Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

833
Fischerei
tigung der F. durch Fischmeister und in der Fest-
stellung von Schonzeiten und hat das System
der sog. absoluten Schonzeit eingeführt, wonach
sür sämtliche im Frühjahr laichende Fische (wie
den Barsch und die karpfenartigen Fische) vom
10. April bis 14. Juni und für die im Winter
laichenden lachsartigen Fische vom 15. Okt. bis
14. Dez. der Fang verboten ist. Fast überall hat
sich jedoch dies System als unpraktisch erwiesen.
Die meisten Sachverständigen haben sich daher für
eine den Eigentümlichkeiten der einzelnen Fischarten
und Gegenden Rechnung tragende relative Schon-
zeit entschieden. Danach ist nur für die wichtigsten
Fische der Fang sowohl wie der Verkauf während
der für jede einzelne Art zu bestimmenden Laichzeit
verboten, natürlich mit Ausnahme der geschlossenen
Privatgewässer. Ein solches absolutes Verbot er-
leichtert nicht nur die Kontrolle, sondern genügt auch
berechtigten Beschwerden. Wichtig für einen ratio-
nellen Betrieb der Binnenfischerei ist die Bildung
von Vereinen unter den Interessenten, wie solche in
Deutschland in großer Zahl bestehen; unter ihnen
bat sich der Deutsche Fischereiverein zu Berlin als
Zentralstelle für die meisten Lokalvereine Deutsch-
lands große Verdienste erworben; eine Gesamtver-
tretung der deutschen F. besteht in dem Fischerei-
rat, der zum erstenmal Nov. 1893 in Berlin tagte.
Die Seefischerei, an den Küsten meist mit großen
Zugnetzen, auf offener See (Hochfeefischerei) mit
Angeln (s. Leincnfifcherei), Vaumschleppnetzen ls.d.)
und Treibnetzen betrieben, ist zwar weit schwieriger
als die Binnenfischerei, aber auch weit lohnender.
In den letzten Jahrzehnten hat sie durch Einführung
der Dampfkraft bei der F. einen bedeutenden Auf-
schwung genommen. Ihr wichtigster Gegenstand ist
zunächst der Kabeljau oder Dorsch mit seinen Ver-
wandten, dem Schellfisch u. a., die, zu Klippfisch,
Stockfisch, Laberdan, Leberthran (aus Dorschleber)
und Fischguano verarbeitet, einen großartigen .Han-
delsartikel bilden. Auf der Bank von Neufundland
und den angrenzenden Gebieten, wo von Anfang
Juni bis Mitte September über 20000 Fahrzeuge
mit je 7-8 Mann Besatzung voll dcn brit. Kolo-
nien, Nordamerika und Frankreich aus mit Angeln
und Netzen fischen, beträgt der Wert des jährlichen
Fangs über 30 Mill. M. An der norweg. Küste,
namentlich bei den Lofoten und Finmarken, wird
von Januar bis April der Fang auf den Slrei oder
großen Bantdovsch betrieben, hauptsächlich mit An-
geln, bei dem mehr als 20000 Fahrzeuge mit über
80000 Menschen aus allen Teilen Norwegens be-
schäftige sind und ihre Beute nach dem Hauptstapel-
platz Bergen bringen. Andere reiche Kabeljaugründe
liegen bei Island, wohin jährlich etwa 300 franz.
Fahrzeuge mit 5000 Mann gehen, bei den Schu-
maghin-Inseln (Ale'uten), im Ochotstischen Meere, in
der Beringstraße und bei der Doggerbank in der
Nordsee; noch reichere, aber noch nicht ausgenutzte
scheinen sich bei Spitzbergen zu befinden. Nächst den
dorschartigen Fischen sind die hering^artigen (Hering
und Breitling oder Sprott im Norden Europas,
Pilchard oder Sardine und Anchovis oder Sardelle
inlSüden,MenhadenoderBunteranderNordosttüste
der Vereinigten Staaten) die wichtigsten Objette der
Seefischerei. Am großartigsten ist der Fang an der
Ostküste Großbritanniens, wo Schotten, Engländer
und Holländer von Juli bis September auf Heringe
die Hochseefischerei betreiben. (S. Hering.) Im
Mttclmcer ist der Fang des Pilchard (Sardine)
Vrockyaus' Konversationslexikon.. 14. Aufl. VI.
und des Anchovis kaum weniger bedeutend als der
des Herings im Norden. An dritter Stelle als Ob-
jekt der Seefischerei stehen die mit Angeln, Stell-
oder Schleppnetzen gefangenen Plattfifcharten, wie
Heilbutt, Steinbutt, Scholle, Flunder, Seezunge
u. a.; in der Nordsee sind die Gründe zwischen der
deutschen Küste und der Doggerbank Hauptfang-
plätze. Sonstige wertvolle Seesische sind noch die
Thunfische (Italien) und Makrelen, über Walfang
und Robbenschlag als Teile der Seefischerei (Groß-
fischerei) s. die betreffenden Artikel.
