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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Fleischglace; Fleischgräten; Fleischgülle; Fleischhackmaschine; Fleischhandel

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Fleischglace - Fleischhandel

telschmerzen u. s. w. sich einstellten, unzweifelhaft Fälle der bekannten Trichinenkrankheit dar. Unter den Tierkrankheiten, welche dem Fleisch giftige Eigenschaften verleihen können, steht der Milzbrand obenan. Wenn auch oft genug das Fleisch milzbrandiger Tiere ohne jedwede Gesundheitsstörung verzehrt wird, so sind doch andererseits zahlreiche Fälle beobachtet worden, in denen nach dem Genuß solchen Fleisches schwere, rasch tödlich verlaufende Allgemeinerkrankungen auftraten.

Von den sonstigen Tierkrankheiten geben namentlich die Septichämie und Pyämie, insbesondere die putriden Gebärmutterentzündungen der Kühe sowie die eiterigen und jauchigen Nabelprozesse der Kälber die häufigsten Ursachen von Massenerkrankungen nach Fleischgenuß ab. Eine weitere Abteilung der Fleischvergiftung bilden Vergiftungen mit dem Fleisch von Tieren, welche eine gewisse Immunität gegen starke Pflanzengifte besitzen, so daß sie zwar ungestraft Mengen der betreffenden Giftpflanzen genießen können, unter Umständen aber durch Aufspeicherung der Giftstoffe in ihren Muskeln giftige Eigenschaften annehmen. So besitzen Hasen und Kaninchen eine auffallende Immunität gegen das Gift der Tollkirschen und haben dadurch in Gegenden, wo Tollkirschen in den Waldungen häufig vorkommen, wiederholt zu Atropinvergiftungen geführt; ebenso hat in Australien das Fleisch von Hammeln, die von einer drastischen Cucurbitacee gefressen hatten, öfters schwere Vergiftungen veranlaßt.

Im Gegensatz zu den eben angeführten Fällen, in denen das Fleisch infolge eines pathol. Krankheitsproduktes oder infolge eines von außen eingedrungenen Giftstoffes giftige Eigenschaften annimmt, bezeichnet man als Fleischvergiftung im engern Sinne jene Massenerkrankungen, bei denen das genossene Fleisch zwar von gesunden Tieren abstammt, aber infolge einer eigentümlichen, wahrscheinlich unter dem Einfluß von Bakterien erfolgenden Zersetzung ein dem Käse- und Wurstgift analoges Gift entwickelt hatte. Am leichtesten kommt es zu einer derartigen Zersetzung des Fleisches, wenn das letztere bei warmer Witterung schichtenweise aufeinander gepackt oder in feuchten und schlecht ventilierten Räumen aufbewahrt wird. Am bekanntesten sind in dieser Beziehung die beiden großen Epidemien von Andelfingen (1839) und Kloten in der Schweiz (1878), wobei jedesmal gelegentlich eines Sängerfestes gegen 500 Personen nach dem Genuß von mangelhaft aufbewahrtem Kalbfleisch schwer erkrankten. Man pflegt die einschlägigen Erkrankungen, da sie große Ähnlichkeit mit dem Abdominaltyphus darbieten, meist auch als Fleischtyphus oder typhöse Form der Fleischvergiftung zu bezeichnen. Nach der Ansicht mancher Forscher ist übrigens die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß in den betreffenden Aufbewahrungsräumen durch Zufall eine Infektion des Fleisches mit Typhusgift stattfand und daß nun das letztere bei dem vorzüglichen Nährboden, welchen zersetztes Fleisch für Mikroorganismen aller Art abgiebt, eine sehr schnelle Entwicklung und Vermehrung erfuhr.

