
gabe bestimmt, die theoretische und praktische Philo-
sophie Kants einheitlich zu begründen. So wird das
reine (nicht individuelle) Ich zum verbindenden Prin-
cip beider Nichtungen, und in der Darstellung der
ursprünglichen und notwendigen Thathandlungen
des Ichs besteht die "Wissenschaftslehre". Das
Sittengesetz hat bei F. die Form: "Handle nach deiner
Bestimmung!", d. h. dem reinen Ich gemäß, dessen
Wesen freie, unendliche Thätigkeit ist. Die Be-
dingungen der Individualität sind die Nechte. Der
Staat ist die den Rcchtszustand zusichernde Ver-
nunft. Dies wird in dem "Geschlossenen.Handels-
staat" (Tüb. 1800) fast utopisch durchgeführt.
In der spätern Auffassung ist bei F. an die Stelle
des Ich, des Systems von notwendigen Vernunft-
Handlungen, das "abfolute Sein" der Gottheit ge-
treten, dessen ewiges Leben sich in dem sittlichen
Handeln freier Subjekte offenbart, während früher
die moralische Weltordnung die Stelle Gottes in
dem System vertrat. F.s Lehre bat also religions-
philos. Charakter angenommen. Insofern ist jedoch
auch hier die Ansicht vom Primat der praktischen
über die theoretische Vernunft festgehalten, als das
Wissen oder Schauen dieses göttlichen Seins und
Lebens nur die unentbehrliche Grundlage bilden
soll, auf der sich das sittlich-religiöse Leben der
Individuen zu entwickeln vermag. In populärer
Fassung erschien die spätere Theorie angedeutet
bereits in der "Bestimmung des Menschen" (Berl.
1800), vollendet und klar in der "Anweisung zum
seligen Leben, oder Nc-ligionslehre" (cbd. 1806;
2. Aufl. 1828); in strengerer Form enthalten sie die
im Winter 1810-11 gehaltenen Vorlesungen über
"Die Thatsachen des Bewußtseins" (Stuttg. und
Tüb. l817), wie auch frühere und spätere Vorträge
desselben Inhalts in den "Nachgelassenen Werken"
(hg. von I. H. Fichte, 3 Bde., Bonn 1834-35),
worin zugleich eine "spekulative Logik" und eine um-
gearbeitete Rechts- und Sittenlehre enthalten ist,
sowie auch die kleine Schrift "Die Wissenschafts-
lehre in ihrem allgemeinen Umrisse" (Berl. 1810).
Bemerkenswert sind außerdem noch die aus seinem
Nachlasse herausgegebenen, im Sommer 1813 ge-
haltenen Vorträge über "Die Staatslehre, oder
über das Verhältnis des UrstaatZ zum Vernunft-
reiche" (ebd. 1820).
Die Wirkung der F.schcn Philosophie ist eine sehr
ausgedehnte gewesen. Nicht nur wurde die ganze
Entwicklung der Schellingschen Naturphilosophie
und der Hegelfchen Identitätslehre von den Grund-
sätzen der ersten Periode getragen, sondern auch die
Richtung der Hcrbartfchcn Spekulation wesentlich
von ihnen bestimmt. Erst in weit späterer Zeit be-
gannen die Ansichten der zweiten Periode starken
Einfluß auszuüben auf eine Reihe von jüngcrn
Systemen der Ethik und Neligionspbilofovhie (I.
.H.Fichte,Weifte,Ehalybäus, Wirth, Ulrici, Carriere,
K. PH. Fischer, Leop. Schmid, Rothe u. a.). "F.s
sämtliche Werke" (8 Bde., Berl. 1845-46) wurden
von seinem Sohne I. H. Fichte herausgegeben. -
Vgl. besonders F.s Leben und littcrar. Briefwechsel
(hg. von I. H. Fichte, 2 Bde., Sulzb. 1830 - 31;
2. Aufl., Lpz. 1862); Busse, F. und seine Beziehung
zur Gegenwart des deutschen Volks (2 Bde., Halle
1848-49); Löwe, Die Philosophie F.s (Stuttg.
1862); Noack, I. G. F. nach seinem Leben, Lehren
und Wirken (Lpz. 1862); Zimmer, I. G. F.s Reli-
gionsphilosophie (Berl. 1878); Schneider, I. G. F.
als Socialpolitiker (Halle 1894).
Fichtelberg, vorderer F., zum Unterschied
von dem etwas niedrigern hintern F., der höchste
Punkt des Königreichs Sachsen und nach dem Kcil-
berg (s. d.) der höchste des Erzgebirges, bei Ober-
wiescnthal in der Amtshauptmannschaft Annaberg,
1204 m hoch, besteht aus Glimmerschiefer und ge-
währt von dem Turme auf feinem Gipfcl eine weite
Aussicht. F. ist auch der volkstümliche Name für
das Fichtelgebirge (s. d.).
Fichtelberger Glciser,dieim 16.und 17.Jahrh.
im Fichtelgebirge angefertigten Humpen, Trink-
gläserundFlaschcn;
auf ihncn finden
sich in bunten
Emailfarben Wap-
pcn, zumal das
deutfche Neichs-
wappen, Kaiser und
KurfürstenApostel,
Iagdfcenen, bür-
gerliche Figuren,
Handwerksembleme
und sonst Verschie-
denes dargestellt,
.häufig ist auf ihncn
der Ochsenkopf, als
der Hauptberg des
Fichtelgebirges, mit
den vier Flüsfen,
welche an ihm ent-
springen, roh und
unbeholfen abgebil-
det. Die bessern
und ältern Gegen-
stände, namentlich
die Humpen mit
den Kurfürsten und dem Neichswappen, sind sehr
gesucht (s. bcistehende Figur).
Fichtelgebirge (Non8 pwiler), eins der be-
deutendern Gebirge Deutschlands im bayr. Kreise
Oberfranken (f. Karte: Bayern I), das Centrum
der deutfchen Mittelgebirge, von dem aus Franken-
und Thüringer Wald nach NW., Böhmerwald nach
SO., Elster- und Erzgebirge nach NO. und Franken-