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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Flickel - Fliegen (Insekten)
franz. Expedition bei der Eroberung Cartagenas
de las Indias leisteten, das sie plünderten. Von
da an erlitten sie fortwährend Niederlagen, weil
alle Seemächte es in ihrem Interesse fanden, ihrem
Treiben ein Ende zu machen. Schon in den ersten
Jahren des 18. Jahrh, konnte man die Verbindung
der F. als erloschen betrachten. - Vgl. Erquemelin,
1)6 ^in6i'ick6U8cuo ^66 I500V61'8 (Amsterd. 1678;
ins Französische und Englische übersetzt); Vurney,
IliLtoi-^ ol t1i6 Vueeaneei'g ol ^inericH (Lond.
1816); Archenholz, Histor. Schriften, Vd. 2 (Tüb.
1803); I.L8 t1idu3ti6i'8 au XVII" 8iöei6 (Limogcs
1884). - F. nannte man im 19. Jahrh, auch die
Abenteurer, die von den Vereinigten Staaten aus
Expeditionen ausrüsteten, um in den benachbarten
span.-amcrik. Staaten Revolutionen hervorzurufen.
Die bekanntesten dieser F. sind Miranda, Lopez
(s. Cuba, Vd. 4, S. 619 li) und Walker.
Flicket, Paul, Landschaftsmaler, geb. 8. April
1852 in Berlin, bildete sich auf der Kunstschule in
Weimar, war 1874-76 in Düsseldorf mit eigenen
Arbeiten beschäftigt, unternahm Studienreisen durch
Deutschland, Österreich, Italien und siedelte dann
nach Berlin über. Die Motive zu seinen Bildern
wählte er zunächst aus den Gegenden Italiens; so
malte er: Torbole bei Riva am Gardasee, Villa
d'Este in Tivoli, Ansicht von Neapel von Capo-
di-Monte, Landschaft bei Vordighera, Partie bei
Albano mit Blick auf Castclgandolfo und den Al-
banersee (1884). In neuerer Zeit brachte er auch
mit Vorliebe den deutschen Buchenwald bei heller
Sonnenbcleuchtung zur Darstellung, von welchen
Bildern eins: Buchenwald bei Prerow (1886) auf
der Berliner Kunstausstellung die große goldene
Medaille erzielte (in der Nationalgaleric zu Berlin).
Von seinen übrigen Gemälden sind zu nennen:
Waldlandschaft vom Vilm bei Rügen (1886), Das
Ilfethal im Harz (1888), Landschaft bei Neubran-
denburg (1891), Waldeinsamkeit (1892), Buchen-
wald (Internationale Kunstausstellung zu München
1892). 1894 erhielt F. den Titel Professor.
Flieder, in der Volkssprache sowohl Bezeichnung
sür die Sambucus- als Eyringa-Arten (s. 8ani-
ducii3 und 3^rinM).
Fliedermark, s. 33.mdu"u8.
Fliedner, Fritz, evang. Theolog, Sohn des
folgenden, geb. 10. Juni 1845 zu Kaiserswerth, stu-
dierte in Halle und Tübingen und wurde 1870 Ge-
sandtschaftsprediger in Madrid. Dort ist er zugleich
sür die Evangelisation Spaniens durch Gründnng
evang. Gemeinden und Anstalten (drei Waisenhäuser,
ein Hospital, zwei Buchhandlungen in Madrid und
Barcelona, Gymnasium), durch Vorbildung von
span. Lehrern und Geistlichen sowie durch Verbrei-
tung Pädagog, und evang. Schriften eifrig thätig.
F. giebt die "I^6vi3t^ ^i-iktikua", den "^ini^o do
1a. Inkancia" und die "Blätter aus Spanien", die
über das Evangelisationswerk berichten, heraus.
Auch veröffentlichte er "Blätter und Blüten, Ge-
dichte" (Heidelb. 1886), "Röm. Mifsionspraris auf
den Karolinen" (3. Aufl., Lpz. 1890) und "Die Evan-
gclifation in den röm. Landen" (Gütersloh 1892).