Die Symptome der Fleischvergiftung gestalten sich je nach der vorliegenden Ursache derselben verschieden; sie treten entweder unmittelbar oder erst einige Tage nach dem Genuß des betreffenden Fleisches ein. Bei der mykotischen Form der Fleischvergiftung sind die gewöhnlichen Symptome Übelkeit, Würgen, Erbrechen von Speisen, sauern Massen und Galle, heftige Leibschmerzen und starker, manchmal unstillbarer Durchfall, Fieber, brennender Durst, Kopfweh, Schwindel, Schlaflosigkeit und große Schwäche; mitunter werden auch Gliederreißen, Schlingbeschwerden, Kratzen im Halse und Stimmlosigkeit sowie Hautödem mit Furunkelbildung beobachtet. In den leichtern Fällen verschwinden die genannten Symptome nach einigen Tagen, doch bleibt gewöhnlich noch längere Zeit das Gefühl von Schwäche und Hinfälligkeit. In den schwerern Fällen gesellen sich Betäubung, Erweiterung der Pupille, Lichtscheu und Sehschwache, Delirien, Zuckungen, Kiefer-, Schlund- und Wadenkrämpfe hinzu, und unter Zunahme dieser Beschwerden erfolgt nicht selten der Tod. Bei der typhösen Form der Fleischvergiftung besteht eine so bedeutende Ähnlichkeit der Krankheitserscheinungen mit denen des Abdominaltyphus, daß diese beiden Krankheiten von einzelnen Forschern, wenn auch irrtümlich, geradezu miteinander identifiziert worden sind.

Hinsichtlich der Behandlung der Fleischvergiftung ist in frischen Fällen für möglichst frühzeitige Entfernung des Magen- und Darminhalts durch Brech- und Abführmittel sowie durch Ausspülung des Magens zu sorgen; daneben sind Wein, excitierende und antiseptische Mittel nicht zu entbehren. Daß die Fleischvergiftungen nur durch eine sorgfältige obligatorische Fleischbeschau verhütet werden können, braucht nicht erst besonders betont zu werden. - Vgl. Siedamgrotzky, Über Fleischvergiftungen (in den "Vorträgen für Tierärzte", Jena 1880); Schmidt-Mülheim, Handbuch der Fleischkunde (Lpz. 1884).

Fleischglace, s. Glace.

Fleischgräten, s. Fische (S. 827 b).

Fleischgülle, s. Fleischkonservierung.

Fleischhackmaschine, s. Fleischzerkleinerungsmaschinen.

Fleischhandel. Die hohe Entwicklung der Industrie hat in vielen Ländern und Gegenden der Landwirtschaft so viel Boden und Arbeitskräfte entzogen, daß sie nicht mehr im stande ist, allein die Bedürfnisse an Fleisch zu befriedigen. Diese Länder und Gegenden sind ebenso wie alle Großstädte auf viehreiche Nachbargegenden und Länder angewiesen. So wird z. B. England zum größten Teile mit auswärtigem, amerik. und austral. Fleische versorgt; Frankreich, welches sich durch seinen starken Hammelkonsum auszeichnet, bezieht jährlich eine Menge von Hammeln aus Deutschland, Australien und neuerdings aus Rußland. Auch Deutschland ist nicht im stande, den jährlichen Bedarf an Fleisch selbst zu decken. Viehreiche Länder sind Rußland, Österreich-Ungarn, Serbien, Italien, die Schweiz, Schweden und Norwegen, Dänemark, Amerika und Australien. In Deutschland zeichnen sich durch größern Viehreichtum aus Ost- und Westpreußen, Schleswig-Holstein, Ostfriesland, Mecklenburg, Bayern, Baden und Württemberg; arm an Vieh dagegen sind die Industriebezirke in Schlesien, Sachsen und Rheinland.

Der Fleischreichtum einzelner Distrikte und Länder kann auf doppelte Weise nach weiten Entfernungen hin nutzbar gemacht werden: 1) durch den Versand lebenden Viehs; 2) durch Verschickung des an Ort und Stelle ausgeschlachteten Fleisches.