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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Fleischerblume - Fleischgift

eigenen Namen, sowie nach des Vaters Tode auch den Verlag, für den aber die Firma "Friedr. F." beibehalten wurde. 1872 wurde das Sortiment verkauft, aber 1881 von den Erben wieder zurückgekauft. Diese nahmen 1880 G. O. Nauhardt, einen Zögling des Hauses, als Teilhaber auf, und 1882 trat Wolfgang Friedrich F., ein Sohn von Karl Friedrich F., in die Firma ein. Gepflegt wird besonders das Kommissionsgeschäft mit (1892) 341 Kommittenten. Der Verlag enthält u. a. Ahlfelds "Predigten", Lechlers "Johann von Wiclif", Reins "Privatrecht und Civilproceß der Römer", Martins' Werke über Brasilien, Schrebers "Ärztliche Zimmergymnastik" (24. Aufl., 141. bis 150. Tausend) u. a., H. von Sybels "Geschichte des ersten Kreuzzugs", Waitz' "Anthropologie der Naturvölker".

Fleischerblume, s. Lychnis.

Fleischeuter, ein sehr umfangreiches und trotzdem wenig milchergiebiges Euter bei Kühen. Dasselbe besteht weniger aus eigentlicher Drüsensubstanz als aus Bindegewebe.

Fleischextrakt (Extractum carnis), zur Extraktkonsistenz im Vakuum eingedampfte Fleischbrühe, die durch kalte Extraktion von zerkleinertem Fleisch erhalten und durch Aufkochen von löslichem Eiweiß und Farbstoff befreit ist. Das auf Veranlassung Liebigs (s. d.) seit 1865 von der Liebig's Extract of Meat Company in Fray-Bentos in Uruguay dargestellte Präparat bildet eine braune, zähe, fett- und leimfreie in Wasser lösliche Masse. Die von dem Hamburger Kaufmann Gilbert in Fray-Bentos gegründete Fabrik ist seit 1867 in den Besitz einer engl.-belg. Aktiengesellschaft übergegangen und verarbeitet jährlich das Fleisch von 150 000 bis 200 000 Stück Rindern, von denen ein jedes durchschnittlich 5 kg F. liefert. Aus 34 Pfd. knochen- und fettfreiem Ochsenfleisch erhält man 1 Pfd. dieses Extrakts. Es enthält demnach in 1 Pfd. alle in Wasser löslichen Bestandteile von 34 Pfd. reinem Muskelfleisch oder von 45 Pfd. Fleisch von der Fleischbank. Ein Theelöffel F. entspricht etwa 1 Pfd. Ochsenfleisch. Diese löslichen Bestandteile sind: Kreatin, Kreatinin, Inosit, Carnin; ferner extraktive Stoffe, inosin- und milchsaure Salze, Chlorkalium und phosphorsaure Salze. Außer der genannten Fabrik in Fray-Bentos finden sich Fleischextraktfabriken in Montevideo (Buschenthal & Comp.), in Gualeguaychu und in Santa Elena in Argentinien (Kemmerichs Extrakt) u. s. w. Als Nebenprodukt wird hierbei gewonnen das Fleischmehl (s. d.). Die Hauptmerkmale der Reinheit des F. liegen in der Löslichkeit in 80proz. Alkohol, dem Wassergehalt und der Abwesenheit von Eiweiß, Leim und Fett. Mindestens 60 Proz. des Extrakts sollen sich in Alkohol lösen; der Wassergehalt beträgt gegen l6 Proz., der Stickstoffgehalt gegen 8,5-9,5 Proz., der Aschengehalt 18-22 Proz. Die Asche besteht wesentlich aus phosphorsaurem Kalium und phosphorsaurem Magnesium und Chloralkalimetallen, unter denen das Chlorkalium vorherrscht. Das regelrecht bereitete F. enthält weder Eiweiß, noch Leim, noch Fett, es gehört daher zu den Genußmitteln, aber nicht zu den Nahrungsmitteln; es gilt hier dasselbe, was über den Nahrungswert der Fleischbrühe (s. d.) gesagt ist. Zur Schmackhaftmachung der Lösung des F. ist ein Zusatz von Kochsalz erforderlich. Die Größe dieses Kochsalzzusatzes ergiebt sich bei der Analyse aus der Größe des Chlorgehaltes, welcher ohne Kochsalzzusatz gegen 10 Proz. beträgt. Mit einer Abkochung von Suppenkräutern und Knochenstücken liefert das F. eine vortreffliche Suppe.