Fliedner, Theodor, der Erneuerer des Diako-
nissenwerkes in der evang. Kirche, geb.21. Jan. 1800
zu Eppstein in Nassau, studierte in Gießen und Göt-
tingen Theologie, ward 1822 Pfarrer in Kaisers-
wcrth am Rhem. 1826 begründete er zunächst den
Rheinisch-Westfälischen Gefängnisverein zu Düssel-
dorf, dann im Sept. 1833 in einem Gartenhause
seines Pfarrgartens ein Asyl und Magdalenenstift
sür entlassene weibliche Gefangene, 1835 eine Klein-
kinderschule in Düsseldorf, eine der ersten in Deutsch-
land, 1836 in Verbindung mit einer solchen in Kai-
serswerth (s. d.) die erste Viloungsanstalt für Klein-
kinderlehrerinnen, die später zu einem Seminar für
Lehrerinnen an Elementar- und höhern Mädchen-
schulen erweitert worden ist. Nachdem er dann
30. Mai 1836 den Rheinisch-Westsälischen Diako-
nisfenvcrein begründet hatte, erösMle nirnOktober
die erste evang. Diakonisscnanstalt zu Kaiserswerth,
nach deren Muster mehr als 60 selbständige Diako-
nissenmutterhäuser entstanden. (S. Diakonissenan-
stalten und Diakonissinnen.) Auch auherhalbDeutsch-
lands wurden Anstalten nach Kaiserswerthcr Vor-
bild errichtet, von dort durch F. geleitet und unter-
stützt. Nachdem er 1849 sein städtisches Pfarramt
niedergelegt hatte, begründete er auf einer Reise
nach Nordamerika ein Diakonissenhaus in Pitts-
burg und, 1851 und 1856-57 den Orient besuchend,
die Hospitäler in Jerusalem, Konstantinopcl und
Alerandria sowie die Waisen-und Erziehungshäuscr
in Smyrna, Jerusalem und Beirut. F. starb 4. Okt.
1864 in Kaiserswerth.
Bis dahin waren bereits mehr als 100 Statio-
nen in Armen-, Kranken-, Waisen-, Erziehungs- und
Gefangenenhäusern und Gemeinden von 430 Schwe-
stern besetzt; außerdem wirkten noch zahlreiche zu
Kaiserswerth gebildete Lehrerinnen in allen Län-
dern Europas; besonders erwähnenswert sind die
großen Pensionate und höhern Töchterschulen in
Hilden, Bukarest, Florenz, bei Düsseldorf, Beirut
und Smyrna, die Mägdeherbergen und Mägdc-
bildungsschulen zu Berlin, Düsseldorf u. s. w. Die
Zahl der Stationen, darunter Kairo, Bukarest, Pest
und Rom, ist 1893 bereits auf 233 mit insgesamt
867 Schwestern und einer jährlichen Ausgabe von
über 700000 M. gestiegen. Unter F.s Schriften
sind das "Buch der Märtyrer" (4 Bde., Kaifersw.
1853 - 60) und der von ihm begründete "Christi.
Volkskalender" hervorzuheben. Seine Witwe, Ka-
roline, geborene Vertheau, Schülerin der Amalie
Sievcking in Hamburg, feit 1843 feine Gehilfin
auch in seiner amtlichen Thätigkeit, zog sich im
Frühjahr 1883 von der Leitung des Werkes zurück
und starb 15. April 1892. Sein Schwiegersohn,
Pastor Disselhoff, sein ältester Sohn Georg,
seine zweite Tochter M inna sowie sein sünfter Sohn
Heinrich stehen den jährlich über 70000 Kranke,
Elende und Hilfsbedürftige verforgenden Anstalten
vor. - Vgl. G. Fliedner, Th. F., Abriß seines
Lebens und Wirkens (3. Aufl., Kaisersw. 1892).
Fliege, ein Sternbild des südl. Himmels.
Fliegen, im allgemeinen eine Unterordnung der
Zweiflügler, auch Kurzhörner (Lr^lixoei-k) ge-
nannt, im besondern abcr auch die zu dieser Unter-
ordnung gehörige Familie der Gemeinfliegen (s. d.).
Die Unterordnung der F. hat nur dreigliedrige, am
letzten Gliede mit einem Endgrisfcl oder einer Borste
versehene Fühler, die fast immer kürzer als der Kopf
sind, ungegliederte Unterlippe und fest miteinander
verschmolzene Vrustringe. Der Körper ist meist ge-
drungen gebaut. Die Schwingkölbchen sind meist
durch einen schuppenartigcn Anhang der Flügel, die
nur selten fehlen, bedeckt. Die wichtigsten Familien
der F. sind: Waffenfliegen (s. d., mit der ge-
meinen Wassensliege, ätratioin^s ckam^klkon ^.,
s. umstehende Abbildung, Fig. 13), Bremsen (s. d.,
mit der Rinderbremse, 1adlinu5 dovwuä Iv., Fig. 8),