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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Flechten (Flechtarbeit) - Fleck (Eduard)
Hyphen zusammengesetzte faserartige Gebilde, Rhi-
zinen, die sich in feine Risse der Unterlage ein-
drängen; ob dieselben auch zur Aufnahme von
Nährstoffen dienen, ist nicht sicher entschieden, kann
aber als wahrscheinlich angenommen werden. An
kahlen, freigelegten Felsen treten zunächst Krusten-
flcchten auf, und wenn diese verwittert und zu Hu-
mus zerfallen sind, kommen Laub- und Strauch-
stechten an ihre Stelle, und so wird allmählich eine
stärkere Humusschicht gebildet, auf der schließlich
Moose und auch höhere Pflanzen gedeihen können.
Übrigens kommen die F. auf den verschieden-
artigsten Standorten vor, auf der bloßen Erde,
auf Felsen, an Baumstämmen, auf alten Schindel-
dächern, an alten Balken, an Zäunen u. s. w., aber
stets nur auf dem Lande; im Wasser wachsende F.
tennt man nicht, nur einige, welche an stellen vor-
kommen, die zuweilen von Wasser überdeckt wer-
den. An faulenden Substanzen sinden sich keine F.
Sämtliche F. enthalten reichlich einen dem Stärke-
mehl ähnlichen Stoff, die Flechtenstärko (s. d.). Außer-
dem enthalten viele F. eigentümliche Stoffe, Flech-
tensäuren (s.d.), die mis Alkalien lebhaft gefärbte
Verbindungen geben; sie können deshalb zur Berei-
tung von Farbstoffen, wie Orseille, Lackmus u. a.,
in der Industrie verwendet werden. (S. auch Farbc-
pflanzen.)
In der fossilen Flora sind nur wenigeF. bekannt,
sämtlich im Tertiär; nur in der Braunkohle der
Wetterau hat man eine ziemlich gut erhaltene Laub-
flechte mit Apothecien gefunden. - Zur Erklärung
der Tafeln vgl. ferner die Artikel: Gallertstechten,
Bartflechten, 8ticta, Isländisches Moos, Npliede,
?6itiA6r3., NverniH, (Mäonia, Graphideen, 1^6-
Litteratur. Schwendener,Untersuchungen über
den Flechtenthallus, und Laub- und Gallertstechten
(beides in Nägelis "Beiträgen zur wissenschaftlichen
Botanik", Heft 2-4, Lpz. 1860-68); De Vary,
Morphologie und Physiologie der Pilze, F. und
Myromyceten (ebd. 1866); Vornet, ^sclisro^sg 8nr
168 A0niäi68 ä68 1ic1i6U8 (M deN "^NN5li68 (163
801611068 Qktui-61168", Bd. 17, Par. 1873); Stahl,
Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der F. (2 Hefte,
Lpz. 1877,1878). Als rein systematische Werke sind
anzuführen: Fries, I^ieliLuoArÄpQiH 6nroM63. i-o
koruiata. (Lund 1831); Körber, L^Ltema I^ckenum
(?6rnmniH6 (Bresl. 1855); ders., kar^a I^ekeno-
logica. (Ergänzung zum vorigen Werke, 5 Lfgn.,
ebd. 1859 - 65); Nylander, 8^0^313 mktlioäica
1.ic1i6nuui (Par. 1858-59); Krempelhuber, Ge-
schichte und Litteratur der Lichenologie (3 Bde.,
Münch. 1867-72); Kummer, Führer in die Flechten-
kunde (2. Aufl., Verl. 1883).
Flechten, eine Arbeit, die meist aus freier Hand,
gewöhnlich mit kurzen, biegsamen, band- oder ruten-
förmigen Materialien, wie gespaltenes Stroh, ge-
spaltene oder ganze Weidenruten, Gräser u. s. w.,
ausgeführt wird. über Strobhut- und Korb-
flechterei f. die Einzelartikel. Auch Haare, Draht,
Gespinste und feine^ Glasfäden sinden Verwendung
zum F. Manche schnüre (Haarschnüre, Peitschen-
schnüre u. s. w.) werden ebenfalls durch F. herge-
stellt, doch bedient man sich hierbei mit Vorteil der
Klöppelmaschine (s. d.).
Flechtengrind, soviel wie Kopfgrind (s. d.).
