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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Forstinsekten
seit 1889 in ernste Gefahr drohender Weise auf-
getreten und giebt selbst dort zu den größten Be-
sorgnissen Veranlassung, wo alle Mittel dagegen
ergriffen werden, wenn nicht die Natur durch Pilz-
kranthciten und Schmarotzerinsckten den Kampf
gegen diesen mächtigen Feind unterstützt. War doch
auch der oben erwähnte ostpreuß. Fräs; nur Teil
eines Massenfraßes, welcker sich seit 1845 vom
Ural beginnend immer weiter und weiter verbrei-
tete und erst 1867 erlosch. Eine große Gefahr auch
für die sorgfältigst geschützten Waldgebiete liegt in
dem wunderbaren Wandertrieb der Nonne; wieder-
holt hat man gesehen, daß die Schmetterlinge in
wolkenartigen Massen weit fortziehen. So wnrdcn
Anfang Aug. 1891 selbst in München Schwärme
beobachtet, welche, Straßen und Däuser bedeckend,
an dichtes Schneegestöber erinnerten.
Der große Kiefernspinner, (^U-o^acliii riini ^.
<s. Taf. II, Fig. 2), ist lediglich Bewohner des Kie-
fernwaldes. Die im Boden, auch unter den Schnppen
der stärkern Rinde überwinternden Raupen besteigen
im zeitigen Frühjahr, wenn die Bodentemperatur
etwa 6-7" (^ erreicht, die Kiefern und fressen die
Nadeln bis in die Blattscheiden ab. Wiederholter
Fraß tötet oft ganze ausgedehnte Bestände. Vor-
zugsweise die Kiefernwälder der mittel- und nord-
dentschen Ebene sind dem Fraß der Raupe des
Spinners ansgesetzt, der nach längcrn oder kürzern
Pausen mit größerer oder geringerer Stärke in den-
selben Waldgebieten immer wiederkelnt. Die Be-
tämpsungomittel sind stets so kostspielig, daß oft
schon die Frage erörtert wnrde, ob es nicht wirt-
schaftlich richtiger fei, gar nichts gegen den Fraß
zu thun, d. h. die Bestände totfressen zu lassen.
Die Kiefer leidet serner oft bedeutend durch den
Fraß der Kiefernenle, ^raclwa i>wii)6i'äa 2^l,?^.
(s. Taf. II, Fig. 3), des Kiefernspanners, I^icloniii
Miiln-ia />., ferner dnrch viele Arten der Klein-
schmetterlinge, so durch die die jungen Stämmchen
krümmende Ilotini^ dnolmuii ,3.1"., durch die Harz-
beulen bildende UotiniI. r^ineli", ^. und durch
viele andere Schmetterlingsraupen. Weniger bäufig
geschädigt werden durch solche die übrigen Nadel-
Hölzer, z. B. die Fichte, außer durch die hockst gc^
fährliche Nonne, durch die unter der Ninde fressende
Naupe der ^raMoliUia Mow^na. ^/?., durch die
Nadeln aushöhlende (^ra^Iiolitliii tLäßlla 67., die
Tannen durch ^'ortrix uiuiinan^///,^., die Lärchen
durch die die Nadeln im zeitigsten Frühjahr massen-
haft aushöhlende (^olooplioi'a I^i i^eiia Abn. u. s. w.
Die Laubhölzer sind gegen Raupenfraß viel
weniger empfindlich als die Nadelhölzer. Vom
Notschwanz, I)^8^cliir9. imdNmudH I>., ganz kahl
gefressene Buchenbestände erholen sich im nächsten
Aahre vollständig, ebenso von dem Prozessions-
spinner, ^N6tliocg.ini)3, pi'oc688i0U6k ^. ss. Taf. II,
Fig. 5), kahl gefressene Eichen. Letzterer wird übrigens
durch die Giftigkeit seiner Haare, die Entzündungen
der Haut und Schleimhaut erzeugen, gemeingefähr-
lich. Stark befallene Bestände müssen von Menschen
und Vieh thunlichst vermieden werden, da in den-
selben die Luft ganz mit den gefährlichen Haaren er-
füllt ist. Vernichtend wirkt kein Raupenfraß im Land-
Holz, sondern nur schädigend durch Zuwachsverlust
und durch Zerstörung der Blüten. Immerhin können
aber selbst Kleinschmctterlinge, wie ^oi-u-ix vii-i-
liaua ^v. auf Eichen und noch viele andere, den ver-
schiedensten Laubhölzern empfindlich schaden. Auch
solche Arten, die als' Veschädiger der Obstbäumc
bekannt sind, werden nicht selten im Walde schäd-
lich, so die durch fast flügellose Weibchen ausge-
zeichneten Frostspanner, der kleine Frostspanner,
(Fßomstrg, slHoimawdiH) drnmNta. ^>. und der große
Frostspanner, (^eometi-H MiI"6rniH) (iLlo^ai-ia ^>.