Der Gesamtertrag, den die einzelnen Staaten
jährlich aus der Seefischerei gewinnen, läßt sich für
Großbritannien auf mehr als 150, für Nordamerika
(Vereinigte Staaten) auf 200, für Canada auf 80,
für Frankreich auf 80, für Norwegen auf 25 Mill. M.
veranschlagen. Alle diese Länder exportieren einen
großen Überschuß, während in Deutschland die Ein-
suhr an Fischen die Ausfuhr noch jährlich (1891) um
mehr als 55 Mill. M. übersteigt. Einen der ersten
Plätze unter den Seefischerei treibenden Ländern
nimmt Japan ein, dessen Erträge aus der Seefischerei
auf jährlich etwa 140 Mill. M. angegeben werden.
Fast in allen Staaten erfährt die Seefischerei
bedeutende Förderung aus öffentlichen Mitteln. Um
wissenschaftliche Grnndlagen für den Betrieb und
die Erweiterung der Seefischereien zu finden, sind
in den letzten Jahrzehnten in vielen Staaten wissen-
schaftliche Kommissionen zur Erforschung der Meere
eingesetzt worden. Die wichtigste ist die Huitsä
3tats31"i3ii ^0mmi88ioii in Nordamerika, die jähr-
lich umfangreiche und wertvolle Berichte veröffent-
licht; in Deutschland besteht seit 1870 eine Kommis-
sion zur wissenschaftlichen Untersuchung der deut-
schen Meere in Kicl und seit 1892 eine vom Staate
begründete Biologische Anstalt auf Helgoland, zu
deren Aufgaben auch die wissenschaftliche Erforschung
der Nordsee im Interesse der Seefischerei gehört.
Beide zusammen veröffentlichen ihre Arbeitenu. d.T.:
"Wissenschaftliche Meeresuntersuchungen". Seit
1885 bestand eine besondere Sektion des Dentschen
Fischercivereins sür Küsten- und Hochseefischerei,
die sich 1894 in einen Deutschen Seefischereiverein
umwandelte und "Mitteilungen" herausgiebt. In
Norwegen und Schweden sind schon seit Mitte des
19.Jahrb.berühmteIorscher,wie3tilsson,AxelVoeck,
G. O. Sars, Ljungmann u. a. in dieser Richtung
thätig, in Deutschland Benecke, Hensen, Hcincke u. a.
Litteratu r. Lindeman, Die arktische F. der deut-
schen Seestädte 1620-1868 (Gotha 1869); Hcnsen,
lWerdieVefischungderdeutfchenKüsten (Berl. 1874);
Peyrer, Fischercibetrieb und Fischereirecht in Ofter-
reich (Wien 1874); Wittmack, Beiträge zur Fischerei-
statistik des Deutschen Reichs (Berl. 1875); Döhl,
Die Fischereigesetzgebung des preuß. Staats (2. Aufl.,
ebd. 1878); Hensen, Resultate der statist. Beobach-
tungen über die F. an den deutschen Küsten (in dem
"Jahresbericht der Kommission zur Untersuchung
der deutschen Meere in Kiel", ebd. 1878); Linde-
man, Die Seefischereien (Gotha 1880); Venecke,
Fische, F. und Fischzucht in Ost- und Westpreußen
lKönigsb. 1881); von dem Vorne, Fischereiverhält-
nisse dcs Deutschen Reichs (Berl. 1882); Heincke,
Die nutzbaren Tiere der nordischen Meere und die
Bcdingungen ihrer Existenz (Stuttg. 1882); von dem
Borne, Bcnecke und Dallmer, Handbuch der Fisch-
zucht und F. (Bcrl. 1886); Lindeman, Beiträge zur
Statistik dcr deutschen Sccfischorci /cbd. 1388);
Bohnhof, Die Organisation der Seefischerei in den
53