Flechtengrun oder Thallochlor hat man den
grünen Farbstoff der Flechten genannt, weil man
einige Verschiedenheiten zwischen diesem und dem
Chlorophyll (s. d.) der übrigen Pflanzen beobachtet
zu haben glaubte.
Flechtenrot, s. Orcin.
Flechtensalbe, weiße Quecksilbersalbe (s.d.); es
sind aber auch noch mehrere andere Salben unter
gleichem Namen gebräuchlich. (S. Geheimmittel.)
Flechtensäure, veralteter Name für Fumar-
säure (s. d.). Außerdem faßt man aber auch mit
diesem Sammelnamen die sämtlichen in Flechten
vorkommenden organischen Säuren, wie Erythrin-
säure, Orsellsäure, Vulpinsäure u. a., zusammen.
Flechtenstärke, Moosstärke oder Lichenin,
ein gummiartiger Körper von derselben Zusammen-
setzung wie Stärkemehl. Man erhält sie aus Is-
ländischem Moos (s.d.), wenn man dasselbe mit viel
rauchender Salzsäure maceriert, dann mit Wasser
verdünnt und die filtrierte Lösung mit Alkohol fällt.
Es ist eine durchscheinende, spröde Masse, die in kaltem
Wasser quillt, in kochendem sich vollständig löst.
Flechtmaschine, s. Klöppelmaschine.
Flechtwerk, im Erd bau (s. d.) eins Vorrich-
tung zum Schutze von Erdböschungen an Deichen,
Dämmen, Einschnitten u. s. w., besteht aus reihen-
weise in den Boden geschlagenen Pflöcken, zwischen
denen Neiser geflochten werden. In vielen Fällen
wählt man sür Pflöcke und Reiser auswuchsfähige
Holzarten, welche im Boden Wurzel schlagen und
damit den Bestand der Böschung sichern. Sie ver-
hindern das Abbröckeln des Erdreichs, mildern die
Kraft des herabströmenden Wassers, an Ufern
mäßigen sie die verderbliche Einwirkung des Wellen-
schlags. Vielfach sind F. auch in Betten von Wild-
bächen zur Ausführung gelangt, um das Gerölle
in den obern Teilen derselben zurückzuhalten und
die Wirkung des niederstürzenden Wassers abzu-
schwächen. So hat man in der etwa 25 m tiefen
Niederurner-Nuns durch sechs bis acht Flechtzaun-
anlagen, deren jede höhere man je nach erfolgter
Ausfüllung der untern anlegte, Ausfüllungen von
10 m Höhe zu stände gebracht. - Bei Fluhbauten
dienen F. häusig als schlick fang er; es sind dies
Anlagen, welche die Aufgabe haben, an zu ver-
landenden Stellen das Wasser zu beruhigen und
zum Fallenlassen seiner Sinkstoffe zu nötigen.
In der Architektur versteht man unter F. eine
Form des Ornaments (s. d.), in der verflochtene
Bänder nachgeahmt werden und zwar teils in ge-
raden Linien sich überschneidend, teils in Kurven.
In erster Beziehung haben namentlich die span.
Araber ihre Wandflächen mit großem Geschick in
F. verziert. - über das F. als Dachkonstruk-
tion s. Dachstuhl (Bd. 4, S. 6793.).
Fleck, Eduard, preuß. Generalauditeur, geb.
5. Sept. 1804 zu Pforten in der Niederlausitz, stu-
dierte Rechtswissenschaften, wurde 1826 Auskulta-
tor, dann Gerichtsassessor und Garnisonsauditeur zu
Magdeburg, 1835 Mitglied des Generalauditoriats
zu Berlin, 1857 Generalauditeur der preuß. Armee
und starb 8. April 1879. An der Bearbeitung der
preuh. Militärgesetze war er in hervorragender Weise
beteiligt und 20 Jahre lang Lehrer des Militär-
rcchts an der Kriegsakademie zu Berlin, auch parla-
mentarisch vielfach thätig. Er setzte die von Friccius
begonnene "Preuh. Militärgesetzsammlung" fort
(7 Bde., Verl. 1836-67; Bd. 6 u. 7 sind von F. be-
sorgt) und veröffentlichte: "Die Verordnungen über
die Ehrengerichte im preuß. Heere" (3. Aufl., ebd.
1865), "Erläuterungen zu den Kriegsartikeln für das
preuß. Heer" (2. Aufl., ebd. 1850), "Kommentar über