ts. Taf. H, Fig. 6), ferner der die sog. Naupennester
bildende Goldafter, I.iMi'iZ cln^äori-liußH ^., der
Ningelspinner, OaLtroMc^N ii0U8trig. _k. (s. Taf. II,
Fig.4) u. a. m. Nur beiläufig sei der das Holz durch-
wühlenden Raup end es Wcidenbohrers,(^o88u8ligni>
pkräa ^Vlki'., und der Glasschwärmer, namentlich
der 368iH apifoimi8 0?., gedacht, die viele Laubhölzer
beschädigen, so daß sie erkranken und absterben oder
wenigstens technisch nicht mehr verwendbar sind.
In der Ordnung der Hautflügler (IIvmo
noMi'H) sind nur wenige Arten als schädlich zu
bezeichnen, verheerend ist keine. Unter den schäd-
lichen verdienen einige Blattwespen, darunter be-
sonders die Kiefernblattwespe, I^pli^rus piui I...,
hier Erwähnung (s. Taf. I, Fig. 7). Weniger das
Leben der Bänme als die Verwendbarkeit ihres
Holzes zu technischen Zwecken beeinträchtigen einige
Holzwespen, so 8ii-sx ßiM8 /^. in Fichten, 3ii-6x
^nv6ucu3 2v. (s. Taf. I, Fig. 2) in Kiefern und Fichten
u. a. m., deren Larven das Holz durchwühlen.
Von den Zweiflüglern (Oii^ei-H) sind nur
wenige Arten forstlich schädlich und das meist nur
unbedeutend. Einige Gallmücken ((^ciäom^i^a0)
fallen durch die von ihnen erzeugten Gallen auf,
z. B. (>'6ciä0mvi^ fa^i //)'^., die pyramidenförmige
Gallen auf den Blättern der Rotbuche oft in großer
Menge erzeugt, ohne indessen wesentlich zu schaden.
Die Larve einer andern, (^eiäom^i^ In'^cliviitOra
5c/il5ä/?., lebt während des Sommers zwisä/en den
Nadelpaaren der Kiefer in der Scheide; in den acht-
ziger Jahren wurde durch ihr massenhaftes Auftre-
ten z. B. dao Knieholz des Niesengebirges geschädigt,
da die befallenen Nadeln abstarben. Am schädlich-
sten wird wohl die in Weiden lebende (^ocillom^iI.
8klici8 Fc/ii'/i., deren Larve in knotigen Gallen der
Weidenruten lebt; Anfang der siebziger Jahre zer-
störte sie in der Provinz Brandenburg die Weiden-
ernte von mehrern Hektaren. Auch die Larven der
eigentlichen Mücken sliMlln-i^") haben, im Boden
lebend, mitunter junge Holzpflanzen in ausgedehn-
ter Weise zerstört.
Von den Halbflüglern (Heiniptsrlr) verdienen
bicr nur Erwähnung die verschiedenen Blatt- und
^childläuse, z. B. die oft eine große Menge zapfen-
äbnlichcr Gallen (s. Tafel: Nadelhölzer: Wald-
bäume VIl, Fig. 1,n) an Fichtenzweigen erzengen-
den (?1iei-in68 kdioti8 ^. u. s. w. Keine dieser Läuse
wird aber den forstlichen Kulturpflanzen so schad'
lich wie den Pflanzen der Gärtner oder wie die
ebenfalls hierher gehörige Reblaus dem Weinstock.
Die Netzflügler sXeuroptkra) enthalten gar
keine forstschädlichen Arten, Geradflügler (0r>
tk^t^'lr) nur wenige. Die in der Erde lebende
Maulwurfsgrille oder Werre, l-rMntlliM vul^i'ig
^ati-. lf. Taf. I, Fig. 3), steht in dem Rufe großer
Schädlichkeit vielleicht nicht ganz mit Recht, denn
sie verzehrt Engerlinge und andere in der Erde vor-
kommende schädliche Larven, selten wohl auch Wur-
zeln, schadet aber sicher etwas durch das Durch-
wühlen des Bodens und Zerreißen der Wurzeln.
Die Vorbeugungsmittel gegen alle die ge-
nannten und sonstigen Waldfeinde aus der Insekten-
welt bestcben in der Schonung und Pflege nützlicher,
insektenfressender Vögel und Säugetiere, in Erzie-