Fleischfliege (Sacrophaga carnaria L.), eine 10-14 mm lange, kräftig gebaute, schwarz und grauschillernd gezeichnete Fliege aus der Familie der Gemeinfliegen, dadurch ausgezeichnet, daß sich aus ihren Eiern schon im Mutterleibe Maden entwickeln, von denen Reaumur im Leibe einer einzigen Fliege etwa 20 000 antraf. Die Maden nähren sich von faulenden tierischen Stoffen, Dünger u. s. w., sind aber auch bei Menschen und Tieren in eiternden Geschwüren angetroffen worden.

Fleischfressende Pflanzen, s. Insektenfressende Pflanzen.

Fleischfresser, s. Karnivoren und Raubtiere.

Fleischgenuß. Der F. war bei den Juden, wie auch bei andern Völkern, indem alte Volkssitte religiöse Bedeutung gewonnen hatte, gesetzlich geregelt. Nur von reinen (d. h. ursprünglich opferbaren) Tieren (3 Mos. 11 nach Kategorien beschrieben, 5 Mos. 14, 1-21 einzeln namhaft gemacht) war den Israeliten erlaubt, das Fleisch zu essen. Verboten war auch der Genuß von Blut oder Fleisch, worin noch Blut war, weil man im Blut die Seele, den Sitz des Lebens dachte; ferner der Genuß des Fleisches von gefallenen oder auf dem Felde zerrissenen Tieren, sowie das mit Unreinem in Berührung gekommene Opferfleisch, das Fett der Opfertiere und nach talmudischer Satzung auch der Hüftnerv (Nervus ischiadicus, 1 Mos. 32, 32), wie denn die Rabbiner auch das specielle Verbot, das in der Milch seiner Mutter gekochte Böckchen zu genießen, auf jede Vereinigung von Milch und Fleisch ausdehnten. (S. Unrein.) Um alle Teilnahme an Abgötterei auszuschließen, durfte heidn. Opferfleisch nicht gegessen werden; doch beschränkte der Talmud dieses Verbot durch die Erlaubnis, von solchem Fleische zu essen, ehe das Opfer dargebracht war. Strengere Gesetzesbeobachter aber, die in heidn. Umgebung lebten, enthielten sich des F. lieber gänzlich, um nicht etwa unwissentlich Götzenopferfleisch oder das Fleisch von nicht ordnungsmäßig geschlachteten Tieren zu genießen, und die Ascese machte solche Enthaltsamkeit überhaupt zu einem Mittel, einen höhern Grad von Reinheit und Heiligkeit zu erlangen. Außer den Opfermahlzeiten und Gastmahlen aß der gemeine Israelit, dessen Hauptkost zu allen Zeiten die vegetabilische war, nur wenig gebratenes oder gekochtes Fleisch.

Fleischgeschwulst, s. Sarkom.

Fleischgift und Fleischvergiftung. Das Fleisch der warmblütigen Tiere kann unter gewissen Umständen ebenso wie das der Fische (s. Fischgift) und der Mollusken (s. Muschelvergiftung) gesundheitsschädliche oder selbst giftige Eigenschaften annehmen, und wiederholt sind nach dem Genuß solchen Fleisches ausgebreitete typhus- und choleraartige Massenerkrankungen beobachtet worden. Die Ursachen derartiger Massenepidemien können sehr verschieden sein, und besonders in früherer Zeit hat man eine Menge höchst verschiedenartiger Krankheitsprozesse unter der Bezeichnung Fleischvergiftung zusammengefaßt, die zum Teil gar nicht zur Kategorie der Vergiftungen, sondern zu derjenigen der Infektionskrankheiten, zu den zoo- und phytoparasitären Infektionen gehören. So stellen viele ältere Beobachtungen, in denen nach dem Genuß von rohem Schweinefleisch, Schinken, Wurst u. dgl. schwere Magen- und Darmaffektionen, Ödem und Steifigkeit der Glieder, Mus-^[folgende Seite]